Alltag in einer Wiener Brennpunktschule

Günter Kaindlstorfer hat ein, wie ich finde, sehr schönes Feature über die Neue Mittelschule Staudingerstraße 6 in Wien gestaltet. Zu hören war es gestern in den „Hörbildern“ auf Ö1, sechs Tage lang kann man es noch nachhören. Man bekommt einen vielfältigen und unaufgeregten Eindruck über die kleineren und größeren Schwierigkeiten im schulischen Zusammenleben von Kindern aus 22 Nationen, über engagierte und empathische LehrerInnen, über Kinder, die gerne lachen und lernen, über sozial benachteiligte junge Menschen und „Stehaufmandln“. Empfehlung! (nemo)

Hier der Link zu der Sendung.

 

Schule heute: Alles, nur keine Zeit

Wenn ich an meine Zeit als Schülerin zurückdenke, überkommt mich ein zwiespältiges Gefühl: Meine Eltern befanden, ich solle nach der Hauptschule eine Handelsakademie besuchen, um auf diese Weise neben der Schule auch eine kaufmännische Ausbildung zu erlangen. Zwar bin ich nicht ungern in diese Schule gegangen, aber die Fächerauswahl und die Ausrichtung der Schule betrübten mich, damals ebenso wie heute: Rechnungswesen, BWL, Stenographie – das waren die Fächer, mit denen man am meisten Zeit verbrachte. Biologie war eigentlich Warenkunde, Geschichte spielte kaum eine Rolle und Englisch sowie Französisch wurden als Wirtschaftssprache verstanden und umfassten ab einem gewissen Niveau hauptsächlich Handelskorrespondenz. Es gab weder Unterricht in Kunst noch in Musik und hätte es Deutsch und Religion nicht gegeben, wäre ich bildungsmäßig gänzlich verhungert und verdurstet. Trotzdem bin ich, wie gesagt, gerne in die Schule gegangen. Meine Devise hieß: Hauptsache Schule, Hauptsache lernen.

Wenn ich heute an die Zeit in der Handelsakademie denke, sind es vor allem zwei Dinge, die ich nach wie vor uneingeschränkt positiv finde. Es sind dies zum einen meine Lehrer und zum anderen die viele Zeit, die uns Schülern zur Verfügung stand. Nicht, dass ich lauter Premium-Lehrer gehabt hätte. Aber die meisten fand ich gut, manche sogar sehr gut. Nie hatte ich das Gefühl, unter einem Lehrer oder einer Lehrerin zu leiden. Ganz im Gegenteil, wir Schüler hatten ein angenehmes, entspanntes Verhältnis zu unseren Lehrern.

Was die Struktur betrifft, überzeugt mich bis heute die fünf Jahre umfassende Form der Sekundarstufe 2. Im Wesentlichen sind es die beiden letzten Jahre, d. h. die zwölfte und dreizehnte Schulstufe, die mir in Erinnerung geblieben sind. Von den ersten drei Jahren hat sich nicht rasend viel nachhaltig eingeprägt. Mir scheint, ich war in dieser Zeit hauptsächlich mit dem sozialen Gefüge und meinem eigenen Platz in der Klasse, mit der Pubertät und dem Erwachsenwerden beschäftigt. Von den Lerninhalten blieb wenig in Erinnerung. Abseits der sozialen Belange spielte die Schule eine absolute Nebenrolle. Dabei führte ich ein durchaus eintöniges Leben, Langeweile war bei Gott kein Fremdwort für mich. Sicher, am Wochenende musste fortgegangen, wochentags viel Musik gehört, Volleyball gespielt und gelesen werde. Insgesamt aber war neben der Schule wenig los – und Schule fand im Übrigen auch samstags statt.

Auf den ersten Blick erscheint der Befund also wenig spektakulär: Neben der Schule gab es nicht viel zu tun und in der Schule war das zu absolvierende Programm auch nicht allzu dicht. Geschenkt wurde einem allerdings auch nichts: Nach dem ersten Jahr wurde meine Klasse mit der Parallelklasse zusammengelegt. So mancher Schüler hatte bloß sein neuntes Schuljahr absolviert und die Schule danach verlassen. Andere hatten das erste Jahr ganz einfach nicht geschafft. Die Durchfallquote war insgesamt beeindruckend: Von den über dreißig Schülern in der zweiten Klasse blieben sage und schreibe zwölf übrig, die es ohne Wiederholung bis in die fünfte Klasse schafften. Aber mir ging das Lernen leicht von der Hand, Zeit dafür gab es genug und im Übrigen erwartete niemand überschäumendes Interesse für das zu Lernende. So vergingen ganze drei Jahre, ohne dass viel Nennenswertes passiert wäre.

