Der VWA-Fahrplan: Anfang – Arbeit – Abgabe – und manchmal sogar eine Auszeichnung

Doris, in diesen Sphären auch als juhudo bekannt, finalisiert gerade den Jahresbericht unserer Schule. Auch einer der gröberen Kraftakte am Ende eines Schuljahres! Und ich verfasse für diesen Zweck noch ein paar Zusammenschauen, die ich – obwohl nicht unmittelbar für den Blog geschrieben – doch hier veröffentlichen will. Irgendwie erscheint es mir interessant, auch wenn in diesem Forum schon mehrfach über die vorwissenschaftliche Arbeit zu lesen war. Heute also ein Überblick über den VWA-Fahrplan am WRG Salzburg:

Im zweiten Semester der 6. Klasse geht’s los mit der unverbindlichen Übung zum wissenschaftlichen Arbeiten: Was heißt denn überhaupt „wissenschaftlich“? Wie komme ich zu einem machbaren Thema und was will ich mit meiner Arbeit herausfinden? Wie recherchiere ich Literatur und zitiere diese korrekt? Solche und ähnliche Fragen stehen am Anfang der VWA. Mögen sie manchem Schüler zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch ein wenig an einen Trockenschwimmkurs erinnern, erscheint es uns doch notwendig, zuerst ein paar Grundlagen zu vermitteln, bevor wir in der 7. Klasse so richtig durchstarten.

Unser „VWA Kick-off-Tag“ zu Beginn der 7. Klasse lässt dann keinem mehr eine Chance, den Kopf in den Sand zu stecken. Ab diesem Zeitpunkt wird das Thema VWA ein Anliegen aller. Wir haben uns für den Tag ein Konzept gebastelt, das uns selbst Spaß macht – und zumindest ein bisschen davon überträgt sich auf die meisten: Schulbeginn um 9 Uhr, Plenarvortrag mit allen Eckdaten zur VWA, Begegnungszone mit LehrervertreterInnen aller Fächer, Reflexionsphasen, Diskussionen in der Gruppe und am Nachmittag Führungen in verschiedenen Salzburger Universitätsbibliotheken. Am Ende dieses Tages haben wir alle gemeinsam ein bisschen Uni gespielt und die SchülerInnen zumindest eine Idee, worüber und bei wem sie schreiben werden.

Dem Kick-off-Tag folgen im Wintersemester mehrer kleinere bedarfsorientierte Workshops, die über die Gespräche mit den BetreuerInnen hinaus den SiebtklässlerInnen bei sämtlichen Fragen und Problemen helfen sollen: bei der Themenfestlegung, der Arbeit an der Fragestellung, der Formulierung eines Erwartungshorizonts, der Literaturrecherche, der elektronischen Datenverarbeitung und Ähnlichem. Nach dieser Phase (Halbjahr 7. Klasse) muss jeder und jede sein bzw. ihr VWA-Thema beschreiben, das Konzept einreichen und auf einer offiziellen Datenbank hochladen. In weiterer Folge muss das Thema vom jeweiligen Betreuer, dem Direktor und schließlich der Schulaufsicht genehmigt werden. Sodann ist der VWA-Zug so richtig angelaufen.

In den Sommerferien zwischen siebter und achter Klasse liegt es an jedem Einzelnen, seinen ganz persönlichen VWA-Waggon auf Schiene zu halten, denn die achte Klasse vergeht oft schneller, als einem lieb ist. Zur Unterstützung des Schreibprozesses haben wir im letzten Herbst erstmals einen Feedback-Workshop für die AchtklässlerInnen organisiert. Dafür musste jeder eine bereits geschriebene Seite aus der eigenen Arbeit mitbringen. In Kleingruppen wurden diese Texte gemeinsam mit einem/r FachlehrerIn diskutiert. Wir waren begeistert von der Tatsache, dass 98 % der SchülerInnen eine Seite mithatten, die allermeisten SchülerInnen wiederum waren von der Methode des Textfeedbacks angetan. Auf diese Weise halten wir uns gegenseitig bei Laune 😉 – und den Zug am Rollen, bis schließlich im Februar die fertige VWA abgegeben und wiederum auf besagte Datenbank hochgeladen werden muss.

