Amitié interculturelle: Schüleraustausch mit La Rochelle

13 Schülerinnen und Schüler aus La Rochelle waren in dieser Woche bei uns zu Gast. Salzburg präsentierte sich von seiner schönen Seite, frisch verschneit und an manchen Tagen sogar mit Sonne und blauem Himmel garniert. Die Schneeschuhwanderung durch den tiefen Pulverschnee in Faistenau wird wohl allen in bester Erinnerung bleiben. Auch Domquartier und Museum der Moderne, die Festung und das Salzbergwerk in Berchtesgaden kamen bei allen gut an.

Es ist aber beileibe nicht nur das attraktive touristische Programm, das zum LaRo-Fai1Gelingen eines Schüleraustausches beiträgt. Vielmehr sind es die Unterkunft in den Familien, das Kennenlernen der AustauschpartnerInnen und die Teilnahme am Schul- und Familienleben in einem fremden Land, die einen Schüleraustausch so besonders machen.

In dieser Woche waren die österreichischen Schüler und Familien die Gastgeber. Im Mai erfolgt dann der Gegenbesuch. Beides ist aufregend und nicht ganz leicht: einen unbekannten jungen Menschen, der noch dazu eine andere Sprache spricht, in der eigenen Familie aufzunehmen, aber noch mehr vielleicht die andere Perspektive, das eigene Verreisen und das Eintauchen in eine andere Familie mit anderen Gepflogenheiten und kulturellen Praktiken.

Das gilt im Übrigen auch für die Schule: Selbst wenn in unserer Schule nur ein Bruchteil der LehrerInnen an diesem Schüleraustausch aktiv beteiligt war, es ist ein ähnliches Prinzip wie in den Familien. Man empfängt andere Schüler, öffnet die Klassen, lässt die anderen am eigenen Schulleben teilhaben – auch wenn’s mitunter ganz schön stressig ist. Gleich mehrere Kolleginnen haben sich richtig ins Zeug gelegt, um den französischen SchülerInnen auch unterrichtsmäßig etwas zu bieten, sie hineinschnuppern zu lassen in die österreichische Schulkultur. Und die französischen Schüler haben sich eingelassen, sie haben mitgemacht und sich aufrichtig bedankt für alles, woran sie teilnehmen durften. LaRo-cours1

Unser Schüleraustausch mit dem Lycée Fénelon in La Rochelle existiert schon seit vielen, vielen Jahren. Gerade heute hat mir ein Schüler erzählt, dass bereits seine Mutter an diesem Austausch teilgenommen hat. Die Lehrerinnen, die das Projekt Anfang der 1990er Jahre initiiert haben, haben natürlich unzählige Geschichten und Anekdoten zu erzählen. Gestern Abend waren wir bei einer mittlerweile pensionierten Kollegin zu Hause eingeladen und wurden aufs Allerköstlichste bewirtet. Aber auch für das Rahmenprogramm der Lehrer gilt: Es geht beileibe nicht nur ums gute Essen. Es sind die Gastfreundschaft, das Öffnen des eigenen Hauses für die KollegInnen aus dem anderen Land, die Freude an der gemeinsamen Sache, die Erlebnisse, Erinnerungen und geteilten Erfahrungen, die das Besondere ausmachen.

Ein Schüleraustausch ist gelebte interkulturelle Freundschaft: Zwei Sprachen, zwei Länder, zwei Kulturen. Jeder ist einmal in der Rolle des Besuchers und einmal in der Rolle des Gastgebers, jeder geht ein Stück auf den Anderen zu, heißt ihn willkommen, kümmert sich um ihn, öffnet seine privaten Räume und lässt den Anderen am Eigenen teilhaben. Das bedarf mitunter erheblicher Anstrengung aller Beteiligten, in der Vorbereitung wie in der Durchführung – und ist doch die lohnendste, intensivste und nachhaltigste Form von Schülerreisen. Es ist die Geste des Übersetzens, in sprachlicher wie symbolischer Hinsicht, die den Austauschgedanken prägt und zu so einem Schönen macht. In dieser Woche haben wir diesen Gedanken wieder ein bisschen weitergesponnen. Au revoir et à bientôt! 🙂

