Gastbeitrag: Jugendschutz für Handys?

Vor kurzem meldeten sich erstmals wieder die öffentlichen Vertreter zur Causa Handy in Schulen zu Wort. Das Handy störe die Konzentration, die Kommunikation und insgesamt den Lernerfolg. So der einhellige Tenor. Es scheint, dass nur die Schule die Problematik der Handys im Leben junger Menschen thematisiert.

Noch vor wenigen Jahren wurden Lehrkräfte von den Anwälten erzürnter Eltern bedroht, wenn sie das Handy im Unterricht konfisziert hatten. Mittlerweile gibt es mehr Sensibilität in dieser Angelegenheit, aber das Bewusstsein, dass wir uns eigentlich fast in einer Art Kampf befinden, wer an Erziehung und Bewusstseinsbildung der nächsten Generation maßgeblich beteiligt ist, das ist vielen scheinbar noch nicht bewusst.

Aber ich frage mich, wie viele Eltern wissen, was ihre Kinder im Internet zu hören und sehen bekommen? Neben dem omnipräsenten Handy ist es oft schon ein Problem, einfach nur Gehör zu finden. Viele Eltern wissen wohl, wovon ich rede. Der Handykonsum befriedet nach außen hin oft zum Schein das Familienleben. Jeder sitzt wo und stört die anderen nicht, es sei denn, man stört ihn am Handy.

Wer „erzieht“ unsere Kinder?

Was passiert denn da jenseits der Beziehungslosigkeit so alles? Da wird mittlerweile schon ab frühsten Jahren Bewusstsein und Weltsicht von zunehmend mehr und mittlerweile erschreckend kleinen Kindern geprägt. Das Handy wird ihr Tor zur Welt.
Mit dem Handy verbringen viele den Großteil ihrer Freizeit! Aus dem Handy haben sie ihren Wortschatz, ihre Sprache! Es trennt sie in ihren Erfahrungswelten von jeder älteren Generation mehr als Jahrhunderte es vermöchten!

Da hat jemand stets Zugriff auf ihre emotionale und geistige Entwicklung und übernimmt zunehmend die Position, die eigentlich Eltern, Lehrer und andere Mitmenschen haben sollten! Möglicherweise prägt das Handy unsere Kinder in vielerlei Hinsicht stärker als wir denken, während wir als die Altvorderen außen vor bleiben! Wir kennen uns ja nicht aus, können nicht mitreden in den Augen unserer Schützlinge.

Das Handy ist aber das Sprachrohr der Internetgiganten am Ohr unserer Kinder! Bei manchen hat man mitunter schon den Eindruck, es handle sich um ein Implantat. Bei einer repräsentativen Umfrage in den USA hätte sich eine Mehrheit der befragten Jugendlichen eher für immer von einem kleinen Finger getrennt als für immer vom Handy! Wo höre ich auf, wo fängt mein Handy an? Ein Identitätsdesaster?

Die menschliche Psyche braucht Beziehung

Wir können schon beobachten, wie sich die Generation Handy weiterentwickelt. Wenn im Restaurant oder im Wartezimmer beim Arzt den Kleinen und Kleinsten sofort das Smartphone ausgehändigt wird, damit das Kind ruhig ist. Es gibt mittlerweile Stirnhalterungen für Smartphones, die es Eltern erleichtern sollen, unruhige Säuglinge leichter zu wickeln. Ja plätten wir gleich den ersten aufkeimenden Bewegungsdrang, dann herrscht endlich Ruhe! Klar, gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen und solche Stirnbänder muss man nicht für massentauglich halten. (Muss man nicht?)

Was passiert aber, wenn Kinder schon von klein auf nicht richtig oder nicht ausreichend mit ihren Eltern in Kontakt treten können, da diese selbst ständig vom Handy abgelenkt sind, und ihrem Kind, kaum dass es motorisch in der Lage ist, etwas zu halten, das Smartphone in die Hand drücken, damit sie selbst ungestört am Handy weiterspielen können oder das Kind eben Ruhe gibt? Werden all die Kleinkinder, die ich jetzt im Bus, beim Arzt, im Restaurant, beim Spazierengehen, im Park lautlos in die Smartphones ihrer Eltern versinken sehe, später Beziehungen eingehen können / wollen? Werden sie die wichtigste menschliche Tugend Empathie entwickeln, ohne die es keine Gemeinschaft geben kann?

Umgang will gelernt sein. Begrenzung bedeutet Schutz!