Erst ab der vorletzten Klasse hatte ich das Gefühl, in meinem schulischen Sein angekommen zu sein. Ab dieser Zeit fühlte ich mich mehr oder weniger erwachsen, konnte mich für mir wichtige Dinge engagieren, hatte eine kämpferische Einstellung gegenüber den vielen geistlosen Zumutungen, interessierte mich für Politik und Gesellschaft, wusste, was ich wollte und was nicht. Erst ab diesem Zeitpunkt konnte ich mein Potenzial so entfalten, dass ich bis heute damit einigermaßen zufrieden bin. Die abschließende Matura ist mir dabei als echter Höhepunkt meiner persönlichen Entwicklung in Erinnerung.

Für die Herausbildung eines kritischen (Selbst-)Bewusstseins bedurfte es in meinem Fall, davon bin ich überzeugt, der vielen Zeit und der vergleichsweise geringen Erwartungen in den Jahren davor. Wenn ich mir dagegen anschaue, wie dicht das Programm ist, das Schüler heute zu absolvieren haben, wird mir ganz schummrig. Von Vornherein fehlt in den Allgemeinbildenden Höheren Schulen ein ganzes Jahr, müssen unsere Schüler doch in insgesamt nur vier Jahren Oberstufe bis zur Reifeprüfung gebracht werden. Bereits ab der sechsten Klasse (10. Schulstufe) wird zielstrebig in Richtung Matura gearbeitet und die neue Oberstufe mit ihren semestrierten Lehrplänen und Prüfungen soll künftig noch zusätzlich für mehr Effizienz sorgen. In der siebten Klasse (11. Schulstufe) – zu einem Zeitpunkt, zu dem ich damals immer noch keinen einzigen Gedanken an die Matura verschwendete – müssen sich unsere Schüler bereits ihr VWA-Thema suchen und selbiges einreichen. Es wird von ihnen erwartet, dass sie wissen, wofür sie sich interessieren und womit sie sich intensiv befassen wollen. Und sie müssen die Arbeit dann auch noch selbständig und eigenverantwortlich außerhalb des Unterrichts schreiben.

Sicher, wir zunehmend professionalisierten Lehrer stehen den Schülern zur Seite: Wir coachen, wir portionieren, wir motivieren und betreuen. Wir sagen ihnen exakt, was sie wissen müssen, wozu sie etwas lernen sollen und in Zehntelprozent genau, wieviel sie können müssen, um eine positive Note zu erhalten. Wir lernen in Fortbildungsveranstaltungen und regelmäßigen Netzwerktreffen, wie wir unsere Schüler direkt und effizient dahin bringen, wo wir sie haben wollen: Alle Kompetenzen der „nicht kompensierbaren wesentlichen Bereiche“ eines jeden Faches zumindest weitgehend, besser zur Gänze oder gar darüber hinausgehend erreicht, die ebenfalls kompetenzorientierte Matura bestanden, auf dass sie in weiterer Folge ebenso schnell und effizient durchs Studium hetzen können – vorausgesetzt, sie schaffen die Aufnahmsprüfungen …

Angesichts des herrschenden Tempos und des zielgerichteten Vorgehens überkommt mich mindestens ein ebenso zwiespältiges Gefühl, wie wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke. Vieles von dem, was meine Schüler lernen dürfen, erscheint mir inhaltlich interessanter und zumindest theoretisch erfüllender als das, was ich zu lernen hatte. Aber mir kommt schon vor, dass wir sie zu stark unter Druck setzen, von ihnen viel zu früh verlangen, zielstrebig und effizient zu funktionieren. Wir muten ihnen weniger „Stoff“ als früher zu, lassen kaum jemanden „durchfallen“, dafür trainieren und messen wir permanent ihre Kompetenzen, gönnen ihnen keine Verschnaufpause und pushen sie in einem fort durch ihre Schulzeit. Auf der Strecke bleibt möglicherweise so etwas wie Persönlichkeitsentwicklung und Potenzialentfaltung. Aber, was weiß ich, vielleicht kann man ja selbst das optimieren und beschleunigen … (nemo)

