2016: Vom Zuviel, vom Knistern und von den Erinnerungen ans „Bam aufstön“

Am 28. Dezember könnte man versuchsweise einen kleinen Jahresrückblick wagen. Drei Tage vor dem Jahreswechsel wäre es dafür zumindest nicht zu früh. Obwohl ein Kalenderjahresrückblick aus Schulperspektive eigentlich völlig sinnlos ist, findet er doch mitten im Schuljahr statt. Dennoch erfasst auch mich um diese Jahreszeit regelmäßig das Bedürfnis, Bilanz zu ziehen. Und außerdem ist in den Weihnachtsferien wenigstens Zeit zum Schreiben.

Das mit der Zeit ist gleich das Erste, was mir beim Bilanzziehen einfällt. In letzter Zeit komme ich nämlich kaum mehr zum Bloggen. Die Tage während der Woche sind einfach zu dicht, und am Wochenende fehlt mir oft die Motivation (oder auch die Muße) zum Schreiben. Wenn schon einmal ein Tag nicht im Zeichen der Schule steht, dann will ich mich außerdem durch den „Schulblog“ nicht freiwillig wieder in ihren Dunstkreis begeben. Diese Erfahrung ist für mich relativ neu und hat, denke ich, mit dem „Gefühl des Zuviels“ zu tun, das meinen diesjährigen Herbst prägte. Die Schule hat mich im Griff, mitunter gar im Würgegriff, sie saugt an mir wie ein Vampir. Da ist allzu häufiges Nachdenken über Schule nicht die richtige Gegenmaßnahme.

Was mir am Ende dieses Jahres auch in den Sinn kommt, ist die Parallele zu den letzten Jahren. Kurz vor Weihnachten kommt es im Schulbetrieb gerne zu einer Art Aufbäumen. Wir LehrerInnen empfinden um diese Zeit all das, was schiefläuft in der Schule, offenbar besonders intensiv. Viele von uns keuchen da allerdings schon und schleppen sich täglich in den Unterricht, was die Erfolgsaussichten für jedwede Art von Widerstand von vornherein stark minimiert. Denn man schafft es entweder gerade noch bis zu den Weihnachtsferien (oder eben nicht und fällt dann, so wie ich in diesem Jahr, krankheitsbedingt gleich mehrere Tage aus). Die Zeit von Schulanfang bis Weihnachten mit nur wenigen Tagen Unterbrechung ist einfach zu lang. Hierfür gibt es ernstzunehmende Untersuchungen, die eindeutig nachweisen, dass sowohl SchülerInnen als auch LehrerInnen nach ca. sieben Wochen eine Auszeit brauchen würden. Trotzdem setzt sich der Gedanke von Herbstferien in unseren Breiten einfach nicht durch.

Aber zurück zum adventlichen Aufbäumen: 2013 waren es die Proteste gegen das neue LehrerInnendienstrecht, die zahlreiche von uns auf die Straße getrieben haben (und im Übrigen zu nichts geführt haben). Letztes Jahr haben wir an unserer Schule den „Aufstand“ im Kleinen geprobt und ein ambitioniertes Statement verfasst, in dem wir versucht haben, unser Unbehagen zu formulieren und daraus positive Forderungen abzuleiten (was im Übrigen ebenso zu nichts geführt hat). Dieses Jahr waren wir so im Strudel, dass wir gar nicht dazukamen, über unser Tun nachzudenken und eventuell aufzubegehren.

Das Österreichische kennt für diese Art von zumeist wenig nachhaltiger Aufstandsaktivität den jahreszeitlich geradezu wunderbar passenden Ausdruck „an Bam aufstön“ (= einen Baum aufstellen). Denn ebenso wie der Christbaum jedes Jahr zu Dreikönig wieder abgeputzt und entsorgt wird, fällt auch der aufgestellte Baum meist nach kurzer Zeit um bzw. in sich zusammen. Jedenfalls ist zu bemerken, dass es vor dem Jahreswechsel regelmäßig zu kleineren Meutereien kommt. Danach allerdings verabschieden wir uns in die Weihnachtsferien. Alle sind froh, ein wenig Abstand zu gewinnen und durchatmen zu können. Wenn die Schule im Jänner wieder beginnt, sind wir frisch und erholt und der Widerspruchsgeist ist erloschen. (Mal sehen, ob der aktuell im Untergrund gärende Widerstand gegen das Autonomiepaket diesmal untypischerweise ja vielleicht erst nach den Weihnachtsferien hochkocht und was daraus wird.)

Und sonst? Was gibt es Schönes aus diesem Jahr zu berichten? Vieles, natürlich. Wäre es anders, könnte man den Job nicht aushalten. Der Schüleraustausch mit La Rochelle im Frühling, die Sportwoche im Juni, der „Groß-und-Klein-Wandertag“ im Herbst. Wie immer sind es die Reisen und Ausflüge, die sich als Erstes im Gedächtnis festsetzen. Die kleinen Alltagsdinge muss man sich hingegen erst bewusst in Erinnerung rufen, manchmal sind sie nicht mehr als ein erhebendes Gefühl am Ende einer gelungenen Stunde, manchmal ein strahlendes SchülerInnengesicht, das einem am Gang begegnet. Die Wichtigkeit der kleinen Dinge kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn sie sind es, welche die Essenz des Daseins ausmachen. Dazu gehört im Übrigen auch der gegenseitige Dank am Jahresende.4b56696d677c7c36303637393631327c7c434f504c