Ich bin keineswegs der Ansicht, dass wir das Handy aus unserem Leben verbannen sollten und alles wäre wieder gut. Handy und Internet sind wichtige Bestandteile unserer Welt und per se weder gut noch schlecht. Es kommt wie immer auf die Dosis an! Ab wann und wieviel Handykonsum gut ist, wären meines Erachtens aber Fragen, denen wir uns dringend stellen müssen. Möglicherweise sollten Handys für Kinder bis zur 8. Schulstufe tabu sein. Kinderschutz!

Jugendliche brauchen das Handy in erster Linie für ihre realen sozialen Kontakte, sie müssen nicht unbegrenzt Internetzugang haben. Gegen den Sog von Spielen und Social Media sind unsere Kinder und Jugendlichen machtlos. Wir müssen sie schützen, hier ihren Konsum begrenzen!

Der Trugschluss, dass man als berufstätige Eltern via Handykontakt irgendetwas für die Sicherheit seiner Kinder tun könnte, führt dazu, dass schon Volksschulkinder mit Handys ausgestattet werden. Zu ihrer Sicherheit trägt das meist nicht viel bei. Statt Unterhaltung und gemeinschaftlichem Spiel wird dafür pausenlos am Handy gespielt oder gesurft. Ich kann das jeden Tag im Bus beobachten, wo ich beinahe die Einzige bin, die um sich blicken oder aus dem Fenster sehen kann!

Selbständig werden in der realen Welt

Wir Älteren haben auch täglich den Schulweg hin und retour gemeistert. Das gehört zum Selbständigwerden. Selbstkompetenz entwickeln ist allemal besser, als wegen jeder Kleinigkeit via Handy nach Hilfe zu rufen. Es geht um die psychische und physische Entwicklung der Kleinen, sie brauchen die geistige und körperliche Auseinandersetzung mit der realen Außenwelt! Es geht weiters um die Förderung eines kritischen Umgangs der Jugendlichen mit dem Internet. Sonst müssen Google & Co fürderhin vielleicht gar nicht mehr viel tun, um ihre Followerherde im Zaum zu halten und genau dorthin zu dirigieren, wo sie sie haben möchten.  Dabei macht es keinen Unterschied, ob es um Konsum oder um politische Entscheidungen geht. Die Frage für die Krise westlicher Demokratien ist lediglich, wann eine kritische Masse erreicht ist. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der unabhängige gute Journalismus gerät in diesem Zusammenhang immer mehr unter Druck. Eine Entwicklung, die katastrophale Auswirkungen haben kann. Wir sehen es gerade in der Coronakrise.

Manchen mag das zu extrem erscheinen, zu schwarzgemalt. Ich denke, die Auswirkungen von Fake News und Internetblasen der letzten Jahre sprechen für sich. Betrachten wir nur die rechte Community, die europaweit agiert oder wahlentscheidende Agitationen ausländischer Internetakteure. Wie einfach war es offensichtlich, tausende junge Männer und Frauen direkt aus dem Jugendzimmer nach Syrien zum IS zu locken?

Werden jetzt in der Coronakrise Familien mehr miteinander reden? Werden sie streiten, sich versöhnen, wenigstens gemeinsam vor dem Fernseher sitzen? Oder werden die meisten in ihren Zimmern in aller Ruhe nun täglich mehr Stunden mit Instagram, Snap Chat und Co. verbringen?

Ich warte darauf, dass sich endlich Ärzte und Psychologen zu Wort melden. Jedes Virus, jeder Nahrungsmittelzusatz sorgt für mehr Aufregung als die mögliche, schleichende Entfremdung, der viele Jugendliche und zunehmend auch Kinder anheimfallen.

Margit Neuböck
(AHS-Lehrerin für Deutsch und Musik)

 

E-Learning mit Bravour

Na, wer sagt’s denn: Wir kriegen das mit dem E-Learning schon hin. Seit gestern läuft der Betrieb über die Lernplattform – und ja, es funktioniert. Beziehungsweise: Es klappt nicht nur so irgendwie, nein, es funktioniert viel besser als gedacht. Gestern Nachmittag war für einige Stunden kein Hineinkommen, weil das System überlastet war. Ansonsten aber läuft’s wie geschmiert.

Unsere SchülerInnen sind super: Sie sind versiert im Umgang mit den elektronischen Medien, sie sind fix und sie sind motiviert. Ich merke es in der Kommunikation mit den SchülerInnen via E-Mail und „Nachrichtendienst“, ich sehe es auch an meiner eigenen Tochter: Ja, die jungen Menschen, die können das.

