Rappen im Französisch-Unterricht

Eine wirklich überzeugende Fortbildungsveranstaltung habe ich heute besucht: Mathias Schillmöller von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg hat uns, einer Gruppe von FranzösischlehrerInnen, gezeigt, wie man Rap, Beat und Rhythmus im Französisch-Unterricht einsetzen kann. Seien es französisch klingende Laute, neue Vokabeln, 562337_coverVerbkonjugationen, Phrasen oder kleine Gedichte – alles bleibt besser im Gedächtnis, wenn man es rappt. Ganz abgesehen davon, dass das rhythmische Sprechen Spaß macht und – wenn man es in Gruppen arrangiert – auch echt gut klingt.

Ich bin jedenfalls hochmotiviert und werde gleich morgen ausprobieren, wie ich das heute Gelernte meinen SchülerInnen vermitteln kann. Tchac, ouf, boum-boum, zing …

Außerdem bietet sich diese Form des Umgangs mit Sprache natürlich für den fächerübergreifenden Projektunterricht an: Ich träume bereits von einem künftigen Kulturprojekt, in dem Sprachen-, Musik-, Sport- und BE- bzw. TEC/TEX-LehrerInnen zusammenarbeiten, um zu irgendeinem Thema, das SchülerInnen wie LehrerInnen inspiriert (ganz spontan würden mir da Themen wie Zukunft oder Zusammenleben in den Sinn kommen), eine gemeinsame Performance auf die Beine zu stellen. Un de ces rêves à réaliser …

(nemo)

Europa schreiben

Vor ein paar Tagen präsentierten wir den Eltern, Freunden und KollegInnen unser diesjähriges Kulturprojekt. Im Foyer der Schule lasen und inszenierten die 2SchülerInnen Gedichte, Reflexionen und Geschichten, die sie im Laufe des Jahres verfasst hatten. Bei Getränken und Snacks konnten die Gäste lauschen und sich ein Bild von unserer einjährigen Auseinandersetzung mit Europa machen.

Außerdem haben wir ein kleines Büchlein mit ausgewählten Texten zum Thema Europa, zum Thema Reisen, zu Brüssel und Amsterdam zusammengestellt. Viele der Texte sind während der vier Schreibwerkstätten mit Gerlinde Weinmüller entstanden. Auch wir Lehrerinnen sowie Gerlinde Weinmüller selbst haben meistens mitgeschrieben. Drei Gedichte der Salzburger Lyrikerin haben Eingang in das Heft gefunden. Ich darf sie nachfolgend auch hier abdrucken. 🙂

Gerlinde Weinmüller

hierzulande

das mittelmeer durchpflügen
mit der kraft eines stiers
der grenzen auf die hörner nimmt
und all die blauen worte
die man hierzulande
schutzengellosen flüchtlingen
an den kopf wirft

was da mitreisen könnte

mein liniertes schreibbuch
mein gespitzter bleistift
meine festen wanderschuhe
meine rote bürste
mein violetter schal
meine grauen berührungsängste
meine gelbe neugier
meine blaue sehnsucht und
dein letzter brief an mich
in dem steht
komm wieder gut heim

am ende der reise

das leben ist wie ein buch
mit leeren seiten
die nicht nur du beschreibst

schicksal
nennen die einen
deinen ghostwriter
zufall die anderen
manche nennen ihn sogar
gott

du lehnst dich entspannt zurück
du weißt
am ende der reise
bleibt dein leben ein buch
das gelesen werden wird

 

Reisen bildet – so oder so. Eine Nachlese zur Kulturreise nach Brüssel und Amsterdam

Nachdem wir am Sonntag den lauen Abend in der Brüsseler Innenstadt rund um die Grand Place verbracht hatten, ging es am Montagmorgen mit unseren Terminen bei den EU-Institutionen los. Bis Mittwoch Nachmittag besuchten wir folgende Stellen: die EU-Kommission (Vortrag: Sören Haar), die ständige Vertretung Österreichs bei der EU (Vorträge: Mirjam Dondi, Roland Meinecke), das EU-Parlament (Vortrag: Albrecht John) und das Verbindungsbüro des Landes Salzburg zur EU (Vorträge: Michaela Petz-Michez, Christoph Stodola). Dazu kamen Besuche im Parlamentarium und im Haus der europäischen Geschichte. IMG_8688

