Sprechen und darüber Nachdenken in der „Neuen Normalität“

Ein paar Artikel, die ich an diesem Wochenende gelesen habe, möchte ich nicht verlieren. Es sind nachdenklich stimmende Beiträge, die sich sprach- und gesellschaftskritisch mit der „Neuen Normalität“ auseinandersetzen.

Zum einen handelt es sich um einen Beitrag des von mir überaus geschätzten Historikers und kritischen Intellektuellen Peter Huemer. Er fragt sich angesichts der Sprachverwendung unseres Innenministers, der „Verdachtsfälle zu isolieren“ und „Glutnester zu lokalisieren“ verspricht, in welche Gesellschaft wir da gerade hineinstolpern. (Leider sind in dem pdf-Dokument die Zeilenränder abgeschnitten – trotzdem denke ich, dass man den Beitrag einigermaßen lesen und verstehen wird können.)

Zum anderen möchte ich einen Beitrag von Regina Polak verlinken. Die Theologin reflektiert das schöne neue Wort „Hochfahren“, das uns derzeit täglich begleitet. Auch mir bereitet dieses Wort Unbehagen. (Auf den Artikel bin ich über das „Einserkastl“ von Hans Rauscher im Standard vom Wochenende gestoßen.)

Und zum dritten will ich auf den Essay der Philosophieprofessorin Anne Siegetsleitner verweisen. Sie macht sich als Philosophin im Ausnahmezustand Gedanken über unsere Gesellschaft und widmet ihren Beitrag dem Gedenken an Hannah Arendt. (Man muss auf der verlinkten Seite hinunterscrollen, bis man zu dem Beitrag gelangt.)

Zur Beruhigung angesichts dessen, was derzeit passiert, taugt keiner der drei Artikel. Kritisches Nachdenken aber befördern sie alle.

(nemo)

Vom menschlichen Maß nehmen. Nachdenken über „alternativloses“ Handeln

„Sollte beim Ergreifen von Maßnahmen nicht bedacht werden, dass bei diesem Vorgang Maß genommen wird, nicht Maß geraten?“, fragte sich Andrea Maria Dusl kürzlich in ihrer illustrierten Kolumne zum Thema „Corona-Kurven“.[1]  Maß genommen wurde und wird viel in diesen Zeiten: Man verbietet Menschen, sich zu treffen und sich nahe zu kommen, man hält Schulen, Gasthäuser und Ämter geschlossen, man riegelt Spielplätze ab, man hindert Menschen, an Begräbnissen teilzunehmen, man untersagt Theateraufführungen, Konzerte, Sportveranstaltungen und noch vieles mehr. Die Regierung verbietet uns unser bisheriges Leben und wir haben uns daran zu halten. Vielen, ja, den allermeisten scheint die Notwendigkeit all dieser Maßnahmen einzuleuchten. Sie nehmen die Einschränkungen hin, als wären sie unumgänglich. Alternativlos.

Ich selbst bin seit Wochen fassungslos. Wie kann eine Gesellschaft glauben, dass sie all das, worüber sie sich bisher definiert hat, nicht mehr braucht? Dass sie ihr Miteinander einfach abdrehen oder in einen körperlosen digitalen Raum auslagern kann? Was ist aus uns und unseren kulturellen Errungenschaften geworden?

Es scheint nur mehr ein Ziel zu geben: Hauptsache, die Sterblichkeitsrate sinkt. Der Tod ist zu einer rein statistischen Angelegenheit geworden, es geht nur mehr um Zahlen und Kurven. Die Menschen dahinter verschwinden. Der Zahl der Infizierten und Erkrankten wird jene der verfügbaren Atemgeräte auf den Intensivstationen entgegengehalten. Es wird gerechnet, modelliert und prognostiziert.

Aber ist das wirklich alles, worauf es beim Leben und Sterben von Menschen ankommt?

Der Kampf ums nackte Überleben ist entbrannt. Jenseits davon scheint alles verzichtbar. Grundversorgung und Intensivbetten – mehr brauchen wir offenbar nicht. Und diese fundamentale Reduktion wird dann auch noch mit dem Hinweis auf die Würde des Menschen gerechtfertigt. Als würde sich das Ausmaß an menschlicher Würde einzig und allein daran messen, dass wir im Krankenhaus künstlich beatmet werden können.

Wir alle gehen täglich vielerlei Risiken ein. Wir fahren mit dem Auto oder dem Fahrrad, wir arbeiten, wir gehen außer Haus. Immer öfter sind wir gezwungen, schlechte Luft einzuatmen. Viele Menschen haben Übergewicht, rauchen, essen und trinken ungesunde Sachen, fühlen sich gestresst, betreiben gefährliche Sportarten oder sitzen zu viel. Unser gesamtes Leben ist mit dem Risiko zu sterben behaftet. Jetzt aber zählt nur mehr das Risiko, am Coronavirus zu erkranken.

Jeden Tag sterben Menschen: an Krankheiten, an Unfällen oder schlicht an der unabänderlichen Tatsache, dass unser aller Leben irgendwann zu Ende geht. Bis vor kurzem hatte man darüber diskutiert, ob es nicht würdevoller sein könnte, Menschen am Ende ihres Lebens, anstatt sie intensivmedizinisch am Leben zu halten, in Ruhe sterben zu lassen. Jetzt sind solche Gedanken ungehörig, fast so, als würde man – alleine wenn man darüber nachdenkt, wie man selbst einmal sterben möchte oder was man den eigenen Eltern wünscht, – sich im Dunstkreis des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms bewegen. Getan wird, als ob es plötzlich darum gehen könnte, den Tod als solchen abzuschaffen. Wer dagegen ist, handelt zynisch und unmoralisch.

Abgeschafft werden soll aber nicht nur der Tod. Nein, bereits die Infektion selbst wird im Falle von Corona zum Skandalon. Die Zahlen der weltweit Infizierten werden öffentlich herumgereicht, als handelte es sich dabei um Einträge auf einer globalen Anklagetafel. Man mag an Krebs leiden, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden, doch an Corona zu laborieren, das geht nicht. Jedes Jahr erkranken Menschen schwer an der Grippe, gar nicht so wenige sterben daran, aber nein, an Corona darf nicht erkrankt und schon gar nicht gestorben werden. Deshalb sind alle Maßnahmen gerechtfertigt, deshalb muss das Ansteckungsrisiko nicht nur minimiert, es muss ausgeschlossen werden. Dass das Virus trotzdem nicht zu verharmlosen ist, versteht sich meines Erachtens von selbst.

