Tag der offenen Tür 2018

Seit Wochen will ich endlich wieder einmal kritisch hinschauen und nachdenken über wahnwitzige Zustände im Schulbetrieb – die Sache mit den nicht vorhandenen Stunden für die Klassenvorstandstätigkeit zum Beispiel – aber ich komm‘ einfach nicht dazu. Das Problem ist, dass kritisches Hinschauen und Nachdenken viel mehr Zeit erfordert, als mir derzeit für so Spielereien wie das Schreiben von Blogeinträgen zur Verfügung steht. Die Zeiten sind dicht, wirklich dicht, vielleicht zu dicht. LehrerInnen, Eltern, SchülerInnen, alle klagen darüber – ein Gegenmittel scheint uns indes nicht einzufallen. Vieles, echt vieles, zu vieles vielleicht muss offenbar sein.

Während ich also eigentlich über die nicht vorhandene Zeit im Allgemeinen und die fehlende Zeit für meine Klasse im Besonderen schreiben will, schreibe ich über den gestrigen Tag der offenen Tür bei uns am WRG. Ein riesiger Event, bei dem die ganze Schule auf den Beinen war, damit auch in Zukunft möglichst viele SchülerInnen zu uns kommen mögen. Das Werben um Schüler, die zunehmende Konkurrenz zwischen den Schulen und die damit zusammenhängenden gesamtgesellschaftlichen Probleme im Hintergrund könnte man natürlich ebenfalls einmal kritisch hinterfragen, aber … ich wiederhole mich.

Stattdessen beschränke ich mich auf die schöne Seite des gestrigen Tags der offenen Tür: Viel war los, gewuselt hat’s den ganzen Vormittag lang. Zum Auftakt um acht hat gleich der Schulchor die Gäste begrüßt. Ein wie immer wunderbarer Moment, wenn die Kinder aus Leibeskräften singen und der Musiklehrer sich voll ins Zeug legt. An normales Unterrichten war natürlich nicht zu denken, aber das ist ja auch nicht der Sinn an so einem Tag. Die Schule will sich bestmöglich präsentieren, und das Schönste daran, finde ich, ist, dass unsere SchülerInnen sich so mit ihrer Schule identifizieren und ganz offensichtlich mit Engagement, Spaß und Freude dabei sind. Eine fünfte Klasse hat ein wunderbares Büffet betrieben, viele Siebt- und AchtklässlerInnen führten die Besucher charmant und schon ziemlich professionell in Kleingruppen durchs Haus, andere betreuten die Stationen im Turnsaal. Von geschäftstüchtigen Viertklässlern, die alles Mögliche, was sie im Werkunterricht gefertigt hatten, feilboten, habe ich ein knallrotes, wasserundurchlässiges Wandersitzkissen (!) erworben, die Schülerinnen aus meinem Wahlpflichtfach Deutsch haben mich, als ich ihnen auf dem Gang begegnet bin, gefragt, ob wir nicht beim nächsten Tag der offenen Tür eine kleine Lesung mit selbst verfassten Texten machen könnten (können wir!), und vieles von dem, was sich sonst noch in der Schule abgespielt hat (im Chemie- und Biologiesaal oder in der Bibliothek etwa), habe ich gar nichts mitgekriegt. Die Stimmung insgesamt war jedenfalls grandios.

Um zwölf Uhr war der Tag der offenen Tür 2018 dann wieder Geschichte und um 14 Uhr, als ich noch einmal in die Schule zurückgekehrt bin, um für die Lehrereinlage beim nahenden Schulball zu proben (apropos dicht!), war fast das ganze Haus schon wieder aufgeräumt und blitzblank. Eine engagierte und extrem liebenswürdige Kollegin und ein ebensolcher Kollege organisieren das ganze Spektakel; im Vordergrund, im Hintergrund, davor, währenddessen und danach aber sind alle, von den SchülerInnen über die LehrerInnen, vom Direktor über den Elternverein bis zu den Hausmeistern und den Reinigungsdamen dabei und tragen zum Gelingen des Tages und zu dieser besonderen Stimmung bei. Ganz ehrlich, ich bin voll stolz auf unsere Schule.