Was mich wirklich beeindruckt hat, war die perfekte Organisation und das ernsthafte Bemühen aller ReferentInnen, den SchülerInnen ihre Arbeit bzw. die Aufgabe der jeweiligen Institution zu vermitteln. Wo auch immer wir hinkamen, wurden wir bereits erwartet und freundlich begrüßt. Nirgendwo hatten wir das Gefühl, eine bloße Nummer zu sein. Entgegen den landläufigen EU-Klischees von Abgehobenheit und Brüsseler Technokratie bemühte man sich um unsere Gruppe, nahm sich Zeit und suchte das Gespräch mit den Schülern und uns Lehrerinnen. Eine wirklich wohltuende und bereichernde Erfahrung!

Inhaltlich fügte sich für die SchülerInnen ein Mosaiksteinchen an das andere. Beim ersten Termin in der Kommission war vieles noch fremd und unbekannt, nach und nach aber wurden die Zusammenhänge und Aufgabengebiete klarer. Ich glaube wirklich, dass sich das Wissen um die EU in diesen Tagen bei vielen potenziert hat – auch wenn mich die Ergebnisse des kleinen Tests, den ich den Schülern heute unterbreitet habe, wieder einigermaßen auf den Boden der Realität zurückgeholt haben …

Natürlich bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass SchülerInnen viel auf so einer Reise lernen. Trotzdem macht mich die eingeschränkte Aufnahmefähigkeit und zur Schau gestellte Ignoranz von einigen (nicht von allen!) auch ein bisschen ratlos. Ein Grund dafür ist die Dauerpräsenz des Smartphones. Wenn der Blick so häufig auf das Display gerichtet ist, bleibt einfach nicht mehr viel Aufmerksamkeit für die Umwelt. Natürlich hat jeder immer einen guten Grund, warum er oder sie aufs Handy schauen muss. Es geht mir ja nicht anders. Insgesamt sind die Dinger aber nichts anderes als eine Pest. – Als ich den Schülern während der langen Zugfahrt von Amsterdam nach Hause gesagt habe, dass ich ihre Wischkästchen am liebsten allesamt aus dem Fenster werfen würde, hat ein Schüler gemeint, ohne Handy während einer mehrstündigen Bahnfahrt, da könne man sich ja gleich umbringen. Natürlich meinten wir es beide nicht wörtlich, ein bisschen ernst war uns die Blödelei aber schon.

Ein weiterer Grund dafür, dass bei manchen weit weniger hängen bleibt als erhofft, ist die bröckelnde Idee von Allgemeinbildung und die Infragestellung ihrer Relevanz. Ob man beispielsweise etwas von den Führungen in einem Kunstmuseum behält, scheint einigen (nicht allen!) lediglich eine Frage von persönlichem Interesse zu sein. Und wofür man sich interessiert, da ist man gerne tolerant: Meine Güte, der eine interessiert sich für Fußball, der andere für Kunst. Dass es aber auch eine Frage von Bildung ist, Namen wie Rembrandt oder Vermeer zu kennen, 5882Lwird immer öfter bezweifelt. Die Schule dient vielen in erster Linie als Vorbereitung auf die Matura, und wenn jemand nicht freiwillig in Bildnerischer Erziehung maturieren will, scheint er wenig Verwendung für solcherart nutzloses kunstgeschichtliches Wissen zu haben. Da kann die Führung im Museum noch so interessant und launig gewesen sein. Unmittelbar danach wird das als unbrauchbar eingeschätzte Wissen entsorgt. Der Konsens, dass ein Gymnasium Allgemeinbildung vermittelt und Allgemeinbildung idealiter all das umfasst, was im Schulunterricht in den verschiedenen Fächern im Laufe der Jahre zusammenkommt, existiert einfach nicht mehr. Die Schüler spiegeln uns da allerdings nichts anderes als eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung wider.