Die Regierungen fast aller Staaten benehmen sich im Corona-Bekämpfungswettbewerb, als winkte dem Sieger die Übernahme der Weltherrschaft. In den Medien wird betont, was für eine wichtige Rolle der Politik jetzt wieder zukomme. In den letzten Jahren war politisches Handeln ja zunehmend durch marktkonformes Vorgehen ausgeschaltet worden. Der Markt hatte gesprochen und die Regierungen sind gefolgt. Der Spielraum zum Gegensteuern wurde immer kleiner. Jetzt sei plötzlich wieder die Politik am Zug und sage, wo’s langgeht. Aber ist das denn wirklich so? Ist das wirklich souveränes politisches Handeln, was derzeit stattfindet? Mir scheint, es ist vielmehr ein globaler politischer Gleichschritt, der nun vollzogen wird. Fast gar nichts wird in dieser Krise von einer einzelnen Regierung bestimmt. Alle machen dasselbe, und zwar auf der ganzen Welt. China hat die Maßnahmen vorexerziert und die ganze Welt kopiert sie. Wie immer gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

Es sind beinahe überall die gleichen Maßnahmen, die beschlossen werden, mit dem – allerdings nicht unwesentlichen Unterschied –, dass die einen geschickter und die anderen hilfloser agieren. In Europa hat Italien, wohl auch, weil es das erste betroffene Land war, mit der hilflosen Version begonnen. Es waren die Bilder dieses Versagens, die uns alle kontaminiert haben. Bilder gehen nicht mehr weg, Bilder kann man nicht relativieren und auch nicht negieren. Das ist hinlänglich bekannt. Dagegen können wir jetzt nichts mehr machen. Zu hoffen ist nur, dass die Gründe ebenso wie die Hintergründe für das italienische Desaster eines Tages tatsächlich aufgeklärt werden.

Bei uns hat man, das Beispiel Italien vor Augen, in mancher Hinsicht geschickter agiert. Man hat die Menschen davon abgehalten, in die Arztpraxen und Krankenhäuser zu rennen. Stattdessen hat man die Infizierten daheim in häuslicher Quarantäne gehalten. Das hat – im Zusammenspiel mit dem immer noch hervorragenden österreichischen Gesundheitssystem – funktioniert. Auf diese Weise konnten die Ansteckungsraten gering gehalten werden. Aber trotzdem sah sich auch unsere Regierung bemüßigt, das volle Programm des „Shutdowns“ durchzuexerzieren.

Jetzt kommt man aus den Maßnahmen nicht mehr heraus. Jeder Schritt in eine „neue Normalität“ muss genau kontrolliert und mit dem geradezu grotesk anmutenden Zwang sich zu maskieren abgesichert werden. Ob es nicht gereicht hätte, die Menschen mit Symptomen zu isolieren und etwas mehr auf Hygiene sowie Abstand zu achten, wird man wohl kaum mehr herausfinden können. Denn mittlerweile wurde soviel Maß genommen, dass auch der Maßstab für die Pandemie selbst verloren gegangen ist. Jeder an Corona Infizierte, jeder an Corona Erkrankte, jeder an Corona Verstorbene ist nunmehr gleichermaßen ein Skandal wie ein Beweis für die Notwendigkeit der Maßnahmen.

All die anderen Toten nimmt man derweilen getrost in Kauf. Tragisch Verunglückte, an Krankheiten Verstorbene, ob jung, ob alt, sie zählen nicht.

Man lässt die Hinterbliebenen allein. Ihre Trauerfeiern werden zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden können. Als ob das eine Option wäre, wenn man einen geliebten Menschen verliert!

Man lässt die Alten und Kranken allein. Man lässt die Familien, Frauen und Kinder allein. Man nimmt die Arbeitslosen, die Verzweifelten, die Verarmten in Kauf. Koste es, was es wolle.

Man entmündigt eine Gesellschaft, man beschneidet Freiheiten, man riskiert die Demokratie. Man kümmert sich um die Grundversorgung der einen und lässt andere in Flüchtlingslagern oder auf dem Meer abkratzen, mittlerweile sogar, ohne überhaupt davon Notiz zu nehmen.

Wir dachten einmal, Teil einer zivilisierten Welt zu sein. Jetzt betrachten wir uns selbst und unsere Nächsten als potentielle Gefährder, begegnen einander, als wären Menschen nichts anderes als Virenschleudern.

Unserer Menschlichkeit dürfen wir uns indes virtuell versichern. In der digitalen Welt dürfen wir gemeinsam lachen und scherzen, musizieren und tanzen, arbeiten und lernen und können all den kulturellen Ritualen beiwohnen, die uns einmal als soziale Lebewesen aus Fleisch und Blut ausgemacht und miteinander verbunden haben. Zumindest die IT-Branche soll – ganz real allerdings – einen Grund zum Jubeln haben.

Vom menschlichen Maß wurde fast alles genommen, die Maßnahmen bleiben weiterhin aufrecht. Alternativlos aber waren sie nie.

„,Alternativlos’ ist ein anderer Begriff für ‚Keine Widerrede!’ und damit ein absolut undemokratisches Konzept. Es gibt immer eine Alternative“, so die deutsche Autorin und Verfassungsrichterin Juli Zeh.[2] Zeh hat bereits vor gut zehn Jahren einen in der Zukunft angesiedelten Roman über eine Art Gesundheitsdiktatur geschrieben.[3] Man sollte ihn wieder einmal lesen.

(nemo)

[1] Andrea Maria Dusl: „Die illustrierte Kolumne“, in: Salzburger Nachrichten, 18.4.2020

[2] Juli Zeh: „Es gibt immer eine Alternative“, in: Süddeutsche Zeitung, 4./5. April 2020

[3] Juli Zeh: Corpus Delicti, Schöffling & Co 2009

Literatur und Leben – in Wissenschaft und Schule

Kürzlich habe ich mit einer vierten Klasse den Jugendroman Der Schrei des Löwen von Ortwin Ramadan gelesen. Ich habe das Buch nun bereits einige Male im Unterricht eingesetzt und darüber auch schon hier im Blog geschrieben. Es geht darin um einen nigerianischen Jungen namens Yoba, der gemeinsam mit seinem Bruder Chioke versucht, nach Europa zu gelangen und ums Leben kommt, als das überfüllte Boot im Mittelmeer kentert. Die Kapitel, die Yoba und seinen Bruder auf dem Weg durch die Sahara begleiten, werden von Kapiteln unterbrochen, in denen Julian, ein deutscher der_schrei_des_loewen-9783551310170_xxlJunge, der mit seiner Familie Urlaub in Sizilien macht, im Mittelpunkt steht. Julian stößt eines Tages beim Tauchen auf eine Leiche und findet das Tagebuch des Ertrunkenen. Gewiefte LeserInnen wissen bereits an dieser Stelle, die sich ungefähr in der Mitte des Buches findet, dass es sich bei dem Toten um Yoba handelt. Die meisten aber hoffen bis zum Schluss, dass es doch jemand anderer ist. Denn dass der Protagonist, mit dem sie sich während des Lesens identifizieren, dem sie sich eng verbunden fühlen, einfach stirbt, wollen sie nicht wahrhaben. Zu sehr wünschen sie sich, dass doch alles gut ausgehen möge.

Aufgabe der SchülerInnen war es, in einem Lesetagebuch einzelne Kapitel aus der Perspektive von Yoba in Form von inneren Monologen wiederzugeben. Ich wollte, dass sich die SchülerInnen in die Figur einfühlen, dass sie die Ereignisse ganz aus der Innensicht schildern. Dabei sind viele sehr kluge und berührende innere Monologe entstanden. Außerdem habe ich die SchülerInnen natürlich gefragt, was ihnen an dem Buch gefallen hat, wie es ihnen bei der Lektüre ergangen ist, was sie beeindruckt/gelangweilt/interessiert hat oder was auch immer es zu dem Buch aus ihrer Sicht zu sagen gibt.

