Und noch ein Plädoyer für die Literatur

Eine Schule ohne Shakespeare, Virginia Woolf oder Joachim Ringelnatz (warum nicht?) ist eine ärmere Schule und eine Universität auch. Diese Überzeugung verbindet die Schreiber der folgenden Seiten.

Literatur schafft Abstand von täglichen Sorgen und Zwängen, öffnet das große Reich des Möglichen, erlaubt es, anders darüber nachzudenken, wer wir sind, zu wem wir gehören, wer die Eigenen sind und wer die Fremden. Sie ermöglicht neues Denken, gerade, weil sie keinen Nutzen hat. All diese Argumente wird der Leser in unseren Beiträgen finden; dazu auch Vorschläge, was wir tun könnten, damit Romane, Dramen, Lyrik, Drehbücher oder Comics mit mehr Lust gelehrt und studiert würden.¹

Das Zitat stammt aus dem Vorwort zum Dossier Literaturwissenschaft in schwierigen Zeiten, das kürzlich als elfter Band der Zeitschrift HeLix erschienen ist. Wolfram cover_issue_4299_de_deAichinger (Uni Wien), Christian Grünnagel (Uni Bochum) und Sabine Mandler (Uni Gießen) haben das Dossier herausgegeben; versammelt wurden darin mehrere Beiträge, die im Sommer 2016 bei einer Tagung an der Uni Gießen diskutiert wurden.

Mein eigener Beitrag lautet: Wozu Literatur und warum eigentlich? Schulischer Fremdsprachenunterricht in Zeiten der Kompetenzorientierung am Beispiel der zweiten lebenden Fremdsprache in Österreich. Darin versuche ich (einmal mehr), gegen die Reduktion von (fremd-)sprachlicher Bildung auf kommunikative Kompetenz anzuschreiben. Der „offizielle Zug“ (Lehrplan, Reifeprüfung) scheint mir im Bereich der Fremdsprachen mittlerweile ziemlich abgefahren zu sein. Daran wird sich wohl so schnell nichts mehr ändern, zumindest nicht in eine inhaltlich anspruchsvollere Richtung. Dennoch bin ich aktuell sogar wieder etwas zuversichtlicher als noch vor zwei, drei Jahren. Nicht, dass sich an der Gesamtsituation etwas verbessert hätte, aber im Unterricht selbst ist doch trotz aller kompetenzorientierten Vorgaben immer noch mehr an individueller Gestaltung möglich als damals gedacht.

Umso mehr kommt es darauf an (und jetzt zitiere ich mich selbst), „darauf zu achten, was für eine Haltung angehende Lehrer während ihres Studiums annehmen, mit welcher Haltung sie in die Schule kommen und in weiterer Folge ihre Schüler prägen. Genau aus diesem Grund scheint es mir von immenser Bedeutung zu sein, dass Lehramtsstudierende aller Sprachenfächer – nicht nur Germanistikstudierende! – während ihres Studiums intensiv mit Literatur in Kontakt geraten – und nicht nur in Kontakt. Sie sollten so viel Literaturstudium betreiben, dass sie zu verstehen beginnen, was Literatur kann und weiß. Erst wenn dieser Verstehensprozess wirklich in Gang gekommen ist, sollten sie auf die Schüler losgelassen werden. Denn einmal in Gang gebracht, wird der Prozess nicht mehr umkehrbar sein und mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Herausbildung einer eigenständigen, zumindest ansatzweise kritischen und (selbst-)reflexiven Haltung führen.“

LehrerInnen, die eine mit und an Literatur geschulte Haltung einnehmen, können vielleicht dem vorherrschenden formalistischen und funktionalistischen Bildungsdiskurs ein bisschen besser entgegenwirken. Auch im Fremdsprachenunterricht  kann darauf nicht verzichtet werden. (nemo)

¹ Wolfram Aichinger / Christian Grünnagel: Schwere und leichte Texte – Die Zeitmaschine: ein Nachtrag verstreuter Gedanken, in: HeLix 11 (2018), S. 1-9, hier: S. 1.