 

Die Woche vor den Ferien

Und wieder ist der Schulschluss da. In den nächsten Wochen werden wir uns erholen, den Sommer genießen, abschalten und anschließend wieder Neues aufnehmen, Ideen entwickeln, manches vorbereiten, insgesamt aber Zeit für anderes als Schule haben. Das ist gut so. Und, davon bin ich überzeugt, wichtig, um mit Elan, Engagement und Freude den Lehrberuf ausüben zu können. Der Neid der WutbürgerInnen – der um diese Jahreszeit auftritt wie das Amen im Gebet – wird hoffentlich unbemerkt an uns abprallen.

Wie schön, aber eben auch anstrengend die Woche vor Schulschluss ist, will sicherlich kein Wutbürger wissen. Auch andere Leute meinen oft, da würde überhaupt nichts mehr getan. Weit gefehlt, kann ich nur sagen: In dieser Woche findet unglaublich viel gemeinsames Leben, Soziales, Emotionales, Zwischenmenschliches statt. Schule ist viel mehr als Unterricht und stures Lernen und nicht wenig von dem, was Schule eben auch ist, findet in der letzten Schulwoche geballt statt. Im Prinzip ist diese Woche  gleichzeitig Ernte, Pflege und Aufbereitung des sozialen Nährbodens. Ein solcher Nährboden ist meines Erachtens unerlässlich, damit das Unterfangen Schule überhaupt gelingen kann. Wie gut also, dass es diese Woche gibt! Und, um in meiner allzeit beliebten Gartenbaumetaphorik zu bleiben: Wie wichtig, dass der Nährboden jetzt ein bisschen Ruhe bekommt!

Ein Beispiel für das, was in der letzten Schulwoche stattfindet, sind die Happy Days, die bei uns am Montag und Dienstag auf dem Plan stehen. Schüler können sich ihre Kurse selbst wählen und sich per Internet dafür anmelden. Im Angebot gab’s auch diesmal wieder alles, was das Herz begehrt (und was wir LehrerInnen so können): Sportliches, Musisches, Soziales, Gesellschaftliches, Kulturelles, Aufregendes, Entspannendes, Lustiges, Ernstes, Spielerisches, Praktisches, Geistiges, Kulinarisches, Kreatives. Einfach ein Potpourri an allem Möglichen, was im Unterricht während des Jahres oft zu kurz kommt und trotzdem spannend, interessant und/oder lehrreich ist.

Eine Kollegin und ich wollten in diesem Jahr den UnterstufenschülerInnen ein bisschen Lust auf Französisch machen. Am Montag haben wir deshalb den kleinen Nick (Le petit Nicolas) in den Mittelpunkt des Vormittags gestellt. Wir haben den Erst- und ZweitklässlerInnen, die diesen Kurs gebucht hatten, den kleinen Nick und die anderen Figuren vorgestellt, wir haben ihnen Geschichten vorgelesen, Bilder zum Ausmalen gegeben, ein paar französische Wörter gelernt, Croissants gegessen und uns den Film „Der kleine Nick macht Ferien“ angesehen. Ein ruhiger, entspannter und lustiger Vormittag. Nichts Sensationelles, aber doch ein gelungener Kurs, der den TeilnehmerInnen und uns gut gefallen hat.

Für mich besonders schön ist, dass man bei den Happy Days endlich einmal genug Zeit für eine Sache hat und nicht nach 50 Minuten wieder aufhören, die Klasse, die Schulstufe und das Fach wechseln muss. Wir haben uns am Montag volle vier Stunden lang mit dem kleinen Nick beschäftigt, dazwischen gegessen und getrunken, ein bisschen geplaudert und dann wieder weitergemacht. Kein Schüler verlangte nach einer Pause und wir dachten irgendwie auch nicht daran. IMG_5540.JPG