Der Soziologe Hartmut Rosa hat für diese Form der Interaktion den Begriff der Resonanz geprägt. Wenn unser Tun Resonanz erfährt, erleben wir es als sinnvoll und befriedigend. „Unterricht gelingt, wenn es im Klassenzimmer knistert“. Das ist ein schöner Satz, mit dem man so einen Jahresrückblick – der irgendwie eh nicht recht einer geworden ist – beschließen kann, und gleichzeitig eignet er sich auch als Vorsatz fürs neue Jahr. (nemo)

 

Schulqualität. Was sie ist und was sie vielleicht auch sein könnte

Gestern fand wie jedes Jahr um diese Zeit der SQA-Workshop statt: Sämtliche DirektorInnen der verschiedenen Gymnasien im Land Salzburg sowie je ein SQA-Schulkoordinator bzw. eine SQA-Schulkoordinatorin treffen zusammen, um sich über Schulqualität und Schulentwicklung auszutauschen. Es gibt einen Rückblick auf bereits Erreichtes und einen Ausblick auf Neues. Dazwischen reflektieren wir unsere jeweiligen Entwicklungspläne und unterhalten uns über die einzelnen Ziele oder auch über das „Tool“ SQA an sich (das im Übrigen für Schulqualität Allgemeinbildung) steht.

Ich selbst bin mir immer noch unsicher, ob SQA wirklich so viel mit Schulqualität zu tun hat. Viel eher kann ich mit der Definition „strukturierte Schulentwicklung“ etwas anfangen. Denn es geht im SQA-Prozess ja darum, zwei Themen (eines davon wird uns vom Ministerium vorgegeben) strukturiert und nachhaltig umzusetzen. Um das zu erreichen, muss man sich Ziele setzen, diese klar und „SMART“ formulieren, überlegen, an welchen Indikatoren sich die Ziele festmachen lassen und wie das Erreichen der Ziele gemessen bzw. überprüft – evaluiert – werden kann. Projektmanagement halt.

Ein Beispiel: Das jeder AHS vorgegebene Thema 1 in den letzten Jahren lautete „Umsetzung der neuen Reifeprüfung“. Die neue Matura (insbesondere die VWA) zu implementieren und ordentlich in der Schule zu verankern war eine echte organisatorische Herausforderung. Dadurch, dass sich fortan eine oder mehrere Personen, eben der SQA-Schulkoordinator bzw. die SQA-Schulkoordinatorin, gemeinsam mit dem/r Direktor/in ernsthaft darum zu kümmern hatte, konnte die Sache sicherer und vielleicht auch besser umgesetzt werden. Denn umzusetzen war die Sache, ob wir wollten oder nicht. SQA erlaubte (und zwang) uns, die Umsetzung nachhaltiger und kontinuierlicher anzugehen, dem Ministerium wiederum verschaffte SQA ein Steuerungs- und Kontrollinstrument an jeder einzelnen Schule. Mit dem neuen Thema – der Umsetzung der neuen Oberstufe – wird es sich ähnlich verhalten.

SQA hat also mit Entwicklung, Steuerung, Kontrolle, mit Effizienz und Schulmanagement zu tun. Hat es nun auch substantiell etwas mit Schulqualität zu tun hat? Hm, da bin ich mir noch immer nicht sicher. Einerseits glaube ich schon, dass Qualität mit den eben genannten Begriffen oder Konzepten in Verbindung steht. Zumindest jener messbare Teil von Qualität, den es ja schon auch braucht in Zeiten, in denen uns eine Reform nach der anderen ereilt. Schließlich sollen sich sowohl SchülerInnen wie auch Eltern darauf verlassen können, dass, um beim Beispiel zu bleiben, die neue Reifeprüfung an jeder Schule ordentlich funktioniert.

Andererseits umfasst Schulqualität natürlich viel mehr, und zumindest teilweise würde ich sie in ihrer Essenz auch anders definieren. Schulqualität hat meines Erachtens nämlich vor allem etwas mit Sich Kümmern, mit Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber, mit Freude, gegenseitigem Respekt und Engagement zu tun. Mit Lehrern und Lehrerinnen, die etwas für ihre SchülerInnen wollen, die selbst für etwas stehen und denen es nicht egal ist, was in der Schule und mit den SchülerInnen passiert. Auch mit einer Schulleitung, die in erster Linie auf Vertrauen und Eigeninitiative der LehrerInnen baut. Das ist ziemlich allgemein und schwammig formuliert, ich weiß. Genau messen oder kontrollieren lässt sich das jedenfalls nicht, ja, im Grunde entzieht es sich den Kriterien eines strukturierten Projektmanagements.

Natürlich könnte man nun sagen, das widerspricht sich ja alles überhaupt nicht. Sowohl die strukturierte Schulentwicklung als auch das gemeinsame „Wohlfühlprogramm“ sind wichtig und beide Bereiche ergänzen einander. Aber ob dem wirklich so ist, da bin ich mir schon wieder nicht sicher. Denn die Gefahr besteht schon, dass das eine (nämlich die strukturierte Schulentwicklung) das andere (die gemeinsame Sache) überdeckt oder stört. Oder die Wichtigkeiten verschiebt, nach dem Motto: Hauptsache, strukturierte Schulentwicklung.