 

Französisch auf Tournee

Ein Mitarbeiter des Französischen Kulturinstituts in Wien war gestern bei uns zu Gast, um den Viertklässlern ein bisschen Lust auf die französische Sprache zu machen. Der sympathische Belgier Denis brachte den Schülern spielerisch ein paar Wörter bei, sie lernten die Zahlen und nebenbei auch, wo man überall Französisch spricht. Die Initiative firmiert unter dem Namen France Tour und kann von Schulen in ganz Österreich gebucht werden. Mal sehen, ob sich im nächsten Jahr bei uns ein paar mehr für Französisch entscheiden. Der gestrige Tag jedenfalls hat den Schülern Spaß gemacht. (nemo)

Eine Schulwoche der besonderen Art

Und schon wieder ein Monat her, unsere Reise nach La Rochelle. Auf der Rückfahrt haben wir, wie ich schon erwähnte, die „Schulwoche der besonderen Art“ Revue passieren lassen. Aus den Rückmeldungen der SchülerInnen habe ich nun einen kleinen Reisebericht gebastelt:

Unsere Reise begann um 3 Uhr 20 in der Früh am Salzburger Hauptbahnhof. Die 16-stündige Zugfahrt mit einem Aufenthalt in Paris war erstaunlich lustig. Schon allein wegen der Zugfahrt würde ich die Reise jederzeit wieder antreten. Wir hatten so viel Spaß!

Ich war echt aufgeregt und auch etwas besorgt, dass ich meine Austauschpartnerin vielleicht nicht mögen würde. Aber nach dieser Woche kann ich sagen, dass wir sogar Freundinnen geworden sind.

Am Anfang war ich mir ziemlich unsicher, was die Verständigung betraf, doch ich habe bald bemerkt, dass das überhaupt kein Problem war.

Sie haben im Haus die Schuhe angelassen, das war ziemlich ungewohnt. Mir ist auch aufgefallen, dass in Frankreich viel mehr Menschen rauchen. In meiner Familie haben zum Beispiel ausnahmslos alle geraucht. Naja, außer der Hund.

Ich weiß nicht, ob es die Kochkünste meiner Gastmutter waren oder generell das Essen, aber alles, was ich dort gegessen habe, war extrem gut.

Was noch ganz anders war als bei uns, war das Schulsystem. Alles ist viel strenger. Es wird genau kontrolliert, wer in die Schule rein- und rausgeht und im Unterricht redet kein einziger Schüler. Ich bin froh, dass wir ein anderes System haben.

Das Highlight der Woche war der Tagesausflug auf die Île d’Aix, gemeinsam mit den Franzosen. Es war richtig schön dort und ich hatte sogar beim Sandburgenwettbewerb Spaß.

Was ich auch schön fand: Obwohl wir von den Lehrern die Erlaubnis bekommen hatten zu tun, was wir wollten, machten wir alle gemeinsam eine Radtour um die kleine Insel.

Die Insel ist wirklich einer der schönsten Orte, die ich je gesehen habe.

Für mich war die Landschaft im Marais Poitevin am coolsten. Manchmal hatte man ein richtiges ‚Dschungelfeeling‘, weil alles so grün und verwachsen war. Am Anfang gab es Startschwierigkeiten beim Rudern, aber irgendwann hatten wir den Dreh raus und fuhren nicht mehr alle drei Meter gegen die Bäume und ins Dickicht.

Ich hab richtig viel gelernt und meine Französischkenntnisse verbessert. C’était magnifique.

Die Reise war wirklich super. Ich finde, dass es so am sinnvollsten ist, eine Sprache zu lernen, und ich würde es sofort noch einmal machen.

Für mich war es eine tolle Erfahrung und ein echt cooles Abenteuer. Ich hoffe, dass ich irgendwann wieder nach La Rochelle komme und den Kontakt zu meiner Austauschpartnerin nicht verliere.

Nachdem ich die vielen Rückmeldungen, denen die Zitate entstammen, gelesen hatte, habe ich den SchülerInnen gleich im Zug einen Brief als Antwort geschrieben. Wer will, kann diesen Brief hier nachlesen: Auf der Fahrt

Und noch eine Rückmeldung, über die ich mich ganz besonders gefreut habe, möchte ich anfügen. Sie lautete: „Vielen Dank für die Zeit und die Energie, die Sie in die Organisation dieser phänomenalen Reise investiert haben.“ 🙂

(nemo)

Sprache ohne Kultur?