Und wir LehrerInnen? Auch wir schaffen es. Einige meiner KollegInnen sind ohnehin bereits richtige Füchse im Nutzen von Lernplattformen, aber auch Menschen wie ich, die bisher kaum mit „Moodle“ gearbeitet hatten, waren bereits gestern Vormittag in der Lage, das Tool zu verwenden. Tja, ich habe nichts anderes erwartet. Denn: Erstens macht es Spaß, etwas Neues auszuprobieren, und zweitens sind wir es gewöhnt, flexibel zu sein. Schule funktioniert ja nie so perfekt, effizient und exakt planbar, wie sich das manche „ExpertInnen“ vielleicht wünschen. Man sieht aber in Zeiten wie diesen, dass Anpassungsvermögen gepaart mit schneller Auffassungsgabe (hej, sonst wären wir nicht LehrerInnen geworden!) sowie der über Jahre trainierte Umgang mit ständig sich verändernden komplexen Situationen schon ihren Wert haben. Hinzu kommt: Die enge Beziehung, die wir zu unseren SchülerInnen haben, trägt auch jetzt. Ja, ich bin davon überzeugt, dass das neue Lernen auch deshalb so gut funktioniert, weil wir einander gut kennen, weil wir unsere SchülerInnen mögen und sie uns – zumindest im Grunde 😉 – auch.

Nur aufgrund der tragfähigen Beziehung funktioniert das Lernen via Lernplattform aber auch nicht: Wer im schulischen Rahmen wahrlich Großes leistet in diesen Tagen, das sind unsere KollegInnen von der IT. Binnen kürzester Zeit haben sie für uns alle eine übersichtliche Struktur geschaffen, Zugänge aktiviert, Tutorials erstellt. Sie beantworten all unsere Fragen (die klugen, die weniger klugen und sogar die saublöden) in Windeseile und ermöglichen uns – die wir zu Hause sitzen -, dass wir arbeiten, lernen, experimentieren, uns austauschen und kommunizieren können.

Apropos großartig: Eine Mutter hat sich via E-Mail heute bei unserem Direktor, den IT-KollegInnen und bei uns allen für unsere Arbeit bedankt. Ich zitiere:

„Das soll Ihnen und Ihren KollegInnen einmal jemand nachmachen: binnen weniger Tage und Stunden heißt es ein online-Lernprogramm für den häuslichen Unterricht auf die Beine zu stellen und sicherzustellen, dass auch ohne regulären Unterricht Lernstoff vermittelt werden kann: das gelingt mit Bravour!

Herzlichen Dank für diese rasche und unglaublich professionelle Umsetzung!!

Ein ganz großes Danke an alle Lehrerinnen und Lehrer, die in dieser Ausnahmesituation bestens vorbereitet, geduldig und hilfsbereit die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern gestalten und ohne großes Aufheben diese schwierige Situation wunderbar meistern.

Dafür haben Sie sich eigentlich einen Preis verdient, denn das ist einfach nur prima!“

🙂

(nemo)

Das Handy als Wochenendzerstörer

Das Handy sei ein Unterrichtszerstörer, meinte der Kabarettist und Lehrer Andreas Ferner kürzlich in einem Zeitungsinterview. Als betroffene Lehrerin und Mutter gehe ich einen Schritt weiter und sage: Das Handy zerstört nicht nur den Unterricht, nein, es zerstört auch das Familienleben. Und zwar massiv! Das Irre dabei: Ich rede hier nicht von der privaten und individuellen Handysucht des Nachwuchses, die in den Griff zu kriegen schon Herausforderung genug ist. Nein, es ist die Schule in ihrem Digitalisierungswahn, die bis in das Wochenendprogramm der Familien hineinfunkt.

Aus irgendeinem Grund musste mein Kind für den Englischunterricht ein Kochvideo drehen. Als Hausaufgabe. Was lustig und harmlos klingen mag, stellte in Wirklichkeit eine echte Belastung für das Familienleben dar. Tagelang waren wir (!) mit dieser Hausübung beschäftigt. Denn es reichte natürlich nicht, einfach ein Video zu drehen, nein, es musste auch noch bearbeitet und geschnitten werden. So wie man das halt macht in Zeiten von Instagram und Youtube. Die Schüler haben zwar noch nicht eine einzige Informatik-Stunde in ihrem bisherigen Unterricht genossen, geschweige denn, dass sie irgendwann einmal auch nur in Ansätzen gelernt hätten, wie man Videos schneidet – aber, als ob es geradezu eine Selbstverständlichkeit wäre, wird erwartet, dass sie es können und tun.

Ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob es wirklich so ist, wird dabei vorausgesetzt, dass alle Kinder ein funktionierendes Smartphone auf dem neuesten technischen Stand haben. Bei uns ist das aber derzeit nicht so. Also schlug ich vor, das Video am Computer zu schneiden. Dabei stellte sich jedoch heraus, dass auch das Betriebssystem des Laptops (auf dem ich gerade diesen Beitrag schreibe) schon zu alt für die kostenlos im App-Store verfügbaren Videoschnittprogramme ist. Mit solchen Eventualitäten kann der moderne Englischlehrer aber natürlich nicht rechnen. Damit sich das Töchterlein nicht mit einem ungeschnittenen Video vor der Klasse blamiert, musste schließlich mein Handy upgedatet werden, damit schlussendlich doch noch eine Möglichkeit gefunden wurde, die entsprechende App herunterzuladen und das Video einigermaßen professionell zu bearbeiten. Ist ja alles kein Problem.

Zu den technischen Widrigkeiten kommt: Dass das jugendliche Kind fast das ganze Wochenende mit dem Handy hantierte und vor dem Bildschirm saß, kümmert offenbar niemanden. Während der Woche gibt es aufgrund der langen Schultage keine Möglichkeit, längere Zeit aktiv an der frischen Luft zu verbringen. Aber wen stört’s, wenn dann der halbe Samstag und der gesamte Sonntag ebenfalls mit dem Smartphone in der Hand zugebracht werden? Wahrscheinlich gehen Lehrer davon aus, dass eh alle Schüler mittlerweile ihre gesamte Freizeit mit dem Handy verbringen. Da ist es dann schon egal, wenn ein Teil der Handyzeit für die Hausübung aufgewendet werden muss. Bin ich echt die einzige Retro-Mutter, die das anders sieht?

Ah ja, und das Ergebnis? Zugegeben, es ist ein ansprechendes und auch recht witziges Video geworden. Und ja, es beeindruckt mich schon auch, wie gewandt so ein jugendlicher Mensch quasi intuitiv mit einem Videoschnittprogramm umgeht. Aber, nur um das noch einmal klarzustellen: Mein Kind besucht weder einen speziellen Informatik- noch einen Multimedia-Zweig an irgendeiner Fachschule. Nein, wir sprechen von einer Hausaufgabe an einem ganz normalen Gymnasium. Und es ging auch nicht um die Herstellung eines Videos per se, nein, es handelte sich um eine schnöde Hausaufgabe im Englischunterricht. Wie sinnvoll so eine Aufgabe ist bzw. ob der Inhalt des Videos auch nur annähernd den technischen Aufwand und die vielen Stunden vor dem Bildschirm rechtfertigt, scheint eine Frage zu sein, die sich niemand mehr stellt. Digitalisiert muss werden, und zwar am besten alles.

(nemo)

 

Lehrer-Bewertungs-App

Angesichts der allgemeinen Bewertungsmanie konnte es wohl nicht ausbleiben, dass man nun auch für LehrerInnen Sternchen vergeben kann. Ich wollte mich eigentlich auch gar nicht einmischen in die Diskussion um diese Lehrer-Bewertungs-App. Aber dann habe ich einen Satz gelesen, der mir in diesem Zusammenhang zumindest be- und nachdenkenswert scheint. Er stammt aus einem ganz anderen Kontext, hat nichts mit der gegenwärtigen Diskussion zu tun. Aber ich finde, man sollte als Lehrerin oder als Lehrer immer wieder einmal daran denken, wenn man sein pädagogisches Tun und Handeln reflektiert. Der Satz lautet: „Nichts macht manipulierbarer und feiger als der Wunsch, von möglichst vielen Menschen gemocht und gelobt zu werden!“¹

Was es für einen selbst bedeutet, wenn man permanent damit rechnen muss, in seinem Handeln und Tun öffentlich bewertet zu werden, möge jeder für sich einschätzen.

(nemo)

¹Melanie Wolfers: Freunde fürs Leben. Von der Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein, adeo 2016, S. 111.

 

Geschichten schreiben und veröffentlichen

Ich habe eine Geschichte geschrieben. Ja, eine Geschichte. Das wollte ich schon lange tun, genau genommen, seit es die Internetplattform story.one gibt. Ein Kollege hatte mir letztes Jahr davon erzählt, ich hab’s damals auch gleich meinen SchülerInnen weitererzählt und sie ermutigt, doch einfach einmal eine kurze Geschichte zu schreiben und sie dort zu veröffentlichen.