(nemo)

LaRo-Z-Bergwerk

La Rochelle, la belle: Schüleraustausch Teil 2

Ja, wir haben’s geschafft. Was niemand für möglich hielt, hat stattgefunden: Auf die Minute pünktlich sind wir am Montagabend (25. April) in La Rochelle angekommen. Losgefahren mitten in der Nacht (Treffpunkt 3.15 Uhr!), Schienenersatzverkehr bis Freilassing, heftiger Schneefall in Oberbayern, Umleitung über Holzkirchen, keine fünf Minuten zum Umsteigen in München – und trotzdem saßen wir irgendwann im TGV und brausten mit 320 km/h nach Paris. Danach konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Ein paar ordentliche Hürden zum Aufwärmen und der Rest kommt dir vor wie ein Klacks. 😉

Was soll ich sagen? Unsere Woche in La Rochelle war einfach wunderbar. Herzliche Gastfamilien und liebe „correspondants“, perfekt organisiertes und vielfältiges Programm (Merci, Sven!), 13 super Schülerinnen und 1 ebensolcher Schüler, wunderschöne Ausflüge – und das alles fast durchgehend bei Sonnenschein. Besser geht echt nicht, finde ich. DSC03923

Wie viel Schüler bei so einem Schüleraustausch lernen, ist unglaublich, in sprachlicher, kultureller, landeskundlicher, sozialer und persönlicher Hinsicht. Das Miterleben des Alltags in den französischen Familien, Essgewohnheiten, Rituale, kulinarische Besonderheiten, die Unterschiede im Schulsystem und im Unterricht, das Leben gleichaltriger Französinnen und Franzosen, die Stadt La Rochelle mit ihrer reichen Geschichte, das Meer, die Inseln, das Hinterland mit dem idyllischen Marais Poitevin. Und das alles eingebettet in die französische Sprache. Es war so schön mitzuerleben, wie die SchülerInnen mit jedem Tag in dieser Woche im wahrsten Sinne des Wortes reicher geworden sind. Eine Erfahrung, die kaum wertvoller sein könnte.

Auf der Rückfahrt habe ich die SchülerInnen gebeten, die Woche kurz Revue passieren zu lassen. Dafür habe ich ihnen extra schöne à la française linierte Feuilles doubles ausgeteilt. Gestern habe ich die Bögen unserem Direktor zu lesen gegeben. Sobald ich sie wieder habe, werde ich ein paar Zitate daraus in den Blog stellen. Nur schon soviel vorab: Die Rückmeldungen bekommen einen Ehrenplatz in meinem Schatzkästchen schöner Schulerinnerungen …

Ja, und wir Lehrerinnen? Auch wir haben eine wundervolle Woche verbracht. Zu wissen, dass die SchülerInnen gut in den Familien untergebracht sind, löste allabendlich ein wohliges Gefühl aus, das es erst ermöglichte, das ebenso perfekt organisierte und tolle „Programme des profs“ (Merci, Sven!) in vollen Zügen zu genießen. Jazzkonzert, Kino oder Theater am Abend – und am Morgen darauf wieder mit dem Fahrrad am Meer entlang zur Schule. Französischlehrerinnenherz, was begehrst du mehr? (nemo)

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PS: Auf der Schulhomepage des WRG gibt’s auch noch ein paar Fotos .

 

La Rochelle – wir kommen … vielleicht!

Kurz bevor wir unsere Expedition an den Atlantik starten, muss ich noch ein bisschen darüber bloggen. Man hat ja sonst nichts zu tun.

