VWA again

Jetzt gehen uns schon bald die  Wiederholungswörter für die Überschriften der VWA-Postings aus. Was wir in den letzten Jahren darüber geschrieben haben, gilt alles noch. (VWA Runde 2 und VWA reloaded: Und jährlich grüßt das Murmeltier und noch ein paar andere. )
Ich möchte jetzt nur eine kleine Themenbilanz ziehen, darüber nämlich, womit mich die SchülerInnen in den letzten fünf Jahren konfrontiert haben. Keine/r von ihnen befand sich zur Zeit der VWA bei mir im Unterricht, fünf von ihnen kannte ich von einer unverbindlichen Übung in der 2. Klasse her, eine aus dem Informatikunterricht der 5. Klasse.

2015
Der Contergan-Fall: eine Aufarbeitung, inwieweit es möglich war, dass es zu einer so großen Zahl an Opfern kommen konnte und wie die Konsequenzen für die Betroffenen und die erzeugende Pharmafirma aussehen.
Narration von Computerspielen: Anhand des Computerspiels „A tale of Two Sons“ wird eine Verbindung zum klassischen Drama dargestellt.

2016
Selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen: Ohne Literatur geht es bei mir nicht, deshalb werden mehrere Jugendbücher und ihr mehr oder weniger seriöser Umgang mit dem Thema Selbstverletzung analysiert.
BUSHIDO – vom Ehrenkodex zum Blockbuster: Der Weg des Kriegers von japanischen Aufzeichnungen bis zu „Der letzte Samurai“.

2017
Kulturelle Körperkunst: Maori-Tattoos und ihre kulturelle Bedeutung in Geschichte und Gegenwart.
Mangas – japanische Bildgeschichten: Die unterschiedlichen Manga-Arten werden erklärt und ein Fokus auf die speziellen Mädchenmangas gelegt und welche Rollenbilder sie zeigen und verfestigen.
Der romantische Pirat: Das Bild des Piraten in der Literatur und neuen Verfilmungen (Fluch der Karibik 🙂 )

2018
Kommunikation zwischen Mensch und Pferd: Kommunikation von Menschen und Pferden im Allgemeinen und inwieweit die Arbeit mit Pferden sich in den letzten Jahren durch die Kenntnisse darüber verbessert hat.
Die Veränderung des Urheberrechts durch die digitalen Medien: Urheberrecht und Creative Commons – welche neuen Anforderungen an ein Urheberrecht gestellt werden.

2019
Censorship – The FCC’s Regulation of Profanity and its effects on the usage of swear words in American broadcast TV series: die erste Arbeit auf Englisch. Inwieweit die Verwendung von Schimpfwörtern in amerikanischen Fernsehserien reguliert wird und ob sich daran gehalten wird.

2020 (coming soon!)
Das Darknet und der Drogenhandel
Manipulation durch Printmedien am Beispiel des Brexit

Also ich habe jedes Mal einiges dazugelernt!
(juhudo)

 

VWA reloaded: Und jährlich grüßt das Murmeltier

Die Tage stehen wieder ganz im Zeichen der VWA. Ganze drei Jahrgänge (!) sind mit dem Thema VWA befasst: Die AchtklässlerInnen mussten heute ihre Arbeit abgeben und auf die Plattform hochladen, die SiebtklässlerInnen ihr Thema und den dazugehörigen Erwartungshorizont einreichen. Und die SechstklässlerInnen lernen gerade in einer unverbindlichen Übung Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens.

Die vorwissenschaftliche Arbeit, die vor einigen Jahren als verpflichtender Teil der Matura eingeführt wurde, dominiert den Schulalltag der OberstufenschülerInnen und – man muss es sagen – erzeugt ordentlich Stress. Stress, der bisweilen ungesunde und bedenkliche Ausmaße annimmt. Ob das dafür steht? Ehrlich, ich weiß es nicht.

Seit Anbeginn bin ich stark in das Thema VWA involviert: Als VWA-Zuständige an unserer Schule, als Lehrerin für wissenschaftliches Arbeiten, als Betreuungslehrerin. In meiner Eigenschaft als Klassenvorständin einer achten Klasse habe ich vor drei Jahren einen Blogeintrag mit dem Titel Sternstunden eines KVs geschrieben und damit die vielen gelungenen VWA-Präsentationen gemeint. Damals war ich richtiggehend euphorisch. Heute bin ich hin- und hergerissen.