Bis es soweit ist und das – mit allem Drum und Dran: Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Abbildungen, Literaturverzeichnis etc. – meist 30- bis 40-seitige Konvolut abgegeben werden kann, ist es ein langer und anstrengender Weg, der nicht zu unterschätzen ist. Das gilt sowohl für die SchülerInnen als auch für die jeweiligen BetreuerInnen. Denn auch für uns LehrerInnen war bzw. ist die VWA Neuland. Und sie wird jedenfalls auch weiterhin eine intensive und herausfordernde Form der individuellen Lernbegleitung bleiben. Es ist dies eine Form des Arbeitens, die sich für beide Seiten, für SchülerInnen und LehrerInnen, allerdings wirklich lohnen kann. Dann nämlich, wenn Schüler ihr Thema gefunden und so richtig angebissen haben, wenn man sie als LehrerIn begleiten, ja anspornen und den Entstehungsprozess unterstützen kann – und wenn man schließlich eine reife Leistung beurteilen und bei der Präsentation so richtig stolz sein darf.

Damit dies tatsächlich so passieren kann, bedarf es vielfacher Unterstützung: durch die Direktion, die Administration, das Sekretariat und das gesamte LehrerInnen-Kollegium. Nur im Team können Doris und ich als VWA-Zuständige (quasi Fahrdienstleiterinnen) einen sinnvollen VWA-Fahrplan umsetzen. Aber das Schöne an unserer Schule ist: Darauf ist Verlass! Ebenso wie auf unsere SchülerInnen im Übrigen. Stellvertretend für viele hervorragende Arbeiten sei die VWA von Nina Rinnerberger genannt: Fünf Arbeiten aus ganz Österreich, die sich einem literarischen Thema widmeten, wurden vom Magazin Buchkultur prämiert. Ninas Arbeit zum Thema „Lebensverweigerung bei Jugendlichen“, betreut von Andrea Haslauer, ist eine davon. Wir gratulieren! (nemo)

Die erste Zentralmatura. Fast schon ein Rückblick

In diesem Schuljahr hatten wir sie nun erstmals in allen Fächern und im vollen Umfang: die neue Reifeprüfung, gemeinhin „Zentralmatura“ genannt.¹ Alle AchtklässlerInnen mussten eine vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) verfassen und präsentieren; die Prüfungsunterlagen für den schriftlichen Teil kamen zentral (per Sicherheitstransport) aus Wien, und die Aufgaben für die mündlichen Prüfungen (die derzeit noch ausstehen) werden per Ziehung ermittelt. Das sind in etwa die Eckpunkte der nunmehr dreiteiligen Matura.

Für die diesjährigen MaturantInnen war die neue Matura in erster Linie aufregend, weil weitgehend unbekannt – und mit echt viel Stress verbunden. Gerade die Zeit im Februar, als es galt, die letzten (und mitunter entscheidenden) mehrstündigen Schularbeiten zu absolvieren und gleichzeitig die VWA abzuschließen und einzureichen, war für viele eine veritable Herausforderung. Für ein paar wurde die Belastung sogar zu groß, sie waren dem Burn-out nahe. Schlussendlich haben es dennoch fast alle geschafft, viele sogar bravourös, und wie so oft erscheint im Nachhinein alles nur halb so schlimm. Aber die Erschöpfungszustände hat es gegeben, und auch sie gehören zu einem Resümee der ersten Zentralmatura.

Unmittelbar nach den Osterferien ging es so richtig los mit dem Maturafeeling. Es standen die Präsentationen der VWAs an. Erst im Anschluss daran wurde für diesen Teil der Matura, die sogenannte erste Säule, eine Note vergeben. Jeder Schüler, jede Schülerin musste seine bzw. ihre Arbeit vor der vierköpfigen Prüfungskommission – bestehend aus dem Maturavorsitzenden, dem Direktor, dem jeweiligen Klassenvorstand und dem/der BetreuerIn der Arbeit – vorstellen. In 7 Minuten sollte die Quintessenz der meist 25 – 30-seitigen Arbeit präsentiert werden, weitere 7-8 Minuten standen für die darauf folgende Diskussion mit der Kommission zur Verfügung. Das war schon eine anspruchsvolle Sache, die die meisten unserer SchülerInnen wirklich mit Bravour erledigten.