Letztes Jahr im Sommer habe ich dazu – eingedenk dessen, was ich kurz davor bei der ersten Matura im neuen Format in den Fremdsprachen miterlebt hatte – ausführliche Überlegungen angestellt. Nun ist der Artikel in den Romanischen Studien erschienen.

Darin betrachte ich die Auswirkungen der Kompetenzorientierung in den Fremdsprachen und stelle die Frage nach der Aufgabe von Fremdsprachen im Kontext einer humanistisch orientierten Allgemeinbildung. Etwas zugespitzt, vielleicht auch ein bisschen polemisch,  postuliere ich, dass eine ausschließliche Ausrichtung am Kompetenzparadigma, wie es gegenwärtig bei der Reifeprüfung in Österreich der Fall ist, bildende Inhalte verflacht oder sogar ausschließt, Sprache entkulturalisiert sowie entpolitisiert.

Wer mag, kann den gesamten Text hier online lesen. Über Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen.

Im Mai findet zu diesem Thema übrigens eine Tagung in Gießen (Deutschland) statt. Unter dem Titel Abschaffung der Literatur? soll eine Positionsbestimmung der Literaturwissenschaft „in schwierigen Zeiten“ versucht werden. Ich bin gespannt, ob dabei neue Erkenntnisse zu Tage treten. (nemo)

 

Literatur im Fremdsprachenunterricht?

In unserer Schule gammeln noch ein paar abgegriffene Exemplare französischer Literaturklassiker herum: Balzac, Molière, Sartre, Maupassant etc. Gelesen werden diese Texte im Französischunterricht schon lange nicht mehr. Auch ich wüsste nicht, wie und wann. Vieles davon erschiene mir auch zu schwierig, um es vor der achten Klasse zu lesen – und in der achten Klasse bleibt für solche Extravaganzen keine Zeit. In der achten Klasse dreht sich alles nur mehr um Fertigkeiten und Formate sowie um die maturarelevanten Themen aus den Bereichen Alltag, Freizeit, Arbeits- und Schulwelt.

Ich bin schon zufrieden, wenn es mir im Laufe der Oberstufe gelingt, wenigstens einje-vais-bien-ne-t-en-fais-pas-u-iext6709463 ganzes Buch im Französisch-Unterricht zu lesen. Derzeit ist es Je vais bien, ne t’en fais pas (Keine Sorge, mir geht’s gut) von Olivier Adam, das ich mit den SiebtklässlerInnen anpacken will. Das ist sprachlich nicht zu schwierig, man kann nach dem Lesen zum Vergleich den Film anschauen und außerdem sind darin einige maturarelevante Themen (Wohnen, Familie, Erwachsenwerden, Arbeitswelt) recht gut verpackt.

Darüber hinaus versuche ich manchmal ein Gedicht im Unterricht unterzubringen, wir hören Chansons und gehen zur Cinéfête. Viel mehr an literarisch-kultureller Bildung aber ist für mich nicht zu schaffen. Bis vor Kurzem gab es zudem noch eine jährliche Theatervorführung vom Vienna’s English Theatre, das auch eine französische Schiene hatte und damit auf Tournee in die Bundesländer ging, aber die gibt es seit heuer nicht mehr. (Sie wurde vorübergehend (?) eingestellt.) Und seit für die mündliche Matura keine Spezialgebiete mehr vorzubereiten sind, gibt es für die SchülerInnen auch keinen gesteigerten Bedarf mehr an literarisch-kulturellen Themen.

Kurzum: Es geht im Fremdsprachenunterricht heute weitgehend ohne Literatur, ja, für die Herausbildung von kommunikativer Kompetenz – und das ist das übergeordnete Ziel laut Lehrplan – ist Literatur vielleicht sogar eher störend, weil für das Niveau, auf dem wir uns bewegen (B1), meist sprachlich zu komplex und/oder thematisch irrelevant.