Vielleicht müsste Schule ja umgekehrt gedacht werden: Hauptsache, gemeinsame Sache, gemeinsames und immer wieder auszuverhandelndes „Wohlfühlprogramm“, allen internen wie externen Zahlen- und Kontrollfreaks zum Trotz. Das wäre die Basis, von der aus agiert werden kann. Alles andere würde darauf aufbauen. Allerdings würde in so einem „Freiraumszenario“ möglicherweise auch der Widerstand gegen zentral verordnete Reformen anwachsen bzw. im Extremfall dazu führen können, dass Reformen, die von der Schulgemeinschaft als kontraproduktiv erachtet werden, nicht durchgeführt werden. Und so eine Möglichkeitswelt, ui, ui, ui – man merkt es gleich – gleicht eher einer Utopie als der Realität. (nemo)

Mission Ministerium oder Ein nicht alltäglicher Termin in Wien …

juhudo und nemo unterwegs. Nachfolgend ein „Reisebericht“ in zwei Stimmen:

Eines schönen Tages im August rief mich Monika an und meinte, ob wir nicht der neuen Bildungsministerin Sonja Hammerschmid den Link zu unserem Blog schicken sollten, da sie sich ja in verschiedenen Interviews dazu geäußert habe, sich genauer über die Schulen informieren zu wollen. Verwegene Absicht, aber supercool! Ja! Erwartet haben wir uns ja nicht viel, aber zwei Wochen später kam ein Mail aus dem Büro der Ministerin, in dem stand, dass sie uns kennenlernen wolle und wann wir denn Zeit hätten.

Wow! Wir warten sehr erstaunt und unglaublicherweise fast sprachlos. Was für eine Gelegenheit, einmal „von der Basis“ berichten zu können. So eine Gelegenheit hatte bisher niemand, den wir kennen und zumindest ich bin ja schon ganz schön lang im Geschäft.

Dann wurde ein Termin vereinbart, es gab ein Vorbereitungsgespräch und wir waren äußerst motiviert, das Beste aus diesem Treffen zu machen. Wie besprachen uns mit KollegInnen, FreundInnen und untereinander. Einig waren wir uns alle darin, wie toll es sei, eine solche Gelegenheit zu erhalten. Wir überlegten, wie wir die Stunde, die uns avisiert wurde, möglichst effektiv nutzen könnten. Kompetenzen, Arbeitsbelastung, Arbeitsgruppen, Beziehung zu den SchülerInnen. Noch auf der Zugfahrt nach Wien planten wir ununterbrochen und unterschrieben den Brief, den wir vorbereitet hatten, falls wir etwas auslassen würden.

Und dann treffen wir bei strömendem Regen in Wien ein, Zug verspätet, lange Schlange vor dem einzigen funktionierenden U-Bahnticket-Automaten, aber auf die Minute pünktlich im Ministerium für Bildung, wie es seit Juni oder so heißt. Hohe Korridore, in  Gold und Creme vertäfelt, Fischgrätparkett, äußerst höflicher Empfang. Die Bildungsministerin holt uns persönlich in ihr Büro, dynamisch, freundlich und bestimmt. Wir berichten und diskutieren fast eine ganze Stunde lang über unseren Blog, die Situation an unserer Schule, werden gefragt, was wir von den anstehenden Reformen halten, merken, dass wir über die noch gar nicht soviel wissen, werden ermuntert, Neues auszuprobieren, wie Unterrichtsfächer auflösen, besonderes Augenmerk auf die Softskills unserer SchülerInnen zu legen. Die Zeit vergeht wie im Flug und eine Assistentin schaut bei der Tür herein und erinnert daran, dass die Zeit um ist. Nach der freundlichen Verabschiedung fragen wir uns, was wir jetzt eigentlich für unsere Schule, für das Gymnasium allgemein und für die Bildungsministerin tun konnten.

Ganz klar ist uns das immer noch nicht. Für uns war es natürlich eine tolle Sache. Aus erster Hand über den einen oder anderen Plan zu erfahren, über Maßnahmen, die Frau Hammerschmid als Rektorin der MedVet Uni umgesetzt hat, und selbst die eine oder andere Ansicht angebracht zu haben. Endlich auch einmal das Gefühl, dass da eine Ministerin ist, die sich wirklich für uns LehrerInnen interessiert und uns nicht einfach alles von oben herab ausrichten lässt. Das Ihr-Da-Oben-Wir-Da-Unten war einmal gar nicht mehr vorhanden.

Was bleibt? Motivation, Möglichkeiten, Ausblicke, wie es weitergehen könnte mit der Bildungsreform. Offen sein, mitdenken, ausprobieren – und nein, wir haben kein Selfie mit der Ministerin. (juhudo)

*****

Vergangenen Dienstag waren Doris und ich in Wien. Im Ministerium. Wir hatten nämlich einen Termin mit Bildungsministerin Sonja Hammerschmid. Wie es dazu kam? Ja, also, im Sommer hatten wir eine verwegene Idee: Wir wollten die Ministerin per Mail von der Existenz unseres Blogs informieren. Irgendwie kam uns vor, da steht jetzt schon so viel drin, da wird so viel aus Lehrerinnenperspektive draufgeschaut und nachgedacht, dass es die Ministerin vielleicht interessieren würde. Unglaublicherweise bekamen wir nicht nur eine freundliche Antwort auf unsere Mail, sondern gleich auch noch eine Einladung nach Wien. Nicht nur wir waren beeindruckt!