Aber zurück zur Reise und zu den positiven Erlebnissen: Nach den EU-Institutionen haben wir uns in Brüssel noch das Comic-Museum und natürlich das Atomium angeschaut. Am nächsten Tag ging es weiter nach Amsterdam. Dort besuchten wir das Van Gogh- und das Rijksmuseum. Beides großartige Museen mit wunderbaren Gemälden – immer vorausgesetzt natürlich man interessiert sich für Kunst. 😉 IMG_8731

Fast eine Woche nach der Rückkehr fühle ich mich immer noch ein bisschen müde. Die Herausforderung, zwei mir bislang unbekannte Städte im Beisein von 28 Jugendlichen zu erkunden, war riesig. Umso mehr freue ich mich, diese gemeistert zu haben und mit Brüssel und Amsterdam darüber hinaus zwei Städte kennengelernt zu haben, die sowohl uns Lehrerinnen als auch die Schüler beeindruckt haben.

Hierzu abschließend noch ein paar schöne und erfreuliche Statements der SchülerInnen:

Wir hatten die Möglichkeit, in das Van Gogh-Museum zu gehen und viele verschiedene europäische Institutionen zu besuchen. Dort haben wir überall interessante Dinge erfahren.

Man hat gemerkt, dass es den Leuten in Brüssel von großer Wichtigkeit ist, dass wir einen guten Eindruck von der EU erhalten. Beispielsweise war das Museum der Geschichte Europas für alle Besucher kostenlos, obwohl dort mindestens zwanzig Angestellte tätig waren und es sogar noch Sicherheitskontrollen gab.

Brüssel klang vielversprechend, aber ich wusste gar nicht, was es außer den EU-Institutionen dort sonst noch gab. (…) Die Reise war für mich auf jeden Fall sehr lehrreich und informativ. Vor allem der Aufenthalt in Amsterdam war eine der coolsten Sachen. Amsterdam zählt nun zu meinen Lieblingsstädten.

Ich war schon immer begeistert von der EU, also war es für mich wie ein „Dream come true“ als ich hörte, dass wir nach Brüssel fahren. (…) Ich war selten so überwältigt. All diese wichtigen Gebäude zu betreten war einfach ein Wahnsinn. (…) Der Traum, in Zukunft einmal etwas mit Politik oder Wirtschaft zu machen, besteht schon lange, aber dieser Gedanke hat sich fast zu einem Lebensziel entwickelt, als ich in Brüssel war.

Diese Reise nach Brüssel und Amsterdam hat mir so gut gefallen und total viel Spaß gemacht. Ich habe so viel über die Europäische Union erfahren und so viel Neues kennengelernt, dass ich die darauffolgenden zwei Tage so viele Stunden und so gut geschlafen habe, wie schon seit Wochen nicht mehr.

Ich auch!

(nemo)

 

 

Was täglich in der Schule so passiert …

ist jedenfalls eine ganze Menge.  Ja, die Tage und Wochen sind wieder einmal so dicht, dass ich nicht und nicht dazukomme, über all das zu schreiben, worüber ich gerne schreiben würde. Ok, möglicherweise ist nicht alles von dem, was täglich so passiert, unbedingt mitteilenswert, trotzdem, zumindest ein paar Dinge will ich kurz erwähnen bzw. auflisten:

  • unsere große Reise im Rahmen des Kulturprojekts steht vor der Tür. Am Sonntag fliegen wir nach Brüssel, am Donnerstag geht’s weiter nach Amsterdam. In Brüssel stehen in erster Linie Besuche bei verschiedenen EU-Institutionen auf dem Programm, in Amsterdam der Besuch mehrerer Museen und natürlich die Stadt selbst. Zudem haben die SchülerInnen verschiedene Schreibaufgaben zu erledigen. Unser Projekt trägt ja den Titel „Europa schreiben“.
  • Apropos „Europa schreiben“: Die Schreibwerkstätten, die eine Schriftstellerin mit den SchülerInnen bereits durchgeführt hat und noch durchführen wird, sind großartig. Es ist beeindruckend, was für schöne, interessante, lustige, poetische und ungewöhnliche Texte beim kreativen Schreiben herauskommen – auch von Schülern, die sich mit dem informierend-analytisch-argumentativen Schreiben im Deutschunterricht wahnsinnig plagen.
  • Apropos Reise: Eine Exkursion nach Brüssel wird erfreulicherweise vom Land gefördert. Nicht nur, dass mich das Verbindungsbüro des Landes zur EU bei der Programmerstellung unterstützt und sämtliche Termine für uns vereinbart hat. Wir bekommen auch noch eine finanzielle Förderung! Informationen finden sich auf der Homepage des Landes Salzburg.
  • Es herrscht Schularbeitenhochsaison. Die SiebtklässlerInnen hatten letzte Woche eine Erörterung zu schreiben, die ZweitklässlerInnen durften heute eine Eulenspiegel-Geschichte in einen Bericht umformulieren. Das letzte Wochenende war wieder einmal ein reines Korrigierwochenende.
  • Die SchülerInnen der achten Klassen müssen bis Ende dieser Woche beurteilt werden. Danach ist der normale Unterricht für sie vorbei, sie arbeiten ohnehin nur mehr auf die Matura hin. Vom Französischunterricht bleibt denjenigen, die in Französisch nicht zur Matura antreten, kaum etwas. Ihre Sprachkompetenz hat bereits in den letzten Wochen spür- und messbar abgenommen. Zu viel anderes hat sie permanent beschäftigt (nicht zuletzt die VWA), der normale Unterricht erscheint zunehmend unwichtig. Seit Weihnachten fokussiert sich alles auf die Matura, der Regelunterricht in der achten Klasse kommt mir schon eher wie eine Farce vor.
  • Apropos normaler Unterricht: Was mich ebenfalls stört, sind die dauernden Abwesenheiten der Schüler. Nicht nur, dass viele wirklich häufig krank sind, sie haben auch unglaublich viele Arzttermine. Außerdem fällt mir auf, dass immer mehr Familien um Freistellung ihrer Kinder bitten, damit sie bereits einen Tag früher auf Urlaub fahren bzw. später zurückkommen können. (Ähnliches war kürzlich auch in einem Artikel („Womit Lehrer kämpfen“) im Standard zu lesen.) Neulich hat mir eine Schülerin gesagt, sie habe nicht zum Nachmittagsunterricht erscheinen können, weil sie arbeiten musste, und eine andere hatte eine Fahrstunde, die sich keinesfalls verschieben ließ. Ok, wenn Schularbeit ist, sind sie da (sonst müssen sie nämlich nachschreiben), der normale Unterricht aber erscheint ihnen offenbar entbehrlich. Und wenn ich darauf beharre, dass es in der Schule Anwesenheitspflicht gebe, reagieren sie verständnislos.
  • Mit den ZweitklässlerInnen habe ich das Buch Als mein Vater ein Busch wurde gelesen. Vom Verlag gibt es recht brauchbares Unterrichtsmaterial frei im Netz verfügbar. Wir spielen zudem einige Szenen nach. Noch ist die Dramatisierung nicht aufführungsreif, man kann jedoch bereits erkennen, wie berührend viele Szenen wirken, wenn man sie nachspielen lässt.
  • Und über meine Lehrveranstaltung zum Thema „Flucht und Migration in Literatur, Filmen und Comics“, die ich in diesem Semester an der Uni halte, will ich irgendwann auch einmal berichten.

(nemo)

Was von den Ferien (und nicht nur davon) übrig blieb

Zwei Wochen Ferien. Zeit für Familie, Freunde, für sich selbst. Zeit aber auch für die Schule und die Schüler. Zeit zum Aufarbeiten, Nachdenken, Vorbereiten. Wie immer bleibt etwas liegen, bräuchte man mehr Zeit, fühlt sich das Ende nicht so an, wie man es sich am Anfang gewünscht hatte.