Oder empfinde das nur ich so? Wird an anderen Schulen eh immer noch viel mehr gelesen, als ich glaube? Gibt es KollegInnen, die es schaffen, mehr Literatur zu lesen und trotzdem ihre SchülerInnen auf die geforderten Themen und Kompetenzen vorzubereiten? Oder ist Literatur andernorts vielleicht überhaupt kein Thema mehr? Um hier ein bisschen klarer und differenzierter zu sehen, will ich eine kleine Umfrage starten und würde mich sehr freuen, wenn ein paar Französisch-, Spanisch- oder ItalienischlehrerInnen daran teilnehmen würden. Merci! Gracias! Grazie!
(nemo)

 

Die Macht der Formate

Immer öfter beobachte ich, wie sich neuerdings die Prüfungsformate wichtig machen. Insbesondere im Fremdsprachenunterricht nimmt die Diskussion über Prüfungsformate mittlerweile einen derart wichtigen Platz ein, dass mir ganz anders wird. Es geht nicht nur darum, Kompetenzen zu messen, nein, diese müssen auch noch in der vorgeschriebenen Art und Weise gemessen werden. Aus diesem Grund und für diesen Zweck werden von ExpertInnen auf dem Gebiet der Testformatentwicklung spezielle Formate entwickelt und den Lehrern zur Verfügung gestellt.

So weit, so gut. Mein Problem mit der Sache ist, dass uns die Formate aber eben nicht bloß zur freien Verfügung gestellt werden. Nein, sie werden uns anempfohlen, sie werden uns aufgedrängt, sie werden uns regelrecht verordnet. In der siebten und achten Klasse sind wir im Fremdsprachenunterricht nunmehr verpflichtet, unsere mehrstündigen Schularbeiten genau nach Vorgabe zu erstellen. Jede der vier Fertigkeiten (Lesen, Hören, Sprache im Kontext, Schreiben) muss zu gleichen Teilen und in der vorgeschriebenen Reihenfolge abgeprüft werden, für jede Fertigkeit stehen bestimmte Testformate zur Verfügung, die zum Einsatz kommen müssen: So etwa Multiple Choice, Wortbildung, Editieren und Lückentext im Bereich Sprache im Kontext, Multiple Choice, Zuordnen und Kurzantworten im Bereich Hören.

Diese Form der Standardisierung von Schularbeiten dient dazu, die SchülerInnen auf die Matura vorzubereiten. Gut, dagegen kann man schlecht etwas sagen. Jetzt ist es aber so, dass in den zweiten lebenden Fremdsprachen bei weitem nicht alle SchülerInnen maturieren wollen. Egal, alle müssen durch die standardisierten Schularbeiten. Dazu kommt, dass meiner Erfahrung nach diejenigen, die maturieren wollen, ziemlich schnell und gezielt mit den jeweiligen Testformaten umgehen können, wenn’s darauf ankommt, zumal sie das alles ja eh bereits aus dem Englischunterricht kennen. Egal, ALLE müssen mindestens zwei Jahre lang durch die standardisierten Schularbeiten.

Was bedeutet das für den Unterricht? Immer mehr Unterrichtsmaterial wird in Form gebracht, sämtliche Schulbücher und Handreichungen bieten Aufgaben zunehmend nach den vorgegebenen Formaten an. Grundsätzlich nicht blöd, möchte man meinen, wir sind ja schließlich darauf angewiesen, brauchbares Unterrichtsmaterial zu haben. Mein Problem aber ist die dramatische Gewichtsverschiebung, die sich im Hintergrund dieses Standardisierungsprozesses abspielt: Die Testformate werden wichtiger, der individuelle Unterricht durch eine individuelle Lehrperson wird unwichtiger. Geht ja auch nicht anders: Standardisierung und Individualisierung (oder Individualität) widersprechen sich, da können noch so viele Schlagworte etwas anderes behaupten.

Dramatisch erscheint mir die beobachtbare Transformation im Fremdsprachenunterricht insbesondere bei jungen KollegInnen zu sein. Diese haben verstärkt den Eindruck, es komme in erster Linie auf das perfekte Material und Training an – und perfekt heißt eben perfekt im Hinblick auf die Vorgaben. Dass nicht jede Gruppe und schon gar nicht jede/r Schüler/in in diese standardisierte Welt passt, dass darüber hinaus Inhalte komplett auf der Strecke bleiben, scheint aus dem Blickfeld zu geraten. Im Vordergrund steht die unangezweifelte Notwendigkeit, die SchülerInnen auf die Maturatestformate vorzubereiten. Alles andere wird mindestens zweitrangig.