Auch bei den schriftlichen Klausuren Anfang Mai schnitten unsere WRG-MaturantInnen alles in allem hervorragend ab. Nur 4 von 69 angetretenen KandidatInnen hatten in jeweils einem Fach ein Nicht genügend (2 davon sind mittlerweile durch eine Kompensationsprüfung ausgebessert und also bereits Geschichte). Das war schon eine reife Leistung der MaturantInnen und verdient Anerkennung – und ein bisschen davon gebührt auch den LehrerInnen, denen die gesamte Vorbereitung oblag. Deutsch, Mathematik, Englisch, Latein und Französisch waren die Fächer, die bei dieser ersten Zentralmatura an unserer Schule auf dem Plan standen.

Und nun fehlen noch, als dritte Säule der neuen Reifeprüfung, die mündlichen Prüfungen. Dabei zieht der Schüler zwei Themenbereiche, entscheidet sich für einen der beiden und bekommt sodann vom Lehrer eine entsprechende Aufgabe vorgelegt. Für jedes Fach und von jedem Lehrer mussten dafür umfangreiche „Themenpools“ – sozusagen Fragensammelbecken – angelegt werden, die nun darauf warten, befischt zu werden.

Ebenso wie die VWA bedeutet auch die mündliche Matura für die gesamte Schule eine wirkliche administrative Herausforderung. Die schriftliche Matura war insofern für die Schule entspannter. Da die Klausuren ja angeliefert wurden, blieb lediglich die Frage zu lösen: Wohin mit all dem Papier? Für die mündliche Matura aber gilt es genaue und ausgetüftelte Pläne zu erstellen, die einen reibungslosen und zügigen Ablauf garantieren. Nicht alles, aber vieles wird anders vonstattengehen, als dies in früheren Jahren der Fall war, und nicht alles von dem vielen, das sich ändert, scheint von den Erfindern der Zentralmatura in seinen Auswirkungen ganz durchdacht worden zu sein. So ist allein bei der Ziehung Vorsicht geboten, gibt es doch je nach Fach Themenpools mit angeordneten 6, mit 12, mit 15, mit 18 und mit 24 Themenbereichen. Nicht auszudenken, was passierte, zöge ein Maturant die Katze aus dem falschen Sack und diese existierte dann gar nicht …

Einiges von dem, was uns in diesem Jahr kollektiv Kopfschmerzen verursacht hat, wird uns bereits im nächsten Jahr nicht mehr als ein routiniertes Lächeln kosten. Aber in diesem Jahr war die neue Matura für die gesamte Schule jedenfalls ein ordentlicher Kraftakt. Viele Informationen und Durchführungsbestimmungen wurden uns vom Ministerium sprichwörtlich in letzter Sekunde übermittelt. Einiges, worauf wir LehrerInnen jahrelang im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen vorbereitet wurden, kam schlussendlich doch anders als gedacht. An so mancher inhaltlichen Neuerung mussten wir lange kauen, bis sie hinuntergehen wollte. Und dass zweifellos das eine oder andere davon in den nächsten Jahren wieder angepasst, weiter reformiert, verändert oder gar abgeschafft wird, ist demzufolge auch kein Trost.

Aber wir werden, wie wir es gewöhnt sind und wie wir es immer wieder erfolgreich praktizieren, das Kind auch weiterhin schaukeln. Gemeinsam mit den FachkollegInnen, dem gesamten LehrerInnenteam, dem Sekretariat, der Direktion, der Administration – und nicht zuletzt gemeinsam mit unseren SchülerInnen kriegen wir schließlich so manches hin. Bei all dem in diesem Jahr so laut dröhnenden Maturageschrei darf nämlich auch nicht vergessen werden, dass daneben noch ein ganz normaler Schulbetrieb stattfindet, dessen Jahresabschluss auch – so wie jedes Jahr – einiges an geballter gemeinschaftlicher Kraft erfordert. Insgesamt 29 Klassen an unserer Schule maturieren schließlich nicht.

