Gender-trouble und Koedukation

Wir haben neuerdings daheim zwei Kätzchen. (Ein kleines Foto kann ich mir nicht verkneifen.) Das eine heißt Nina, das andere Tonio. Leider haben wir die Namen gleich einmal falsch zugeordnet. Soll heißen, unsere Nina war nur vermeintlich ein weibliches Katzentier und Tonio auch kein Kater. Hm. Als wir unseren Irrtum bemerkten, wollten wir zuerst die Namen auf Nino und Tonia abändern, was uns aber nicht gefiel. Foto am 16.06.16 um 09.41 #2Nun haben wir die ausgewählten Namen beibehalten und sie dem jeweils anderen Tier gegeben. Für mich, die ich die beiden eh immer noch nicht auseinanderhalten kann, kein Problem. Und den Katzen, glaube ich, ist es eigentlich auch egal. (Mein Kind sieht das allerdings anders!)

Aber genug jetzt von den Katzen. In der Schule gelange ich immer mehr zur Überzeugung, dass getrennte Klassen in der Unterstufe schon ihren Sinn haben/hätten. In unserer Schule, die früher ja einmal eine Mädchenschule war, gibt es unter den fünf Klassen einer Jahrgangsstufe immer noch jeweils eine reine Mädchenklasse. Die Schülerinnen sind oft anfangs ein wenig unglücklich darüber, wenn sie in einer solchen Klasse landen (es gibt natürlich auch welche, die es sich extra wünschen), entwickeln sich dann aber meistens sehr gut. Nicht, dass sich die in den anderen Klassen nicht gut entwickeln würden, aber ich beobachte schon häufig, dass es in gemischten Klassen zu Störungen aller Art kommt, die auf den Faktor Geschlecht bzw. die Koedukation zurückzuführen sind.

Gerade wenn die Kinder in die Pubertät kommen, geht vom anderen Geschlecht zwar einerseits eine große Faszination aus, andererseits aber steht das Störende und Einschränkende schon recht massiv im Vordergrund. Zumindest nehme ich das so wahr. Diskussionen gestalten sich unfreier, man ist mehr darauf bedacht, sich nicht zu blamieren oder auch Eindruck zu schinden. Jungs reagieren auf die verstörende Anwesenheit der Mädchen gerne mit Unfugs- und Blödsinnsproduktion, und so manches Mädchen verhält sich ruhiger und unauffälliger, als es das in einer Mädchenklasse tun würden.

Sowohl viele SchülerInnen als auch KollegInnen finden, dass es in reinen Mädchenklassen häufiger zu Zickenkriegen und Mobbing kommen würde. Da mag schon etwas dran sein. Ich denke auch, dass man gerade zu Beginn intensiv im Bereich des sozialen Lernens arbeiten muss, möglicherweise in Mädchenklassen noch mehr als in gemischtgeschlechtlichen Klassen. Aber wenn diese Arbeit fruchtet – kommt mir zumindest vor – nehmen die Mädchenklassen in weiterer Folge häufig eine besondere Entwicklung. Ich könnte mir vorstellen, dass das in Bubenklassen ebenfalls so wäre.

Allerdings glaube ich auch nicht, dass es für alle Mädchen und Jungen gescheiter wäre, in getrennten Klassen unterrichtet zu werden. Für manche passt die Koedukation sicher besser. Aber es wäre bei uns an der Schule ohnehin nicht so, dass die SchülerInnen gar nicht mit dem anderen Geschlecht in Kontakt kommen würden. Wie gesagt, es sind ja sowohl Mädchen als auch Buben in der Schule. In Stunden, in denen klassenübergreifender Unterricht stattfindet, ist das Zusammentreffen und gemeinsame Arbeiten ohnehin garantiert. Alles in allem aber würde meines Erachtens ein bisschen mehr Raum für Monoedukation den allermeisten UnterstufenschülerInnen guttun.

Mit einer unserer Mädchenklassen, in der ich öfter mal suppliert habe und in der ich irgendwie einen guten Draht zu den Schülerinnen gespürt habe, habe ich in diesem Schuljahr übrigens einmal den Film „Tomboy“ angeschaut. Die anschließende Diskussion über Sex und Gender, über Identität und Homosexualität, über Weiblichkeit und Männlichkeit, gehörte zu den interessantesten Diskussionen, die ich mit SchülerInnen geführt habe. Ich vermute, dass eine solche Diskussion, in derselben Offenheit, in einer gemischten Klasse so nicht funktioniert hätte. (nemo)