Die erste Woche, jene „zwischen den Jahren“, wie ein Schatz. Kein „Arbeit-Geber“ will etwas von einem, keine Mails, keine, zumindest wenige Gedanken an die Schule. Gut, dass man allen rechtzeitig gute Wünsche fürs neue Jahr hat zukommen lassen. Jetzt ist schulische Ruhe. Überlegungen, was einzukaufen und zu kochen ist, wer wann besucht werden soll. Winter, Wonne, Weihnachtsfrieden, garniert sogar mit Sonne und Schnee.

Der Weckruf kommt mit dem neuen Jahr. Wie immer mitten in der Nacht. Plötzlich ist alles wieder da. Alles, was liegen geblieben war und sich in der ersten Ferienwoche trotzdem unauffällig verhielt, meldet sich lautstark zu Wort. Das immer noch Unerledigte, mittlerweile aber schon recht Dringende will einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Die ersten Neujahrsgrüße per Mail, garniert mit Begehrlichkeiten und Terminvereinbarungen. Der Aufprall im neuen Jahr, die Vertreibung aus dem Weihnachtsparadies, wie immer ein bisschen abrupt und harsch.

Gleich in der ersten Woche nach den Ferien Schularbeit in der zweiten Klasse. „Informationen aus Sachtexten entnehmen“. Noch immer kein wirklich passender Sachtext gefunden. Vielleicht schafft ja die Schulbibliothek Abhilfe. Oder doch noch einmal das Internet befragen? Morgen jedenfalls muss die Sache unter Dach und Fach gebracht werden.

Die Textinterpretation der siebten Klasse. Immerhin, die Hausübungen sind korrigiert. Wie aber weitermachen? Wie lässt sich das so üben, dass wirklich alle etwas davon haben?

Drei neue VWAs. Interessante, ambitionierte Vorschläge der Schülerinnen. Aber man muss ihnen schon noch ein bisschen unter die Arme greifen, helfen, ihr Thema zu konkretisieren, die Fragestellung zu schärfen, relevante Literatur zu finden. Sich aber auch selbst einlesen, überlegen, was da von Interesse sein könnte.

„Europa schreiben“ als Thema des diesjährigen Kulturprojekts. Schreibwerkstätten fixieren. Notieren, welche Stundenverschiebungen mit welchen Kollegen dafür abgesprochen werden müssen. Und endlich die Reise nach Brüssel und Amsterdam buchen. Geradezu paradox, wie schwierig es geworden ist, im vereinten Europa zu reisen, wenn man versucht, umweltfreundlich (interessiert das eigentlich noch irgendjemanden?) mit dem Zug zu fahren. Verschiedene Bahngesellschaften, die untereinander konkurrieren. Die einen bekommen keine Preisauskunft für den Zug der anderen, die anderen haben keinen Zugriff auf den Zug der einen. Und so weiter und so fort. Man könnte die Reiseplanung natürlich aus der Hand geben und jemanden vom Kundenservice damit beauftragen. „Gerne“ würde man dann ein Angebot bekommen, das preislich mindestens das Doppelte, vielleicht sogar das Dreifache kosten würde. Oder aber man fährt mit einem Reisebus. Hm. Auch nicht unbedingt das, was man wollte.

