Blau: Die Genese eines Kulturprojekts am Puls der Zeit

Viel lese bzw. höre ich dieser Tage über die Farbe Blau: Der deutsche Wissenschaftsautor Kai Kupferschmidt hat kürzlich ein Buch mit dem Titel Blau. Wie die Schönheit in die Welt kommt veröffentlicht. Ich habe im Radio davon erfahren. Auch auf dem Frankoromanistentag, einem Kongress zur französischen Sprach-, Literatur und 31+f6MVoAvL._SX285_BO1,204,203,200_Kulturwissenschaft, der nächstes Jahr in Wien stattfindet, wird die Farbe Blau verhandelt. Dem Programm entnehme ich, dass es dort eine Sektion zur wissenschaftlichen Betrachtung der „starken Farbe Blau“ geben soll. Blau also, wohin das mediale Auge blickt.

Bereits vor ein paar Jahren, als in der Kunsthalle Wien eine Ausstellung mit dem Titel Blue Times lief, musste ich schmunzeln: Hatten wir doch in der Schule schon im Jahr 2012 ein Kulturprojekt zur Farbe Blau durchgeführt – und ordentlich zu kämpfen, um unsere „Klientel“ von der Sinnhaftigkeit eines solchen Projektes zu überzeugen. Ein bisschen Genugtuung verspüre ich schon, wenn ich nun von den aktuellen Auseinandersetzungen im Wissenschafts- und Kunstbereich lese. Da waren wir offenbar ganz schön am Puls der Zeit mit unserem schulischen Kulturprojekt. Unsere SchülerInnen sahen das damals allerdings ein bisschen anders …

Ich erinnere mich daran, wie meine Kollegin und ich – beide hellauf begeistert von der Idee, zur Farbe Blau ein fächerübergreifendes Kulturprojekt anzuzetteln – auf einhellige Ablehnung bei den SchülerInnen stießen: Was bitte soll das sein, ein Projekt zu einer Farbe? Was wir überaus cool, anregend und spannend fanden, fiel bei den SchülerInnen ganz einfach durch. Intensive Überzeugungsarbeit war nötig, fast hätten wir alles hingeschmissen, bevor es uns schließlich gelang, den 16-Jährigen wenigstens die (passive) Bereitschaft, sich auf das Experiment einzulassen, abzutrotzen.

Kern der Auseinandersetzung sollten Gedichte sein, in denen die Farbe Blau ein wichtiges Motiv darstellt. Im Reclam-Verlag gab es das dazupassende Heftchen mit einer Sammlung „blauer Gedichte“. Je ein Gedicht sollten sich die SchülerInnen aussuchen, es in Gruppen bearbeiten und filmisch umsetzen. Im Vorfeld bereiteten wir das kulturelle Feld mit Bildern (Yves Klein), Filmen (Drei Farben: Blau) und Musik (Blues) auf und 31WZTNAgOtL._SX322_BO1,204,203,200_untersuchten die kulturellen Konnotationen dieser Farbe. Anschließend besorgten wir die Reclam-Hefte, organisierten einen Filmworkshop, beantragten das nötige Geld. Wir warfen uns wirklich ins Zeug. Unsere Begeisterung übertrug sich dennoch kaum merklich auf die Schüler. Einzig die in Aussicht gestellte Exkursion nach München (Der Blaue Reiter im Lenbachhaus) sowie eine mehrtägige Kulturreise nach Berlin lockten sie einigermaßen hinter dem Ofen hervor. Aus heutiger Sicht denke ich mir: Wahnsinn, was wir uns damals für dieses Kulturprojekt angetan haben! Als Bezahlung für uns lockte gerade einmal eine halbe Werteinheit pro Lehrkraft. Jede zweite Woche durften wir dafür gegen den jugendlichen Widerstand und die Lethargie der SechstklässlerInnen ankämpfen. Hart verdientes Brot, wahrlich.

Aber ja, unsere Hartnäckigkeit sollte sich noch bezahlt machen: Im Laufe des Jahres fingen die SchülerInnen nach und nach Feuer. Zuerst nur ein paar, schließlich immer mehr. Als ihre experimentellen Kurzfilme unter Dach und Fach waren, waren die meisten von dem Projekt schon recht angetan. Die Exkursion ins Lenbachhaus machten sie dann schon richtiggehend gerne mit und die Reise nach Berlin – auf den Spuren der Farbe Blau in der Stadt, in verschiedenen Museen und in der Street Art – fanden sie schlussendlich ebenso cool wie wir selbst. Bei der „Blauen Nacht“, bei der das Projekt vorgestellt und die Filme und Fotos den Eltern sowie der interessierten Schulöffentlichkeit gezeigt wurden, war durchaus so etwas wie allgemeiner Stolz spürbar.