Fast allen hat das Buch gut gefallen. Einige Kapitel fanden sie etwas langatmig, insgesamt aber zeigten sie sich von der Lektüre recht angetan. Ein Mädchen sagte, sie würde gerne auch authentische Berichte von Flüchtlingen lesen. Man wisse nämlich nicht, wie es Yoba in Wirklichkeit gegangen sei, denn der Autor könne ja schließlich nicht dabeigewesen sein. Am allermeisten aber zeigten sich die SchülerInnen vom Tod des Protagonisten irritiert. Dass es Yoba nicht übers Mittelmeer schafft, sondern auf der Überfahrt ertrinkt, hat alle berührt und nachhaltig beschäftigt. Man habe ein Happy End erwartet und dann so etwas. „Aber die Hauptfigur darf doch nicht sterben“, hat ein Schüler gesagt. 

Anschließend haben wir in einem gemeinsamen Gespräch nachgedacht: über das Leben und den Tod und über die Notwendigkeit des Geschichtenerzählens; über unser aller Bedürfnis danach, dass Geschichten gut ausgehen, und auch darüber, wie Geschichten die Erinnerung an Menschen bewahren können. Wir haben überlegt, welche Unterschiede es zwischen einem autobiographischen Bericht und einem Roman gibt, wir haben darüber gesprochen, dass ein Er-Erzähler den Protagonisten sterben lassen kann, wohingegen ein Ich-Erzähler, der retrospektiv über sein eigenes Leben schreibt, überleben muss. Wir haben über das exemplarische Schicksal des Yoba gesprochen und darüber, wie gern wir hätten, dass wenigstens sein Bruder (dem nach seiner Rettung die Abschiebung „nach Afrika“ in Aussicht gestellt wird) es nach Europa schafft.

Ich bin immer wieder davon beeindruckt, wie aufmerksam die dreizehn-, vierzehnjährigen SchülerInnen erzähltheoretische Besonderheiten von Literatur wahrnehmen und Phänomene ansprechen, über die man aus einer literaturwissenschaftlichen Perspektive lange nachdenken kann. Im Grunde haben sie mit dem, was sie spontan zu dem Buch zu sagen hatten, zentrale Fragen der Erinnerungs- und Gedächtnisforschung angesprochen. Zusammen mit dem, was ich in der Diskussion beigesteuert habe, indem ich sie auf bestimmte Fährten wie die Erzählperspektive, die Gattung und die Funktion des Erzählens geführt habe, ergab das eine ganz schön erkenntnisreiche Stunde, finde ich. 

Mich beglücken solche Diskussionen. Denn in meiner Zeit als Literaturwissenschaftlerin habe ich mich immer wieder mit der Funktion des Erzählens im Spannungsfeld von Erinnern und Vergessen sowie den erzähltheoretischen Besonderheiten autobiographischen Erzählens beschäftigt. Inhaltlich ging es in den Texten, mit denen ich mich beschäftigt habe, zumeist um Konzentrationslagererfahrungen, die Shoah, um Fragen der Zeugenschaft, der Bewahrung von Erinnerung und der Weitergabe dieses Gedächtnisses. Texte, in denen Fluchterfahrungen thematisiert werden, sind an die Theorien, die im Zuge der Auseinandersetzung mit KZ- und Holocaustliteratur gewonnen wurden, absolut anschlussfähig.

Am intensivsten und längsten habe ich mich den Texten Jorge Semprúns (1923-2011) gewidmet. Der spanische Autor, der die meisten seiner Bücher auf Französisch geschrieben hat, hat sich über mehrere Jahrzehnte immer wieder aufs Neue mit seiner Buchenwald-Erfahrung auseinandergesetzt und diese in den umfassenden Komplex des nationalsozialistischen, aber auch des stalinistischen Terrors eingebunden. Mir ist es in meiner Dissertation (2004 bzw. als Monographie 2006) darum gegangen aufzuzeigen, wie sich Semprúns Konzept von Zeugenschaft entwickelt und verändert und wie es ihm mit Hilfe literarischer (intertextueller) Bezüge möglich wird, die Wahrheit seines Ichs zu erzählen.

Daneben habe ich mich eine Zeit lang mit Erinnerungstexten französischer, italienischer und spanischer Mauthausen-Überlebender beschäftigt. Peter Kuon, Ordinarius an der Salzburger Romanistik, hat viel dazu geforscht und publiziert. Ich habe am Rande in diesem Forschungsprojekt mitgearbeitet. Die Texte, mit denen wir es zu tun hatten, stammten zum allergrößten Teil nicht von Schriftstellern, waren also keine literarischen Texte im engeren Sinn. Vielmehr waren es Aufzeichnungen ehemaliger KZ-Häftlinge, die ihre Erfahrungen bezeugen und mit ihren Texten dazu beitragen wollten, dass das, was sie erlebt haben, nicht vergessen wird. Immer wieder ist in diesen Texten auch von dem Dilemma, dass man vom Unvorstellbaren, von der Ausweglosigkeit, vom Tod erzählt und doch selbst überlebt hat, die Rede.

In einem Aufsatz schließlich, der 2014 in dem Band Katastrophe und Gedächtnis (hrsg. von Thomas Klinkert und Günter Oesterle) erschienen ist, habe ich über die Leistung des Ich-Erzählers in literarischen Texten (u. a. in Roman eines Schicksallosen von Imre Kertész) nachgedacht und versucht aufzuzeigen, wie durch die Präsenz des Erzählers in der erzählten Welt und den extremen Belastungen, mit denen die Erzählerfigur beim Erzählen der Katastrophe konfrontiert wird, Erinnerung lebendig gehalten werden kann. In Texten wie Roman eines Schicksallosen entsteht eine subjektive Erfahrungswahrheit, die sich in ein kollektives Gedächtnis der Shoah einschreibt und sich diesem gleichzeitig widersetzt bzw. jede Art von kollektivem Gedächtnis problematisiert.

Ja, und ein bisschen von all dem durfte ich neulich in die Diskussion über Der Schrei des Löwen einbringen. Schon sehr befriedigend, finde ich.

(nemo)

600 Kilometer weniger

Heute nur eine kleine Notiz am Rande, die nichts und gleichzeitig alles mit Schule.Alltag.Wissensarbeit (so die thematischen Felder unseres Blogs) zu tun hat: „Wenn jedes zugelassene Auto in Österreich jährlich um 600 Kilometer weniger fährt, würde Österreich die Klimaziele bis 2050 erreichen.“ Das haben ForscherInnen der TU Wien errechnet. Gelesen habe ich es heute in einem Standard-Artikel zur Problematik der E-Mobilität.

Hey Leute, 600 Kilometer weniger Autofahren im Jahr – das kann doch nicht so schwer sein! Kann man das vielleicht weitersagen?

(nemo)

Poetische Wegbegleiterinnen II: Hilde Domin und die Notwendigkeit der Bitte

Über Umwege bin ich auf Hilde Domin gestoßen: Die Wiederholung eines Ö1-Menschenbildes über Ute Karin Höllrigl, das anlässlich ihres 80. Geburtstags im Sommer ausgestrahlt wurde, hat mich mit der analytischen Psychologin und Traumforscherin bekannt gemacht. Ich habe mir mehrere Bücher von ihr ausgeborgt, eines davon hat mich besonders angesprochen: Vertrauenswege heißt es und es ist eine Art Dialog zwischen Großmutter und Enkelin. Den ganzen Sommer über habe ich immer wieder in diesem Buch geschmökert und mich mit Ute Karin Höllrigls Gedanken und Ausführungen befasst.