Mit den dreien aber, die in diesem Schuljahr ihre Reifeprüfung ableg(t)en, werden wir bei der Maturafeier Anfang Juli kräftig anstoßen: auf die erfolgreiche erste Zentralmatura, sicher. Aber auch darauf, dass sie vorbei ist. Und vor allem auf uns alle gemeinsam, die wir damit doch ziemlich zu tun hatten. Danach sind erst einmal Ferien. (nemo)

¹ Den Text habe ich für den in Kürze erscheinenden Jahresbericht unserer Schule verfasst. Über den Jahresbericht und seine Inhalte wird demnächst auch hier im Blog etwas zu lesen sein.

FM4: Was ich noch sagen wollte …

Eine Radiosendung auf FM4 – live aus unserer Schule! So geschehen am Dienstag dieser Woche. Die Sendung „Auf Laut“ wurde in unserem Beisein aus dem „Zentralbuffet“ (was für ein Wort!) des WRGs gesendet. Grund dafür war, dass der Moderator Ali Cem Deniz vor einigen Jahren bei uns maturiert hatte. Eine schöne Geste, finde ich, dass er auf die Idee kam, für die Sendung an seine ehemalige Schule zurückzukehren.

„Was bringt die Zentralmatura?“, lautete die inhaltliche Ausrichtung der Sendung. Eine Maturantin und ein Maturant aus dem WRG und ich als Vertreterin der Lehrerschaft waren auf dem Podium. Im Publikum saßen SchülerInnen von uns – mehr als die Hälfte aus meiner Klasse! 🙂 – Kolleginnen und unser Direktor. Ein bissl aufregend war’s zuerst schon, dann aber ging’s eigentlich ganz gut. Wobei: Viel Zeit bleibt einem nicht zur Verfertigung der Gedanken beim Reden in ein Mikro. Vor allem aber störte (mich) die Musik. Kaum hatte man ein Thema angerissen, wurde schon wieder das nächste Musikstück angekündigt. Und danach gab’s wieder eine neue Frage. Eine richtige Diskussion kann so natürlich nicht zustande kommen. Dafür ist so eine Sendung aber wahrscheinlich einfach auch nicht das richtige Format. Immerhin haben wir – hoffe ich – ein bisschen etwas davon vermitteln können, worum es, Zentralmatura hin, Zentralmatura her, in der Schule eigentlich geht: nämlich um ein gemeinsames Arbeiten und Lernen von SchülerInnen und LehrerInnen.

Ah ja, was ich noch sagen wollte: Insofern wird auch die Zentralmatura funktionieren. Nicht, weil das Modell der Neuen Reifeprüfung so grandios ist, nicht, weil die Aufgabenformate so ausgeklügelt und vergleichbar sind, nicht, weil die BildungsexpertInnen so versiert sind, nein, weil wir LehrerInnen es gemeinsam mit unseren SchülerInnen schaffen werden, die Herausforderungen zu meistern, weil wir uns (bis zur Selbstausbeutung) ins Zeug legen, weil wir LehrerInnen uns selbst von un- und blödsinnigen Vorgaben, Formaten und Inhalten nicht drausbringen lassen und stattdessen im Sinne unserer SchülerInnen handeln und dies weiterhin tun werden. Deshalb wird auch die Neue Reifeprüfung funktionieren. Wollt‘ ich noch gesagt haben. (nemo)

PS: Wer Lust hat, bis nächsten Dienstag kann man die Sendung nachhören. Einfach auf den Link klicken (Auf Laut, 21.4.2015).