Ebenso erfolgreich war der Dienstag: Wir haben ein Klassenzimmer in eine französische Crêperie verwandelt, anschließend Crêpes gebacken und ausführlich getestet. Der ganze Vormittag war eine schöne, runde und sehr befriedigende Sache, die allen Beteiligten Freude bereitete und die Kreativität und praktische Kompetenz der Schülerinnen förderte. Er bot ihnen und uns ein sowohl haptisches (es wurde gezeichnet, geschrieben, gebastelt, foliert, ausgeschnitten, geschmückt) als auch optisches (der Raum sah am Ende einfach wunderschön aus) sowie geschmackliches (die „Probecrêpes“ waren geradezu köstlich) Gesamterlebnis. IMG_5542

Und durch den Kurs am Vormittag konnten wir am Nachmittag beim Schulfest eine französische Crêperie betreiben, die ihrem Namen alle Ehre machte und weit mehr war als nur eine Essstation. Ein paar Erstklässlerinnen liefen zur Höchstform auf und „schupften“ den ganzen Betrieb. Bereits um 20.30 Uhr war weit und breit kein Teig mehr in Sicht, sämtliche Nougatcremes, Marmeladen und andere süße Füllungen verschmiert (und wir gierig allein nach dem Geruch von Pikantem). 🙂IMG_5537.JPG

Das Schulfest war natürlich ein Highlight und so schön, dass manch einer nicht und nicht nach Hause gehen wollte. Allein, dass so viele Ex-SchülerInnen kamen und mit uns feiern wollten, zeigt den positiven Stellenwert, den Schule für viele im Leben hat.

Am Tag danach, also gestern, gab’s dann den KV-Tag: Ein Tag, an dem man im Klassenverbund noch einmal einen Ausflug, eine Wanderung oder Ähnliches unternimmt. Ich bin mit meiner Klasse und der Partnerklasse auf einen großen Spielplatz gewandert, dort haben wir Tischtennis, Volleyball und Fußball gespielt, wir haben gepicknickt und gequatscht.

Heute war Aufräumen und Tische putzen angesagt, danach fand die Schlusskonferenz statt und anschließend haben wir LehrerInnen das Schuljahr im Kollegenkreis ausklingen lassen.

Morgen gibt’s dann die Zeugnisse. Vielen meiner SchülerInnen werde ich zum guten, manchen sogar zum ausgezeichneten Erfolg gratulieren, einige ermutigen, die Ferien nicht nur, aber auch zum Nachlernen zu nutzen, von ein paar aus unserer Klasse müssen wir uns verabschieden (zum Beispiel von der amerikanischen Gastschülerin, die dieses Jahr bei uns war). Wie jedes Jahr werde ich versuchen, allen ein paar Worte mitzugeben. Manchmal neige ich in solchen Situationen ein bisschen zum Pathos. Das müssen sie über sich ergehen lassen. Ich brauch‘ das – und sie kennen mich eh. (nemo)

 

 

Der Tag danach

Noch einmal Fasching heute. Weil das gestern so eine tolle Sache war. Aber auch, weil meine Klasse um ein Haar nicht mitgemacht hätte. Und weil heute, am Tag danach, eine Schülerin aus eben dieser Klasse geschrieben hat: „Ich war gestern ziemlich stolz auf meine Klasse.“

Viele Schülerinnen und Schüler in meiner Klasse sind eher schüchtern und zurückhaltend. Sie stehen nicht gerne im Mittelpunkt und scheuen die große Bühne. Im Sportunterricht haben die Mädchen einen rhythmischen Besentanz eingeübt. Den wollten sie am Faschingsdienstag beim großen Schulprojekt (über das Doris ja schon geschrieben hat) aufführen. Die (wenigen) Jungs sollten entweder mittanzen oder den Rhythmus klopfen.

Aber niemand in der Klasse war davon wirklich begeistert. Noch vor wenigen Tagen war die Lust auf den Auftritt gleich null. Sie waren unsicher und hatten Angst, sich mit ihrem Tanz zu blamieren. Grottenlangweilig und urpeinlich kam ihnen die Sache vor, je näher der Faschingsdienstag rückte, desto schlimmer wurde es. Offenbar hatten am Montag viele sogar vor, am nächsten Tag nicht in die Schule zu kommen.