Im vollen Ausmaß wurde ihnen das, was ihnen mit diesem Kulturprojekt geboten worden war, allerdings erst nach Projektende bewusst. Mit dem Abstand von mehreren Jahren fanden sie das Projekt so richtig toll. Beim ersten Maturatreffen schwelgte man in Erinnerungen an die megacoolen Tage in Berlin und fand, dass wir da in der Sechsten eigentlich voll das innovative, hippe Kulturprojekt durchgezogen hätten. Als Highlight des Abends wurden die experimentellen Kurzfilme von damals gezeigt – und wir bekamen sozusagen unseren späten Lohn.

(nemo)

 

Rappen im Französisch-Unterricht

Eine wirklich überzeugende Fortbildungsveranstaltung habe ich heute besucht: Mathias Schillmöller von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg hat uns, einer Gruppe von FranzösischlehrerInnen, gezeigt, wie man Rap, Beat und Rhythmus im Französisch-Unterricht einsetzen kann. Seien es französisch klingende Laute, neue Vokabeln, 562337_coverVerbkonjugationen, Phrasen oder kleine Gedichte – alles bleibt besser im Gedächtnis, wenn man es rappt. Ganz abgesehen davon, dass das rhythmische Sprechen Spaß macht und – wenn man es in Gruppen arrangiert – auch echt gut klingt.

Ich bin jedenfalls hochmotiviert und werde gleich morgen ausprobieren, wie ich das heute Gelernte meinen SchülerInnen vermitteln kann. Tchac, ouf, boum-boum, zing …

Außerdem bietet sich diese Form des Umgangs mit Sprache natürlich für den fächerübergreifenden Projektunterricht an: Ich träume bereits von einem künftigen Kulturprojekt, in dem Sprachen-, Musik-, Sport- und BE- bzw. TEC/TEX-LehrerInnen zusammenarbeiten, um zu irgendeinem Thema, das SchülerInnen wie LehrerInnen inspiriert (ganz spontan würden mir da Themen wie Zukunft oder Zusammenleben in den Sinn kommen), eine gemeinsame Performance auf die Beine zu stellen. Un de ces rêves à réaliser …

(nemo)

Europa schreiben

Vor ein paar Tagen präsentierten wir den Eltern, Freunden und KollegInnen unser diesjähriges Kulturprojekt. Im Foyer der Schule lasen und inszenierten die 2SchülerInnen Gedichte, Reflexionen und Geschichten, die sie im Laufe des Jahres verfasst hatten. Bei Getränken und Snacks konnten die Gäste lauschen und sich ein Bild von unserer einjährigen Auseinandersetzung mit Europa machen.

Außerdem haben wir ein kleines Büchlein mit ausgewählten Texten zum Thema Europa, zum Thema Reisen, zu Brüssel und Amsterdam zusammengestellt. Viele der Texte sind während der vier Schreibwerkstätten mit Gerlinde Weinmüller entstanden. Auch wir Lehrerinnen sowie Gerlinde Weinmüller selbst haben meistens mitgeschrieben. Drei Gedichte der Salzburger Lyrikerin haben Eingang in das Heft gefunden. Ich darf sie nachfolgend auch hier abdrucken. 🙂

Gerlinde Weinmüller

hierzulande

das mittelmeer durchpflügen
mit der kraft eines stiers
der grenzen auf die hörner nimmt
und all die blauen worte
die man hierzulande
schutzengellosen flüchtlingen
an den kopf wirft

was da mitreisen könnte

mein liniertes schreibbuch
mein gespitzter bleistift
meine festen wanderschuhe
meine rote bürste
mein violetter schal
meine grauen berührungsängste
meine gelbe neugier
meine blaue sehnsucht und
dein letzter brief an mich
in dem steht
komm wieder gut heim

am ende der reise

das leben ist wie ein buch
mit leeren seiten
die nicht nur du beschreibst

schicksal
nennen die einen
deinen ghostwriter
zufall die anderen
manche nennen ihn sogar
gott

du lehnst dich entspannt zurück
du weißt
am ende der reise
bleibt dein leben ein buch
das gelesen werden wird