VWA-Präsentationen oder Sternstunden eines KVs

Und da sind sie auch schon wieder vorbei, die VWA-Präsentationstage an unserer Schule. Als KV war ich bei allen Schülerinnen und Schülern meiner Klasse Teil der Prüfungskommission. Sieben Minuten Vortrag, sieben bis acht Minuten Diskussion. Danach eine kurze Beratung der Kommission, Mitteilung der Note an den Kandidaten – und weiter zur nächsten Präsentation. Natürlich habe ich mich darauf gefreut. Ich bin zu neugierig (sowohl auf die verschiedenen Arten der (Selbst-)Präsentation als auch auf die Arbeiten und deren Inhalte) und fühle mich meiner Klasse zu verbunden, als dass mich das alles kalt ließe. Ein wenig aber hatte ich schon auch die Befürchtung, dass die Präsentationen mühsam und – in Summe gesehen – ein bisschen langweilig werden würden.

Und dann das: 27 Präsentationen, von denen mich nicht eine – und schon gar nicht die Summe – langweilte. Ganz im Gegenteil. Ich war so stolz auf meine SchülerInnen und mit jeder Präsentation wurden die Freude und der Stolz größer. Jede und jeder Einzelne hat es geschafft, ihre bzw. seine VWA interessant vorzustellen und auf den Punkt zu bringen. Nicht eine Präsentation, wo man sich nicht ausgekannt hätte! Nicht ein Schüler, der die sieben Minuten nur mit heißer Luft gefüllt hätte, nicht eine Schülerin, die sich in den Details verzettelt hätte! Stattdessen Präsentationen, die so manchem Studenten zur Ehre gereicht hätten. Und nicht nur den Anfängern.

Das Allerschönste an den Präsentationen waren übrigens die Diskussionen. Nach den eigentlichen Präsentationen, bei denen die eine oder andere Stimme noch ein wenig zittrig war und sich ein paar der vorbereiteten Sätze doch als zu kompliziert für die aufregende Situation erwiesen, habe ich 27 junge Erwachsene erlebt, die über ihre Arbeit und über das von ihnen behandelte Thema diskutieren, die auf Fragen fachkundig Auskunft geben, ja, die einen kritischen Diskurs über ein Thema führen konnten. Das hatte nicht mehr viel mit einer üblichen Schulsituation zu tun, das war ein Initiationsritus für die Universität, da hatte der strapazierte Begriff „Reifeprüfung“ plötzlich einen wirklichen Inhalt.

Sicher, man könnte schon auch grundsätzlich Kritisches zur VWA an sich anmerken. Außerdem soll man bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben. Wir werden erst sehen, wie es nun mit der schriftlichen Matura weitergehen wird. Möglicherweise wird einigen die Übungs- und Lernzeit fehlen, die sie für die VWA und deren Präsentation aufgewendet haben. Dass es jedenfalls für viele eine wirkliche nervliche Zusatzbelastung war, steht außer Frage. Dennoch: Hier und heute will ich mich mit meinen SchülerInnen freuen dürfen und ihre beeindruckenden Leistungen erst einmal für sich stehen lassen.

Heute Vormittag im Unterricht musste ich das Ganze mit meiner Klasse natürlich schon noch ein wenig nachbesprechen. Und wie immer, wenn ich die Sichtweise und die Gedanken aller einholen will, habe ich sie um ein Freewriting gebeten. Zumindest ein paar dieser Gedanken möchte ich hier wiedergeben:

„Ich war so froh und erleichtert, die erste Hürde auf dem Weg zur Matura überwunden zu haben. Noch mehr habe ich mich allerdings gefreut, als ich gehört habe, wie gut die überdramatisierte VWA-Geschichte für alle anderen ausgegangen ist.“

„Das aufmunternde Lächeln der Prüfenden hilft einem die ganze Sache irgendwie durchzustehen.“

„Auch die Diskussion hat mir im Vorhinein zu viele Sorgen bereitet. Ich bin ungerne in einer unvorbereiteten Situation. Aber ehrlich gesagt, so unvorbereitet war ich gar nicht. Jeder, der seine VWA selbst verfasst hat, ist für die Diskussion vorbereitet.“

„In der Diskussion wurden durchwegs ernsthafte, auch herausfordernde Fragen gestellt, sodass einem das Gefühl gegeben wurde, eine ernstzunehmende Arbeit geschrieben zu haben.“