Schlussendlich waren bis auf zwei alle da. „Ehrlich gesagt wollte ich lieber daheim bleiben und hab mir dann aber gedacht, dass das den anderen gegenüber unfair ist“, hat ein Mädchen heute geschrieben. Viele kamen kostümiert, alle mehr oder weniger gut gelaunt. In der ersten Stunde wurde der Tanz noch einige Male geprobt. Und dann ging’s in die Turnhalle, wo der große Event stattfand. Meine Klasse musste lange warten, viele waren vor ihnen dran. Aber – und das war nach dieser Vorgeschichte nicht unbedingt zu erwarten – die Aufführung gelang. Möglicherweise war’s nicht genial, aber es war gut. Ziemlich gut sogar. Eigentlich auch originell. Keine andere Klasse präsentierte etwas Ähnliches. Und das Schönste: Die allermeisten hatten Spaß daran, fanden selbst, dass der Tanz gut gelungen ist und ihr Auftritt weder peinlich noch langweilig war. „Man konnte sehen, was wir als Klasse alles schaffen können“, „Ich bin zwar noch immer der Meinung, dass ich nicht dabei sein hätte müssen, aber ich hab’s für die Klasse getan“,  „Ich finde es schön, dass die ganze Schule zusammenkommt“ und auch „Ich genoss es sogar, auf der Bühne zu stehen“, durfte ich heute lesen. 🙂

Heute habe ich übrigens sämtliche Klassen, die ich unterrichte, nach ihrer Meinung zu unserem großen Faschingsprojekt gefragt. Die einen schriftlich, die anderen mündlich. Dabei hat sich gezeigt, dass fast alle  von dieser Veranstaltung angetan sind und den Wert für sie selbst, für ihre Klassengemeinschaft und für die Schulgemeinschaft erkennen. Sicher, es dauert lang (5 volle Stunden!) und die Bühnen- bzw. Zuschauersituation im Turnsaal ist wahrlich suboptimal. Aber wir haben nun einmal 32 Klassen und weder Aula noch Festsaal. Das lässt sich nicht ändern. Trotzdem, dass das Faschingsprojekt eine super Sache ist, das spüren alle. Das Wichtigste daran ist nicht, welche Klasse schlussendlich den besten Beitrag liefert und gewinnt (obwohl mitunter echt Meisterliches geboten wird und sich vielerlei Begabungen zeigen). Das Wichtigste ist, dass wir alle, Groß und Klein, SchülerInnen, LehrerInnen und der Direktor einen Tag gemeinsam verbringen, an dem viele Kategorien, die Schule normalerweise ausmachen, ausgehebelt sind, an dem wir uns alle gleichermaßen zum Affen machen und gemeinsam darüber lachen dürfen.

Vielleicht war es ja Zufall, dass die Stimmung heute, am Tag danach, in meiner Klasse so viel besser war als in der letzten Zeit. Schon lange war die Beteiligung am Unterricht nicht mehr so lebhaft und intensiv wie heute. Vielleicht aber auch nicht… (nemo)

PS: Auf unserer neuen Schulhomepage gibt’s übrigens schon jede Menge Fotos vom gestrigen Event.

Unterwegs mit Groß und Klein. Ein Wandertag der extrafeinen Sorte

Mit 29 coolen 16-Jährigen und 24 lieben 10-Jährigen begaben wir uns heute Vormittag auf die große Wiese nach Hellbrunn. Der Grund für unseren Ausflug war, dass sich meine sechste Klasse eine erste Klasse als Patenklasse gewünscht hatte. Und die Erstklässlerinnen (in diesem Fall ist es eine reine Mädchenklasse) wollten ein paar der ganz großen SchülerInnen kennenlernen, auf dass sie neben uns LehrerInnen noch jemanden an der Schule haben, dem sie Löcher in den Bauch fragen können.img_1832

Wir machten uns also auf den Weg und erlebten einen dieser Tage, an denen ich felsenfest davon überzeugt bin, dass es auf der ganzen Welt keinen schöneren Beruf geben kann als den meinigen. Nicht, dass unser Ausflugsziel so spektakulär gewesen wäre. Auch nicht, dass unser Ausflugsprogramm so einzigartig gewesen wäre. Aber die Freude, die gute Laune, der Spaß, das Zwischenmenschliche, die gelungenen Kontaktaufnahmen, das gemeinsame Spielen und das alles bei prächtigem Herbstwetter in einer wunderbaren Umgebung – LehrerInnenherz, was willst du mehr?