Nächstes Mal schreibe ich wieder was Kritisches. Versprochen – und falls mir trotz oder vielmehr wegen der fehlenden Zeit nicht etwas anderes dazwischenkommt. 😉

(nemo)

 

Zwei Tage Linz

Eigentlich wollte ich mit mit meinen Achtklässlern auf die Alm. Am Beginn des neuen und für die SchülerInnen letzten Schuljahres hoch hinaus und gestärkt wieder zurück – das war die Idee. Dann aber wurde die Wettervorhersage für die vergangenen zwei Tage zu schlecht. Im Eilverfahren habe ich am Freitag versucht, ein Alternativprogramm für Linz zu erstellen – wissend, dass die Dinge in der IMG_2658oberösterreichischen Landeshauptstadt oft leichter gehen als anderswo. Und tatsächlich, Linz hat uns auch diesmal nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil: Nach ein paar Stunden Internet- und Telefonarbeit war alles reserviert. Zugfahrt, Jugendherberge, Theater- und Ausstellungsbesuch. Ich war selbst beeindruckt, zumal sich die Kosten für die SchülerInnen auf nicht einmal 60 Euro pro Person belaufen sollten.

Highlight am gestrigen Tag war die Improtheatervorstellung im Theater Phönix. Die SchauspielerInnen reagierten auf Zuruf, vor uns entstanden die lustigsten und skurrilsten Szenen, es wurde gesungen und gespielt auf Teufel komm raus. Wirklich ein gelungener Abend. Highlight am heutigen Tag war der Besuch des IMG_2669„Höhenrausches“. Verschiedene Kunstinstallationen zum Thema „Das andere Ufer“ und ein Rundgang über den Dächern von Linz. Auf diese Weise wird den Schülern die Begegnung mit moderner Kunst wirklich schmackhaft gemacht. Meine Klasse war davon (fast) so begeistert wie ich.

Ach ja, alle 26 SchülerInnen waren in Linz dabei, alle waren zufrieden. Eine echte Freude, wie’s läuft, wenn man nach mittlerweile über drei Jahren und etlichen gemeinsamen Reisen schon so richtig zusammengespielt ist. Klassenvorstandsglück halt! 🙂

(nemo)

Zweite Schulwoche, zweiter Tag. Ein Schnelldurchlauf

In der Früh gleich die Französisch-Anfänger. Meine neue Französisch-Gruppe ist klein, aber fein. Die große Mehrheit will Spanisch lernen, wir sind eine Minderheit. Heute haben wir das französische Alphabet gelernt. Und ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr ganz viel mit Musik zu arbeiten.

Danach zwei Stunden ohne Unterricht. Ich organisiere einen zweitägigen Wandertag für die achte Klasse. Telefonat mit der Alm, Termin vereinbart, Rahmenbedingungen in Erfahrung gebracht. Gleich damit zum Chef. Der Direktor muss den Ausflug genehmigen. Grundsätzlich keine Hexerei, möchte man meinen. Doch: Die Anzahl der Schulveranstaltungen pro Klasse ist streng geregelt. Sowohl die Kosten als auch die Zeit spielen dabei eine Rolle. Im vorliegenden Fall sind die Kosten nicht das Problem, die entfallende Unterrichtszeit schon. In meiner Brust schlagen drei Herzen gleichzeitig: Als Klassenvorständin weiß ich, wie wertvoll gemeinsame Unternehmungen für die Klassengemeinschaft und die Stimmung in der Klasse sind und wie förderlich das wiederum für ein gutes Lernklima und die Beziehung zu den und zwischen den Schülern ist. Als Französisch-Lehrerin weiß ich, wie lähmend es ist, wenn in den Sprachgruppen, die sich ja immer aus mehreren Klassen zusammensetzen, andauernd ein paar weg sind. Und als Lehrerin einer Maturaklasse stresst es mich, wenn schon wieder kostbarer Fachunterricht ausfällt: Hilfe, wie sollen die in ein paar Monaten maturieren?? Insgesamt ein leidiges und ziemlich komplexes Thema.