Nun habe ich in den Salzburger Nachrichten von einem Schreibwettbewerb gelesen. Unter dem Stichwort #salzburglove kann man noch bis zum 15. Dezember auf story.one eine Geschichte mit Salzburgbezug veröffentlichen. Einige davon werden dann auch in der Zeitung abgedruckt. Da habe ich mir gedacht, das wäre doch was für unsere SchülerInnen. Und dann habe ich mir gedacht: Ich könnte ja eigentlich auch selbst. Also habe ich eine Geschichte geschrieben. Sie heißt Aus der Stadt.

Ein bisschen Überwindung hat es mich schon gekostet. Aber, wenn man auf story.one ein bisschen herumschmökert, sieht man, wie viele Menschen einfach so ihre Geschichten erzählen. Die eine spricht einen mehr an, die andere weniger. Jedenfalls aber macht es Spaß, so viele Geschichten von so vielen verschiedenen Menschen zu sehen und zu lesen. Das hat mich ermutigt, auch selbst loszulegen. Vielleicht schreibe ich einfach bald wieder eine Geschichte.

(nemo)

ditact 2018 – reingeschnuppert

Ich weiß jetzt nicht genau, seit wie vielen Jahren die Ditact im Frühling meine Aufmerksamkeit findet, aber heuer war ich mir erstmals sicher, in den Ferien zu der Veranstaltungszeit anwesend zu sein, und habe mich für zwei Workshops angemeldet – vor allem in Hinblick darauf, für das erste „richtige“ Jahr mit der „Digitalen Grundbildung“ neue Ideen mitnehmen zu können.

Die Leiterinnen der Ditact wollen Folgendes:

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Es gibt zwei Wochen lang sehr viele Kurse – wer möchte, kann hier einmal für das Jahr 2018 schnuppern – und die meisten sind nicht für Informatikerinnen, sondern für Informatikinteressierte ausgerichtet. In der zweiten Woche geht es auch um „IT & Didaktik“, und ich habe an den Workshops Informatik aktiv erleben und Fake News & Social Media teilgenommen. Meine Erkenntnisse schreibe ich wieder in Form von Mikroartikeln auf.

Thema Informatik aktiv erleben. Spielerische und interessante Unterrichtsstunden ohne Computer.
Referentin: Petra Nußdorfer
Story Die Aufgaben, die an uns LehrerInnen mit der Digitalen Grundbildung herangetragen werden, gehen weit über Mediendidaktik hinaus. Auch informatisches Grundwissen soll unseren SchülerInnen vermittelt werden. Da dieses Wissen nicht allgemein vorhanden ist, bin ich auf der Suche nach Material, das zum Beispiel auch einfach einmal in Supplierstunden eingesetzt werden kann, und auf so etwas habe ich in in diesem Workshop gehofft.
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Einsicht Folgerung Anschlussfragen
Wie haben ein ganzes Heftchen von Aufgaben mitbekommen und konnten einiges ausprobieren. Die Themen reichten von Binärrechnen und Kryptographie (zB End to End-Verschlüsselungen bei WhatsApp) über Sortieren und verschiedene Algorithmen bis zu Pixelgrafik und analogen Programmiereinstiegsspielen.

Die Übungen auszuprobieren hat viel Spaß gemacht und wir TeilnehmerInnen (es war auch ein Kollege dabei) hatten viel Gelegenheit uns auch untereinander Tipps zu geben.

Informatische Grundbegriffe lassen sich auch ohne Computer vermitteln. Idealerweise werden sie natürlich dann dort umgesetzt, aber einiges kann auch so erkannt werden – und es macht Spaß es gemeinsam umzusetzen. Wie bekomme ich die Aufgaben unter die SchülerInnen?

So etwas wie ein Informatikkofer  gefüllt mit den nötigen Materialien wäre toll. Und dass er in manche Supplierstunden mitgenommen wird!

Die junge Referentin Petra Nußdorfer unterrichtet neben Informatik auch Bildnerische Erziehung und das merkt man auch an ihren kreativen Unterrichtsideen, an denen sie uns teilhaben ließ. Sie wird anscheinend nächstes Jahr wieder bei der Ditact dabeisein und ich kann sie nur weiterempfehlen, man kann bei ihr viel Kreatives lernen!