„Immer wieder habe ich meine Klassenvorständin angesehen, meinen ‚Fels in der Brandung‘ :), bis mir aufgefallen ist: ‚Hoppla, ich muss ja die anderen auch noch ansehen.'“

„Es war wirklich so, dass ich unbedingt alles erzählen wollte, was ich geschrieben habe, und auch bei der Diskussion hätte ich noch ewig weiterreden können. Ich habe mich so gefreut über die Fragen.“

„Besonders gefallen hat mir, dass ich während der Präsentation gemerkt habe, dass das Interesse auch auf die Kommission übergesprungen ist. (…) Als ich dann gemerkt habe, dass es bei den Fragen gar nicht um richtig oder falsch ging, schmolz das Eis und ich konnte voll in meinem Enthusiasmus aufblühen, über mein Thema zu reflektieren, neue Ansätze und Perspektiven zu betrachten und sich auf einer Ebene mit der Kommission zu unterhalten, die ich mir nie erträumen lassen hätte können.“

„Schade ist, dass manche Schüler mehr Unterstützung durch ihre Betreuungslehrer bekamen als andere. Aber ich bin froh und zufrieden damit, wie meine Präsentation geendet hat.“

„Ich bin stolz, dass ich das Ganze so gut gemeistert habe und mein Fleiß und Ehrgeiz haben sich voll und ganz ausgezahlt.“

„Die Präsentation, aber vor allem die Diskussion haben mich selbst noch einmal über mein Thema reflektieren lassen und auch andere Gesichtspunkte des Themas für mich sichtbar gemacht.“

„Während der Präsentation gefiel mir, dass von der Kommission positive Blicke kamen, was leicht auflockerte und sicherer machte. (…) Alles zusammen war es eine sehr interessante Erfahrung, welche aber auch mit viel Arbeit verbunden ist.“

„Ich empfand die Stimmung im Raum als sehr positiv, vor allem, weil mir die Anwesenden nett zugelächelt haben.“

„Mittwochabend – schnell noch die Präsentation vorbereiten. (…) Um ehrlich zu sein, muss ich zugeben, dass ich doch sechs Stunden an der Präsentation arbeitete.“

„Und das ist auch wichtig für die künftigen Maturanten. Die sollten wissen, dass sie das können.“

Ja, auch so kann Schule sein. (nemo)

Ferialarbeit II

Naja, eigentlich hat es sich nicht um „Arbeit“ gehandelt. Da heute, am Mittwoch nach den Osterferien die VWA-Präsentationen beginnen, haben wir gestern zweieinhalb Stunden mit dem Ausprobieren der Computer, Beamer, USB-Sticks, Festplatten und Onlineressourcen verbracht, die die Maturantinnen verwenden wollen. Das gehört zu einer Präsentation dazu. 25 Schülerinnen, Schüler und zwei Hunde kamen und überprüften, ob sich ihren Plänen auch keine technischen Probleme entgegenstellen würden. Fast alles klappte und die drei, vier kleineren Schwierigkeiten waren schnell behoben. Alles lief in sehr entspannter Atmosphäre ab und hat den Mädchen und Burschen hoffentlich zumindest die Sorge abnehmen können, dass vielleicht ihre Vorbereitung umsonst war. Die digitalen Medien funktionierten, aber mit den analogen ist es nicht mehr so einfach: Im ganzen Schulhaus konnten wir keinen Zeigestab mehr finden… (juhudo)

Die Besonderheiten einer ganz normalen Schulwoche

Freitagabend, Beginn der Osterferien. Uff. Die Anstrengungen der Woche sitzen mir in den Knochen. Was war los in diesen Tagen? Nichts Besonderes, viel Besonderes, je nachdem, wie man’s betrachtet. Unterricht nach Plan, kein Schikurs, kein Stundenentfall, kein anderer schulischer „Event“. (In Zeiten wie diesen schon fast eine Ausnahme.) Die Zweitklässler hatten natürlich viel zu erzählen, die Fünftklässler nett, aber ein bisschen lahm (wie immer), die „Meinigen“ aus der Achten interessiert und wissbegierig. Es ist schön zu beobachten, wie sich die Achtzehnjährigen nunmehr für Literatur und Literaturgeschichte, für Lyrik und Sprache interessieren. Wie sie plötzlich aufmerksam und verständig reflektieren, was noch letztes Jahr viele von ihnen überfordert oder unberührt gelassen hätte. Ach, gäbe es bloß auch bei uns das neunjährige Gymnasium! Und: Ach, wie werd‘ ich sie vermissen, die Meinigen!