In der verbleibenden „freien“ Stunde bereite ich mit einer Kollegin alles für den VWA Kick-off-Tag vor. Der Termin in der nächsten Woche ist fixiert, die Bibliotheksführungen für den Nachmittag haben wir bereits vereinbart. Damit aber alles funktioniert, gilt es noch vieles zu bedenken und zu organisieren: Wir brauchen LehrerInnen aus allen Fächern, also müssen die KollegInnen informiert und Listen zum Eintragen aufgelegt werden. Außerdem brauchen wir Räume, wir müssen die SiebtklässlerInnen informieren, wir müssen die entsprechenden Formulare aktualisieren und ausdrucken, wir dürfen nicht vergessen, dem Hausmeister Bescheid zu geben, wir benötigen einen Laptop und müssen überprüfen, ob der Beamer funktioniert.

Unsere Planungsarbeit findet in der Teeküche statt. In dem Raum stehen zwei Computer (juhui, einer davon ist frei!), dort findet sich eine Sitzgruppe, da steht auch der Kopierer – und ja, da wird gerade unsere neue Kaffeemaschine geliefert. Ziemlich viel Ablenkung, aber immerhin, sowohl der Computer als auch das Internet funktionieren …

Haarscharf geht sich alles aus, bevor ich wieder in den Unterricht eile. Die SchülerInnen der achten Klasse sind mit der Ballorganisation beschäftigt, ich will ihnen die Neuigkeiten bezüglich Wandertag mitteilen, außerdem muss ich noch abklären, wer von ihnen jetzt eigentlich bei der Reise nach Genf zum CERN dabei ist. Erst heute habe ich überhaupt erfahren, dass eine solche Reise von Physik aus geplant ist. Und in Deutsch muss ich auch weiterkommen. Für die Besprechung der Klassenangelegenheiten ist keine Stunde vorgesehen. Alles geht auf Kosten meines Deutschunterrichts. Und die Textsorte Rede müssen wir dringend und unbedingt üben. Vom Weiterkommen in der Literaturgeschichte ganz zu schweigen.

So, jetzt aber etwas essen, der Magen knurrt bereits. Auf dem Weg zum Buffet treffe ich eine Kollegin, die noch schnell die Sache mit den Kästchen im Konferenzzimmer besprechen will. Wir haben insgesamt viel zu wenig Platz für unsere Materialien, um die verschließbaren Kästchen herrscht ein echtes G’riss. Ok, die alten Bücher müssen weg, aber wohin bloß mit all den Sachen?

Nach der Mittagspause wartet bereits eine Schülerin auf mich. Sie schreibt an ihrer VWA, ich bin ihre Betreuungslehrerin. Wir setzen uns in die Bibliothek und feilen an ihrem Konzept. Ich gebe ihr noch ein paar Literaturtipps und ermuntere sie, jetzt aber wirklich ins Schreiben zu kommen.

Eigentlich ist schon ganz schön viel passiert an diesem Tag. Mein Highlight aber steht noch aus: Wahlpflichtfach Deutsch. Zehn SchülerInnen haben sich angemeldet, heute findet es zum ersten Mal statt. Den ganzen Sommer lang habe ich mich auf diesen Kurs gefreut, beim Radfahren so viele Ideen gesammelt, wie ich das Fach anlegen werde. Ich will mit den SchülerInnen Texte lesen, Filme anschauen, Bilder betrachten. Sie sollen selbst kreativ werden, eigene Texte verfassen. Ich will mit ihnen gemeinsam herausfinden, was sie bewegt, und sie dazu anregen, ihre Erfahrungen in Sprache zu übersetzen. In der ersten Stunde will ich mit Bildern arbeiten: Jeder darf sich eine der schönen Karten aussuchen, die ich auf dem Boden auslege, und einen Text dazu schreiben. Ohne Vorgabe, ohne Einschränkung.