Nach wie vor erscheint mir die VWA grundsätzlich als eine ebenso herausfordernde wie potentiell lohnende Angelegenheit. Die SchülerInnen können sich ihr eigenes Thema suchen, sich einarbeiten und vertiefen, etwas selbständig erforschen, ihr eigenes Werk verfassen und dieses schließlich präsentieren und verteidigen. Was gibt es Schöneres und Hehreres zum Abschluss einer Schullaufbahn und als Nachweis einer allgemeinen Hochschulreife? In der Theorie klingt das alles großartig, in der Praxis verhält es sich vielfach aber doch recht anders…

Sicher, für einige unserer SchülerInnen passt das Szenario des selbständig forschenden Lernens. Gerade heute habe ich eine recht schöne Arbeit bekommen, die sich mit der Thematik von Zwillingen in literarischen Texten befasst, auf deren Korrektur und Präsentation ich mich freue. Für viele unserer SchülerInnen aber ist es nichts anderes als eine Überforderung: Sich selbst ein Thema zu suchen und eine Forschungsfrage zu bearbeiten. Klingt gut, in Wirklichkeit ist es auch für Studierende nicht leicht. Forschungsliteratur zu recherchieren und einzuarbeiten, analytisch zu arbeiten und wissenschaftlich zu schreiben. Klingt ebenfalls gut, in Wirklichkeit aber scheitern auch Leute an der Uni daran. Und auch wenn man die Anforderungen auf Schulniveau herunterbricht: In der Realität sind viele unserer SchülerInnen mit dem Verfassen einer (vor-)wissenschaftlichen Arbeit überfordert und – seien wir ehrlich – so mancher Lehrer wäre es auch.

Zu der inhaltlichen Schwierigkeit, eine ordentliche VWA zu schreiben, kommt jedoch noch etwas anderes: die strukturelle Problematik, eine solche Arbeit neben der Schule zu verfassen. Gerade in der achten Klasse haben die meisten SchülerInnen wirklich gut zu tun, so manche(r) hat im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, um sämtliche Fächer positiv abzuschließen. Nebenher noch eine VWA zu verfassen, ist für einige schlichtweg unmöglich, andere setzt es psychisch so unter Druck, dass sie krank werden. Natürlich – und Gott sei Dank! – gibt es auch etliche, die’s doch halbwegs oder sogar bravourös hinkriegen. Insgesamt steht für mich trotzdem in Frage, ob dieser Druck, den wir den jungen Menschen da zumuten, wirklich zu rechtfertigen ist.

Viel Druck entsteht natürlich, weil ein Großteil der SchülerInnen viel zu spät mit der Arbeit beginnt. Wir sagen es ihnen eindringlich, wir setzen ihnen Termine, wir fordern Teile der Arbeit ein. Trotzdem gelingt es nur wenigen, sich rechtzeitig einer Sache zuzuwenden, die erst Monate später schlagend wird. Aus Sicht vieler Siebzehnjähriger ist der Abgabetermin im Februar einfach noch zu weit weg, als dass sie sich in den Sommerferien zwischen der siebten und achten Klasse hinsetzen und an ihrer VWA arbeiten würden. Und sobald dann das Schuljahr wieder angefangen hat, bleibt keine freie Minute, um neben Mathe, Englisch und Latein, den vielen Schularbeiten und Tests konsequent (vor-)wissenschaftlich zu arbeiten.

Es besteht halt doch oft eine riesige Kluft zwischen dem, was man tun sollte, und dem, was man tut. Zwischen dem Wissen um eine Sache und der Umsetzung dieses Wissens, zwischen Vorhaben und Realisierung. Das kennen Erwachsene, warum sollte es Jugendlichen anders gehen? Viel eher verhält es sich umgekehrt: Rational-geplantes, strukturiertes Vorgehen ist für Jugendliche noch viel schwieriger als für Erwachsene. Genau das aber würde (vor-)wissenschaftliches Arbeiten erfordern.

Meines Erachtens müsste die VWA zumindest besser in der Stundentafel verankert sein. Wenn man wirklich will, dass alle SchülerInnen eine solche Arbeit verfassen, bräuchten diese ein viel strengeres Korsett, eine ständige Begleitung, ja eine wöchentliche Stunde (bzw. zwei oder drei), in der sie ihre Arbeit vorantreiben können. Aber natürlich müsste das auf Kosten anderer Stunden gehen. Einfach nur das Ausmaß der Wochenstunden zu erhöhen, kann auch keine Lösung sein.

Eine andere Möglichkeit wäre es, eine VWA nicht verpflichtend von allen zu verlangen, sondern nur von denjenigen, die sich das wirklich zutrauen (und die gibt es ja!). Auch das würde die Situation entspannen. Denn wie man’s dreht und wendet: Die gegenwärtige Situation erzeugt insgesamt zu viel Druck und Stress und ist der Gesundheit der Jugendlichen nicht zuträglich. Zumal auch zu bezweifeln ist, dass dieser Druck die Leistungen der jungen Menschen und die Qualität der Arbeiten befördert.