Letzte Woche war es nun so weit. Ordentlich gewandet setzten wir uns in den Zug und reisten in die Hauptstadt. Bundesministerium für Bildung. Minoritenplatz 5. Fast eine Stunde lang durften wir mit der Bildungsministerin und drei ihrer Mitarbeiterinnen plaudern. Über unseren Blog, über unsere Schule, über unsere Sicht der Dinge, über das, was Schule unserer Meinung nach ausmacht. Die Ministerin hörte zu, erzählte uns ihre Sicht der Dinge, diskutierte mit uns – offen, freundlich, interessiert und überhaupt nicht abgehoben.

Nach dem Gespräch waren wir trotzdem ein wenig unrund. Wir wussten nicht recht, was wir von der Begegnung halten sollten. Hätte sich die Ministerin etwas anderes – mehr – von uns und unserem Blog erwartet? Hätte das Gespräch ein Ergebnis zeitigen sollen? Oder hatten wir der Ministerin gar eine Stunde kostbare Zeit geklaut?

Mit dem Abstand von ein paar Tagen kommt mir vor, dass wir einfach ein bisschen zu überambitioniert waren. Wir meinten, die Gelegenheit unbedingt nützen zu müssen, schließlich wird man nicht alle Tage ins Ministerium eingeladen. Wir überlegten uns unsere Mission, unsere Botschaft. Wir wollten nicht bloß als Monika und Doris sprechen, nein, wir versuchten uns als Vertreterinnen der AHS-LehrerInnen und glaubten, in deren „Auftrag“ handeln zu müssen. Wir wollten nichts Geringeres, als an oberster Stelle zu deponieren, dass das Wichtigste in der Schule die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist und dass sich jedes System und jede Reform daran messen müssen, ob sie sich dieser Prämisse unterordnen oder nicht. Wir wollten darauf hinweisen, dass Reformen nicht per se gut sind, dass es in der Bildung mehr als um den Output um die Menschen gehen muss und dass, solange Schule jeden Tag stattfindet, es auch keinen „Bildungsstillstand“ in Österreich gibt.

Ja, das war alles ein wenig hochgegriffen und der Situation nicht ganz angemessen. Ob etwas von unserem Anliegen angekommen ist, ob wir unsere Botschaft überhaupt verständlich übermittelt haben, wissen wir nicht. In jedem Fall war es ein sehr nettes und schönes, auch ermutigendes Gespräch, eine freundliche Geste der Ministerin und eine außergewöhnliche Gelegenheit zum direkten Kontakt mit der obersten Repräsentantin unseres Dienstgebers. Und das sollte es wohl auch sein. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger! (nemo)

Not to do anymore

Geistig bastle ich ja schon seit einiger Zeit an einer Liste jener Dinge, die ich nicht mehr machen werde. Nun will ich zumindest zwei Punkte niederschreiben, damit ich sie nicht gleich wieder vergesse. „Nein“ sagen ist für mich nämlich echt eine schwierige Übung.

Also, was ich z. B. sicher nicht mehr machen werde, ist ein Fortbildungsseminar in der ersten Ferienwoche zu besuchen. Nicht, weil das Seminar, das ich von Montag bis heute besucht habe, so schlecht gewesen wäre (ganz im Gegenteil, es war hervorragend!), sondern weil ich nach einem Schuljahr echt dringend Erholung brauche und kein bisschen überschüssige Energie habe. Mag ja sein, dass es für andere passt, sich gleich nach Schulende fortzubilden, für mich tut es das nicht.

Dass das eben besuchte Seminar so gut und bereichernd gewesen ist, macht es natürlich nicht leichter, mich an mein Vorhaben künftig zu halten. Was hätte ich nicht alles versäumt, hätte ich in den letzten Tagen nicht so viel über Lernmethoden gelernt und nachgedacht! Trotzdem: Man kann nicht all die guten Dinge wahrnehmen, die einem angeboten werden. Und zu viel des Guten ist eben auch nicht mehr gut für einen selbst. Also: Hör auf dich, deinen Körper und deine Intuition und akzeptiere die Grenzen deiner Leistungs- und Belastungsfähigkeit! Das schreib ich mir hinter die Ohren.

Ah ja, und weil ich gerade dabei bin: Ich werde in den nächsten Wochen auch nicht mehr über die Schule schreiben. Mein Ziel ist es, einmal ganz aus der Schulwelt herauszutreten, damit ich im September wieder gestärkt, motiviert und energievoll eintauchen kann. Mal sehen, vielleicht gibt es andere Themen, die sich aufdrängen. Und wenn nicht, dann halt nicht. (nemo)

 

 

 

Schulschlussbonus

So eine letzte Schulwoche hat’s in sich. Wer glaubt, da würde nichts mehr stattfinden, der irrt gewaltig. Denn: Wir schließen ab, räumen auf, putzen, schmeißen weg, sprechen uns ab, organisieren und planen. Wir machen Ausflüge, übernachten in der Schule, blicken auf ein Schuljahr zurück, resümieren, geben einander gute Wünsche mit, lachen, weinen, feiern und beschenken einander. Wir begehen vielerlei Abschluss- und Abschiedsrituale.

So eine letzte Schulwoche ist gleichzeitig eine der schönsten, aber auch eine der anstrengendsten Wochen im Jahr. Und nur weil sie beides gleichzeitig ist, ist sie so schön (aber eben auch so anstrengend). Wer diesen Zusammenhang nicht versteht, versteht nichts von der Schule und auch nichts vom Lehrerberuf.