Ute Karin Höllrigl beruft sich häufig auf die Lyrik, auf Gedichte von Ingeborg Bachmann, Rainer Maria Rilke und eben Hilde Domin. Insbesondere das Gedicht mit dem schlichten Titel Bitte hat es ihr – und mittlerweile auch mir, die ich zwar ein paar Hilde Domin-Gedichte gekannt hatte, dieses aber nicht – angetan.

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Eine Bitte ist irgendwie ein recht seltsames Ding und scheint so gar nicht in unsere gegenwärtige Welt zu passen. Was wir brauchen, kaufen wir uns und gegen Risiken schützen uns Versicherungen. Wenn wir also Bitten äußern, dann sind sie meist Ausdruck bloßer Rhetorik. Nach dem Motto: „Wir bitten Sie, den fälligen Betrag umgehend einzuzahlen.“ Zahlt man nicht, folgt die Mahnung. Bitten sind also meist nur höfliche Versionen von Aufforderungen, denen unbedingt nachzukommen ist.

Die echte Bitte hingegen kann nicht auf Erfüllung bestehen. Die echte Bitte ist nicht mehr als eine Art Hoffnung, die erfüllt werden, die aber ebenso zurückgewiesen werden, ja, die sogar unerhört bleiben kann. Eine echte Bitte ist mit einem Risiko verbunden und setzt so etwas wie Vertrauen voraus. Man muss dem Anderen vertrauen, um ihn um etwas bitten zu können. Denn selbst wenn der Andere meiner Bitte nicht nachkommen kann, sollte er sie zumindest ernst nehmen und sich mit ihr auseinandersetzen, damit ich mich gehört fühlen kann. Wo dieses Vertrauensverhältnis nicht gewährleistet ist, kann man schlecht eine echte Bitte äußern. Eine Bitte scheint vielen Menschen (deshalb?) problematisch und ein Ausdruck von Schwäche zu sein. Man braucht etwas vom Anderen, das man selbst nicht hinkriegen würde. Man wird dadurch vom Anderen abhängig.

Immer wieder begegnet man Menschen, die sogar kleine Bitten des Alltags höchst ungern äußern, ja, die Hilfsangebote ausschlagen und darauf beharren, die Aufgabe selbst bewältigen zu können. Die betagte Nachbarin, zum Beispiel, die alleine im zweiten Stock lebt, das Schicksal, alleine zu leben bedauert, und deren Sehkraft mittlerweile so eingeschränkt ist, dass es ihr Schwierigkeiten bereitet, sich außerhalb der eigenen Wohnung zu orientieren. Aber jemanden um Hilfe zu bitten kommt nicht in Frage. Auch das Angebot, ihr zu helfen, für sie oder mit ihr einkaufen zu gehen und die Beteuerung, dass man es gerne mache, führt zu nichts. „Nein, so lange ich es alleine schaffe, mache ich es selbst. Ich brauche niemanden.“

Ja, ich glaube, ich habe auch schon oft so ähnlich reagiert und keine Bitte geäußert, das Angebot der Hilfe nicht angenommen und darauf beharrt, es alleine zu schaffen. Solange es nicht unumgänglich ist, kommt uns echtes Bitten echt komisch vor.

Dagegen nun Hilde Domins Bitte. Da stellt sich die Frage nicht, ob man Hilfe annehmen kann oder nicht. Sie spricht vom Existentiellen. In dieser Situation hat man nicht die Wahl, um Hilfe zu bitten oder es alleine zu schaffen, ja, die Bitte zielt auch weniger auf Hilfe im Sinne von Abhilfe ab als auf Hilfe im Sinne von Selbsterkenntnis. „Durchnäßt bis auf die Herzhaut“ kann es nur darum gehen, die richtige Bitte zu äußern, jene Bitte nämlich, die taugt. Die Bitte, „immer versehrter und immer heiler“ zu sich selbst entlassen zu werden. Die Alternative zu dieser Bitte ist nicht weniger als der eigene Untergang.

BITTE

Wir werden eingetaucht
und mit dem Wasser der Sintflut gewaschen
wir werden durchnäßt
bis auf die Herzhaut

Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der Tränengrenze
taugt nicht
der Wunsch den Blütenfrühling zu halten
der Wunsch verschont zu bleiben
taugt nicht

Es taugt die Bitte
daß bei Sonnenaufgang die Taube
den Zweig vom Ölbaum bringe
Daß die Frucht so bunt wie die Blüte sei
daß noch die Blätter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden

Und daß wir aus der Flut
daß wir aus der Löwengrube und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden

Über Hilde Domin muss ich noch mehr schreiben. Ihre Frankfurter Poetik-Vorlesungen, die ich gerade gelesen habe, begeistern mich … (nemo)

Poetische Wegbegleiter I: Eugenio Montale

Meriggiare pallido e assorto
presso un rovente muro d’orto
ascoltare tra i pruni e gli sterpi
schiocchi di merli, frusci di serpi.

Im Studienjahr 2005/2006 war ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Romanistik der Uni Mannheim tätig. Eine halbe Stelle durfte ich dort bekleiden. Mittwochs setzte ich mich fünfeinhalb Stunden lang in den Zug, um anzureisen, freitags ging’s wieder retour. Untergebracht war ich im Gästehaus der Universität, dort hatte ich eine kleine Einzimmerwohnung gemietet. Einen Großteil des Verdiensts fraßen die Reise- und Unterkunftskosten, die Erfahrung war trotzdem unbezahlbar. Außerdem strebte ich damals ja noch eine Karriere im Wissenschaftsbetrieb an, eine Stelle an einer ausländischen Uni war für einen halbwegs erfolgsversprechenden Lebenslauf also ohnehin unumgänglich. Und mein Liebster, der zu jener Zeit in Shkodra, Albanien weilte, lieferte mir auch keinen Grund, um nicht nach Mannheim zu pendeln.

Zur größten Herausforderung zählte für mich, dass ich gleich im Wintersemester ein Proseminar zur italienischen Literatur halten sollte. Zur italienischen Literatur wohlgemerkt, nicht zur französischen. Wie sollte ich, die doch Französisch und nicht Italienisch studiert hatte, das bewerkstelligen? Sicher, ich hatte in den Jahren an der Salzburger Romanistik schon ein wenig im Bereich der Italianistik mitgearbeitet und auch ein paar Lehrveranstaltungen besucht, aber gleich ein eigenes Proseminar? Der Gedanke ließ mich innerlich wie äußerlich erbleichen. Im Sommer davor reiste ich nach Rom. Ja auch, um ein bisschen Farbe zu bekommen 😉 , vor allem aber, um einen Intensiv-Sprachkurs zu besuchen. Denn wenngleich das Proseminar nicht in italienischer Sprache abzuhalten war, waren einigermaßen solide Italienischkenntnisse doch unabdingbar. Noch dazu, wo in Mannheim zahlreiche Kinder italienischer Einwandererfamilien studierten …

Nelle crepe del suolo o su la veccia
spiar le file di rosse formiche
ch’ora si rompono ed ora s’intrecciano
a sommo di minuscole biche.