Am Dienstag galt es, einen verpflichtenden Workshop in Sachen Schulqualität zu absolvieren: Schöner, interessanter Austausch mit KollegInnen und DirektorInnen aus anderen Schulen. Viele gute Ideen, Themen und Projekte, anregende Diskussionen. Wenn gleichzeitig aber Geld für Werteinheiten, also für Unterricht, gestrichen wird – so wie es uns in diesen Tagen wieder einmal angekündigt wurde – erledigt sich manch qualitätsvolle Idee von selbst. Übrig bleibt ein fahler Geschmack und das Gefühl, dass die Kluft zwischen Sein und Schein, zwischen Wirklichkeit und Anspruch, zwischen schulischer Realität und ministerieller Planung immer größer wird. Alles, was wir tun können, ist, die Realität vor Ort – trotz all der Zumutungen – für uns und unsere SchülerInnen so sinn- und lustvoll zu gestalten, wie es uns (noch) möglich ist. „Von oben“ dabei unterstützt fühlt man sich nicht.

Am Mittwoch und am Donnerstag durfte ich die drei Schülerinnen, die bei mir ihre VWA geschrieben haben, auf ihre bevorstehenden Präsentationen vorbereiten. Gleich nach den Osterferien ist es ja soweit: Im Zwanzig-Minuten-Takt werden sie ihre Arbeiten der Prüfungskommission, bestehend aus Vorsitzendem, Direktor, Klassenvorstand und Betreuer, vorstellen. Zuerst eine sechs- bis siebenminütige Präsentation, anschließend eine ungefähr gleich lange Diskussion. Dies ist integraler Bestandteil der „ersten Säule“ der neuen Matura, also der VWA. Erst im Anschluss daran gibt es eine Note – eine Gesamtnote für die schriftliche Arbeit, für die Präsentation und die Diskussion. Spaß werden die Präsentationstage keiner, trotzdem freue ich mich irgendwie darauf. Als Klassenvorständin bin ich bei allen SchülerInnen aus meiner Klasse anwesend, d.h. am Donnerstag nach den Osterferien von 7.30 Uhr bis 17.50 Uhr. Am Freitag geht’s um 7.30 Uhr weiter. Ich bin gespannt auf die Arbeiten und die Präsentationen meiner SchülerInnen. Nur von einigen kenne ich schon die Arbeit, von den meisten weiß ich bisher nur ungefähr, was sie geschrieben haben. Und bei den dreien, deren Betreuerin ich bin, bin ich natürlich neugierig, wie sie ihre Arbeit, deren Entstehungsprozess ich über ein Jahr lang begleitet habe, nun darstellen werden.

Neben diesen Besonderheiten noch ein paar andere: Fachkonferenz aller DeutschlehrerInnen unserer Schule am Mittwochabend (wie schön, in einem solchen Team arbeiten zu können!): Auswahl der Schulbücher fürs nächste Jahr, Anschaffung von Klassenlektüren, Koordination der Prüfungsfragen für die mündliche Matura. Dazu  Elterngespräche, per Telefon, Mail und persönlich, Informationsaustausch und -weitergabe unter KollegInnen, Planungen und Absprachen für künftige Projekte. Alles irgendwie auch Routine, genauso wie das Korrigieren, Vorbereiten, Unterrichten, Erziehen, Besprechen, Rückmelden, Problemlösen und all das andere. Eine ganz normale Schulwoche, nichts Besonderes, viel Besonderes, je nachdem, wie man’s betrachtet. (nemo)