Wir LehrerInnen bekommen am Ende eines Schuljahres ehrlichen Dank von unseren Schülern und deren Eltern. Dieser Dank ist unser Bonus. Ich hab das irgendwann schon einmal in diesem Blog gesagt: Manager bekommen Boni in Form von Geld, wir bekommen Boni in Form von Dank. Nicht, dass ich mich nicht über Geld freuen könnte, aber ich zumindest möchte nicht mit den Managern tauschen.

Meine Klasse hat mich gestern mit einer Textesammlung überrascht. Während des Schuljahres haben wir immer wieder Freewritings durchgeführt. Manch einer hat bisweilen ein bisschen die Augen verdreht, wenn ich die Klasse wieder einmal gebeten habe, einen Stift sowie das Freewritingheft zur Hand zu nehmen und im „Freischreibmodus“ Lerninhalte, Phasen, Befindlichkeiten oder Ereignisse zu reflektieren. Viele haben es aber auch gerne gemacht und auch diejenigen, die sich ein bisschen dazu aufraffen mussten, haben schlussendlich immer Texte produziert, die genau richtig waren. Denn das ist ja das Schöne am Freewriting, man muss sich nur aufraffen und loslegen. Nach zehn Minuten kommt etwas dabei raus, das genau dem entspricht, was gefordert war: ein Text. Aus diesen Texten haben wir dann selbst ausgesuchte Passagen vorgelesen oder jeder hat seinen Text zu Hause überarbeiten müssen, oder wir haben die Texte in der Klasse aufgelegt und die anderen durften Kommentare dazuschreiben. Ich bin überzeugt, dass bei dieser Art des schriftlichen Nachdenkens viel passiert und dass es den Schülern gut tut.

Und gestern, am letzten Schultag, hat mich meine Klasse also mit einer eigenständig durchgeführten und selbst zusammengestellten Reflexion über das Schuljahr überrascht. Im Vorwort heißt es:

Mit diesem Heft wollen wir den Faden der Freewritings wieder aufnehmen und uns herzlich bei Ihnen für Ihr Engagement in diesem Schuljahr bedanken. Sie haben dieses Jahr mit Ihrer Motivation und Ihrer guten Laune bereichert und davon wollen wir Ihnen nun ein Stück zurückgeben. Auf den folgenden Seiten finden Sie unsere Eindrücke zum ersten Schuljahr in der Oberstufe – mit Ihnen. Also, viel Spaß beim Lesen und erholsame Ferien wünscht Ihnen Ihre 5ak.

Was genau die Schüler und Schülerinnen auf den folgenden Seiten geschrieben haben, das bleibt bei mir. Sie haben Ihre Texte nämlich mir ganz persönlich geschenkt. Aber das viele Lob, der Dank, die ehrlichen, berührenden und persönlichen Gedanken und die dahinter spürbare Zuneigung sowie die Wertschätzung, die mir meine Klasse entgegenbringt, machen mich zutiefst glücklich und zufrieden. Die Texte geben mir Kraft und Freude – und motivieren und beflügeln mich schon jetzt für das nächste Schuljahr.

Ich bin an diesem heutigen ersten Feriensamstag echt erschöpft und freue mich gleichzeitig schon wieder darauf, meine Schülerinnen und Schüler im September wieder zu sehen. Davor aber brauche ich Erholung und Ferien. Ich muss meine SchülerInnen über den Sommer ein Stück weit vergessen dürfen, damit ich danach wieder bereit sein kann, mich in das Abenteuer Schule und die Beziehungsarbeit mit ihnen zu stürzen. Was für einen wunderbaren Beruf ich doch habe! Schöne Ferien allerseits! (nemo)

 

 

 

Schuljahresfinale

Wie jedes Jahr keucht man um diese Zeit und sehnt die Ferien herbei. Es gibt so vieles, was es abzuschließen, fertig zu machen und daneben auch noch zu tun gibt. Dabei bin ich in diesem Jahr kaum mit der Matura befasst. Trotzdem geht es mit meiner Energie spürbar zu Ende. Wie kann das sein?

Eigentlich lehne ich diese Rede von den leeren Batterien und der Notwendigkeit des Akkuaufladens ja ab. Ich wehre mich nämlich dagegen, Menschen als Maschinen zu betrachten. Auch Metaphern, die eine diesbezügliche Ähnlichkeit nahelegen, gehören für mich dazu. Wir sollten unser Leben und unsere Arbeit meines Erachtens so einrichten können, dass wir ohne solche Bilder von duracellartig laufenden bzw. an Ladestationen angeschlossenen Menschen auskommen. Ein vor einigen Monaten in Der Zeit erschienener Artikel hat mir in dieser Hinsicht aus der Seele gesprochen.

Dennoch gelingt es auch mir nur unzureichend, ein Schuljahr anders zu organisieren, als dass am Ende das Selbstbild eines nassen Fetzens überbleibt (was ja wohl auch nicht besser ist als das der leeren Batterien). Gut, wir haben in Bälde mehrere Wochen Ferien, insofern ist unser Arbeitsrhythmus wohl so intendiert, dass am Ende eines Schuljahres dringend notwendige Erholung steht. Sonst könnte man die langen Sommerferien dem „normalen Arbeitnehmer“ gegenüber ja gar nicht rechtfertigen. Dennoch wünsche ich mir einmal ein Schuljahresfinale, das ohne das Gefühl der Erschöpfung auskommt.