Nach einer individuellen Schreibphase kehren die SchülerInnen in den Klassenraum zurück. Ich bitte sie nun, zu zweit spazieren zu gehen und gemeinsam über ihre Bilder und ihre Texte zu sprechen, sich die Texte gegenseitig vorzulesen, und dabei immer in Bewegung zu bleiben. Als alle wieder zurück sind, frage ich, wer seinen Text vorlesen möchte. Wir wollen die Texte nicht beurteilen, sie uns nur anhören. Wenn jemand nicht vorlesen möchte, ist es auch in Ordnung. Aber siehe da: Jeder liest seinen Text vor, am Ende lese auch ich meinen vor. Ich bin beeindruckt, was in diesen insgesamt zwei Stunden passiert ist, was für interessante, fesselnde, witzige, nachdenklich stimmende, kreative Texte entstanden sind – und ich spüre, ich bin nicht die Einzige, die sich am Ende dieses Nachmittags bereits auf nächste Woche freut.

Der Schultag war lang und anstrengend. Ich bin müde und glücklich gleichzeitig. Für morgen ist noch nichts vorbereitet, nur gut, dass es noch nichts zu korrigieren gibt. Als ich am Abend im Bett noch schnell die Lesehausübung, die ich den Drittklässlern gegeben habe, machen will, fallen mir nach ein paar Seiten die Augen zu. Ja, ja, die Schule hat mich wieder voll im Griff.

(nemo)

 

 

 

 

Reisen bildet – so oder so. Eine Nachlese zur Kulturreise nach Brüssel und Amsterdam

Nachdem wir am Sonntag den lauen Abend in der Brüsseler Innenstadt rund um die Grand Place verbracht hatten, ging es am Montagmorgen mit unseren Terminen bei den EU-Institutionen los. Bis Mittwoch Nachmittag besuchten wir folgende Stellen: die EU-Kommission (Vortrag: Sören Haar), die ständige Vertretung Österreichs bei der EU (Vorträge: Mirjam Dondi, Roland Meinecke), das EU-Parlament (Vortrag: Albrecht John) und das Verbindungsbüro des Landes Salzburg zur EU (Vorträge: Michaela Petz-Michez, Christoph Stodola). Dazu kamen Besuche im Parlamentarium und im Haus der europäischen Geschichte. IMG_8688

Was mich wirklich beeindruckt hat, war die perfekte Organisation und das ernsthafte Bemühen aller ReferentInnen, den SchülerInnen ihre Arbeit bzw. die Aufgabe der jeweiligen Institution zu vermitteln. Wo auch immer wir hinkamen, wurden wir bereits erwartet und freundlich begrüßt. Nirgendwo hatten wir das Gefühl, eine bloße Nummer zu sein. Entgegen den landläufigen EU-Klischees von Abgehobenheit und Brüsseler Technokratie bemühte man sich um unsere Gruppe, nahm sich Zeit und suchte das Gespräch mit den Schülern und uns Lehrerinnen. Eine wirklich wohltuende und bereichernde Erfahrung!

Inhaltlich fügte sich für die SchülerInnen ein Mosaiksteinchen an das andere. Beim ersten Termin in der Kommission war vieles noch fremd und unbekannt, nach und nach aber wurden die Zusammenhänge und Aufgabengebiete klarer. Ich glaube wirklich, dass sich das Wissen um die EU in diesen Tagen bei vielen potenziert hat – auch wenn mich die Ergebnisse des kleinen Tests, den ich den Schülern heute unterbreitet habe, wieder einigermaßen auf den Boden der Realität zurückgeholt haben …