 

Reisen bildet – so oder so. Eine Nachlese zur Kulturreise nach Brüssel und Amsterdam

Nachdem wir am Sonntag den lauen Abend in der Brüsseler Innenstadt rund um die Grand Place verbracht hatten, ging es am Montagmorgen mit unseren Terminen bei den EU-Institutionen los. Bis Mittwoch Nachmittag besuchten wir folgende Stellen: die EU-Kommission (Vortrag: Sören Haar), die ständige Vertretung Österreichs bei der EU (Vorträge: Mirjam Dondi, Roland Meinecke), das EU-Parlament (Vortrag: Albrecht John) und das Verbindungsbüro des Landes Salzburg zur EU (Vorträge: Michaela Petz-Michez, Christoph Stodola). Dazu kamen Besuche im Parlamentarium und im Haus der europäischen Geschichte. IMG_8688

Was mich wirklich beeindruckt hat, war die perfekte Organisation und das ernsthafte Bemühen aller ReferentInnen, den SchülerInnen ihre Arbeit bzw. die Aufgabe der jeweiligen Institution zu vermitteln. Wo auch immer wir hinkamen, wurden wir bereits erwartet und freundlich begrüßt. Nirgendwo hatten wir das Gefühl, eine bloße Nummer zu sein. Entgegen den landläufigen EU-Klischees von Abgehobenheit und Brüsseler Technokratie bemühte man sich um unsere Gruppe, nahm sich Zeit und suchte das Gespräch mit den Schülern und uns Lehrerinnen. Eine wirklich wohltuende und bereichernde Erfahrung!

Inhaltlich fügte sich für die SchülerInnen ein Mosaiksteinchen an das andere. Beim ersten Termin in der Kommission war vieles noch fremd und unbekannt, nach und nach aber wurden die Zusammenhänge und Aufgabengebiete klarer. Ich glaube wirklich, dass sich das Wissen um die EU in diesen Tagen bei vielen potenziert hat – auch wenn mich die Ergebnisse des kleinen Tests, den ich den Schülern heute unterbreitet habe, wieder einigermaßen auf den Boden der Realität zurückgeholt haben …

Natürlich bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass SchülerInnen viel auf so einer Reise lernen. Trotzdem macht mich die eingeschränkte Aufnahmefähigkeit und zur Schau gestellte Ignoranz von einigen (nicht von allen!) auch ein bisschen ratlos. Ein Grund dafür ist die Dauerpräsenz des Smartphones. Wenn der Blick so häufig auf das Display gerichtet ist, bleibt einfach nicht mehr viel Aufmerksamkeit für die Umwelt. Natürlich hat jeder immer einen guten Grund, warum er oder sie aufs Handy schauen muss. Es geht mir ja nicht anders. Insgesamt sind die Dinger aber nichts anderes als eine Pest. – Als ich den Schülern während der langen Zugfahrt von Amsterdam nach Hause gesagt habe, dass ich ihre Wischkästchen am liebsten allesamt aus dem Fenster werfen würde, hat ein Schüler gemeint, ohne Handy während einer mehrstündigen Bahnfahrt, da könne man sich ja gleich umbringen. Natürlich meinten wir es beide nicht wörtlich, ein bisschen ernst war uns die Blödelei aber schon.

Ein weiterer Grund dafür, dass bei manchen weit weniger hängen bleibt als erhofft, ist die bröckelnde Idee von Allgemeinbildung und die Infragestellung ihrer Relevanz. Ob man beispielsweise etwas von den Führungen in einem Kunstmuseum behält, scheint einigen (nicht allen!) lediglich eine Frage von persönlichem Interesse zu sein. Und wofür man sich interessiert, da ist man gerne tolerant: Meine Güte, der eine interessiert sich für Fußball, der andere für Kunst. Dass es aber auch eine Frage von Bildung ist, Namen wie Rembrandt oder Vermeer zu kennen, 5882Lwird immer öfter bezweifelt. Die Schule dient vielen in erster Linie als Vorbereitung auf die Matura, und wenn jemand nicht freiwillig in Bildnerischer Erziehung maturieren will, scheint er wenig Verwendung für solcherart nutzloses kunstgeschichtliches Wissen zu haben. Da kann die Führung im Museum noch so interessant und launig gewesen sein. Unmittelbar danach wird das als unbrauchbar eingeschätzte Wissen entsorgt. Der Konsens, dass ein Gymnasium Allgemeinbildung vermittelt und Allgemeinbildung idealiter all das umfasst, was im Schulunterricht in den verschiedenen Fächern im Laufe der Jahre zusammenkommt, existiert einfach nicht mehr. Die Schüler spiegeln uns da allerdings nichts anderes als eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung wider.