Aber vielleicht sehe ich ja alles zu schwarz. Drei neue Einreichungen habe ich heute bekommen: Eine Schülerin will die Facebookauftritte politischer Parteien analysieren, eine andere über die Darstellung von Konzentrationslagern in der Kinder- und Jugendliteratur schreiben, die dritte sich mit dem Bild süditalienischer Frauen im Hinblick auf die Mafia in Film und Wirklichkeit befassen. Spannende Themen. Mal sehen, was daraus wird. Im nächsten Februar werde ich wieder davon berichten … (nemo)

 

 

 

 

 

 

Schule heute: Alles, nur keine Zeit

Wenn ich an meine Zeit als Schülerin zurückdenke, überkommt mich ein zwiespältiges Gefühl: Meine Eltern befanden, ich solle nach der Hauptschule eine Handelsakademie besuchen, um auf diese Weise neben der Schule auch eine kaufmännische Ausbildung zu erlangen. Zwar bin ich nicht ungern in diese Schule gegangen, aber die Fächerauswahl und die Ausrichtung der Schule betrübten mich, damals ebenso wie heute: Rechnungswesen, BWL, Stenographie – das waren die Fächer, mit denen man am meisten Zeit verbrachte. Biologie war eigentlich Warenkunde, Geschichte spielte kaum eine Rolle und Englisch sowie Französisch wurden als Wirtschaftssprache verstanden und umfassten ab einem gewissen Niveau hauptsächlich Handelskorrespondenz. Es gab weder Unterricht in Kunst noch in Musik und hätte es Deutsch und Religion nicht gegeben, wäre ich bildungsmäßig gänzlich verhungert und verdurstet. Trotzdem bin ich, wie gesagt, gerne in die Schule gegangen. Meine Devise hieß: Hauptsache Schule, Hauptsache lernen.

Wenn ich heute an die Zeit in der Handelsakademie denke, sind es vor allem zwei Dinge, die ich nach wie vor uneingeschränkt positiv finde. Es sind dies zum einen meine Lehrer und zum anderen die viele Zeit, die uns Schülern zur Verfügung stand. Nicht, dass ich lauter Premium-Lehrer gehabt hätte. Aber die meisten fand ich gut, manche sogar sehr gut. Nie hatte ich das Gefühl, unter einem Lehrer oder einer Lehrerin zu leiden. Ganz im Gegenteil, wir Schüler hatten ein angenehmes, entspanntes Verhältnis zu unseren Lehrern.

Was die Struktur betrifft, überzeugt mich bis heute die fünf Jahre umfassende Form der Sekundarstufe 2. Im Wesentlichen sind es die beiden letzten Jahre, d. h. die zwölfte und dreizehnte Schulstufe, die mir in Erinnerung geblieben sind. Von den ersten drei Jahren hat sich nicht rasend viel nachhaltig eingeprägt. Mir scheint, ich war in dieser Zeit hauptsächlich mit dem sozialen Gefüge und meinem eigenen Platz in der Klasse, mit der Pubertät und dem Erwachsenwerden beschäftigt. Von den Lerninhalten blieb wenig in Erinnerung. Abseits der sozialen Belange spielte die Schule eine absolute Nebenrolle. Dabei führte ich ein durchaus eintöniges Leben, Langeweile war bei Gott kein Fremdwort für mich. Sicher, am Wochenende musste fortgegangen, wochentags viel Musik gehört, Volleyball gespielt und gelesen werde. Insgesamt aber war neben der Schule wenig los – und Schule fand im Übrigen auch samstags statt.

Auf den ersten Blick erscheint der Befund also wenig spektakulär: Neben der Schule gab es nicht viel zu tun und in der Schule war das zu absolvierende Programm auch nicht allzu dicht. Geschenkt wurde einem allerdings auch nichts: Nach dem ersten Jahr wurde meine Klasse mit der Parallelklasse zusammengelegt. So mancher Schüler hatte bloß sein neuntes Schuljahr absolviert und die Schule danach verlassen. Andere hatten das erste Jahr ganz einfach nicht geschafft. Die Durchfallquote war insgesamt beeindruckend: Von den über dreißig Schülern in der zweiten Klasse blieben sage und schreibe zwölf übrig, die es ohne Wiederholung bis in die fünfte Klasse schafften. Aber mir ging das Lernen leicht von der Hand, Zeit dafür gab es genug und im Übrigen erwartete niemand überschäumendes Interesse für das zu Lernende. So vergingen ganze drei Jahre, ohne dass viel Nennenswertes passiert wäre.

