Not to do anymore

Geistig bastle ich ja schon seit einiger Zeit an einer Liste jener Dinge, die ich nicht mehr machen werde. Nun will ich zumindest zwei Punkte niederschreiben, damit ich sie nicht gleich wieder vergesse. „Nein“ sagen ist für mich nämlich echt eine schwierige Übung.

Also, was ich z. B. sicher nicht mehr machen werde, ist ein Fortbildungsseminar in der ersten Ferienwoche zu besuchen. Nicht, weil das Seminar, das ich von Montag bis heute besucht habe, so schlecht gewesen wäre (ganz im Gegenteil, es war hervorragend!), sondern weil ich nach einem Schuljahr echt dringend Erholung brauche und kein bisschen überschüssige Energie habe. Mag ja sein, dass es für andere passt, sich gleich nach Schulende fortzubilden, für mich tut es das nicht.

Dass das eben besuchte Seminar so gut und bereichernd gewesen ist, macht es natürlich nicht leichter, mich an mein Vorhaben künftig zu halten. Was hätte ich nicht alles versäumt, hätte ich in den letzten Tagen nicht so viel über Lernmethoden gelernt und nachgedacht! Trotzdem: Man kann nicht all die guten Dinge wahrnehmen, die einem angeboten werden. Und zu viel des Guten ist eben auch nicht mehr gut für einen selbst. Also: Hör auf dich, deinen Körper und deine Intuition und akzeptiere die Grenzen deiner Leistungs- und Belastungsfähigkeit! Das schreib ich mir hinter die Ohren.

Ah ja, und weil ich gerade dabei bin: Ich werde in den nächsten Wochen auch nicht mehr über die Schule schreiben. Mein Ziel ist es, einmal ganz aus der Schulwelt herauszutreten, damit ich im September wieder gestärkt, motiviert und energievoll eintauchen kann. Mal sehen, vielleicht gibt es andere Themen, die sich aufdrängen. Und wenn nicht, dann halt nicht. (nemo)

 

 

 

Mikroartikel

Ich habe mich gestern während eines Gesprächs mit Monika wieder einmal daran erinnert, dass ich mich vor ein paar Jahren mit den Möglichkeiten, mein eigenes Wissen und (weil ich so bin wie ich bin) am liebsten auch das ganze Wissen meiner Kolleginnen und Kollegen verwalten möchte. Im Rahmen des eEducation-Lehrgangs an der DonauUni Krems habe ich viele „Wissenswege“ kennengelernt. Die meisten sind aufwändig und benötigen einiges an Zeit, aber eine relativ schnelle Methode ist in meinem Gedächnis hängen geblieben und ich möchte sie hier vorstellen und später in einem weiteren Artikel gleich anwenden: Es handelt sich um den Mikroartikel.

Man kann ihn einsetzen, um Lernerfahrungen kurz und knackig zu dokumentieren und ich stelle mir vor, dass ich ab jetzt (wieder einmal 😉 ) am Ende einer Fortbildung oder am Ende eines Buches oder Artikels meine Erlebnisse und Lernerfahrungen kurz aufschreibe. Ziel ist eine abschließende Reflexion und eine Veröffentlichung in diesem Blog, um die Relevanz eines Themas zu beleuchten und die Qualität der Fortbildung oder des Buches zu beschreiben.

Aber jetzt noch etwas ausführlicher zum Werkzeug Mikroartikel. Gabi Reinmann und Martin Eppler schreiben in ihrem Buch Wissenswege:

Der Mikroartikel […] ist ein Hybrid aus einer Karteikarte und einem wissenschaftlichen oder journalistischen Artikel. Ziel ist es, nach einer persönlichen Lernerfahrung den Kern des neu erworbenen Wissens auf einer Seite oder wenigen Seiten schriftlich festzuhalten und zwar so, dass der Inhalt sowohl zu einem späteren Zeitpunkt für einen selbst als auch für Dritte gut verständlich ist und neu genutzt werden kann.1