Aber zurück zur Reise und zu den positiven Erlebnissen: Nach den EU-Institutionen haben wir uns in Brüssel noch das Comic-Museum und natürlich das Atomium angeschaut. Am nächsten Tag ging es weiter nach Amsterdam. Dort besuchten wir das Van Gogh- und das Rijksmuseum. Beides großartige Museen mit wunderbaren Gemälden – immer vorausgesetzt natürlich man interessiert sich für Kunst. 😉 IMG_8731

Fast eine Woche nach der Rückkehr fühle ich mich immer noch ein bisschen müde. Die Herausforderung, zwei mir bislang unbekannte Städte im Beisein von 28 Jugendlichen zu erkunden, war riesig. Umso mehr freue ich mich, diese gemeistert zu haben und mit Brüssel und Amsterdam darüber hinaus zwei Städte kennengelernt zu haben, die sowohl uns Lehrerinnen als auch die Schüler beeindruckt haben.

Hierzu abschließend noch ein paar schöne und erfreuliche Statements der SchülerInnen:

Wir hatten die Möglichkeit, in das Van Gogh-Museum zu gehen und viele verschiedene europäische Institutionen zu besuchen. Dort haben wir überall interessante Dinge erfahren.

Man hat gemerkt, dass es den Leuten in Brüssel von großer Wichtigkeit ist, dass wir einen guten Eindruck von der EU erhalten. Beispielsweise war das Museum der Geschichte Europas für alle Besucher kostenlos, obwohl dort mindestens zwanzig Angestellte tätig waren und es sogar noch Sicherheitskontrollen gab.

Brüssel klang vielversprechend, aber ich wusste gar nicht, was es außer den EU-Institutionen dort sonst noch gab. (…) Die Reise war für mich auf jeden Fall sehr lehrreich und informativ. Vor allem der Aufenthalt in Amsterdam war eine der coolsten Sachen. Amsterdam zählt nun zu meinen Lieblingsstädten.

Ich war schon immer begeistert von der EU, also war es für mich wie ein „Dream come true“ als ich hörte, dass wir nach Brüssel fahren. (…) Ich war selten so überwältigt. All diese wichtigen Gebäude zu betreten war einfach ein Wahnsinn. (…) Der Traum, in Zukunft einmal etwas mit Politik oder Wirtschaft zu machen, besteht schon lange, aber dieser Gedanke hat sich fast zu einem Lebensziel entwickelt, als ich in Brüssel war.

Diese Reise nach Brüssel und Amsterdam hat mir so gut gefallen und total viel Spaß gemacht. Ich habe so viel über die Europäische Union erfahren und so viel Neues kennengelernt, dass ich die darauffolgenden zwei Tage so viele Stunden und so gut geschlafen habe, wie schon seit Wochen nicht mehr.

Ich auch!

(nemo)

 

 

Was täglich in der Schule so passiert …

ist jedenfalls eine ganze Menge.  Ja, die Tage und Wochen sind wieder einmal so dicht, dass ich nicht und nicht dazukomme, über all das zu schreiben, worüber ich gerne schreiben würde. Ok, möglicherweise ist nicht alles von dem, was täglich so passiert, unbedingt mitteilenswert, trotzdem, zumindest ein paar Dinge will ich kurz erwähnen bzw. auflisten:

  • unsere große Reise im Rahmen des Kulturprojekts steht vor der Tür. Am Sonntag fliegen wir nach Brüssel, am Donnerstag geht’s weiter nach Amsterdam. In Brüssel stehen in erster Linie Besuche bei verschiedenen EU-Institutionen auf dem Programm, in Amsterdam der Besuch mehrerer Museen und natürlich die Stadt selbst. Zudem haben die SchülerInnen verschiedene Schreibaufgaben zu erledigen. Unser Projekt trägt ja den Titel „Europa schreiben“.
  • Apropos „Europa schreiben“: Die Schreibwerkstätten, die eine Schriftstellerin mit den SchülerInnen bereits durchgeführt hat und noch durchführen wird, sind großartig. Es ist beeindruckend, was für schöne, interessante, lustige, poetische und ungewöhnliche Texte beim kreativen Schreiben herauskommen – auch von Schülern, die sich mit dem informierend-analytisch-argumentativen Schreiben im Deutschunterricht wahnsinnig plagen.
  • Apropos Reise: Eine Exkursion nach Brüssel wird erfreulicherweise vom Land gefördert. Nicht nur, dass mich das Verbindungsbüro des Landes zur EU bei der Programmerstellung unterstützt und sämtliche Termine für uns vereinbart hat. Wir bekommen auch noch eine finanzielle Förderung! Informationen finden sich auf der Homepage des Landes Salzburg.
  • Es herrscht Schularbeitenhochsaison. Die SiebtklässlerInnen hatten letzte Woche eine Erörterung zu schreiben, die ZweitklässlerInnen durften heute eine Eulenspiegel-Geschichte in einen Bericht umformulieren. Das letzte Wochenende war wieder einmal ein reines Korrigierwochenende.
  • Die SchülerInnen der achten Klassen müssen bis Ende dieser Woche beurteilt werden. Danach ist der normale Unterricht für sie vorbei, sie arbeiten ohnehin nur mehr auf die Matura hin. Vom Französischunterricht bleibt denjenigen, die in Französisch nicht zur Matura antreten, kaum etwas. Ihre Sprachkompetenz hat bereits in den letzten Wochen spür- und messbar abgenommen. Zu viel anderes hat sie permanent beschäftigt (nicht zuletzt die VWA), der normale Unterricht erscheint zunehmend unwichtig. Seit Weihnachten fokussiert sich alles auf die Matura, der Regelunterricht in der achten Klasse kommt mir schon eher wie eine Farce vor.
  • Apropos normaler Unterricht: Was mich ebenfalls stört, sind die dauernden Abwesenheiten der Schüler. Nicht nur, dass viele wirklich häufig krank sind, sie haben auch unglaublich viele Arzttermine. Außerdem fällt mir auf, dass immer mehr Familien um Freistellung ihrer Kinder bitten, damit sie bereits einen Tag früher auf Urlaub fahren bzw. später zurückkommen können. (Ähnliches war kürzlich auch in einem Artikel („Womit Lehrer kämpfen“) im Standard zu lesen.) Neulich hat mir eine Schülerin gesagt, sie habe nicht zum Nachmittagsunterricht erscheinen können, weil sie arbeiten musste, und eine andere hatte eine Fahrstunde, die sich keinesfalls verschieben ließ. Ok, wenn Schularbeit ist, sind sie da (sonst müssen sie nämlich nachschreiben), der normale Unterricht aber erscheint ihnen offenbar entbehrlich. Und wenn ich darauf beharre, dass es in der Schule Anwesenheitspflicht gebe, reagieren sie verständnislos.
  • Mit den ZweitklässlerInnen habe ich das Buch Als mein Vater ein Busch wurde gelesen. Vom Verlag gibt es recht brauchbares Unterrichtsmaterial frei im Netz verfügbar. Wir spielen zudem einige Szenen nach. Noch ist die Dramatisierung nicht aufführungsreif, man kann jedoch bereits erkennen, wie berührend viele Szenen wirken, wenn man sie nachspielen lässt.
  • Und über meine Lehrveranstaltung zum Thema „Flucht und Migration in Literatur, Filmen und Comics“, die ich in diesem Semester an der Uni halte, will ich irgendwann auch einmal berichten.

(nemo)

Was von den Ferien (und nicht nur davon) übrig blieb

Zwei Wochen Ferien. Zeit für Familie, Freunde, für sich selbst. Zeit aber auch für die Schule und die Schüler. Zeit zum Aufarbeiten, Nachdenken, Vorbereiten. Wie immer bleibt etwas liegen, bräuchte man mehr Zeit, fühlt sich das Ende nicht so an, wie man es sich am Anfang gewünscht hatte.

Die erste Woche, jene „zwischen den Jahren“, wie ein Schatz. Kein „Arbeit-Geber“ will etwas von einem, keine Mails, keine, zumindest wenige Gedanken an die Schule. Gut, dass man allen rechtzeitig gute Wünsche fürs neue Jahr hat zukommen lassen. Jetzt ist schulische Ruhe. Überlegungen, was einzukaufen und zu kochen ist, wer wann besucht werden soll. Winter, Wonne, Weihnachtsfrieden, garniert sogar mit Sonne und Schnee.