Erst ab der vorletzten Klasse hatte ich das Gefühl, in meinem schulischen Sein angekommen zu sein. Ab dieser Zeit fühlte ich mich mehr oder weniger erwachsen, konnte mich für mir wichtige Dinge engagieren, hatte eine kämpferische Einstellung gegenüber den vielen geistlosen Zumutungen, interessierte mich für Politik und Gesellschaft, wusste, was ich wollte und was nicht. Erst ab diesem Zeitpunkt konnte ich mein Potenzial so entfalten, dass ich bis heute damit einigermaßen zufrieden bin. Die abschließende Matura ist mir dabei als echter Höhepunkt meiner persönlichen Entwicklung in Erinnerung.

Für die Herausbildung eines kritischen (Selbst-)Bewusstseins bedurfte es in meinem Fall, davon bin ich überzeugt, der vielen Zeit und der vergleichsweise geringen Erwartungen in den Jahren davor. Wenn ich mir dagegen anschaue, wie dicht das Programm ist, das Schüler heute zu absolvieren haben, wird mir ganz schummrig. Von Vornherein fehlt in den Allgemeinbildenden Höheren Schulen ein ganzes Jahr, müssen unsere Schüler doch in insgesamt nur vier Jahren Oberstufe bis zur Reifeprüfung gebracht werden. Bereits ab der sechsten Klasse (10. Schulstufe) wird zielstrebig in Richtung Matura gearbeitet und die neue Oberstufe mit ihren semestrierten Lehrplänen und Prüfungen soll künftig noch zusätzlich für mehr Effizienz sorgen. In der siebten Klasse (11. Schulstufe) – zu einem Zeitpunkt, zu dem ich damals immer noch keinen einzigen Gedanken an die Matura verschwendete – müssen sich unsere Schüler bereits ihr VWA-Thema suchen und selbiges einreichen. Es wird von ihnen erwartet, dass sie wissen, wofür sie sich interessieren und womit sie sich intensiv befassen wollen. Und sie müssen die Arbeit dann auch noch selbständig und eigenverantwortlich außerhalb des Unterrichts schreiben.

Sicher, wir zunehmend professionalisierten Lehrer stehen den Schülern zur Seite: Wir coachen, wir portionieren, wir motivieren und betreuen. Wir sagen ihnen exakt, was sie wissen müssen, wozu sie etwas lernen sollen und in Zehntelprozent genau, wieviel sie können müssen, um eine positive Note zu erhalten. Wir lernen in Fortbildungsveranstaltungen und regelmäßigen Netzwerktreffen, wie wir unsere Schüler direkt und effizient dahin bringen, wo wir sie haben wollen: Alle Kompetenzen der „nicht kompensierbaren wesentlichen Bereiche“ eines jeden Faches zumindest weitgehend, besser zur Gänze oder gar darüber hinausgehend erreicht, die ebenfalls kompetenzorientierte Matura bestanden, auf dass sie in weiterer Folge ebenso schnell und effizient durchs Studium hetzen können – vorausgesetzt, sie schaffen die Aufnahmsprüfungen …

Angesichts des herrschenden Tempos und des zielgerichteten Vorgehens überkommt mich mindestens ein ebenso zwiespältiges Gefühl, wie wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke. Vieles von dem, was meine Schüler lernen dürfen, erscheint mir inhaltlich interessanter und zumindest theoretisch erfüllender als das, was ich zu lernen hatte. Aber mir kommt schon vor, dass wir sie zu stark unter Druck setzen, von ihnen viel zu früh verlangen, zielstrebig und effizient zu funktionieren. Wir muten ihnen weniger „Stoff“ als früher zu, lassen kaum jemanden „durchfallen“, dafür trainieren und messen wir permanent ihre Kompetenzen, gönnen ihnen keine Verschnaufpause und pushen sie in einem fort durch ihre Schulzeit. Auf der Strecke bleibt möglicherweise so etwas wie Persönlichkeitsentwicklung und Potenzialentfaltung. Aber, was weiß ich, vielleicht kann man ja selbst das optimieren und beschleunigen … (nemo)

 

Dreamteam

Mit einem Glas Prosecco haben Monika und ich auf den heute in unseren Augen wieder sehr erfolgreichen VWA-Kick Off-Tag für die 7. Klassen angestoßen. Wir haben auf uns und unser Konzept, mit dem wir auch beim vierten Mal sehr zufrieden waren, angestoßen. Aber darüber wurde schon geschrieben und ich möchte etwas anderes besonders betonen:

  • Die unglaubliche Bereitschaft unserer KollegInnen in einer oder zwei freien Stunden einfach mitzumachen oder andere freizusupplieren, damit die SchülerInnen im Begegnungsteil auch genügend AnsprechpartnerInnen haben, die mit ihnen Gedanken über mögliche VWA-Themen kreisen lassen. Heute waren 16 Lehrerinnen und Lehrer für 57 Schülerinnen und Schüler da!
  • Direktor und Administratorin, die die organisatorischen Rahmenbedingungen schaffen und die Mehrarbeit ohne Zögern auf sich nehmen.
  • Die Schülerinnen und Schüler, die sich auf unser Konzept einlassen und auch am Nachmittag dabei sind, obwohl wir sie nicht kontrollieren. In der naturwissenschaftlichen Fachbibliothek und jener der Gesellschaftswissenschaften waren alle da und haben mitgemacht, und im Unipark (wohin sie ein Kollege begleitete) wird es nicht anders gewesen sein.
  • Nicht zuletzt die Schulwartin, die sich heute Morgen im letzten Moment freundlich um die Bestuhlung gekümmert hat, obwohl wir es ihr hätten früher mitteilen sollen.

Vielen Dank an alle. Und besonders an Monika. Wir haben ein wirklich tolles Team!

(juhudo)

VWA Runde 2

Von Freitag bis gestern haben an an unserer Schule zum zweiten Mal die Präsentationen der Vorwissenschaftlichen Arbeiten stattgefunden. Anlass zu einem weiteren Resümee. Zuerst die Hard Facts: 61 Schülerinnen und Schüler, die geforscht, geschrieben und präsentiert, 31 Lehrerinnen und Lehrer, die betreut und bewertet haben. Die Noten: 31 Sehr gut, 14 Gut, 9 Befriedigend, 4 Genügend, 2 Nicht genügend und eine Note wurde ausgesetzt. Ich muss erst noch nachfragen, warum. Schnitt 1,86. Erfolgsquote von 96,7%. Was will man mehr?

Die Themen sind breit gestreut. Von Kinderverschickung in der Nachkriegszeit im Raum Österreich, Ernährungsverhalten der Ringer des AC Wals vor Sportwettkämpfen, Aztekische Rituale der Gottesverehrung gesehen durch die Augen der spanischen Eroberer, Suffragetten im Kampf um die Gleichberechtigung,  Aktive Sterbehilfe und ihre Konsequenzen in den Niederlanden und Österreich, Plastikverbrauch am WRG Salzburg, Einsatzmöglichkeiten der Hypnose in der konventionellen Medizin bis zu Physik der Musik, Realitätsnahe 3D-Grafik oder Entwicklung des Helenakults vor und nach dem Trojanischen Krieg reichen die Interessen (+ 50 weitere). Im Idealfall finden die MaturantInnen Ende der sechsten Klasse oder im Wintersemester der siebten ein Thema, das sie WIRKLICH interessiert, in das sie sich einlesen und das im Lauf der Zeit immer spannender für sie wird. Dann gelingt, was mit der VWA beabsichtigt ist: Die Säule 1 der Neuen Reifeprüfung soll ein Interesse der Schülerin oder des Schülers repräsentieren und Folgendes zeigen:

ZieleVWAQuelle: bmbf.gv.at

Die beiden Themen, die ich betreut habe, lauteten Bushido –  vom Ehrenkodex zum Blockbuster und Selbstverletzendes Verhalten und dessen Aufarbeitung in drei Jugendbüchern. In beiden Fällen war echtes, persönliches Interesse vorhanden und nachdem wir einige Zeit an der Formulierung und Eingrenzung „herumgebastelt“ hatten, entstand doch große Zufriedenheit. Die Zeit muss man sich unbedingt nehmen und es können schon einige Wochen ins Land gehen, bis es soweit ist. Deshalb beginnen wir auch in der 6. Klasse, unsere SchülerInnen in unverbindlichen Übungen und im Unterricht immer wieder einmal zu animieren, obwohl die endgültige Entscheidung erst im Februar der 7. Klasse gefallen sein muss. Wie wir mit dem gesamten Prozess umgehen, kann hier nachgelesen werden.

An vier Präsentationen konnte ich teilnehmen und bei der Note in der Prüfungskommission mitstimmen. Alle KandidatInnen hatte sich zu ExpertInnen ihres Themas entwickelt. Präsentieren können bei uns alle, freundlich, mit gut gegliederten Vorträgen, das Wesentliche aus 15 bis 20 gedruckten Seiten in sieben Minuten herausstreichend. In der anschließenden Diskussion (ja, wie an der Uni!) vergessen sie auf jede Nervosität und verteidigen ihre Thesen und Ergebnisse souverän.