Wenn ich daran denke, in welchen Ordnern sich meine eigenen Unterlagen mittlerweile herumtreiben mögen und ich immer nie weiß, welche FachkollegInnen in welchen Fortbildungen waren, fände ich es doch ganz schön, wenn wir es hier zu einer Art Unternehmenskultur brächten. Aber zuerst einmal sollte ich selber daran arbeiten! Der Soziologe Helmut Willke, der das Werkzeug Mikroartikel entwickelt hat, meint, dass seine besondere Bedeutung darin liegt, dass eine Lernerfahrung als kurze persönliche Erzählung, als Erfahrung weitergegeben wird und dadurch die Inhalte leicht für andere nutzbar werden können. Reinmann und Eppler schlagen folgende Struktur vor:

  1. Das Thema und einige Stichworte (zur leichteren Einordnung) nennen.
  2. Das Problem oder den Lernanlass bezeichnen und die dazugehörige Geschichte mit Angaben, wann sich was wo und warum ereignet hat, aufschreiben.
  3. Einsichten, Folgerungen, Erkenntnisse oder Ähnliches stichwortartig aufschreiben.
  4. Anschlussfragen formulieren oder anderweitig das Künftige reflektieren. 2

Mikroartikel können lang oder kurz sein, analog oder digital erstellt werden (digital könnten sie halt viel besser für andere zugänglich sein!), sie können aber auch in der – wie ich finde – sehr übersichtlichen Struktur einer Karteikarte ausgeführt werden. Das erste Beispiel dafür stammt aus dem Buch Wissenswege und handelt von Mikroartikeln und was man bei ihrer Verwendung beachten sollte.3 Das zweite stammt von mir. (Es war mein erster Mikro Art!)

Und falls jemand an ein paar weiteren Beispielen für die Schule interessiert ist, ich habe 2009 eine Seminararbeit darüber geschrieben.
(juhudo)

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MikroartikelBeispiel

Quellen:

Gabi Reinmann, Martin Eppler: Wissenswege. Methoden für das persönliche Wissensmanagement. Bern 2008. 1 S 96, 2 S 97, 3 S 98.

Helmut Willke: Systemisches Wissensmanagement. Stuttgart 2001.

Sachbücher in der Schulbibliothek (Fortbildung)

Endlich komme ich in einem Posting auch zu einem der Hauptbeweggründe, warum wir bloggen. Wir wollen über Fortbildungen berichten und sie weiterempfehlen oder eben nicht. Viele Anregungen geraten während des Schulalltags schnell wieder in Vergessenheit und wir wollen uns daran erinnern und die guten Ideen verwenden und teilen. Wissensmanagement für uns selbst und alle, die es vielleicht auch brauchen können. Und weil das nicht zu lange warten kann, schreibe ich lieber gleich über die heutige Veranstaltung des BVÖ: „Large: Neue Sachbücher – und was man damit machen kann“ mit der Vortragenden Gudrun Sulzenbacher.

Kurz vorweg: Für SchulbibliothekarInnen und DeutschlehrerInnen, die mit Kindern im Alter von 10 – 14 Jahren arbeiten uneingeschränkt zu empfehlen! Die Vortragende war selbst Lehrerin und ist nun Autorin, sie weiß, was sie tut. Die Stunden waren praxisorientiert gestaltet und leider im Nu vorbei, das Arbeiten ein Vergnügen.

Gudrun Sulzenbacher stammt aus Südtirol mit seiner besonderen Bibliothekslandschaft und der besonderen Stellung der Sprache  Deutsch. Manches, was dort funktioniert, ist bei uns so nicht möglich (zum Beispiel erzählte sie von der Südtiroler Gesamtschule: 15 bis 18 SchülerInnen und zwei bis drei (!) LehrerInnen für die innere Differenzierung. Wir konnten das nicht weiter vertiefen, aber so kann ich mir Gesamtschule auch gut vorstellen.)

Es gibt in jedem Ort deutsche und italienische Bibliotheken und die Schulbibliotheken haben eigens für sie angestellte SchulbibliothekarInnen (ab einer gewissen Größe). Immer spannend, ein bisschen über den Tellerrand zu schauen!