Natürlich bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass SchülerInnen viel auf so einer Reise lernen. Trotzdem macht mich die eingeschränkte Aufnahmefähigkeit und zur Schau gestellte Ignoranz von einigen (nicht von allen!) auch ein bisschen ratlos. Ein Grund dafür ist die Dauerpräsenz des Smartphones. Wenn der Blick so häufig auf das Display gerichtet ist, bleibt einfach nicht mehr viel Aufmerksamkeit für die Umwelt. Natürlich hat jeder immer einen guten Grund, warum er oder sie aufs Handy schauen muss. Es geht mir ja nicht anders. Insgesamt sind die Dinger aber nichts anderes als eine Pest. – Als ich den Schülern während der langen Zugfahrt von Amsterdam nach Hause gesagt habe, dass ich ihre Wischkästchen am liebsten allesamt aus dem Fenster werfen würde, hat ein Schüler gemeint, ohne Handy während einer mehrstündigen Bahnfahrt, da könne man sich ja gleich umbringen. Natürlich meinten wir es beide nicht wörtlich, ein bisschen ernst war uns die Blödelei aber schon.

Ein weiterer Grund dafür, dass bei manchen weit weniger hängen bleibt als erhofft, ist die bröckelnde Idee von Allgemeinbildung und die Infragestellung ihrer Relevanz. Ob man beispielsweise etwas von den Führungen in einem Kunstmuseum behält, scheint einigen (nicht allen!) lediglich eine Frage von persönlichem Interesse zu sein. Und wofür man sich interessiert, da ist man gerne tolerant: Meine Güte, der eine interessiert sich für Fußball, der andere für Kunst. Dass es aber auch eine Frage von Bildung ist, Namen wie Rembrandt oder Vermeer zu kennen, 5882Lwird immer öfter bezweifelt. Die Schule dient vielen in erster Linie als Vorbereitung auf die Matura, und wenn jemand nicht freiwillig in Bildnerischer Erziehung maturieren will, scheint er wenig Verwendung für solcherart nutzloses kunstgeschichtliches Wissen zu haben. Da kann die Führung im Museum noch so interessant und launig gewesen sein. Unmittelbar danach wird das als unbrauchbar eingeschätzte Wissen entsorgt. Der Konsens, dass ein Gymnasium Allgemeinbildung vermittelt und Allgemeinbildung idealiter all das umfasst, was im Schulunterricht in den verschiedenen Fächern im Laufe der Jahre zusammenkommt, existiert einfach nicht mehr. Die Schüler spiegeln uns da allerdings nichts anderes als eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung wider.

Aber zurück zur Reise und zu den positiven Erlebnissen: Nach den EU-Institutionen haben wir uns in Brüssel noch das Comic-Museum und natürlich das Atomium angeschaut. Am nächsten Tag ging es weiter nach Amsterdam. Dort besuchten wir das Van Gogh- und das Rijksmuseum. Beides großartige Museen mit wunderbaren Gemälden – immer vorausgesetzt natürlich man interessiert sich für Kunst. 😉 IMG_8731

Fast eine Woche nach der Rückkehr fühle ich mich immer noch ein bisschen müde. Die Herausforderung, zwei mir bislang unbekannte Städte im Beisein von 28 Jugendlichen zu erkunden, war riesig. Umso mehr freue ich mich, diese gemeistert zu haben und mit Brüssel und Amsterdam darüber hinaus zwei Städte kennengelernt zu haben, die sowohl uns Lehrerinnen als auch die Schüler beeindruckt haben.

Hierzu abschließend noch ein paar schöne und erfreuliche Statements der SchülerInnen:

Wir hatten die Möglichkeit, in das Van Gogh-Museum zu gehen und viele verschiedene europäische Institutionen zu besuchen. Dort haben wir überall interessante Dinge erfahren.

Man hat gemerkt, dass es den Leuten in Brüssel von großer Wichtigkeit ist, dass wir einen guten Eindruck von der EU erhalten. Beispielsweise war das Museum der Geschichte Europas für alle Besucher kostenlos, obwohl dort mindestens zwanzig Angestellte tätig waren und es sogar noch Sicherheitskontrollen gab.