Montale und die moderne italienische Lyrik suchte ich mir als Thema für mein Proseminar aus. Nicht, dass ich bereits viel Ahnung von Eugenio Montale gehabt hätte. Aber zumindest was den Umgang mit Gedichten anging, war ich firm. Und den Rest eignete ich mir an. Ich las und las, wissenschaftliche Aufsätze und Bücher, Gedichtbände und Übersetzungen. Und ich lernte schon in den Sommerferien ein Gedicht von Montale auswendig: Meriggiare pallido e assorto, ein Gedicht aus Ossi di seppia, Montales erstem Gedichtband. Zumindest dieses eine Gedicht wollte ich immer mit mir tragen, in Salzburg und Mannheim, bei Tag und bei Nacht, beim Radfahren und Spazierengehen, im Zug und auf welchem Bahnhof auch immer ich gerade auf einen Anschluss warten musste.

Osservare tra frondi il palpitare
lontano di scaglie di mare
mentre si levano tremuli scricchi
di cicale dai calvi picchi.

Meriggiare pallido e assorto erinnerte mich – wie passend für den Genoveser Montale – an einen Urlaub in Ligurien, ein Jahr zuvor, aber auch an Reisen mit dem Fahrrad im Südwesten Frankreichs. Das Gedicht thematisiert das Erleben südlicher Hitze zur Mittagszeit. Es verkörpert einen Augenblick des erschöpften Innehaltens, der geschärften Sinneswahrnehmung inmitten der sommerlich trockenen, stacheligen Landschaft – im Hintergrund das Meer, nah und fern gleichzeitig. Ich konnte diese träge mittägliche Befindlichkeit so gut nachempfinden, meinte das Schlagen der Amseln, das Rascheln der Schlangen und das Zirpen der Grillen hören zu können. Und ich liebte die vierte Strophe, in der sich die Erstarrung auflöst und in Bewegung übergeht. Was folgt, ist das Staunen des Dichters darüber, mit wieviel Mühe das Leben einhergeht, und – fast zeitgleich – die glasklare Erkenntnis, dass der Mühsal nicht zu entkommen ist. 

E andando nel sole che abbaglia
sentire con triste meraviglia
com’è tutta la vita e il suo travaglio
in questo seguitare una muraglia
che ha in cima cocci aguzzi di bottiglia.

Am Schluss steht das Bild der Mauer mit den spitzen Glasscherben oben drauf. Doch auch wenn die Mauer unüberwindlich scheint, der veränderte Rhythmus und der fließend weiche Klang am Ende eines jeden Verses der vierten Strophe erlauben meines Erachtens in der und durch die Sprache einen Blick darüber hinaus.

Ja, dieses Gedicht hat mich das ganze Semester lang begleitet. Dass mir das Proseminar schließlich gut gelungen ist, hat mich damals richtig stolz und glücklich gemacht. Meriggiare pallido e assorto kann ich heute, fast vierzehn Jahre später, immer noch auswendig.

(nemo)

 

 

Vom Wert des Spielens

Spielen sei die beste Form des Lernens sagt Elisabeth Menasse-Wiesbauer, die Leiterin des Zoom-Kindermuseums (Wien) in einem Interview mit dem „Standard“. Viele Volksschulen hätten Elemente alternativer pädagogischer Konzepte übernommen, die auch aufs Spielen setzen. Aber kaum sei die Volksschule vorbei, werde es wieder rigider. Einen Grund dafür sieht sie in den Schulreformen der letzten Jahre:

Die Schulreformen der letzten Jahre sind immer mehr in Richtung Evaluierung und Vergleichbarkeit gegangen, die Lehrkräfte werden mit Bürokratie auf Trab gehalten. Wenn sie ein Spezialgebiet begeistert, können sie das den Kindern kaum mehr vermitteln, weil so wahnsinnig viel Stoff abgehakt werden muss. Das ist eine Art Gleichschaltung und Entindividualisierung des Unterrichts. Ich kenne viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die darunter leiden.

Allerdings ortet die Museumsdirektorin auch bei vielen Eltern eine zunehmende Verengung des Bildungsbegriffs:

In der Anfangszeit des Zoom musste man ihnen genau erklären, dass die Kinder hier im Mittelpunkt stehen und sich allein durch die Ausstellung bewegen können. Auch unser spielerischer Zugang war vielen Eltern fremd. Dann gab es eine lange Phase der Zustimmung zu unserem Konzept. Jetzt kippt das gerade wieder. Wir haben Eltern, die uns sagen: „Also ein bisschen mehr Wissen müsste man da schon vermitteln.“ Der Bildungsbegriff wird bei manchen wieder enger.

Eltern möchten ihre Kinder „fit machen fürs Leben“, dabei – so Menasse-Wiesbauer – würden Kinder ja auch lernen, „indem sie einfach etwas tun“.

Dem Interview zur Seite stelle ich ein Zitat von Astrid Lindgren, in dem die Autorin beschreibt, worauf es im Leben wirklich ankommt:

Kinder sollten mehr spielen, als viele Kinder es heutzutage tun. Denn wenn man genügend spielt, solange man klein ist – dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später sein ganzes Leben lang schöpfen kann. Dann weiß man, was es heißt, in sich eine warme, geheime Welt zu haben, die einem Kraft gibt, wenn das Leben schwer ist. Was auch geschieht, was man auch erlebt, man hat diese Welt in seinem Inneren, an die man sich halten kann.

(Die Quelle, aus der das Zitat stammt, liefere ich noch nach.)

(nemo)

4 Jahre Blog. Ein Interview mit uns selbst

Frage: Euren Blog gibt es jetzt seit vier Jahren. Was sagt ihr dazu?

nemo: Nicht schlecht! Ich bin erstaunt, wie schnell die vier Jahre mit dem Blog vergangen sind. Gleichzeitig finde ich, der Blog gehört mittlerweile voll und ganz zu uns. Auch wenn ich – wie in letzter Zeit – weniger häufig schreibe, begleitet mich der Blog eigentlich ständig. Gar nicht so selten denke ich darüber nach, was ich schreiben würde, wenn ich Zeit zum Schreiben hätte. Es gibt für mich also neben dem existierenden Blog noch einen virtuellen Blog.

juhudo: 234 Beiträge, einige Entwürfe in der Warteschleife, fast 38.000 Aufrufe von rund um den Globus erstaunen und beeindrucken mich immer wieder. Okay, Grönland und die meisten afrikanischen und arabischen Länder ignorieren uns noch – und viele Leute sind sicher einfach nur „hereingestolpert“. Also nicht, dass ich glaube, wir würden demnächst die Weltherrschaft übernehmen, aber wir scheinen doch einige regelmäßige LeserInnen aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch zum Beispiel aus den USA, Frankreich oder Hongkong zu haben. DeutschlehrerInnen vermute ich. Auf jeden Fall lesen viel mehr Menschen unsere Texte, als wenn es keinen Blog gäbe.
Länder 2019

Frage: Was war für euch das bisherige Blog-Highlight?