Mit zwei einander unbekannten Klassen zogen wir los, mit einer gemeinsamen Gruppe kehrten wir zurück. Dazwischen ereignete sich folgendes: 1. Wir jausneten zusammen. 2. Wir erkundeten den Spielplatz. 3. Wir ließen die SchülerInnen zwei Kreise bilden, die Kleinen innen, die Großen außen. Dann sollten sie sich ihrem Gegenüber vorstellen und sich z.B. über ihr Lieblingsessen, ihr Lieblingskinderbuch oder das Coolste am WRG austauschen. Immer wenn wir klatschten, rückten die Großen um einen Schritt nach rechts und das Austauschen begann von neuem. 4. Wir bildeten gemischte 4er- bzw. 5er-Teams und ließen sie in der Natur verschiedene Dinge suchen: Etwas, das weich ist; etwas, das ein Geräusch macht; etwas, das ganz gerade ist; etwas, das gut riecht. Etcetera. 10 Dinge sollte jede Gruppe finden und danach aus diesen Dingen ein Bild legen. 5. Wir machten einen „Ausstellungsrundgang“ und schauten uns die Bilder an. Jede Gruppe erklärte kurz ihr Bild und alle erhielten für ihr Bemühen und ihre Kreativität Applaus. img_1821

Dann war der Vormittag auch schon wieder fast vorbei und wir wanderten zurück. Was ich da auf dem Heimweg in der Hellbrunner Allee mitansehen durfte, ließ mein Lehrerinnenherz gleich mehrmals hüpfen: Große und Kleine einträchtig nebeneinander, sie schwatzten und lachten, sie fragten sich aus und erzählten, über den Größenunterschied von bis zu zwei Köpfen hinweg, dass es eine wahre Freude war.

Welche Argumente auch immer für eine gemeinsame Schule der 6-bis 14-Jährigen existieren mögen, ich bin und bleibe ein Fan der Langform des Gymnasiums, bei der 10- bis 18-Jährige gemeinsam unterrichtet werden! (nemo)

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Ferienfortbildung Juli 2016

Vom 11. – 13. Juli – den ersten drei Ferientagen – fand das vierte und vorläufig letzte Modul des Kommunikationslehrgangs der PH Salzburg statt. Wie die ersten drei ein Highlight unter allen Fortbildungen, an denen ich bisher teilgenommen habe (und das waren schon viele!).

Definitiv: Fortbildungsempfehlung!

Thema Argumentation – Diskussion – Überzeugen [Fortbildung]
Referentin: Angelika Falkner
Story

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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  • Modul 4 eines über ein ganzes Schuljahr laufendes Lehrgangs. Wir sind schon eine verschworene Truppe von 14 Leuten, die sich jedesmal auf das Treffen freuen. Wir müssen aber mit dem Start auf mehrere Teilnehmerinnen warten, die wegen eines Verkehrsunfalls im Lieferinger Tunnel eineinhalb Stunden im Stau stehen. Wir nutzen die Zeit, um uns mit unserer diesmaligen Trainerin anzufreunden. Spiel: Vornamen mit einem Essen, das man mag kombinieren. Mir sind nur Datteln eingefallen. Mögen tu ich sie aber nicht.
  • Natürlich sind die Themen nicht mehr neu für uns, in Variationen haben wir uns schon in den vorangegangenen Modulen mit ihnen auseinandergesetzt. So wurden unsere Erwartungen abgefragt und das erste Mal eigentlich wurden wir dafür gelobt, keine besonderen zu haben. Aber wir messen halt unseren Erkenntniszuwachs nicht direkt am Output des Seminars – die Skills, die wir erwerden, können erst mit der Zeit geprüft, eingebaut oder verworden werden. Und wir möchten sehr gern für Neues offen sein.
  • Dann gab’s eine kleine Aktivierungübung im Kreis: Zack – Wusch – Stopp: Zack für die Gegenüber, Wusch für die Nachbarn und Stopp, wenn man die Bewegung nicht weitergeben will.
  • In den folgenden Tagen hielten wir „Brandreden“, interviewten oder ließen uns interviewen (das hieß Kreuzfeuer) und debattierten nach amerikanischem (einer nach dem anderen) oder parlamentrischem Modell (ohne bestimmte  Reihenfolge).
  • Diesmal wurde besonders viel mit Videoanalysen gearbeitet. Die Besprechung der Statements (Brandreden) dauerte mir etwas zu lange. Zuerst  das Feedback der Gruppe, dann sahen wir uns die Aufnahmen an, zwölfmal, etwa drei Stunden lang. Aber ich lernte, wieder einmal genauer hinzuschauen und meine Wahrnehmung zu verfeinern.
  • Während des Interviews, die schärfer geführt werden sollten,  lernte ich, dass ich nur von meiner Linie abgebracht werden kann, wenn ich emotional berührt werde. Sonst geht gar nichts!
  • Die abschließende Debatte nach amerikanischem Vorbild, d.h. alle Teilnehmer geben ihre Statements hintereinander ab (siehe Grafik links), werde ich sicher auch im Unterricht anwenden. Jede/r kommt dran, die Gruppe braucht eine Strategie und man muss sich auf die anderen verlassen.
Einsicht Folgerung Anschlussfragen
Diesmal wurden die Basics der letzten Module vorausgesetzt, was ich toll finde. Wir konnten von den Grundlagen aus weiter vordringen und ich lernte vor allem, dass man auf seinen Körper hören muss. Damit ist zum Beispiel gemeint, dass man vielleicht besser nicht stehen bleibt, wenn einen ein Thema „bewegt“, auch wenn man es schon oft so gehört hat.