Morgen in aller Herrgottsfrüh geht’s los. Bis gestern dachten wir, unsere Abfahrtszeit wäre 4 Uhr, seit gestern wissen wir: Der Zug fährt schon um 3:38 Uhr los. Wie schön! Dafür braucht er eine halbe Stunde länger,  wodurch sich unsere Umstiegszeit in München auf flotte 5 Minuten reduziert. Sage noch einer, Reisen mit der Bahn sei nicht aufregend.

Schade nur, dass nach all den widersprüchlichen Informationen im Internet und mehreren ebensolchen Telefonaten mit der Zugauskunft und der Firma „Meridian“, die ja die Zugstrecke Salzburg – München betreibt, ein erneuter Gang zum Schalter der Deutschen Bahn am Salzburger Hauptbahnhof doch noch Klarheit brachte: Wir dürfen offenbar doch nicht mit dem nächtlichen Schienenersatzverkehr nach Freilassing und von dort mit Umstieg in Rosenheim nach München reisen – nein, es soll tatsächlich einen durchgehenden Zug geben. Die Dame an der 24-Stunden-Hotline des Meridian wusste das halt noch nicht.

Ja, es ist schon eine feine Sache, die einem geboten wird, wenn man sich mit dem Zug nach Westfrankreich aufmachen will. Vielleicht hätte mir doch die erstaunte Reaktion des ÖBB-Schalterbeamten damals vor ein paar Monaten, als ich mich nach einer Reiseverbindung erkundigen wollte, eine Warnung sein sollen: „Was? Und da wollen’s mit’m Zug hinfoahren?? Wia hoaßt die Stadt?“

ÖBB, dachte ich mir damals und wandte mich erhobenen Hauptes an die Deutsche Bahn. Dort tat man wenigstens so, als sei es immer noch möglich, mit dem Zug nach Frankreich zu reisen. Die Beamten (ich sage nur: Herr Moser) waren unglaublich hilfsbereit und darum bemüht, ein attraktives Angebot zusammenzustellen: Mit dem Regionalzug nach München, von dort mit dem TGV nach Paris, Bahnhofswechsel in Paris und weiter mit dem TGV nach La Rochelle. Alles innerhalb eines Tages und für die Schüler um wohlfeile 200 Euro. Na also, geht doch!

Gegen die zunehmende Provinzialisierung des Bahnknotenpunktes Salzburg und die Folgen von Einsparung und Privatisierung ist allerdings auch ein Herr Moser machtlos. Früher, ja, früher fuhren von Salzburg aus Direktzüge bis nach Athen, Bukarest – oder Paris (sogar zweimal täglich!). Heute, in Zeiten, in denen auf der supermodernen elektronischen Anschlagstafel fast nur mehr so illustre Orte wie Golling, Lamprechtshausen, Straßwalchen oder Schwarzach/St.Veit aufscheinen, musst du froh sein, wenn du in zwei Stunden und ohne umsteigen zu müssen nach München kommst. Fortschritt, glaube ich, war der Name für diese Entwicklung.

„Aber bitte, warum fliegt’s ihr nicht?“, wurde ich in den letzten Wochen des Öfteren gefragt. Ehrlich gesagt, schön langsam frage ich mich das auch. (Muss mir nur noch meinen ökologisch-pädagogischen Furor einrexen lassen.) Von der Schwierigkeit nach München zu gelangen, würde die Option des Fliegens allerdings auch nicht befreien. Und direkt nach La Rochelle würde uns ein Flieger erst recht nicht bringen. Vielleicht sollte man es in Zeiten wie diesen einfach unterlassen, von einer europäischen Provinzstadt in eine gut 1500 km entfernte andere europäische Provinzstadt zu reisen? Das war vielleicht etwas für die unerschrockenen Gemüter der vergangenen Jahrhunderte. Heutzutage scheint ein solches Unterfangen zunehmend jenseitig zu sein. Au revoir et à bientôt! (nemo)