Auch nach dem zweiten Mal kann ich der VWA nur Positives abgewinnen: Die individuelle Zusammenarbeit mit den SchülerInnen schätze ich sehr.  Die Ergebnisse und Noten sprechen für sich. Bleibt nur die Frage, warum es bei einigen wenigen doch nicht funktioniert. Wenn ich mich erkundige, liegt es daran, dass manche doch zu spät mit der Arbeit beginnen und dann keine homogene VWA mehr entsteht und sie nicht mehr entsprechend überarbeitet werden kann. Hoffentlich können wir das für die kommende Matura ALLEN vermitteln. (juhudo)

Monikas Gedanken zu den Präsentationen des letzten Jahres finden sich hier.

Die Reife in Zeiten der Kompetenzorientierung

Um diese Jahreszeit ereilt auch mich regelmäßig das Bedürfnis zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Was bleibt denn eigentlich von 2015, durch meine schulische Brille gesehen? Als Highlight sicherlich meine erste Matura als Klassenvorständin. Und gleich auch noch im österreichweit erstmalig durchgeführten Zentralmodus. Das war schon eine große Sache. Beileibe nicht alles daran war großartig, in Summe aber war es für meine SchülerInnen und mich doch ein Ereignis, auf das sie und wir gemeinsam stolz sein können.

Als ich meine Ex-Klasse kurz vor Weihnachten zum ersten Mal und fast vollzählig wiedersah, war ich beeindruckt: Viele der Mädchen schon ambitionierte Studentinnen, die Jungs derzeit Zivis und ebenfalls bald an diversen Unis im In- und Ausland. Alle zusammen befinden sie sich auf ihrem je eigenen Weg. Was soll ich sagen: Da waren sie, MEINE ehemaligen SchülerInnen, der Schule entwachsen, selbständige und erwachsene junge Menschen. Eine einzige Freude.

In die Freude über die SchülerInnen mischen sich allerdings Wermutstropfen, wenn ich noch einmal an die Matura denke. Sicher, im Nachhinein könnte man’s auch gut sein lassen, ganz offensichtlich ist etwas aus den jungen Menschen geworden, die Form der Matura hat dazu nichts beigetragen, den meisten von ihnen aber auch nicht allzu sehr geschadet. Dennoch, ich kann’s nicht lassen, will mit dem Abstand von mehr als einem halben Jahr noch einmal draufschauen, was für eine Prüfung sie da eigentlich zu absolvieren hatten. Dabei geht es mir wieder einmal mehr um die Idee als um die konkrete Praxis, um das dahinterstehende Konzept und seine symbolische Bedeutung. Meine Frage also lautet: Was heißt hier neue Reifeprüfung? Inwiefern ist sie eine neue Form Reife zu prüfen? Und was bedeutet eigentlich der Begriff Reife?

Die neue Matura steht – wie wir alle wissen – unter dem Vorzeichen der Kompetenzorientierung. Das ist der Kern dessen, was geprüft wird. Weniger das gelernte Wissen soll unter Beweis gestellt werden, vielmehr geht es darum, erfolgreichen Kompetenzerwerb zu demonstrieren. Diese Verschiebung bedeutet nun nicht zwangsläufig eine völlig andere Prüfung, was allerdings schon ziemlich anders ist, ist das Bild des Maturanten bzw. der Maturantin, das den unterschiedlichen Prüfungskonzeptionen zugrundeliegt.

In der früheren Form ging es – idealiter – darum, den MaturantInnen Gelegenheiten zu bieten, ihr in der Schule erworbenes Wissen sowie ihr dazugehöriges Können vorzuführen. Sie sollten zeigen können,  was sie gelernt haben. Sie sollten im Idealfall über sich selbst hinauswachsen können, bei der mündlichen Matura vor einer ziemlich großen Kommission mit ihrem Spezialwissen in den einzelnen Fächern glänzen und beeindrucken können. Dafür gab es Vorbereitungsstunden, dafür konnte sich der Lehrer für jeden Kandidaten einzeln überlegen, was am besten zu ihm passt. Realiter kam’s wohl mitunter zu Stoffreduktionen durch mehr oder weniger deutliche Hinweise im Vorfeld, möglicherweise gab es auch vereinzelt (aus Schülersicht gefühlte) Gemeinheiten zu verzeichnen. Im Mittelpunkt jedenfalls stand der junge Mensch, der nach bestandener Prüfung für reif erklärt werden sollte. In logischer Konsequenz hatte die mündliche Matura als abschließender Teil am Stück absolviert zu werden. Am Ende des jeweiligen Halbtages wurde den KandidatInnen gratuliert, indem die Kommission geschlossen an ihnen vorbeidefilierte und jedem Einzelnen die Hand schüttelte. Ein Ritual, welches symbolisch das Ende des Lehrer-Schüler-Verhältnisses zum Ausdruck brachte.