Ohne emotional beteiligt zu sein, funktioniert eine Rede oder ein Statement ohnehin nicht. Also: Wenn man nichts zu sagen hat, hält man besser den Mund! Das lässt sich leider in Übungssituationen (Schule!) nicht vermeiden.

Bisher habe ich immer gehört, dass sich versuchen  soll, langsamer zu sprechen: Angelika Falkner meinte, dass das nur sehr schwer gelingen könnte (ja, ich versuche es ja schon ziemlich lange ;-)), aber dass ich es schaffen könnte, bewusstere, längere Pausen zu machen. Darauf werde ich jetzt meinen Fokus legen!

 

 

Spaß haben

  • am Thema
  • an der Situation

Emotionen

Blickkontakt

  • nicht nur um höflich zu sein.
  • wir brauchen den Kontakt, um weiterreden zu können, sonst „gegen einem die Worte aus“.

Fragen

  • statt Antworten vorgeben

Sesselkreis

  • offen lassen
  • U statt O, damit sich niemand gefangen vorkommt.

Körper

  • zeigt, was er will/braucht: Bewegung?
  • mit und nicht gegen den Körper arbeiten
  • Stehen oder sitzen?

Visualisierungen

  • durch richtiges Deuten/Hinstellen betonen
  • keine Bilder (Text ist auch Bild) „stehen lassen“, wenn sie gerade nicht Thema sind – lenkt ab.
  • Fremdwörter und Namen aufschreiben

Gut planen!

Üben, üben üben!

 

 

Etwas Literatur:

Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation51cr6nxr5pl-_sx353_bo1204203200_

 

 

 

Die Begriffe Sympathie – Empathie – Antipathie genauer betrachten. Geht anscheinend bei Petra Fercher gut.514zj5miiwl-_ac_us160_

(juhudo)

Sommersportwoche

Mit 73 Jugendlichen, 6 BegleitlehrerInnen und 2 Reisebussen sind wir letzten Sonntag nach Kärnten aufgebrochen. Sommersportwoche – allein der Name klingt für mich ja wie die ultimative Geschmacksverbindung aus Twinni und Jolly gemeinsam. Das Schuljahr fast um und du fährst mit deinen MitschülerInnen aus der Klasse (und den Parallelklassen) auf Sportwoche: Baden gehen, am See liegen, neue Sportarten ausprobieren, Volleyball spielen bis es dunkel wird, Lagerfeuerromantik und so weiter und so fort … Nostalgische Erinnerungen an die eigene Schulzeit werden wach. Fast jedem, der selbst so eine Woche als Schüler oder Schülerin miterlebt hat, fällt eine Geschichte dazu ein. Das kann kein Zufall sein.