Brüssel klang vielversprechend, aber ich wusste gar nicht, was es außer den EU-Institutionen dort sonst noch gab. (…) Die Reise war für mich auf jeden Fall sehr lehrreich und informativ. Vor allem der Aufenthalt in Amsterdam war eine der coolsten Sachen. Amsterdam zählt nun zu meinen Lieblingsstädten.

Ich war schon immer begeistert von der EU, also war es für mich wie ein „Dream come true“ als ich hörte, dass wir nach Brüssel fahren. (…) Ich war selten so überwältigt. All diese wichtigen Gebäude zu betreten war einfach ein Wahnsinn. (…) Der Traum, in Zukunft einmal etwas mit Politik oder Wirtschaft zu machen, besteht schon lange, aber dieser Gedanke hat sich fast zu einem Lebensziel entwickelt, als ich in Brüssel war.

Diese Reise nach Brüssel und Amsterdam hat mir so gut gefallen und total viel Spaß gemacht. Ich habe so viel über die Europäische Union erfahren und so viel Neues kennengelernt, dass ich die darauffolgenden zwei Tage so viele Stunden und so gut geschlafen habe, wie schon seit Wochen nicht mehr.

Ich auch!

(nemo)

 

 

Klassenreise Brüssel – Amsterdam

Müde, aber sehr zufrieden sitzen wir im ICE von Amsterdam in Richtung Heimat. Zwei Umstiege stehen uns noch bevor. Kein ganz leichtes Unterfangen mit 28 Schülern.

Vier Tage Brüssel und zwei Tage Amsterdam liegen hinter uns. Aktuell sind wir, glaube ich, noch alle beeindruckt vom gestrigen King’s Day in Amsterdam. Unglaublich, wie ausgelassen und fröhlich eine ganze Stadt feiern kann (und wie ansteckend das ist).

Aber auch Brüssel ist eine wunderbar lebendige und vielfältige Stadt. Wir waren höchst angetan vom multikulturellen Flair und der entspannten Atmosphäre.

Überhaupt hatten wir alle den Eindruck, dass die Grundstimmung bei uns viel aggressiver ist und viele Leute im eigentlich so schmucken Salzburg grantiger und unfreundlicher wirken.

Über die Inhalte unserer ebenso dichten wie interessanten, lehrreichen, aber auch lustigen und spannenden Kulturreise, die ja im Rahmen des Jahresprojekts „Europa schreiben“ stand, berichte ich in den nächsten Tagen (wenn ich wieder ausgeschlafen bin). Einstweilen wundere ich mich darüber, dass sich an der Grenze zwischen Holland und Deutschland offenbar die Stromversorgung ändert, und hoffe inständig, dass sich die Bahn an die Fahrpläne hält und wir in schlanken 8 Stunden tatsächlich in Salzburg einrollen werden. Immerhin sind wir jetzt schon in Deutschland… 😅

(nemo)

Was täglich in der Schule so passiert …

ist jedenfalls eine ganze Menge.  Ja, die Tage und Wochen sind wieder einmal so dicht, dass ich nicht und nicht dazukomme, über all das zu schreiben, worüber ich gerne schreiben würde. Ok, möglicherweise ist nicht alles von dem, was täglich so passiert, unbedingt mitteilenswert, trotzdem, zumindest ein paar Dinge will ich kurz erwähnen bzw. auflisten:

  • unsere große Reise im Rahmen des Kulturprojekts steht vor der Tür. Am Sonntag fliegen wir nach Brüssel, am Donnerstag geht’s weiter nach Amsterdam. In Brüssel stehen in erster Linie Besuche bei verschiedenen EU-Institutionen auf dem Programm, in Amsterdam der Besuch mehrerer Museen und natürlich die Stadt selbst. Zudem haben die SchülerInnen verschiedene Schreibaufgaben zu erledigen. Unser Projekt trägt ja den Titel „Europa schreiben“.
  • Apropos „Europa schreiben“: Die Schreibwerkstätten, die eine Schriftstellerin mit den SchülerInnen bereits durchgeführt hat und noch durchführen wird, sind großartig. Es ist beeindruckend, was für schöne, interessante, lustige, poetische und ungewöhnliche Texte beim kreativen Schreiben herauskommen – auch von Schülern, die sich mit dem informierend-analytisch-argumentativen Schreiben im Deutschunterricht wahnsinnig plagen.
  • Apropos Reise: Eine Exkursion nach Brüssel wird erfreulicherweise vom Land gefördert. Nicht nur, dass mich das Verbindungsbüro des Landes zur EU bei der Programmerstellung unterstützt und sämtliche Termine für uns vereinbart hat. Wir bekommen auch noch eine finanzielle Förderung! Informationen finden sich auf der Homepage des Landes Salzburg.
  • Es herrscht Schularbeitenhochsaison. Die SiebtklässlerInnen hatten letzte Woche eine Erörterung zu schreiben, die ZweitklässlerInnen durften heute eine Eulenspiegel-Geschichte in einen Bericht umformulieren. Das letzte Wochenende war wieder einmal ein reines Korrigierwochenende.
  • Die SchülerInnen der achten Klassen müssen bis Ende dieser Woche beurteilt werden. Danach ist der normale Unterricht für sie vorbei, sie arbeiten ohnehin nur mehr auf die Matura hin. Vom Französischunterricht bleibt denjenigen, die in Französisch nicht zur Matura antreten, kaum etwas. Ihre Sprachkompetenz hat bereits in den letzten Wochen spür- und messbar abgenommen. Zu viel anderes hat sie permanent beschäftigt (nicht zuletzt die VWA), der normale Unterricht erscheint zunehmend unwichtig. Seit Weihnachten fokussiert sich alles auf die Matura, der Regelunterricht in der achten Klasse kommt mir schon eher wie eine Farce vor.
  • Apropos normaler Unterricht: Was mich ebenfalls stört, sind die dauernden Abwesenheiten der Schüler. Nicht nur, dass viele wirklich häufig krank sind, sie haben auch unglaublich viele Arzttermine. Außerdem fällt mir auf, dass immer mehr Familien um Freistellung ihrer Kinder bitten, damit sie bereits einen Tag früher auf Urlaub fahren bzw. später zurückkommen können. (Ähnliches war kürzlich auch in einem Artikel („Womit Lehrer kämpfen“) im Standard zu lesen.) Neulich hat mir eine Schülerin gesagt, sie habe nicht zum Nachmittagsunterricht erscheinen können, weil sie arbeiten musste, und eine andere hatte eine Fahrstunde, die sich keinesfalls verschieben ließ. Ok, wenn Schularbeit ist, sind sie da (sonst müssen sie nämlich nachschreiben), der normale Unterricht aber erscheint ihnen offenbar entbehrlich. Und wenn ich darauf beharre, dass es in der Schule Anwesenheitspflicht gebe, reagieren sie verständnislos.
  • Mit den ZweitklässlerInnen habe ich das Buch Als mein Vater ein Busch wurde gelesen. Vom Verlag gibt es recht brauchbares Unterrichtsmaterial frei im Netz verfügbar. Wir spielen zudem einige Szenen nach. Noch ist die Dramatisierung nicht aufführungsreif, man kann jedoch bereits erkennen, wie berührend viele Szenen wirken, wenn man sie nachspielen lässt.
  • Und über meine Lehrveranstaltung zum Thema „Flucht und Migration in Literatur, Filmen und Comics“, die ich in diesem Semester an der Uni halte, will ich irgendwann auch einmal berichten.