Der Weckruf kommt mit dem neuen Jahr. Wie immer mitten in der Nacht. Plötzlich ist alles wieder da. Alles, was liegen geblieben war und sich in der ersten Ferienwoche trotzdem unauffällig verhielt, meldet sich lautstark zu Wort. Das immer noch Unerledigte, mittlerweile aber schon recht Dringende will einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Die ersten Neujahrsgrüße per Mail, garniert mit Begehrlichkeiten und Terminvereinbarungen. Der Aufprall im neuen Jahr, die Vertreibung aus dem Weihnachtsparadies, wie immer ein bisschen abrupt und harsch.

Gleich in der ersten Woche nach den Ferien Schularbeit in der zweiten Klasse. „Informationen aus Sachtexten entnehmen“. Noch immer kein wirklich passender Sachtext gefunden. Vielleicht schafft ja die Schulbibliothek Abhilfe. Oder doch noch einmal das Internet befragen? Morgen jedenfalls muss die Sache unter Dach und Fach gebracht werden.

Die Textinterpretation der siebten Klasse. Immerhin, die Hausübungen sind korrigiert. Wie aber weitermachen? Wie lässt sich das so üben, dass wirklich alle etwas davon haben?

Drei neue VWAs. Interessante, ambitionierte Vorschläge der Schülerinnen. Aber man muss ihnen schon noch ein bisschen unter die Arme greifen, helfen, ihr Thema zu konkretisieren, die Fragestellung zu schärfen, relevante Literatur zu finden. Sich aber auch selbst einlesen, überlegen, was da von Interesse sein könnte.

„Europa schreiben“ als Thema des diesjährigen Kulturprojekts. Schreibwerkstätten fixieren. Notieren, welche Stundenverschiebungen mit welchen Kollegen dafür abgesprochen werden müssen. Und endlich die Reise nach Brüssel und Amsterdam buchen. Geradezu paradox, wie schwierig es geworden ist, im vereinten Europa zu reisen, wenn man versucht, umweltfreundlich (interessiert das eigentlich noch irgendjemanden?) mit dem Zug zu fahren. Verschiedene Bahngesellschaften, die untereinander konkurrieren. Die einen bekommen keine Preisauskunft für den Zug der anderen, die anderen haben keinen Zugriff auf den Zug der einen. Und so weiter und so fort. Man könnte die Reiseplanung natürlich aus der Hand geben und jemanden vom Kundenservice damit beauftragen. „Gerne“ würde man dann ein Angebot bekommen, das preislich mindestens das Doppelte, vielleicht sogar das Dreifache kosten würde. Oder aber man fährt mit einem Reisebus. Hm. Auch nicht unbedingt das, was man wollte.

Die Vision eines gemeinsamen, vereinten Europas. Auch im Politischen hat die Idee in den letzten Jahren erheblichen Schaden genommen. Nicht minder erschreckend aber sind die Schranken, die im öffentlichen Verkehr im Zuge von Liberalisierung und Privatisierung aufgebaut wurden und werden. Die neuen Unternehmen orientieren sich am Gewinn und stehen in Konkurrenz zueinander. Der Markt gibt die Regeln vor. In den Medien liest man von neuen Hochleistungsstrecken, schnelleren Verbindungen, verbessertem Service und Sparangeboten. Alles wird besser, schneller, effizienter, bequemer. Fortschritt, wohin das Werbeauge blickt. Blöd nur, wenn man abseits der Hochleistungsstrecken wohnt und eine Reise tun will, die nicht ins Schema der Werbestrategen passt. Da wird’s dann plötzlich kompliziert, teuer, langsam und reichlich unbequem. Noch gibt es glücklicherweise ein paar Menschen an den Schaltern der Bahngesellschaften, die sich bemühen und auch zu unkonventionellen Maßnahmen bereit sind. Auch ihnen werden die Möglichkeiten durch neue Computersysteme zunehmend beschnitten. Eine hilfsbereite Dame am Schalter aber weiß, dass der eine Kollege auf seinem Computer noch das alte Programm hat, da wird sie am Montag nachschauen und sich dann telefonisch melden. Vielleicht gelingt es ja doch auch im Jahr 2018 noch einmal, in Salzburg eine Preisauskunft über eine ganz normale Zugverbindung von Brüssel nach Amsterdam zu erhalten …

(nemo)