Was aber braucht es aus LehrerInnensicht, damit eine Sommersportwoche ihrem Namen gerecht wird? Nachfolgend die wichtigsten Ingredienzien in 5 Punkten:

  1. einen See und schönes Wetter: Sommersportwoche ohne See und Sonne ginge gar nicht. Der Millstätter See in Oberkärnten aber ist bestens zu diesem Behufe geeignet. Kajak, surfen, segeln und natürlich schwimmen, baden und Tretboot fahren. Viel Sonne und wunderbare Landschaft. DSC03938
  2. eine ordentliche Unterkunft und gutes Essen: Man erinnert sich selbst ja noch an so manches muffige Stockbettzimmer im Landschulheim mit, sagen wir, mittelmäßiger Küche. Mir scheint, früher war das den SchülerInnen nicht so wichtig, heute aber sind die meisten gehobenere Standards gewöhnt. Wir jedenfalls waren im Seehotel Steiner in Seeboden untergebracht und dieses Haus bietet alles, was das Herz begehrt: eine tolle Anlage direkt am See mit großer Terrasse und eigenem Badestrand, freundliches Personal, schöne Zimmer mit Bad und Balkon, richtig gutes Essen. Empfehlung!
  3. ein vielfältiges Sportprogramm mit professionellen Sporttrainern. Ich kann nicht für alle sprechen, aber bei dem, was ich gesehen und wo ich selbst mitgeschwitzt habe, war genau das der Fall. Das gebuchte Sportprogramm und die Uhrzeiten wurden ausgehängt, die Kids konnten selbständig hinmarschieren und kamen jedes Mal rundum zufrieden wieder zurück. Camp Royal X machte es möglich. (Ich war übrigens tanzen und Tennis spielen, falls es jemanden interessiert.) DSC03937
  4. nette KollegInnen: Man verbringt schon viel Zeit miteinander, wenn man von Sonntag bis Freitag gemeinsam auf Sportwoche ist. Da schadet es nicht, wenn man mit den KollegInnen harmoniert, Spaß haben und sich aufeinander verlassen kann. Wir, sechs durchaus unterschiedliche Typen, hatten es fein miteinander: Wir konnten Probleme im Team besprechen und lösen, wir übernahmen verschiedene Aufgaben und Rollen, und wir hatten bei all dem ziemlich viel Spaß miteinander. Die Angelegenheit ist nämlich weniger einfach, als man meinen könnte: Aufgrund eines strengen Aufsichtserlasses steht man ziemlich schnell mit einem Fuß „im Gefängnis“. Beispielsweise muss immer ein Sportlehrer zugegen sein, wenn 15-Jährige mit Allround-Schwimmabzeichen ins Wasser wollen. Zwar gehen dieselben Jugendlichen auch in ihrer Freizeit alleine mit ihren Freunden und ganz ohne elterliche Begleitung baden. Wenn es sich jedoch um eine Schulveranstaltung handelt, sind die Lehrer verantwortlich, sollte etwas passieren. Der Aufsichtspflicht bei 73 Jugendlichen solcherart nachzukommen, dass so eine Woche trotzdem für alle Beteiligten zu einem positiven und außergewöhnlichen Erlebnis wird, ist schon nicht ganz einfach – vor allem, wenn man die Leitung und damit die Gesamtverantwortung innehat. Deshalb: Hut ab vor den SportlehrerInnen, die Sportwochen organisieren, durchführen und diese Verantwortung übernehmen. DSC03943
  5. last but not least – SchülerInnen, wie wir sie haben: Ach, es ist einfach immer wieder eine Freude, wie normal, nett und freundlich unsere SchülerInnen sind. Insbesondere auf Reisen erweist sich das als Non plus ultra, um gemeinsam schöne und lustige Tage zu verbringen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen halten sich alle an die Regeln und rechtfertigen das Vertrauen, das wir ihnen entgegenbringen. Die Sporttrainer ebenso wie die Leute vom Hotel bestätigten uns einmal mehr, was für nette SchülerInnen wir haben. Ich weiß nicht, wie’s anderen geht, aber mich macht das jedes Mal stolz und glücklich. Und als Klassenvorständin genieße ich es ganz besonders, soviel (Frei)-Zeit mit meinen SchülerInnen zu verbringen. Man lernt sich einfach anders kennen, wenn man von morgens bis abends (bzw. nachts) gemeinsam sportelt, redet und zusammen ist. Insgesamt gilt: Kann man echt nur empfehlen so eine Sommersportwoche. Auch aus LehrerInnensicht! (nemo)

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