Klassenreise Brüssel – Amsterdam

Müde, aber sehr zufrieden sitzen wir im ICE von Amsterdam in Richtung Heimat. Zwei Umstiege stehen uns noch bevor. Kein ganz leichtes Unterfangen mit 28 Schülern.

Vier Tage Brüssel und zwei Tage Amsterdam liegen hinter uns. Aktuell sind wir, glaube ich, noch alle beeindruckt vom gestrigen King’s Day in Amsterdam. Unglaublich, wie ausgelassen und fröhlich eine ganze Stadt feiern kann (und wie ansteckend das ist).

Aber auch Brüssel ist eine wunderbar lebendige und vielfältige Stadt. Wir waren höchst angetan vom multikulturellen Flair und der entspannten Atmosphäre.

Überhaupt hatten wir alle den Eindruck, dass die Grundstimmung bei uns viel aggressiver ist und viele Leute im eigentlich so schmucken Salzburg grantiger und unfreundlicher wirken.

Über die Inhalte unserer ebenso dichten wie interessanten, lehrreichen, aber auch lustigen und spannenden Kulturreise, die ja im Rahmen des Jahresprojekts „Europa schreiben“ stand, berichte ich in den nächsten Tagen (wenn ich wieder ausgeschlafen bin). Einstweilen wundere ich mich darüber, dass sich an der Grenze zwischen Holland und Deutschland offenbar die Stromversorgung ändert, und hoffe inständig, dass sich die Bahn an die Fahrpläne hält und wir in schlanken 8 Stunden tatsächlich in Salzburg einrollen werden. Immerhin sind wir jetzt schon in Deutschland… 😅

(nemo)

Was von den Ferien (und nicht nur davon) übrig blieb

Zwei Wochen Ferien. Zeit für Familie, Freunde, für sich selbst. Zeit aber auch für die Schule und die Schüler. Zeit zum Aufarbeiten, Nachdenken, Vorbereiten. Wie immer bleibt etwas liegen, bräuchte man mehr Zeit, fühlt sich das Ende nicht so an, wie man es sich am Anfang gewünscht hatte.

Die erste Woche, jene „zwischen den Jahren“, wie ein Schatz. Kein „Arbeit-Geber“ will etwas von einem, keine Mails, keine, zumindest wenige Gedanken an die Schule. Gut, dass man allen rechtzeitig gute Wünsche fürs neue Jahr hat zukommen lassen. Jetzt ist schulische Ruhe. Überlegungen, was einzukaufen und zu kochen ist, wer wann besucht werden soll. Winter, Wonne, Weihnachtsfrieden, garniert sogar mit Sonne und Schnee.

Der Weckruf kommt mit dem neuen Jahr. Wie immer mitten in der Nacht. Plötzlich ist alles wieder da. Alles, was liegen geblieben war und sich in der ersten Ferienwoche trotzdem unauffällig verhielt, meldet sich lautstark zu Wort. Das immer noch Unerledigte, mittlerweile aber schon recht Dringende will einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Die ersten Neujahrsgrüße per Mail, garniert mit Begehrlichkeiten und Terminvereinbarungen. Der Aufprall im neuen Jahr, die Vertreibung aus dem Weihnachtsparadies, wie immer ein bisschen abrupt und harsch.

Gleich in der ersten Woche nach den Ferien Schularbeit in der zweiten Klasse. „Informationen aus Sachtexten entnehmen“. Noch immer kein wirklich passender Sachtext gefunden. Vielleicht schafft ja die Schulbibliothek Abhilfe. Oder doch noch einmal das Internet befragen? Morgen jedenfalls muss die Sache unter Dach und Fach gebracht werden.

Die Textinterpretation der siebten Klasse. Immerhin, die Hausübungen sind korrigiert. Wie aber weitermachen? Wie lässt sich das so üben, dass wirklich alle etwas davon haben?

Drei neue VWAs. Interessante, ambitionierte Vorschläge der Schülerinnen. Aber man muss ihnen schon noch ein bisschen unter die Arme greifen, helfen, ihr Thema zu konkretisieren, die Fragestellung zu schärfen, relevante Literatur zu finden. Sich aber auch selbst einlesen, überlegen, was da von Interesse sein könnte.

„Europa schreiben“ als Thema des diesjährigen Kulturprojekts. Schreibwerkstätten fixieren. Notieren, welche Stundenverschiebungen mit welchen Kollegen dafür abgesprochen werden müssen. Und endlich die Reise nach Brüssel und Amsterdam buchen. Geradezu paradox, wie schwierig es geworden ist, im vereinten Europa zu reisen, wenn man versucht, umweltfreundlich (interessiert das eigentlich noch irgendjemanden?) mit dem Zug zu fahren. Verschiedene Bahngesellschaften, die untereinander konkurrieren. Die einen bekommen keine Preisauskunft für den Zug der anderen, die anderen haben keinen Zugriff auf den Zug der einen. Und so weiter und so fort. Man könnte die Reiseplanung natürlich aus der Hand geben und jemanden vom Kundenservice damit beauftragen. „Gerne“ würde man dann ein Angebot bekommen, das preislich mindestens das Doppelte, vielleicht sogar das Dreifache kosten würde. Oder aber man fährt mit einem Reisebus. Hm. Auch nicht unbedingt das, was man wollte.