(nemo)

Amitié interculturelle: Schüleraustausch mit La Rochelle

13 Schülerinnen und Schüler aus La Rochelle waren in dieser Woche bei uns zu Gast. Salzburg präsentierte sich von seiner schönen Seite, frisch verschneit und an manchen Tagen sogar mit Sonne und blauem Himmel garniert. Die Schneeschuhwanderung durch den tiefen Pulverschnee in Faistenau wird wohl allen in bester Erinnerung bleiben. Auch Domquartier und Museum der Moderne, die Festung und das Salzbergwerk in Berchtesgaden kamen bei allen gut an.

Es ist aber beileibe nicht nur das attraktive touristische Programm, das zum LaRo-Fai1Gelingen eines Schüleraustausches beiträgt. Vielmehr sind es die Unterkunft in den Familien, das Kennenlernen der AustauschpartnerInnen und die Teilnahme am Schul- und Familienleben in einem fremden Land, die einen Schüleraustausch so besonders machen.

In dieser Woche waren die österreichischen Schüler und Familien die Gastgeber. Im Mai erfolgt dann der Gegenbesuch. Beides ist aufregend und nicht ganz leicht: einen unbekannten jungen Menschen, der noch dazu eine andere Sprache spricht, in der eigenen Familie aufzunehmen, aber noch mehr vielleicht die andere Perspektive, das eigene Verreisen und das Eintauchen in eine andere Familie mit anderen Gepflogenheiten und kulturellen Praktiken.

Das gilt im Übrigen auch für die Schule: Selbst wenn in unserer Schule nur ein Bruchteil der LehrerInnen an diesem Schüleraustausch aktiv beteiligt war, es ist ein ähnliches Prinzip wie in den Familien. Man empfängt andere Schüler, öffnet die Klassen, lässt die anderen am eigenen Schulleben teilhaben – auch wenn’s mitunter ganz schön stressig ist. Gleich mehrere Kolleginnen haben sich richtig ins Zeug gelegt, um den französischen SchülerInnen auch unterrichtsmäßig etwas zu bieten, sie hineinschnuppern zu lassen in die österreichische Schulkultur. Und die französischen Schüler haben sich eingelassen, sie haben mitgemacht und sich aufrichtig bedankt für alles, woran sie teilnehmen durften. LaRo-cours1

Unser Schüleraustausch mit dem Lycée Fénelon in La Rochelle existiert schon seit vielen, vielen Jahren. Gerade heute hat mir ein Schüler erzählt, dass bereits seine Mutter an diesem Austausch teilgenommen hat. Die Lehrerinnen, die das Projekt Anfang der 1990er Jahre initiiert haben, haben natürlich unzählige Geschichten und Anekdoten zu erzählen. Gestern Abend waren wir bei einer mittlerweile pensionierten Kollegin zu Hause eingeladen und wurden aufs Allerköstlichste bewirtet. Aber auch für das Rahmenprogramm der Lehrer gilt: Es geht beileibe nicht nur ums gute Essen. Es sind die Gastfreundschaft, das Öffnen des eigenen Hauses für die KollegInnen aus dem anderen Land, die Freude an der gemeinsamen Sache, die Erlebnisse, Erinnerungen und geteilten Erfahrungen, die das Besondere ausmachen.

Ein Schüleraustausch ist gelebte interkulturelle Freundschaft: Zwei Sprachen, zwei Länder, zwei Kulturen. Jeder ist einmal in der Rolle des Besuchers und einmal in der Rolle des Gastgebers, jeder geht ein Stück auf den Anderen zu, heißt ihn willkommen, kümmert sich um ihn, öffnet seine privaten Räume und lässt den Anderen am Eigenen teilhaben. Das bedarf mitunter erheblicher Anstrengung aller Beteiligten, in der Vorbereitung wie in der Durchführung – und ist doch die lohnendste, intensivste und nachhaltigste Form von Schülerreisen. Es ist die Geste des Übersetzens, in sprachlicher wie symbolischer Hinsicht, die den Austauschgedanken prägt und zu so einem Schönen macht. In dieser Woche haben wir diesen Gedanken wieder ein bisschen weitergesponnen. Au revoir et à bientôt! 🙂

(nemo)

LaRo-Z-Bergwerk