Für den Französischunterricht scheint mir diese Entwicklung eine besonders traurige zu sein: Generationen von SchülerInnen hatten mit häufig recht beckmesserisch agierenden Französischlehrerinnen zu tun. Ein fehlender Accent, eine falsche Übereinstimmung und die Katastrophe schien perfekt. Bis heute hat sich das Fach nicht ganz von dieser Überbetonung des Formalen befreien können. Aber was jetzt passiert, erinnert ein bisschen an eine Farce. Quasi durch die Hintertür kommen nun die sakrosankten standardisierten Formate herein und machen sich wichtig und breit. Die Vermittlung der Schönheit und Lebendigkeit der französischen Sprache, der reichen Literatur und Kultur, des wunderbaren Landes wird einmal mehr zurückgedrängt – und die LehrerInnen werden zunehmend zu ErfüllungsgehilfInnen einer formatgläubigen Fremdsprachendidaktik degradiert. (nemo)

Wat mutt, dat mutt! Kompetenzkritik eisgekühlt

Richtiggehend absorbiert war ich in den letzten Tagen. Ja, auch von der Hitze und ihren Folgeerscheinungen wie dem dringenden Bedürfnis nach Abkühlung und Schwimmen, aber wahrlich nicht nur. Mindestens ebenso wie die Hitze hat mich das Verfassen eines wissenschaftlichen Artikels umgetrieben, und zwar viel intensiver als mir lieb war. („Hilfe, meine Ferien, wo gehen sie hin?“) Täglich habe ich mich selbst gefragt, ob das denn wirklich sein müsse, aber offenbar muss es. Wat mutt, dat mutt, wie der Norddeutsche sagen würde.

Was aber musste denn so unbedingt sein? Ja, also … Ich habe versucht, eine Kritik an dieser dümmlich-verdummenden Kompetenzorientierung, wie sie im Fremdsprachenunterricht betrieben wird, zu schreiben. Quasi das, was ich bei der diesjährigen Matura miterleben musste und worüber ich mein Befremden aus der unmittelbaren Betroffenheit heraus eh schon artikuliert habe (siehe: Das Ende schulischer Bildung) in gemäßigter, reflektierter und wissenschaftlich-argumentierender Form. „Sprache ohne Kultur“ habe ich den Artikel nun genannt. Ursprünglich wollte ich ein Fragezeichen danach setzen, aber das braucht’s eigentlich nicht.

Den Aufsatz habe ich nun bei den Romanischen Studien eingereicht. Sobald er publiziert ist, werde ich ihn auch hier im Blog zugänglich machen. Vorab schon meine zentralen Thesen:

Ausschließliche Kompetenzorientierung (und nur um diese Form der Ausschließlichkeit, wie ich sie bei der neuen Matura miterleben musste, geht es mir) bedeutet

  1. Verflachung der Inhalte
  2. Entkulturalisierung von Sprache
  3. Entpoetisierung und somit auch Entpolitisierung von Sprache.

Meine „Vision“ für die Fremdsprachen wäre, dass es gelingen würde, die Kompetenzorientierung zumindest so weit einzudämmen, dass auch bei der Matura wieder bildende Inhalte verlangt werden dürfen. Quasi ein im Sinne humanistisch orientierter Allgemeinbildung relevanter Inhalt, den man sich anzueignen hat, über den man dann spricht, und an dem man seine Kompetenzen unter Beweis stellen kann. – Dass so etwas überhaupt schon eine Vision sein muss, ist eigentlich traurig genug. Nota bene: Die Aufteilung des Prüfungsstoffes nach „Spezialgebiet“ und „Kernstoff“ bei der früheren mündlichen Matura ermöglichte genau diese Form der Integration bildender Inhalte…

Ah ja, und ausgegangen ist der Impuls für den Artikel von einer Debatte, die der Wiener Romanist Wolfram Aichinger mit seinem Beitrag „Zur Abschaffung der Literatur an Schule und Universität“ angestoßen hat. „Endlich!“, habe ich mir gedacht, als ich diesen Beitrag las. Und: „Da muss ich doch auch was dazu sagen.“ Wat mutt, dat mutt eben. (nemo)