Die Vision eines gemeinsamen, vereinten Europas. Auch im Politischen hat die Idee in den letzten Jahren erheblichen Schaden genommen. Nicht minder erschreckend aber sind die Schranken, die im öffentlichen Verkehr im Zuge von Liberalisierung und Privatisierung aufgebaut wurden und werden. Die neuen Unternehmen orientieren sich am Gewinn und stehen in Konkurrenz zueinander. Der Markt gibt die Regeln vor. In den Medien liest man von neuen Hochleistungsstrecken, schnelleren Verbindungen, verbessertem Service und Sparangeboten. Alles wird besser, schneller, effizienter, bequemer. Fortschritt, wohin das Werbeauge blickt. Blöd nur, wenn man abseits der Hochleistungsstrecken wohnt und eine Reise tun will, die nicht ins Schema der Werbestrategen passt. Da wird’s dann plötzlich kompliziert, teuer, langsam und reichlich unbequem. Noch gibt es glücklicherweise ein paar Menschen an den Schaltern der Bahngesellschaften, die sich bemühen und auch zu unkonventionellen Maßnahmen bereit sind. Auch ihnen werden die Möglichkeiten durch neue Computersysteme zunehmend beschnitten. Eine hilfsbereite Dame am Schalter aber weiß, dass der eine Kollege auf seinem Computer noch das alte Programm hat, da wird sie am Montag nachschauen und sich dann telefonisch melden. Vielleicht gelingt es ja doch auch im Jahr 2018 noch einmal, in Salzburg eine Preisauskunft über eine ganz normale Zugverbindung von Brüssel nach Amsterdam zu erhalten …

(nemo)

PS: Ich bin zwar noch nicht ganz sicher, was ich von der Initiative „Adults for Adults“, ausgehend von dem österreichischen Philosophen Robert Pfaller, halten soll, muss mich erst genauer damit beschäftigen, will aber schon einmal auf die Homepage verweisen: http://adultsforadults.eu

 

 

 

La Rochelle – wir kommen … vielleicht!

Kurz bevor wir unsere Expedition an den Atlantik starten, muss ich noch ein bisschen darüber bloggen. Man hat ja sonst nichts zu tun.

Morgen in aller Herrgottsfrüh geht’s los. Bis gestern dachten wir, unsere Abfahrtszeit wäre 4 Uhr, seit gestern wissen wir: Der Zug fährt schon um 3:38 Uhr los. Wie schön! Dafür braucht er eine halbe Stunde länger,  wodurch sich unsere Umstiegszeit in München auf flotte 5 Minuten reduziert. Sage noch einer, Reisen mit der Bahn sei nicht aufregend.

Schade nur, dass nach all den widersprüchlichen Informationen im Internet und mehreren ebensolchen Telefonaten mit der Zugauskunft und der Firma „Meridian“, die ja die Zugstrecke Salzburg – München betreibt, ein erneuter Gang zum Schalter der Deutschen Bahn am Salzburger Hauptbahnhof doch noch Klarheit brachte: Wir dürfen offenbar doch nicht mit dem nächtlichen Schienenersatzverkehr nach Freilassing und von dort mit Umstieg in Rosenheim nach München reisen – nein, es soll tatsächlich einen durchgehenden Zug geben. Die Dame an der 24-Stunden-Hotline des Meridian wusste das halt noch nicht.

Ja, es ist schon eine feine Sache, die einem geboten wird, wenn man sich mit dem Zug nach Westfrankreich aufmachen will. Vielleicht hätte mir doch die erstaunte Reaktion des ÖBB-Schalterbeamten damals vor ein paar Monaten, als ich mich nach einer Reiseverbindung erkundigen wollte, eine Warnung sein sollen: „Was? Und da wollen’s mit’m Zug hinfoahren?? Wia hoaßt die Stadt?“

ÖBB, dachte ich mir damals und wandte mich erhobenen Hauptes an die Deutsche Bahn. Dort tat man wenigstens so, als sei es immer noch möglich, mit dem Zug nach Frankreich zu reisen. Die Beamten (ich sage nur: Herr Moser) waren unglaublich hilfsbereit und darum bemüht, ein attraktives Angebot zusammenzustellen: Mit dem Regionalzug nach München, von dort mit dem TGV nach Paris, Bahnhofswechsel in Paris und weiter mit dem TGV nach La Rochelle. Alles innerhalb eines Tages und für die Schüler um wohlfeile 200 Euro. Na also, geht doch!

Gegen die zunehmende Provinzialisierung des Bahnknotenpunktes Salzburg und die Folgen von Einsparung und Privatisierung ist allerdings auch ein Herr Moser machtlos. Früher, ja, früher fuhren von Salzburg aus Direktzüge bis nach Athen, Bukarest – oder Paris (sogar zweimal täglich!). Heute, in Zeiten, in denen auf der supermodernen elektronischen Anschlagstafel fast nur mehr so illustre Orte wie Golling, Lamprechtshausen, Straßwalchen oder Schwarzach/St.Veit aufscheinen, musst du froh sein, wenn du in zwei Stunden und ohne umsteigen zu müssen nach München kommst. Fortschritt, glaube ich, war der Name für diese Entwicklung.

„Aber bitte, warum fliegt’s ihr nicht?“, wurde ich in den letzten Wochen des Öfteren gefragt. Ehrlich gesagt, schön langsam frage ich mich das auch. (Muss mir nur noch meinen ökologisch-pädagogischen Furor einrexen lassen.) Von der Schwierigkeit nach München zu gelangen, würde die Option des Fliegens allerdings auch nicht befreien. Und direkt nach La Rochelle würde uns ein Flieger erst recht nicht bringen. Vielleicht sollte man es in Zeiten wie diesen einfach unterlassen, von einer europäischen Provinzstadt in eine gut 1500 km entfernte andere europäische Provinzstadt zu reisen? Das war vielleicht etwas für die unerschrockenen Gemüter der vergangenen Jahrhunderte. Heutzutage scheint ein solches Unterfangen zunehmend jenseitig zu sein. Au revoir et à bientôt! (nemo)