Die Vision eines gemeinsamen, vereinten Europas. Auch im Politischen hat die Idee in den letzten Jahren erheblichen Schaden genommen. Nicht minder erschreckend aber sind die Schranken, die im öffentlichen Verkehr im Zuge von Liberalisierung und Privatisierung aufgebaut wurden und werden. Die neuen Unternehmen orientieren sich am Gewinn und stehen in Konkurrenz zueinander. Der Markt gibt die Regeln vor. In den Medien liest man von neuen Hochleistungsstrecken, schnelleren Verbindungen, verbessertem Service und Sparangeboten. Alles wird besser, schneller, effizienter, bequemer. Fortschritt, wohin das Werbeauge blickt. Blöd nur, wenn man abseits der Hochleistungsstrecken wohnt und eine Reise tun will, die nicht ins Schema der Werbestrategen passt. Da wird’s dann plötzlich kompliziert, teuer, langsam und reichlich unbequem. Noch gibt es glücklicherweise ein paar Menschen an den Schaltern der Bahngesellschaften, die sich bemühen und auch zu unkonventionellen Maßnahmen bereit sind. Auch ihnen werden die Möglichkeiten durch neue Computersysteme zunehmend beschnitten. Eine hilfsbereite Dame am Schalter aber weiß, dass der eine Kollege auf seinem Computer noch das alte Programm hat, da wird sie am Montag nachschauen und sich dann telefonisch melden. Vielleicht gelingt es ja doch auch im Jahr 2018 noch einmal, in Salzburg eine Preisauskunft über eine ganz normale Zugverbindung von Brüssel nach Amsterdam zu erhalten …

(nemo)

PS: Ich bin zwar noch nicht ganz sicher, was ich von der Initiative „Adults for Adults“, ausgehend von dem österreichischen Philosophen Robert Pfaller, halten soll, muss mich erst genauer damit beschäftigen, will aber schon einmal auf die Homepage verweisen: http://adultsforadults.eu

 

 

 

Trotz allem. Sprach-, Kultur-, Klassen- und sonstige Reisen

Mit Schülern zu verreisen ist eine höchst ambivalente Sache: Es gehört zum Schönsten, Bleibendsten und Beglückendsten, was Schule zu bieten hat, für SchülerInnen wie für LehrerInnen. Gleichzeitig ist es aus Lehrersicht auch ein anstrengendes, gefährliches und mitunter quälendes Unterfangen. Derzeit treibt uns die Organisation der mehrtägigen Schulveranstaltungen – so der Terminus technicus – wieder um. Bis zur ersten Sitzung des Schulgemeinschaftsausschusses (SGA) in der nächsten Woche müssen alle geplanten Projekte eingereicht sein, damit sie auf Genehmigung hoffen können.

Mittlerweile gibt es ja mehr Argumente, die gegen das Verreisen mit Schülern sprechen als dafür: 1. Reisen kosten (viel) Geld. Für die Schulen und wohl auch für so manche Familie stellen die Reisekosten eine zunehmend untragbare finanzielle Belastung dar. Selbst wenn man sich bemüht, die Reisekosten niedrig zu halten, was mir zum Beispiel ein echtes Anliegen ist, kommt einiges zusammen. 2. Reisen sind im Schulalltag schwer unterzubringen, besonders wenn es um klassenübergreifende Unternehmungen geht. Mal ist die eine Klasse weg, mal die andere. Wenn man eine Sprache unterrichtet und Schüler aus drei verschiedenen Klassen in der Gruppe sitzen, kann das ganz schön nervend und im Hinblick auf unser zu absolvierendes Programm für die Zentralmatura auch stressig sein. Noch schwieriger ist in dieser Hinsicht nur noch die Organisation eines Schüleraustausches. Da muss man dann die Termine gleich zweier Schulen unter einen Hut bringen. Die Kollegin, die sich in diesem Jahr um den Austausch mit La Rochelle bemüht, kann ein Lied davon singen.

3. Reisen stellen ein immenses Risiko für die Lehrer dar. Im Grunde ist man als LehrerIn davon abhängig, dass alles gut geht und niemandem etwas passiert. Sollte tatsächlich einmal einem Schüler etwas zustoßen, will ich mir die Folgen davon gar nicht ausmalen. Das heißt aber, dass man, will man mit Schülern verreisen, ganz einfach vom Glück abhängig ist. Ein Risiko, das manche Kollegen nicht mehr bereit sind, in Kauf zu nehmen. 4. Die Organisation von Reisen bedeutet einen zeitlichen Aufwand, der ganz einfach nicht abgegolten wird. Man plant das zur Gänze in seiner Freizeit – je individueller und kostengünstiger, desto aufwendiger. Wie viele Stunden ich mitunter zubringe, um ein attraktives Programm zu erstellen, eine ordentliche Unterkunft zu finden und Sparpreise für Bahn, Bus oder auch einmal einen Flug zu ergattern, will ich selbst nicht wissen.