Jetzt aber zum Thema Sachbücher: Wir haben uns vor allem damit beschäftigt, wie Sachbücher von SchülerInnen ein bisschen anders und nicht nur referatsmäßig präsentiert werden können. Dazu gehört

  • eine Pressekonferenz, in der VerlegerIn, AutorIn, IllustratorIn oder Fotografin von der „Presse“ zu Produktion und Marketing befragt werden können.
  • ein Ratespiel, bei dem mit Erläuterungen aus dem Glossar begonnen wird. Die MitschülerInnen versuchen anschließend den Begriff aus einer Auswahl zu erraten.
  • Interviews, wenn Bücher solche beinhalten.
  • Immer aus zwei vergleichbaren Sachbüchern eines auswählen und begründen, warum genau dieses.

Zu genau möchte ich das nicht beschreiben, denn im Februar soll ein Buch herauskommen, das Nachfolgewerk der wirklich empfehlenswerten „Lese-Rezepte“, das leider vergriffen ist. Die Vorschläge werden gerade (u.a. auch von uns) ausprobiert und auf Herz und Nieren getestet.Leserezepte

Herausgekommen ist auch eine kleine Liste von Büchern, die ich  für die Schulbibliothek (oder auch für mich selbst) kaufen möchte:

Steve Jenkins: Viele Tiere
Adrienne Barmann: Walross, Spatz und Beutelteufel
Jan Paul Schutten, Floor Rieder: Evolution
Mary & Richard Platt: Nicht spülen!
Katharina von der Gathen, Anke Kuhl: Klär mich auf!
Anja Tuckermann, Tine Schulz: Alle da!
Antja Damm: Echt wahr?: 52 Gelegenheiten, sich über Lüge und Wahrheit zu unterhalten (haben wir schon, würde ich aber sofort wieder kaufen!)
Tinkerbrain: Bäng! 60 gefährliche Dinge, die mutig machen

(juhudo)

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DaF/DaZ-Ausbildung: ein Rückblick

Vor zweieinhalb Jahren habe ich begonnen, mich für Deutsch als Fremdsprache bzw. Zweitsprache zu interessieren. Zwei meiner Schülerinnen wollten ein oder zwei Semester in Amerika verbringen und ich dachte mir, so ein Projekt könnte ich auch noch einmal angehen. Ich arbeite zwar schon viele Jahre mit vielen muttersprachlichen und sehr wenigen SchülerInnen, die Deutsch als Zweitsprache erlernt haben, aber über die didaktischen Unterschiede wollte ich gerne mehr wissen.

Nach einigem Recherchieren fand ich heraus, dass ich wieder ein Studium beginnen müsste, um in Salzburg in den Genuss einer solchen Ausbildung zu kommen. Die PH hat damals kein Angebot dafür gehabt, jetzt – 2014/15 – auch nicht, dazwischen habe ich nicht immer nachgesehen. Also inskribierte ich trotz Magisterstudiums auch noch das Bachelorstudium Germanistik. Die STEOP-Lehrveranstaltungen mussten mir erst angerechnet werden, dann konnte ich die 24 ECTS angehen, die aus

  • drei Pflichtlehrveranstaltungen: Methodik des DaF/DaZ-Unterrichts, einem Praktikum, Grammatikvermittlung des DaF/DaZ-Unterrichts und
  • drei Wahlpflichtveranstaltungen: Zweitspracherwerb in Theorie und Praxis und zwei Proseminaren zu Literatur und Kultur im Daf-Unterricht

bestanden. Ein bisschen unpassend kam ich mir schon vor zwischen den Mädchen und Burschen, die das Alter meiner eigenen Kinder hatten, aber nach erstem Fremdeln funktionierte die Kommunikation schon. Vor allem unser Arbeitsverhalten war nicht so unähnlich. Wenn Gruppenarbeit gefordert war, teilten wir uns den Stoff unseren Fähigkeiten gemäß auf, die Teams funktionierten über die Altersgrenze hinweg ziemlich gut.

Ich habe also dreißig Jahre nach meinem ersten Studium wieder einmal in Salzburg Uniluft geschnuppert (dazwischen auch noch vor fünf Jahren in Krems, aber dazu ein anderes Mal) und Neues gelernt: Ganz viel Neues im Proseminar über den Zweitspracherwerb, vor allem (für mich) neue Methoden der Beurteilung und damit auch der Wertschätzung der Leistung, die SchülerInnen erbringen, wenn sie das Gymnasium in der Zweitsprache absolvieren. Seitdem versuche ich sie zu ermutigen, uns über ihre Muttersprache zu berichten und manchmal Vergleiche zu ziehen. (Im Jänner haben übrigens zwei 13-jährige Mädchen eine tolle Unterrichtsstunde über Kroatisch in einer 4. Klasse gehalten!)