Das diesjährige gehört leider nicht dazu. In den nächsten vier Wochen steht noch an:

  • Die Korrektur der letzten Schularbeit (allerdings: Dieser Tage ließ uns die OECD ausrichten, dass wir in Österreich eh zu kleine Klassen haben – 25 Deutschschularbeiten demzufolge nicht der Rede wert).
  • Die Präsentation des Kulturprojekts am 21. Juni im Literaturhaus und die dafür notwendigen, durchaus noch üppigen Organisations- und Vorbereitungsarbeiten, damit es (hoffentlich!) ein gelungener Abend werden kann. (Das Kulturprojekt selbst braucht mindestens einen eigenen Blogeintrag, heute nur einmal die Ankündigung der Veranstaltung im Programmheft des Literaturhauses).
  • Letzte Prüfungen und Lernzielkontrollen, um danach die Noten gerecht verteilen und eintragen zu können.
  • Die Sportwoche: vom 26. Juni bis zum 1. Juli bin ich mit meiner und den anderen fünften Klasse in Kärnten. Ich freu mich darauf – wissend, dass Sportwoche zwar ein bisschen wie Urlaub klingt, in Wirklichkeit aber wenig damit zu tun hat. Allerdings – und das macht einen gewaltigen Unterschied – bin ich nicht die Organisatorin und Leiterin der Veranstaltung, sondern nur eine Begleiterin. Insofern: Hut ab vor den Sportlehrern, die Sportwochen und Skikurse organisieren, leiten und die Verantwortung für solche Schulveranstaltungen tragen.
  • Happy Days und Übernachtung in der Schule. Das wünscht sich meine Klasse für den KV-Tag in der letzten Schulwoche. Tja.

Daneben gibt es natürlich auch noch den Schulalltag und vieles, was im Einzelnen zu wenig ergibt, um es extra aufzuzählen. Die Summe der vielen Kleinigkeiten trägt aber auch ihr Schäuflein zum Gesamterschöpfungszustand bei.

Und trotzdem: Erschöpfung hin oder her – ein Schuljahresfinale hat schon auch etwas Erhebendes. Es gilt, ein Schuljahr gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen, gemeinsam mit den KollegInnen und allen, die in der Schule tätig sind, abzuschließen, und das verleiht – das spüre ich sogar, während ich diese Zeilen schreibe – noch einen kleinen Extra-Energiekick, der einen über diese Wochen trägt. Die nachfolgenden Ferien sind jedenfalls hart verdient und bitter nötig, auch wenn es der gemeine Österreicher nicht glauben mag. Ah ja, und Doris sitzt im Übrigen gerade wieder einmal an der Finalisierung des Jahresberichts … (nemo)

 

 

 

Sprache ohne Kultur?

Letztes Jahr im Sommer habe ich dazu – eingedenk dessen, was ich kurz davor bei der ersten Matura im neuen Format in den Fremdsprachen miterlebt hatte – ausführliche Überlegungen angestellt. Nun ist der Artikel in den Romanischen Studien erschienen.

Darin betrachte ich die Auswirkungen der Kompetenzorientierung in den Fremdsprachen und stelle die Frage nach der Aufgabe von Fremdsprachen im Kontext einer humanistisch orientierten Allgemeinbildung. Etwas zugespitzt, vielleicht auch ein bisschen polemisch,  postuliere ich, dass eine ausschließliche Ausrichtung am Kompetenzparadigma, wie es gegenwärtig bei der Reifeprüfung in Österreich der Fall ist, bildende Inhalte verflacht oder sogar ausschließt, Sprache entkulturalisiert sowie entpolitisiert.

Wer mag, kann den gesamten Text hier online lesen. Über Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen.

Im Mai findet zu diesem Thema übrigens eine Tagung in Gießen (Deutschland) statt. Unter dem Titel Abschaffung der Literatur? soll eine Positionsbestimmung der Literaturwissenschaft „in schwierigen Zeiten“ versucht werden. Ich bin gespannt, ob dabei neue Erkenntnisse zu Tage treten. (nemo)

 

Sag mir, wo die Schüler sind

Nur 3 von 12 SchülerInnen waren heute in meinem Französisch-Unterricht. Die anderen waren im Kino. Schön für sie, aber leider nicht schön für mich. Nicht, dass ich etwas gegen eine ruhige Stunde im kleinen Kreis hätte, mein Problem ist, dass mir der Kreis allzu häufig gar zu klein ist. Andauernd gibt es einen Grund dafür, dass ein Teil meiner SchülerInnen nicht im Unterricht ist. Das hat damit zu tun, dass meine Französisch-Gruppen SchülerInnen aus drei verschiedenen Klassen umfassen. Früher, als es bei uns am WRG nur die Wahl zwischen Latein und Französisch gab, waren es meist SchülerInnen aus zwei Parallelklassen, die ich gemeinsam zu unterrichten hatte. Seit der Einführung des Unterrichtsfaches Spanisch kommen meine SchülerInnen aber nunmehr gleich aus drei verschiedenen Klassen (und zudem muss ich  noch froh sein, wenn sich überhaupt genügend für Französisch anmelden …).

Kino- oder Theaterbesuch, Praktikumspräsentation, Exkursion, Kulturreise, meeresbiologische Wochen usw. usf. Es gibt zahlreiche (gute) Gründe dafür, warum eine Klasse abwesend ist. Auch ich selbst unternehme gerne etwas mit meinen Klassen. Es gibt so vieles, was man mit den SchülerInnen machen möchte, wovon man denkt, dass sie profitieren würden, was sie ausprobieren und kennenlernen sollen. Allein – meine Französischstunden, wo gehen sie hin?