PS: Ich bin zwar noch nicht ganz sicher, was ich von der Initiative „Adults for Adults“, ausgehend von dem österreichischen Philosophen Robert Pfaller, halten soll, muss mich erst genauer damit beschäftigen, will aber schon einmal auf die Homepage verweisen: http://adultsforadults.eu

 

 

 

Trotz allem. Sprach-, Kultur-, Klassen- und sonstige Reisen

Mit Schülern zu verreisen ist eine höchst ambivalente Sache: Es gehört zum Schönsten, Bleibendsten und Beglückendsten, was Schule zu bieten hat, für SchülerInnen wie für LehrerInnen. Gleichzeitig ist es aus Lehrersicht auch ein anstrengendes, gefährliches und mitunter quälendes Unterfangen. Derzeit treibt uns die Organisation der mehrtägigen Schulveranstaltungen – so der Terminus technicus – wieder um. Bis zur ersten Sitzung des Schulgemeinschaftsausschusses (SGA) in der nächsten Woche müssen alle geplanten Projekte eingereicht sein, damit sie auf Genehmigung hoffen können.

Mittlerweile gibt es ja mehr Argumente, die gegen das Verreisen mit Schülern sprechen als dafür: 1. Reisen kosten (viel) Geld. Für die Schulen und wohl auch für so manche Familie stellen die Reisekosten eine zunehmend untragbare finanzielle Belastung dar. Selbst wenn man sich bemüht, die Reisekosten niedrig zu halten, was mir zum Beispiel ein echtes Anliegen ist, kommt einiges zusammen. 2. Reisen sind im Schulalltag schwer unterzubringen, besonders wenn es um klassenübergreifende Unternehmungen geht. Mal ist die eine Klasse weg, mal die andere. Wenn man eine Sprache unterrichtet und Schüler aus drei verschiedenen Klassen in der Gruppe sitzen, kann das ganz schön nervend und im Hinblick auf unser zu absolvierendes Programm für die Zentralmatura auch stressig sein. Noch schwieriger ist in dieser Hinsicht nur noch die Organisation eines Schüleraustausches. Da muss man dann die Termine gleich zweier Schulen unter einen Hut bringen. Die Kollegin, die sich in diesem Jahr um den Austausch mit La Rochelle bemüht, kann ein Lied davon singen.

3. Reisen stellen ein immenses Risiko für die Lehrer dar. Im Grunde ist man als LehrerIn davon abhängig, dass alles gut geht und niemandem etwas passiert. Sollte tatsächlich einmal einem Schüler etwas zustoßen, will ich mir die Folgen davon gar nicht ausmalen. Das heißt aber, dass man, will man mit Schülern verreisen, ganz einfach vom Glück abhängig ist. Ein Risiko, das manche Kollegen nicht mehr bereit sind, in Kauf zu nehmen. 4. Die Organisation von Reisen bedeutet einen zeitlichen Aufwand, der ganz einfach nicht abgegolten wird. Man plant das zur Gänze in seiner Freizeit – je individueller und kostengünstiger, desto aufwendiger. Wie viele Stunden ich mitunter zubringe, um ein attraktives Programm zu erstellen, eine ordentliche Unterkunft zu finden und Sparpreise für Bahn, Bus oder auch einmal einen Flug zu ergattern, will ich selbst nicht wissen.

Trotz dieser Einwände sitze ich auch dieser Tage wieder und plane, überlege, berate mich mit KollegInnen im In- und Ausland. Meine siebte Klasse darf heuer ins Ausland fahren. In der fünften Klasse waren wir in Kärnten auf Sportwoche, in der sechsten in Wien, nun wäre, was die schulinterne Regelung betrifft, die Auslandsreise im Rahmen des Kulturprojekts dran. Allerdings, auch inhaltlich spießt es sich gerade: Ich verstehe die Reise als sinnvolle Ergänzung zu einem thematisch ausgerichteten Kulturprojekt, für meine Klasse steht die Reise im Vordergrund – das zu absolvierende Kulturprojekt kratzt sie weniger. Ein paar Tage bleiben uns noch für den Annäherungsprozess. Mal sehen, was dabei herauskommt …

(nemo)

PS: Am Ende des letzten Schuljahres waren wir mit den Französisch-Schülern in Paris. Ein Schüler hat ein Video gedreht und es auf Youtube gepostet. Auch im Bericht über die Paris-Tage ist das Video nun verlinkt (ganz am Ende des Artikels).