Bei der neuen Matura ist vieles anders. Die Prüfungsfragen orientieren sich weder an der Klasse noch am einzelnen Schüler, sondern an den allgemein vorgegebenen Kompetenzen. Im Schriftlichen wird ohnehin zentral entschieden, was gekonnt werden muss, im Mündlichen zieht der/die KandidatIn die Frage (bzw. den Themenbereich) aus einem Themenpool. Sodann gilt es unter Beweis zu stellen, dass die vorab definierten Kompetenzen erreicht,  erfüllt oder gar „weit über das Wesentliche hinaus“, also quasi übererfüllt werden. Nicht das Individuum, der oder die MaturantIn steht hierbei im Mittelpunkt, sondern das objektivierte Ausmaß an Kompetenzen des jeweiligen Kandidaten. Es ist insofern weniger ein individuelles Prüfen als ein standardisiertes Messen, das da stattfindet. Und wieder in logischer Konsequenz wird die Abfolge der mündlichen Matura als nach wie vor letzter Prüfungsteil nicht mehr primär nach MaturantInnen und Klassen geordnet, sondern nach Fächern: nach den Kompetenzen in Biologie wird die Sprechkompetenz im Englischen gemessen usw. usf.

Fast jede/r meiner MaturantInnen musste folglich an mehreren Tagen zur mündlichen Matura erscheinen, das abschließende Händeschütteln hatte seinen eigentlichen Sinn verloren, waren doch am Ende eines Halbtages KandidatInnen, die gerade einmal eine von drei Teilprüfungen absolviert hatten, genauso zu beglückwünschen, wie welche, die bereits fertig waren. Dass manch einer in legerer Freizeitkleidung oder auch nicht zu diesem Rest-Ritual erschien, scheint mir wiederum symbolisch zum Ausdruck zu bringen, dass der neuen Matura mehr von einem finalen Kompetenzcheck als von einem großen Abschlussexamen anhaftet. Kompetenz, Transparenz, Funktionalität, wo bislang das Initiationsritual Reifeprüfung „gespielt“ wurde.

Die einzige Ausnahme bildet in der neuen Maturaform die VWA und ihre Präsentation. Hierbei steht auch jetzt das Individuum im Vordergrund. Jede/jeder sucht sich selbst sein/ihr Thema, arbeitet mehrere Monate an der Arbeit und präsentiert das je eigene Produkt vor der Kommission. Die VWA-Präsentation bietet den MaturantInnen nach wie vor die Chance, über sich selbst hinauszuwachsen und zu zeigen, was man draufhat. Sicher, der Auftritt findet nunmehr im Vorfeld der Matura statt und fühlt sich für die MaturantInnen deshalb auch noch nicht so recht maturamäßig an, trotzdem, mit der Idee der VWA und ihrer Präsentation kann selbst ich als Kompetenzskeptikerin etwas anfangen.

Dem Rest der neuen Matura aber fehlt meines Erachtens etwas ganz Wesentliches: Die Valorisierung des Individuums, die Wertschätzung jedes einzelnen Menschen, den wir als Erwachsene und LehrerInnen viele Jahre unterrichtet und erzogen haben, dem wir versucht haben Bildung fürs Leben angedeihen zu lassen und den wir nun der abschließenden Prüfung unterziehen, um ihn danach für reif zu erklären. Wie gesagt, ich spreche von der Idee. Und diese Idee umfasste Wissen und individuelle Leistungen, sie implizierte Inszenierung und Rituale, sie betrachtete den/die Einzelne/n als Individuum und im Klassenverbund, sie arrangierte das Ende der gemeinsamen Schulzeit als Finale furioso.

Die neue Form der Matura scheint mit all dem nicht mehr viel anfangen zu können. Sie erscheint mir eher Antwort auf ein Zerrbild von Matura zu sein, auf eine Realität, die sich vom Ideal mancherorts vielleicht zu gravierend unterschied. Für mich aber stellt sich die Frage: Hätte man bei einer Maturareform nicht auch daran arbeiten können, dem schönen Ideal ein wenig näher zu kommen? Hätte man wahrscheinlich schon, wollte man aber wohl nicht. Denn das Problem ist vermutlich, dass man auch dem Ideal nicht mehr viel abgewinnen konnte. Weil es in der derzeitigen Gesellschaft stärker um Funktionalität und um Zweckorientierung geht, weil eben nicht der gebildete, sondern der kompetente (oder genauer: der kompetenzorientierte) Mensch das Ziel ist, weil nicht Reife, sondern Verwert- und Verfügbarkeit herauskommen soll. Weil es in Wahrheit weniger um das Individuum mit seinem Wissen und Können als um den mess-, beschreib- und vergleichbaren Standard einer bestimmten Altersgruppe geht.