Ganz ehrlich, es stresst mich, wenn andauernd die halbe Klasse weg ist. Ich komme nicht weiter mit dem „Stoff“. Es bleiben ganz einfach zu wenige Stunden für konzentrierte Arbeit übrig. Und vier Jahre, in Wirklichkeit kaum mehr als 3,5 Jahre Fremdsprachenunterricht  (die 8. Klasse endet ja schon im April) sind ohnehin knapp bemessen. Schließlich sollen die SchülerInnen am Ende maturafähig sein, heißt: Französisch auf Sprachniveau B1 (laut dem gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen GERS) beherrschen, schriftlich und mündlich, produktiv (Schreiben und Sprechen) und rezeptiv (Hören und Lesen). Das ist nicht einfach zu erreichen. Und erst recht nicht, wenn man nicht zum Unterrichten kommt! Der gemeine (B)Österreicher denkt zwar wahrscheinlich, wir Lehrer seien eh froh, wenn wir nicht zum Unterrichten kommen, in Wirklichkeit aber übt diese Tatsache echten Druck aus. Denn: Ich fühle mich für den Lernfortschritt meiner Klassen verantwortlich, ich möchte, dass meine SchülerInnen etwas lernen, ich will, dass sie etwas können. Aber, hélas, ich komme nicht dazu, sie anständig zu unterrichten! Und ich bin nicht die Einzige, der’s so geht. (nemo)

Das war der Schüleraustausch, Teil 1

Ich gebe zu: Ganz sicher war ich mir im Vorhinein nicht, ob das mit dem Schüleraustausch wirklich sein müsste. Mehr als einmal hegte ich Zweifel, ob es tatsächlich so eine gute Idee sein würde, den Austausch, den eine engagierte, mittlerweile pensionierte Lehrerin vor vielen Jahren ins Leben gerufen hatte und der zwischenzeitlich etwas eingeschlafen war, zu reaktivieren. Dem Kollegen aus La Rochelle erging’s nicht anders, wie ich mittlerweile weiß. Auch er war nicht von Anfang an Feuer und Flamme. Aber wie das halt so ist, irgendwann sind die Planungen im Laufen und die ersten Buchungen durchgeführt. Dann muss man das Ding durchziehen. Und das ist gut so. Finden wir jetzt beide. Denn wir haben großartige Begegnungen erlebt und alle schlichtweg wunderschöne Tage miteinander verbracht. SAM_1376

Neun mehr oder weniger schüchterne und von der langen Reise erschöpfte Jugendliche aus dem Lycée Fénelon in La Rochelle und ebenso viele aufgeregte und nicht minder schüchterne Jugendliche aus dem WRG trafen letzten Mittwoch auf dem Salzburger Hauptbahnhof zusammen. Und garantiert mehr als einer von ihnen fragte sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls, was das eigentlich alles solle.

Aber die Jugendlichen haben sich einen Ruck gegeben, sie sind aufeinander zugegangen, haben sich kennengelernt, sie haben Zeit miteinander verbracht, ihren Alltag gemeinsam erlebt, sich ihr Leben, ihre Schule und ihre Stadt gezeigt. Die einen haben sich geöffnet und sind eingetaucht – in die fremde Stadt und die fremde Familie. Die anderen haben sich geöffnet und den unbekannten Schüler / die unbekannte Schülerin aufgenommen – bei sich zu Hause und in ihrem Alltag. Beide Seiten haben sich bemüht sich zu verständigen, einander zu verstehen. Ich bin beeindruckt, was für ein dickes Band in den wenigen Tagen entstanden ist, wie sich  echte Freundschaften gebildet haben.

Als sich neun Jugendliche aus La Rochelle gestern von ihren österreichischen Partnerschülern verabschiedeten, war spür- und sichtbar, was und wieviel ein Schüleraustausch innerhalb von nur wenigen Tagen leisten und bewirken kann. Es war nicht weniger als ein Lernen und Erfahren tatsächlich fürs Leben, das hier stattgefunden hatte und – das ist überhaupt das Beste 😉 – das nunmehr erst seinen Anfang genommen hat. Denn: Im April wird der Austausch fortgesetzt. La Rochelle, wir kommen!

Hier noch ein paar Stimmen aus La Rochelle im Original. Großes Kompliment an alle Gastfamilien:

J’ai bien aimé le programme et les temps libres avec les autrichiens étaient très sympas. Merci pour tout, pour votre accueil et votre gentillesse.

J’ai passé une excellente semaine à Salzburg. Le week-end s’est bien passé aussi, nous avons fait des activités très cool.

La ville est sublime. Les familles sont très accueillantes et c’est très important de passer un week-end en famille. J’arrivais à communiquer facilement et j’ai beaucoup appris. PS: C’était un peu court!!

J’ai été agréablement surprise par ce voyage, je ne pensais pas autant m’attacher à des gens. J’adore ma correspondante.

J’ai beaucoup apprécié mon voyage à Salzburg. Ma famille d’accueil était vraiment géniale. J’espère garder contact avec ma correspondante et peut-être un jour revenir à Salzburg.

J’ai aimé ma famille d’accueil car je n’ai pas eu l’impression d’être une étrangère dans la famille. L’école m’a aussi beaucoup plu. Je trouve Salzburg magnifique et je reviendrais avec plaisir. Merci pour tout, à bientôt!