nemo: Hm. Am aufregendsten fand ich diesen einen Tag im Mai 2015, an dem die Blogstatistik so explodiert ist und wir unser kleines virales Wunder erlebt haben. Ich weiß noch genau, es war spannend und gleichzeitig auch ein bisschen gruselig: Was haben wir geschrieben? Warum gibt es plötzlich so viele Zugriffe? Einerseits blogt man ja für die Öffentlichkeit, andererseits wird einem in so einem Moment bewusst, dass das Gepostete nicht mehr einzuholen ist, sobald man den Knopf gedrückt hat. Man sollte also schon überlegen, bevor man auf den Knopf drückt…

juhudo: Ja, eindeutig – das war grenzgenial spannend. Wir haben uns an dem Tag ja auch immer wieder zwischendurch angerufen und uns gemeinsam gewundert. Die Ursache muss schon darin gelegen haben, dass die Salzburger Nachrichten über uns geschrieben haben und ich den Artikel auf Facebook mit meinen etwa sechzig „FreundInnen“ geteilt habe. Das sind ja nicht viele, aber die haben anscheinend auch wieder geteilt …

Frage: Was ist eurer Ansicht nach die Aufgabe eures Blogs?

nemo: Weißt du noch, wie lange wir überlegt haben, wie wir unseren Blog nennen wollen? Aber eigentlich finde ich den Namen immer noch passend. Hinhören, draufschauen und nachdenken – der Dreierschritt gefällt mir. Allerdings: Ob das schon genug an „Aufgabe“ ist? Andererseits: Brauchen wir überhaupt eine „Aufgabe“? Na ja, irgendwie gefällt mir der Gedanke, dass unser Blog eine Aufgabe hat. „Aus der Schule plaudern“ und „kritisch über Bildung nachdenken“. Ja, ich glaube, das sehe ich als die Aufgabe unseres Blogs. Was nicht heißt, dass wir nicht auch ganz was anderes schreiben dürfen.

juhudo: Naja, Aufgabe. Für mich muss ein Blog erst einmal mir persönlich dienen, da er ja doch einiges an Arbeit verlangt und kein Geld damit zu verdienen ist. Also sollte er in erster Linie unser Wissensmanagement befördern: Fortbildungen, interessante Bücher, Erinnerungen an Unterricht, der gut funktioniert hat. Dann kommt der bildungspolitische Anteil: Einer unserer Wünsche war und ist ja, aus unserer Schule zu berichten, unsere Erlebnisse und Erfahrungen mit anderen zu teilen, falls sich jemand dafür interessiert. Dazu ist ein Blog perfekt, er drängt sich niemandem auf, LeserInnen müssen aktiv darauf zugehen. Allerdings ist das vielleicht ja auch seine Schwäche.

Frage: Was bedeutet der Blog für euch persönlich?

nemo: Mir hilft der Blog, Dinge durchzudenken und im Formulieren Klarheit zu erlangen. So zu schreiben, dass ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, ist anstrengend und braucht meistens mehr Zeit und Energie, als ich vorher dachte. Aber es ist eben auch befriedigend, wenn das, was ich sagen will, im Schreiben Konturen annimmt, fassbar und deutlich wird. Außerdem hilft mir der Blog bei der Organisation von Wissen. Dass man online verfügbare Inhalte so einfach verlinken kann, kommt mir entgegen. Dadurch muss ich weniger oft nach einem Artikel suchen, den ich irgendwo hingelegt habe und partout nicht finde, wenn ich ihn brauche… Und nicht zuletzt befördert der Blog auch die Kommunikation mit anderen. Es gibt zwar nur wenige Kommentare zu unseren Beiträgen, aber in der Realität werde ich schon häufig von KollegInnen oder FreundInnen auf den Blog angesprochen. Ah ja, und noch etwas: Der Blog ist mittlerweile auch so etwas wie eine praktische Visitenkarte und Referenz. Wenn ich etwas über mich erzählen will, sei es im beruflichen oder im privaten Kontext, verweise ich gerne auf den Blog. – Und wir wurden immerhin schon zweimal ins Ministerium eingeladen. Hey, ohne Blog wäre uns das nicht passiert!

juhudo: Ich bin immer wieder erstaunt über die Vielfalt an Themen, über die wir schon geschrieben haben. Und dass DEINE Texte immer in die Tiefe gehen und du Themen gründlich durchleuchtest, das finde ich supercalifragilisticexpialigetisch, also außergewöhnlich. Aber worüber ich mich wirklich freue, ist, dass ich auch meine eigenen Postings – überhaupt mit etwas Abstand – interessant und gut geschrieben finde. Und dass ich mich immer wieder frage, ob sie denn auch wirklich meiner Feder entsprungen sind. Ein sehr altmodisches Bild für das Tippen am Notebook. 😉

Frage: Worüber schreibt ihr am liebsten?

nemo: Ich liebe es, von den Freuden des Lehrberufs zu erzählen, und ebenso gerne wettere ich gegen meiner Ansicht nach verfehlte Entwicklungen in der Bildungspolitik und/oder Bildungsforschung. Mitunter mache ich mir Sorgen, dass ich zu sehr ins Schwärmen gerate und allzu begeistert aus der Schule berichte. Dann wieder befürchte ich, alles immer kritisieren zu müssen und kein gutes Haar an Schulreformen lassen zu können. Ich hoffe, es gleicht sich immer wieder mal aus.

juhudo: Bildungspolitik zu kommentieren freut mich im Moment nicht. Ich bin froh, dass gerade etwas Ruhe herrscht, ich hatte ja doch einige Zeit das Gefühl immer hinterherzuhecheln. Und das mir, die unglaublich gern neue Dinge ausprobiert und schaut, was sich damit anfangen lässt. Momentan schreibe ich hauptsächlich über Fortbildungen und das eine oder andere Buch. In den nächsten Tagen schicke ich einmal mein „Lesetagebuch“ über den neuen Erzählungsband von Clemens Setz los. Aber manchmal muss ich auch einfach etwas loswerden. Meinen ersten beruflichen Blogeintrag überhaupt habe ich vor zehn Jahren (oha, für den Blick in die Vergangenheit sind Blogs auch gut, inklusive Überraschungen!) geschrieben und damit meinen ersten, jetzt eher vernachlässigten Blog gestartet. Aber eigentlich schreibe ich am liebsten darüber, wenn in der Klasse etwas gut geklappt hat. (Aber anschließend gehe ich ja in die nächste und vergesse gleich wieder darauf.)

Frage: Was veranlasst euch einen Blogbeitrag zu schreiben, was hindert euch daran?

nemo: Fehlende Zeit ist wohl der Hinderungsgrund Nummer eins. Hauptmotivator ist ganz einfach die Lust zu schreiben und allgemein die Lust mitzureden, am Diskurs teilzunehmen.

juhudo: Nach der Aufregung der ersten zwei Jahre hat sich der Enthusiasmus halt ein bissl gelegt. UND es kommt dazu, dass ich ja über viel, das mich bewegt, schon geschrieben habe. Ich will mich ja auch nicht andauernd wiederholen. Manchmal starte ich auch ein Thema – ich sage nur Entwürfe – und es stellt sich dann doch nicht als sooo spannend heraus. Hinhören, draufschauen und nachdenken ist nicht genug – unter einer Stunde niederschreiben geht’s kaum einmal, eher dauert es länger.