Einige weitere Quellen:

 

Mein zweiter Workshop:

Thema
Fake News & Social Media. Anregungen für den Unterricht

Referentin: Sonja Messner

Story Der bei uns relativ neue Begriff Fake News ist vom Inhalt her natürlich schon immer ein Thema in der Medienerziehung („Zeitungsente“). Aber wie und warum Falschmeldungen innerhalb der sozialen Medien eine solche Wucht bekommen können, darüber wollte ich mir etwas „wissenschaftlichen“ Input holen.
Einsicht Folgerung Anschlussfragen
Inhaltlich gab es jetzt für mich nicht soooo viel Neues, aber ich erhielt eine gute didaktische Struktur, wie man mit SchülerInnen das Thema besprechen kann. Und den Tipp über das relativ neue Onlineportal Addendum, das Dietrich Mateschitz gehört. Außerdem, dass die Journalisten der Washington Post immer gleich vier verschiedene Überschriften zu ihren Artikeln mitliefern müssen – damit ein zur momentanen Situation passender ausgewählt werden kann ;-). Nix Neues: Meiner Meinung nach eines der wichtigsten demokratiepolitischen Themen! Es muss unbedingt immer wieder mit unseren SchülerInnen besprochen werden! Hier nicht so viele: Es gibt viel Material im Internet. Seiten wie Mimikama oder Kobuk sind hilfreich, Safer Internet und Klicksafe.de auch.

Eine gute Idee: SchülerInnen Fake News selbst produzieren lassen!

Auch für Sonja Messner eine klare Empfehlung. Die Medienpädagogin, die bei Akzente arbeitet, kennt sich aus und hat sich viel mit diesem Thema beschäftigt.

juhudo

Internet raus aus den Schulen? Die Textsorte Erörterung

Meine SiebtklässlerInnen maturieren in gut einem Jahr. Folglich sind wir bereits wieder voll im Modus der Vorbereitung auf die Zentralmatura. Vieles von dem, was vor drei Jahren bei der Einführung dieser Form der Matura aufgeregt diskutiert wurde, hat sich mittlerweile beruhigt oder abgeschwächt. Ich könnte immer noch fundamental dagegen wettern und vielleicht tue ich es auch wieder einmal. Heute aber nicht.

Nach wie vor gilt für das Fach Deutsch: Es gibt 9 Textsorten (ab 2020 dann nur mehr 7), die von den Schülern beherrscht werden müssen. Und auch wenn die für die Zentralmatura verantwortlichen Personen immer wieder darauf hinweisen, dass die Schreibhandlungen (z.B. zusammenfassen, argumentieren, informieren) wichtiger seien als die Textsorten – Faktum bleibt, dass es einen Textsortenkatalog gibt und dass die Vermittlung der jeweiligen Spezifika einer Textsorte ganz schön viel Zeit und Energie in Anspruch nimmt.

Meines Erachtens würde es reichen, wenn die Erörterung als einzige argumentativ ausgerichtete Textsorte bestehen bliebe. Wenn jemand Sachverhalte ordentlich und nachvollziehbar erörtern kann – und das ist schwierig genug – hat er oder sie etwas Wesentliches gelernt. Das Verfassen eines Leserbriefs, eines offenen Briefs, einer Empfehlung oder eines Kommentars erscheint mir im Kontext der Deutschmatura unsinnig und überflüssig. Aber sei’s drum.

Am letzten Tag der Osterferien habe ich brav die Hausübung gemacht und für meine SchülerInnen eine Modellerörterung geschrieben. Die Aufgabe wurde letztes Jahr beim Maturatermin im Mai gestellt. Inhaltlich geht es um die Frage, ob der Umgang mit dem Internet ein fester Bestandteil des Unterrichts sein sollte oder nicht. Was liegt näher, habe ich mir gedacht, als meine Erörterung gleich einmal im Internet zu posten?

Hier also geht’s zur Aufgabenstellung (Aufgabe 3) und da zu meiner Modellerörterung. Ich habe mich bemüht, den Text in ungefähr eineinhalb Stunden zu schreiben und wenn ich ihn mir jetzt durchlese, klingt er eigentlich mehr nach Kommentar als nach Erörterung. Aber ich habe mich an die Arbeitsaufträge gehalten und versucht, ordentlich zu argumentieren. Insofern müsste der Text auch den gestrengen Augen der DeutschlehrerkollegInnen standhalten. Und, wie gesagt, es kommt eh mehr auf die Schreibhandlung als auf die Textsorte an. 🙂

(nemo)