Ich habe viel über österreichische AutorInnen des 20. Jahrhunderts gelernt, vor allem auch über einige, um die ich mich gern herumdrücke und in die ich mich wieder oder erstmals hineingelesen habe. Ob man das jemals im Fremdsprachenunterricht anwenden kann sei dahingestellt, aber für meinen Deutschunterricht in der Oberstufe habe ich sehr profitiert.

Ich habe zwei Praktika anstatt einem absolviert, einfach deswegen, weil da Platz im Proseminar war, da lernt man immer was. Einmal bin ich mit einer zweiten Studentin vertretungshalber zwei Monate lang in einen Alphabetisierungskurs für Flüchtlinge eingestiegen, elf Syrer, AfghanInnen und Pakistani, mit denen wir unsere gemeinsame Sprache erst finden mussten, da sie kaum ein Wort Deutsch, Englisch oder Französisch sprachen – und wir kein Arabisch oder Kurdisch. Nichts in meinem Lehrerinnenleben hatte mich bisher darauf vorbereitet und wir hangelten uns mit Bildern, Gestik und Mimik und einem arabischen Wörterbuch langsam voran. Bei den jüngeren Männern und den Frauen konnten wir Fortschritte erkennen, bei den älteren Männern kaum. Sie waren aber alle sehr freundlich und beteiligten sich, soweit es ihnen möglich war. Zwei waren auch in ihrer Muttersprache nicht alphabetisiert und lernten erst hier Lesen und Schreiben. Es ist eine sehr große Herausforderung an Kreativität und Geduld, so einen Kurs abzuhalten und ich empfinde Hochachtung für jede Lehrerin und jeden Lehrer, die oder der so etwas macht.

Das zweite Praktikum brachte einen Kulturschock anderer Art mit sich: An der Uni sitzen in den Anfängerkursen bis zu 70 (!) Studierende in den Lehrveranstaltungen. In der Mittelstufe immer noch 40. In diesem Fall Hochachtung und Mitleid mit den Lehrenden, die sich trotzdem unheimlich bemüht haben und viele der Studierenden beim Namen kannten. Fremdsprachenunterricht als Frontalvorlesung in einem großen Hörsaal ist von jeder modernen Fremdsprachenmethodik Jahrzehnte entfernt und ich empfinde es als einen Skandal, dass es in Österreich nicht möglich ist, die Kurse zu teilen.

Im Proseminar zur Grammatikvermittlung erhielten und erstellten wir eine Menge Unterrichtsmaterial, also habe ich da auch viel mitgenommen. Richtig schlecht war (ha!) die Methodiklehrveranstaltung, deren Hauptinhalt darin bestand, Studierende Referate, zum Großteil aus einem Standardwerk, halten zu lassen. Aber naja, eines von sieben, da muss man schon zufrieden sein. Aber dass ausgerechnet immer die Methodik methodisch so gar nichts bietet – es wäre schon wesentlich ertragreicher gewesen, hätten wir das Buch daheim selber durchgearbeitet und in der Lehrveranstaltung darüber diskutiert.

Fazit:
Schon spannend, noch einmal zu studieren, ich habe es richtig genoDaf_Dazssen, vor allem in den beiden Semestern, in denen ich eigener Unterricht – Uni – eigener Unterricht praktiziert habe. Der Rollenwechsel hat Spaß gemacht und konnte nur funktionieren, weil die Stundenplaner unserer Schule mitgemacht haben (für die Wintersemester), sich der Unipark gleich auf der anderen Straßenseite befindet und vier der sieben Proseminare nach 17 Uhr stattgefunden haben. Ein bisschen gestrebert habe ich auch, einmal, weil mich die Themen sehr interessiert haben und auch weil es mir schon sehr peinlich gewesen wäre, als Wissensarbeiterin von Beruf nichts Gescheites zusammenzubringen. Und heute habe ich mein „Zeugnis“ bekommen. 🙂

(juhudo)