Trotz dieser Einwände sitze ich auch dieser Tage wieder und plane, überlege, berate mich mit KollegInnen im In- und Ausland. Meine siebte Klasse darf heuer ins Ausland fahren. In der fünften Klasse waren wir in Kärnten auf Sportwoche, in der sechsten in Wien, nun wäre, was die schulinterne Regelung betrifft, die Auslandsreise im Rahmen des Kulturprojekts dran. Allerdings, auch inhaltlich spießt es sich gerade: Ich verstehe die Reise als sinnvolle Ergänzung zu einem thematisch ausgerichteten Kulturprojekt, für meine Klasse steht die Reise im Vordergrund – das zu absolvierende Kulturprojekt kratzt sie weniger. Ein paar Tage bleiben uns noch für den Annäherungsprozess. Mal sehen, was dabei herauskommt …

(nemo)

PS: Am Ende des letzten Schuljahres waren wir mit den Französisch-Schülern in Paris. Ein Schüler hat ein Video gedreht und es auf Youtube gepostet. Auch im Bericht über die Paris-Tage ist das Video nun verlinkt (ganz am Ende des Artikels).

 

 

Schulische Lebenselixiere

Gleich an zwei Abenden durfte ich in dieser Woche schulische Lebenselixiere zu mir nehmen. Mitunter braucht man solche, gerade gegen Ende eines fordernden Schuljahres. Nicht die Noten, nicht die Orientierung an Kompetenzen, nicht die standardisierten Prüfungsformate und auch nicht Kriterien wie Qualität, Optimierung, Professionalisierung, Output oder sonst ein Begriff aus der „schönen neuen Schulwelt“ standen an diesen zwei Abenden im Mittelpunkt, sondern die gemeinsame Sache, die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern, der anstrengende, aber spannende Weg miteinander.

dialogAm Dienstag war ich zur Maturafeier einer Klasse eingeladen, in der ich eigentlich gar nicht unterrichtet hatte. Zumindest nicht in der achten Klasse. Aber es war die erste Klasse, die ich vor sieben Jahren als Unterrichtspraktikantin am WRG in Deutsch bekam. Daraus begründete sich für mich eine Art besondere Beziehung. Im letzten Jahr durfte ich einen Teil der SchülerInnnen dann außerdem noch in Französisch unterrichten. Und auch dadurch – nicht zuletzt durch die gemeinsame Reise nach La Rochelle – hat sich die Art von besonderer Beziehung noch einmal bestätigt (auch wenn wir im letzten Jahr, als sie in der siebten Klasse waren, durchaus auch ein paar Konflikte auszutragen hatten). Insgeheim hatte ich ein bisschen darauf gehofft, dass mich die Klasse zu ihrer Maturafeier einladen würde; als die Einladung tatsächlich erfolgte, habe ich mich voll gefreut.