Frage: Und was wünscht ihr euch für die nächsten vier Jahre?

nemo: Ein bisschen mehr Zeit zum Schreiben und vielleicht ein paar mehr Leserinnen und Leser?

juhudo: Ich wünsch mir eigentlich nur, dass es mit uns beiden weiter so gut klappt! Und wenn ich auf das Thema „Aufgabe des Blogs“ zurückkommen darf: Um aus der Schule berichten zu kommen, wären halt der eine oder andere Gastbeitrag oder Kommentar wichtig. Aber das Bedürfnis scheint nicht bei so vielen vorhanden zu sein. Insofern sind wir auch was Besonderes. 😉

Frage: Braucht es euren Blog überhaupt (noch)?

nemo: Hm. Weiß ich nicht. Die Welt braucht unseren Blog nicht. Ich selbst aber bin froh, dass es ihn gibt. Ein Blog ist ein einfach handhabbares Medium, um der interessierten Öffentlichkeit etwas mitzuteilen. Gleichzeitig ermöglicht es eine profunde diskursive Auseinandersetzung mit Themen, nicht nur so eine Fotoposterei. Das gefällt mir.

juhudo: Genau! WIR brauchen ihn. Und das reicht!

Letzte Frage: Seid ihr zufrieden mit der Resonanz auf euren Blog oder wollt ihr etwas tun, um die Reichweite zu vergrößern?

nemo: Wie gesagt, ein paar mehr LeserInnen könnten’s schon sein. Vielleicht sollten wir wieder einmal ein bisschen lauter trommeln, dass es uns gibt. Cool finde ich übrigens, dass die Zugriffe auf unseren Blog nach wie vor von der ganzen Welt aus erfolgen. Natürlich stammen die meisten Zugriffe aus Österreich und Deutschland, aber für einen deutschsprachigen, extrem textlastigen Blog sind wir ganz schön international (siehe oben).

juhudo: Wir sind kein kommerzielles Unternehmen und das ist gut so.  Ich mag das Unaufdringliche des Blogs, grundsätzlich genügt er sich selbst, wer mag, kann partizipieren. Wir sind unabhängig, im wahrsten Sinn des Wortes. Aber, wenn ich die Meldung von WordPress „deine Statistik befindet sich im Aufschwung“ erhalte und mir die Weltkarte mit den Zugriffen anschaue, gefällt mir das schon sehr. Soviel zur Contenance!

Vielen Dank, juhudo und nemo, für das Interview. Fehlt nur noch ein neues Geburtstagsfoto von euch. 🙂

Und noch ein Plädoyer für die Literatur

Eine Schule ohne Shakespeare, Virginia Woolf oder Joachim Ringelnatz (warum nicht?) ist eine ärmere Schule und eine Universität auch. Diese Überzeugung verbindet die Schreiber der folgenden Seiten.

Literatur schafft Abstand von täglichen Sorgen und Zwängen, öffnet das große Reich des Möglichen, erlaubt es, anders darüber nachzudenken, wer wir sind, zu wem wir gehören, wer die Eigenen sind und wer die Fremden. Sie ermöglicht neues Denken, gerade, weil sie keinen Nutzen hat. All diese Argumente wird der Leser in unseren Beiträgen finden; dazu auch Vorschläge, was wir tun könnten, damit Romane, Dramen, Lyrik, Drehbücher oder Comics mit mehr Lust gelehrt und studiert würden.¹

Das Zitat stammt aus dem Vorwort zum Dossier Literaturwissenschaft in schwierigen Zeiten, das kürzlich als elfter Band der Zeitschrift HeLix erschienen ist. Wolfram cover_issue_4299_de_deAichinger (Uni Wien), Christian Grünnagel (Uni Bochum) und Sabine Mandler (Uni Gießen) haben das Dossier herausgegeben; versammelt wurden darin mehrere Beiträge, die im Sommer 2016 bei einer Tagung an der Uni Gießen diskutiert wurden.

Mein eigener Beitrag lautet: Wozu Literatur und warum eigentlich? Schulischer Fremdsprachenunterricht in Zeiten der Kompetenzorientierung am Beispiel der zweiten lebenden Fremdsprache in Österreich. Darin versuche ich (einmal mehr), gegen die Reduktion von (fremd-)sprachlicher Bildung auf kommunikative Kompetenz anzuschreiben. Der „offizielle Zug“ (Lehrplan, Reifeprüfung) scheint mir im Bereich der Fremdsprachen mittlerweile ziemlich abgefahren zu sein. Daran wird sich wohl so schnell nichts mehr ändern, zumindest nicht in eine inhaltlich anspruchsvollere Richtung. Dennoch bin ich aktuell sogar wieder etwas zuversichtlicher als noch vor zwei, drei Jahren. Nicht, dass sich an der Gesamtsituation etwas verbessert hätte, aber im Unterricht selbst ist doch trotz aller kompetenzorientierten Vorgaben immer noch mehr an individueller Gestaltung möglich als damals gedacht.

Umso mehr kommt es darauf an (und jetzt zitiere ich mich selbst), „darauf zu achten, was für eine Haltung angehende Lehrer während ihres Studiums annehmen, mit welcher Haltung sie in die Schule kommen und in weiterer Folge ihre Schüler prägen. Genau aus diesem Grund scheint es mir von immenser Bedeutung zu sein, dass Lehramtsstudierende aller Sprachenfächer – nicht nur Germanistikstudierende! – während ihres Studiums intensiv mit Literatur in Kontakt geraten – und nicht nur in Kontakt. Sie sollten so viel Literaturstudium betreiben, dass sie zu verstehen beginnen, was Literatur kann und weiß. Erst wenn dieser Verstehensprozess wirklich in Gang gekommen ist, sollten sie auf die Schüler losgelassen werden. Denn einmal in Gang gebracht, wird der Prozess nicht mehr umkehrbar sein und mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Herausbildung einer eigenständigen, zumindest ansatzweise kritischen und (selbst-)reflexiven Haltung führen.“

LehrerInnen, die eine mit und an Literatur geschulte Haltung einnehmen, können vielleicht dem vorherrschenden formalistischen und funktionalistischen Bildungsdiskurs ein bisschen besser entgegenwirken. Auch im Fremdsprachenunterricht  kann darauf nicht verzichtet werden. (nemo)

¹ Wolfram Aichinger / Christian Grünnagel: Schwere und leichte Texte – Die Zeitmaschine: ein Nachtrag verstreuter Gedanken, in: HeLix 11 (2018), S. 1-9, hier: S. 1.

 

Mein 2018-Kalender. Ein Jahresrückblick

Bevor ich meinen Tischkalender vom gerade noch nicht vergangenen Jahr durch einen neuen ersetze, habe ich ihn noch einmal durchgeblättert. Was hatte ich mir im Laufe des Jahres notiert? Was davon war bloß dem Tagesgeschäft geschuldet und kann getrost entsorgt werden, was davon ist es wert, hier und jetzt erwähnt zu werden?

Der allerwichtigste Kalender ist ja eigentlich mein Kopf. Solange nicht allzu viele Termine anstehen, solange die Zeiten nicht gar zu dicht werden, reicht mein Gedächtnis aus. Zur materiellen Unterstützung habe ich einen Moleskine-Kalender in der Schultasche, um Termine und Dinge zu notieren. Häufig genügt es aber, die Termine und Dinge dort einzutragen, nachschauen tu ich selten. Wie gesagt, das Gedächtnis funktioniert. Meistens halt und solange sich nichts überschlägt.