Vous êtes adorables. Merci à vous! Et à bientôt! 🙂

(nemo)

 

 

 

Schüleraustausch: Bienvenue à Salzbourg

Am Mittwoch ist es soweit: Die Gastschüler aus La Rochelle kommen zu uns nach Salzburg. Endlich hat es wieder geklappt mit der Organisation des Schüleraustausches. Nun brauchen wir nur noch darauf zu hoffen, dass die Anreise gut klappt, dass alle mit ihrem „Tandem“ zufrieden sind, dass sich das Salzburger Wetter nicht allzu garstig benimmt (derzeit zwar kein Schnee, dafür prächtiges Herbstwetter – das wär‘ schon ok) und die Tage für alle Beteiligten zu einer bereichernden und schönen Erfahrung werden. Croisons les doigts!

Ein selbst organisierter Schüleraustausch mit gegenseitiger Unterbringung in den Familien ist eine feine Sache, sowohl menschlich als auch kulturell – und darüber hinaus auch finanziell. Wenn ich mir ansehe, was mancherorts für Sprachreisen zu berappen ist, ist unser Austausch dagegen fast geschenkt. Allerdings – umsonst gibt’s die Sache nicht. Der zeitliche Aufwand, die Planungen und die Organisationsleistung, die hinter so einem Projekt stehen, sind gewaltig, die Widrigkeiten vielfältiger als man meinen möchte. Ein bisschen davon will ich erzählen …

Zuallererst braucht man jemanden an der Partnerschule, der voll mitzieht. Ohne engagiertes Gegenüber an der anderen Schule tut sich nämlich gar nichts. Und da fangen die Schwierigkeiten schon an – denn ebenso wie hierzulande der Französischunterricht hat in Frankreich der Deutschunterricht mit kräftigem spanischem Gegenwind zu kämpfen. Dazu kommt, dass es für französische Schulen oft etabliertere und offiziellere Formen von Zusammenarbeit mit deutschen Schulen gibt und ein Sprachaufenthalt in Österreich aus französischer Sicht wohl auch nicht immer ganz der Vorstellung von sprachlicher pureté entspricht. 😉

Jedenfalls: Ein Kollege oder eine Kollegin, die mitzieht, ist Voraussetzung, damit überhaupt etwas in die Gänge kommt. Sodann aber beginnen die Widrigkeiten: Bereits die Terminfindung für die beiden Austauschwochen ist eine erste satte Herausforderung. Danach müssen die teilnehmenden Schüler und Schülerinnen aus den verschiedenen Klassen ermittelt werden. Auch das keine ganz leichte Übung, bis man die definitiven Anmeldungen mit Unterschrift der Eltern hat. Blöd nur, wenn die Anzahl der Anmeldungen nicht übereinstimmt, von Alter, Geschlecht und anderweitig eventuell Relevantem ganz zu schweigen. Hat man die Tandems zusammengestoppelt und es irgendwie doch geschafft (espérons!), die Wünsche und Vorlieben (eh nur die wirklich wichtigen!) aller zu berücksichtigen, muss man dafür sorgen, dass ein erster Kontakt per Mail hergestellt wird. Grundsätzlich eine sinnvolle sprachliche Übung für die Schüler, wieder aber ein viel gröberes Unterfangen als man sich das theoretisch so vorstellt. „Mein correspondant antwortet nicht!“, „Die Mail-Adresse gibt es nicht!“ etc. etc.

Mittlerweile, so hoffe ich, sind alle Kontakte hergestellt, sämtliche Eltern sehen der Verschickung ihrer Kinder beruhigt entgegen und die Schüler haben ihre schulischen und privaten Verpflichtungen soweit geklärt, dass einer erfolgreichen Abfahrt bzw. Ankunft nichts mehr im Wege steht. Immerhin dürfen die Franzosen überhaupt fahren – denn auch das war ja zwischenzeitlich ungewiss. Und dass ein paar Lehrerkollegen bei der Verschiebung ihrer Tests herumzicken und sich an unserer Schule diese Woche auch noch ein Masernfall als kleine Extraaufgabe dazugesellt haben, macht das Kraut auch nicht mehr entscheidend fetter als es ohnehin schon ist. Bekanntlich lassen sich Probleme lösen, darum kümmern muss sich halt jemand, in diesem Fall ich.

Wäre noch die Kleinigkeit der Programmerstellung, die natürlich auch ein bisschen Zeit und Mühe beanspruchte – zumal es galt, mit einem Minibudget ein solches auf die Beine zu stellen. Nunmehr ist alles unter Dach und Fach. Der eine oder andere Museumsbesuch wird mit Audioguides anstatt mit einer richtigen Führung absolviert werden und von den Theaterplätzen wird man trotzdem was sehen, auch wenn sie ganz hinten sind. (Wer Lust hat zu schauen, was wir vorhaben, klicke hier: Programm Schüleraustausch.)

Nach wochenlangen Vorbereitungen und Planungen, nach gut 50 hin- und hergeschickten Mails mit dem Kollegen in Frankreich und diversen Kultureinrichtungen in Salzburg, nach mehreren Elternbriefen und zig Gesprächen mit SchülerInnen, KollegInnen und dem Direktor geh ich jetzt einfach einmal davon aus, dass wir es mit lauter halbwegs flexiblen jungen Menschen mit halbwegs realistischen Ansprüchen und Vorstellungen auf beiden Seiten zu tun haben, ansonsten alles gut laufen wird und sich daneben vieles ergeben wird, was man eh nicht planen oder vorhersehen kann. Ich freu mich derweilen auf Mittwoch. Spannend wird’s auf jeden Fall. (nemo)