Das Schönste an der Maturafeier war das, was ich dort beobachten konnte: MaturantInnen mit ihren Eltern und LehrerInnen, die den Erfolg der Matura, aber mehr noch die in acht gemeinsam verbrachten Jahren entstandene Beziehung zelebrierten. Eine Klassenvorständin, die in ihrer Rede jedem einzelnen Schüler, jeder einzelnen Schülerin sagte, was sie an ihm oder ihr schätzt und mag, so ehrlich und authentisch, dass alle im Raum berührt waren. SchülerInnen, die sich bei den Lehrern „das Du-Wort abholen kamen“, die eine Lehrerin zum Abschied drücken wollten, einfach „weil Sie, äh Du, so ein netter Mensch bist“, Eltern, die sich bei KollegInnen für das außerordentliche Engagement bedankten und sich mir gegenüber an Besonderheiten des Fachunterrichts „damals in der zweiten Klasse“ erinnerten, SchülerInnen und LehrerInnen, die bis spät in die Nacht gemeinsam feierten, lachten und scherzten. Ich durfte den Schlusspunkt einer schulischen Laufbahn miterleben, der so nur möglich war, weil dahinter (bzw. zeitlich davor) mehrere Jahre standen, in denen das Menschliche die oberste Stelle einnahm. Diese MaturantInnen haben zahlreiche standardisierte oder auch individuell zusammengestellte Prüfungen abgelegt, sie weisen nunmehr vielfältige Kompetenzen auf, sie verfügen über Wissen und Können, weil sich all dies und noch viel mehr in den meisten Fällen am Ende eben doch einstellt – wenn das Bestreben ihrer Lehrer in erster Linie auf Bildung, auf die Entwicklung, Forderung und Förderung der jungen Menschen ausgerichtet ist. (Ob sich allerdings umgekehrt Bildung auch einstellen würde, wenn das Bestreben der Lehrer einzig auf Kompetenzerwerb und Standards ausgerichtet ist, erscheint mir viel fraglicher zu sein.)

Etwas ganz anderes und doch irgendwie Ähnliches stand am Mittwochabend auf PlakatWIenerWelten2dem Programm. Meine sechste Klasse lud zur Präsentation ihres diesjährigen Kulturprojektes. Sie hatten verschiedene Orte in Wien fotografisch in Szene gesetzt, nun wurden ausgewählte Arbeiten in der Galerie Fotohof ausgestellt. Aufgrund der Kooperation mit dieser Institution und der Gastfreundschaft von Hermann Seidl – die SchülerInnen hatten bei ihm den vorbereitenden Fotoworkshop absolviert – hatten sie die einzigartige Gelegenheit, eigene künstlerische Arbeiten in einer richtigen Galerie auszustellen. Am Mittwochabend fand also gewissermaßen die Vernissage statt – und was es für eine Vernissage wurde!

Eltern, Großeltern, Freunde und LehrerkollegInnen fanden sich ein, um die Fotografien zu betrachten. Zu sehen bekamen sie echt Großartiges. Wir wussten bereits in Wien, dass die SchülerInnen interessante und ungewöhnliche Fotos gemacht hatten. In der nunmehrigen thematischen Zusammenstellung und mit künstlerischer Unterstützung des BE-Lehrers aber entstanden Fotocollagen, die uns alle vom Hocker rissen.

Die SchülerInnen meiner Klasse sind zum Großteil introvertiert, im Unterricht wirken sie manchmal ein bisschen teilnahmslos und lahm. Nicht nur ich hatte mich in diesem Jahr immer wieder mehr oder weniger vergeblich bemüht, sie für Inhalte zu interessieren oder ihren kritischen Geist zu wecken. Gerade in letzter Zeit waren zudem einige Konflikte zu lösen und Probleme zu besprechen. Und, ja, das Engagement für den Präsentationsabend schien mir noch letzte Woche auch nicht wirklich überwältigend. Umso mehr erstaunte und erfreute mich das, was wir am Mittwochabend zu sehen bekamen. Künstlerische Werke der Extraklasse und fröhliche junge Menschen, die – auf ihre Art – stolz auf die Ergebnisse waren. Eltern, die ebenso beeindruckt waren wie wir LehrerInnen. Und endlich konnte ich die SchülerInnen an diesem Abend wieder einmal richtig loben und mich bei ihnen für ihre Arbeit bedanken!

Wo meine Klasse in zwei Jahren stehen wird, wie sich ihre eigene Maturafeier gestalten wird, weiß ich nicht. Hoffentlich werden einige der pädagogischen Versuche und Maßnahmen gelingen, die wir den SchülerInnen angedeihen lassen und auch zumuten müssen. Dass solche gemeinsamen Erlebnisse wie jenes am Mittwochabend das sind, worauf es ankommt und was Schule im Kern ausmacht, davon bin ich überzeugt.

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PS: Die Fotocollage ganz oben trägt übrigens den Titel „Dialoge“.

(nemo)