Den Tischkalender auf dem Schreibtisch zu Hause benutze ich vor allem, um Listen zu erstellen, wenn ich nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht. Oder um etwas zu notieren, was ich nicht vergessen will. Also, fangen wir von vorne an:

Gleich auf der ersten Seite im Januar 2018 steht: „Mami ist die beste!“ Auch klein geschrieben ist das das Beste und Schönste, was auf dem Kalender steht. Danke, allerbestes Kind!

Daneben habe ich ein paar „Poolthemen“ für die Französisch-Matura notiert: Essen und Trinken, Kleidung sowie Gesundheit. Quasi menschliche Grundbedürfnisse, die man als MaturantIn aus einem „Themenpool“ ziehen kann, um sie sodann vier Minuten monologisch und acht Minuten dialogisch zu zerreden. Dazu ist aus meiner Sicht bereits alles gesagt.

Gehaltvoller wird’s im Februar. Da steht: „allgemeine Menschenbildung“ und danach: „Was ist Kunst/Literatur? Die besten und exzeptionellsten Formen, in denen Menschen über ihr Menschsein nachgedacht haben.“ Lernen mit und durch Literatur sei „exemplarisches Lernen mit Hervorbringungen des Menschen, wo das Menschsein zur Disposition gestellt wird“. Ich erinnere mich, so (oder so ähnlich) hat Konrad Paul Liessmann das bei einer Podiumsdiskussion beschrieben. Gut, dass ich das auf meinem Kalender festgehalten habe!

Darunter ist zu lesen: „Literaturunterricht als Ort migrationsgeschichtlicher Praxis“. Oh ja, das verweist auf das Lehrwerk Deutschunterricht in der Migrationsgesellschaft. Eine Einführung von Heidi Rösch. Das Buch verwende ich im Konversatorium iu„Interkultureller Deutschunterricht“, das ich am Fachbereich Germanistik der Uni Salzburg immer wieder einmal halte. Darüber wollte ich längst schon einmal ausführlicher in diesem Blog berichten. Neujahrsvorsatz!

Im März sind gleich mehrere Telefonnummern aus Belgien, Holland und Deutschland vermerkt; „Bahnhof DB“ steht auch da. Ja, natürlich, da habe ich intensiv an der Klassenreise gewerkelt. Im Rahmen des Kulturprojektes „Europa schreiben“ sind wir Ende April nach Brüssel und Amsterdam gefahren. Ein schulisches Highlight des Jahres 2018.

Im April eine Liste mit Dingen, die unbedingt zu tun waren: „Koffer einbuchen“, „Garage“ und ähnliche damals unaufschiebbare Sachen sind vermerkt. Das schulische Highlight des Jahres 2018 hatte seine Schatten vorausgeworfen …

Bereits Anfang Mai findet sich die Notiz „Happy Days“. Ich erinnere mich gut daran, es ist nämlich jedes Jahr um diese Zeit das Gleiche: Man ist voll im Schulstress, es gibt tausend Dinge zu tun, weitere tausend stehen an – und man muss sich überlegen, was man in der letzten Schulwoche Anfang Juli bei den so genannten Happy Days anbieten will. Wenn’s dann so weit ist, finde ich das Angebot großartig. Die Seite, auf der die Kurse (inklusive Kurzbeschreibung, Dauer, Treffpunkt, ev. Kosten etc.) übers Internet einzusehen und von den SchülerInnen zu buchen sind, ist zudem ziemlich professionell gemacht. Aber jedes Jahr Anfang Mai würde ich die Happy Days am liebsten verwünschen. Ebenso wie ich im Mai 2018 die „Abrechnung Brüssel“ am liebsten verwünscht hätte …

Im Juni findet sich dann die Auflistung „was ich im Blog schreiben will“. All das also, wofür ich, wie es im Juni halt so ist, keine Zeit gefunden habe. Jedenfalls steht auch da schon „Uni-Lehrveranstaltung“ – in diesem Fall allerdings bezog es sich auf die Übung „Literatur- und Mediendidaktik“, die ich im Sommersemester zum Thema „Flucht und Migration in Literatur, Film und Comic“ gehalten habe. Im Juli habe ich dazu iu-2Aspekte/Inhalte notiert, die von den Studierenden in ihrer Lehrveranstaltungsreflexion als besonders gelungen hervorgehoben wurden: die Methode Freewriting, den Besuch im Literaturhaus mit der Ausstellung „Der Riss“, den Kinobesuch und die anschließende Diskussion zum Film-Buch-Vergleich von Anna Seghers „Transit“, die Leitfragen für eine postmigrantische Lesart von Heidi Rösch, die Einbeziehung der Gattungen Film (Christian Petzold: „Transit“ und Philippe Lioret: „Welcome“) und Graphic Novel (Reinhard Kleist: „Der Traum von Olympia“), den Gedanken „Schreiben ist Verankerung im Ich“ von Elisabeth Kössmeier und generell das Thema und die Textauswahl.

Eine Liste mit Fortbildungsveranstaltungen an der PH füllt ein Juli-Blatt, die Auflistung jener Theaterstücke, die ich für das Schauspielhaus-Abo mit meiner Klasse ausgewählt habe (Das goldene Vlies, Jugend ohne Gott, Die Physiker und Die Hauptstadt) ein August-Blatt.

Im September gab es außer ein paar Kleinigkeiten („Stadtbibliothek verlängern“) nichts zu notieren. Irgendwie erstaunlich, aber für mich schon nachvollziehbar: Die Sommerferien 2018 waren wirklich erholsam gewesen, der Kopf frei und aufnahmebereit. Alles, was zu tun war, wurde entweder nur geistig oder im Moleskine notiert.

„Bedeutung von Literatur als SprachSPIEL“ steht im Oktober einfach so da. Aber ich weiß schon wieder, das habe ich mir im Zusammenhang mit den Tagen der Literaturdidaktik in Wien notiert. Da ging es diesmal um „Literarisches Lernen im Kontext Sprachlicher Bildung“ und u. a. um Humor als Unterrichtsprinzip. Auch darüber wollte ich ja schon längst schreiben. Neujahrsvorsatz!

Im November lese ich „Gutachten für Diplomarbeit“, „Themenpool für Deutsch-Matura“ und „Portfolios korrigieren“. Ja, der November war dicht. „Gutachten für Diplomarbeit“ bezieht sich auf eine Tätigkeit, die ich nun schon zweimal wahrgenommen habe, nämlich Diplomarbeiten zu begutachten, die für einen Preis der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung vorgeschlagen wurden.

Tja, und danach findet sich noch eine Liste: Eine Namensliste von Menschen, bei denen ich mich zu Weihnachten bedanken wollte, denen ich eine Kleinigkeit schenken wollte. Es gelingt mir eh nie, all das umzusetzen, was ich mir vornehme, und auch in dieser Liste finden sich ein paar Menschen, denen ich schlussendlich dann doch wieder nichts geschenkt habe. Trotzdem: Vieles ist sich ausgegangen, so manches wurde umgesetzt, etliches habe ich geschafft, einigen gedankt. Ein paar unerledigte Altlasten dürfen zu Neujahrsvorsätzen mutieren. Ist eh nur Zahlenspielerei, das mit dem neuen Jahr. Aber: Danke, Anne, Eva, Doris, Christiane, Gerda, Claudia und all den anderen KollegInnen, denen ich das längst schon (wieder) einmal sagen wollte!

(nemo)