Deshalb musste ein anderes Maturamodell her – und deshalb müssen nun auch eine andere gymnasiale Oberstufe und ein anderes Lehrer-Schüler-Verhältnis folgen. In dieser neuen Oberstufe darf dann bereits jedes Semester, vom Lernbegleiter administriert, ein kleiner Kompetenzcheck stattfinden, auf dass schlussendlich möglichst alle den Maturastandard erreichen. Und damit die sogenannte „Individualisierung“ nicht zu kurz kommt, darf der oder die Hochbegabte ein oder mehrere Semester überspringen und bereits mit 17 oder gar 16 Jahren zur abschließenden Kompetenzmessung antreten. Eine wahrlich reife Leistung, werden wir sagen!

(nemo)

The Kids Are All Right – VWA-Feedback-Day

Wir haben ja so unser VWA-Programm, mit dem wir versuchen, unsere SchülerInnen zu interessieren, zu motivieren und zu begleiten. Monika hat den VWA-Fahrplan ja schon einmal beschrieben („Auf diese Weise halten wir uns gegenseitig bei Laune ;-)…“). Der letzte Programmpunkt seitens der Schule für die allgemeine Seite der Betreuung (die Zusammenarbeit mit den jeweiligen FachbetreuerInnen läuft natürlich weiter) ist der von uns so bezeichnete Feedback-Day. Voriges Jahr als Versuchsballon gestartet und ziemlich gut angekommen, fand er am letzten Freitag ein zweites Mal statt. Ebenfalls ein großer Kraftakt für Schulleitung und LehrerInnen, denn um mit Fünfergruppen eine Doppelstunde zu diskutieren und reflektieren, muss Platz geschaffen, Freizeit geopfert und es müssen viele Stunden suppliert werden. Ohne Zustimmung der Basis funktioniert das nicht – aber sie ist bei uns *yee-haw* in hohem Maß vorhanden!

Nach einer Einführungsstunde, in der Fragen geklärt, Feedbackregeln aufgestellt und die SchülerInnen Gruppen zugeteilt wurden, saß ich mit vier Mädchen und einem Burschen, die ich selbst nicht unterrichte, zusammen. Jede/r erklärte Thema und Forschungsinteresse und las aus einer mitgebrachten fertigen Seite vor, die auch jedem weiteren Gruppenmitglied ausgeteilt worden war. In je drei Runden wurde jeder Text von jedem/r mit Hilfe von ca. hundert vorgegebenen, positiven Adjektiven beschrieben, „starke“ Stellen hervorgehoben und sein Inhalt zusammengefasst. Es war großartig zu erleben, wie relevant, wertschätzend und ermutigend die SchülerInnen ihr Feedback abgaben. Meine Aufgabe war es dann eigentlich nur noch, manches genauer zu erklären oder konkreter zu machen.

Es war für alle spannend zu hören, was denn die anderen machen und wie weit sie sind, denn die Klassen waren aufgelöst. Auch die Themen waren unglaublich spannend: Was Plastikmüll für die Tierwelt bedeutet, wie sich die Vorstellungen über den „American Way“ verändern, wie sich „Spanglish“ in Bevölkerungsgruppen Amerikas etabliert und auswirkt, wie die Spanier die Eroberung der Azteken aufgrund der Opferrituale rechtfertigten und wie Bitmaps für Grafikoberflächen anwendbar gemacht werden.

Wenn unsere SchülerInnen Themen suchen, abchecken und auswählen, ist oft viel kindlicher Enthusiasmus dabei, der auch manchmal etwas eingebremst werden muss. Aber alle, mit denen ich bisher gearbeitet habe, wollen IHR Thema erforschen und nicht einfach etwas schon Vorhandenes auswerten. Die fünf vom Freitag haben IHR Thema gefunden oder ein verändertes zu ihrem gemacht. Sie sind jetzt schon Experten und haben sich hineingearbeitet und viel dazugelernt. Sie haben sich ernsthaft und reif mit den Themen anderer auseinandergesetzt und für mich war es beglückend, ein paar unserer manchmal ja doch noch innerhalb einer Klassengruppe recht anstrengenden jungen Frauen und Männer in dieser Situation zu erleben.

Dazwischen – zwischen Stundenplan und Matura – sehe ich, dass wir alle, Eltern, SchülerInnen, LehrerInnen viel richtig machen. Mit viel Anerkennung und fünf ermunternden Kommentaren pro TeilnehmerIn schritten wir in das verlängerte Wochenende. The kids are all right!

(juhudo)