Schönheit und Schrecken der Schule. Ein ebenso metaphorischer wie ungeschminkter Bericht vom Schwimmen

Hier sitze ich nun an meinem wunderbaren Schreibtisch, den der geliebte Mensch vor ein paar Jahren extra für mich aus edlem Kirschholz gefertigt hat. Über zwei Wochen konnte ich nicht an diesem Tisch Platz nehmen und die Tatsache, dass ich es jetzt erstmals wieder kann, treibt mir fast die Tränen in die Augen.

Was ist passiert? Mitten unter der Matura, quasi auf hoher schulischer See, drohte ich plötzlich unterzugehen. Wenn mein Körper nicht „SOS“ gefunkt beziehungsweise die Notbremse gezogen und mich aus der schulischen See hinauskatapultiert hätte, wäre ich vielleicht, ich weiß es nicht, wirklich „ertrunken“. Zu Pfingsten musste ich operiert werden, seit einer Woche bin ich wieder zu Hause. Nunmehr geht alles ganz langsam. So langsam, wie ich es mir in meinem bisherigen Leben gar nicht für mich hätte vorstellen können. So langsam, wie mein Körper und ich es jetzt halt brauchen.

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Wie habe ich mich gefreut, Anfang März nach dem plötzlichen Tod des geliebten Menschen, als ich wieder in die Schule gehen konnte. Das Mitgefühl, die freundlichen Blicke, die tröstenden Worte, die Lebendigkeit und die Wärme taten mir so gut. Ich fühlte mich aufgehoben im Kreise meiner KollegInnen und SchülerInnen. Wie eine große Familie erlebte ich die Schulgemeinschaft, jeden Tag erfreute ich mich daran, dass ich Teil dieser Familie sein durfte, dass diese Familie Bestand hatte, dass in der Schule Normalität im besten und schönsten Sinne herrschte. Wir hatten unseren Platz dort, mein Schicksal und ich. Dafür bin ich bis heute und – wenn ich das so sagen darf – werde ich für immer dankbar sein.

Nach und nach veränderten sich die Dinge, zuerst unmerklich und dann immer merklicher. Als ich es so richtig gemerkt habe, da war es jedoch schon zu spät für mich. Da war ich sozusagen schon zu weit vom Ufer entfernt. Die vierstündige Schularbeit der achten Klasse, so etwas wie eine Probematura, war der erste Stein auf dem Weg ins Wasser gewesen. Die Arbeit war anstrengend, die Arbeit war fordernd, aber ich war froh und stolz, dass ich die Arbeit bewältigen konnte. Gleich anschließend ging es Schlag auf Schlag. Nicht nur die großen Steine wurden spitzer, auch die vielen kleinen. Aber ich schaffte den Weg. Auf einmal war ich im Wasser und konnte losschwimmen. Womit ich jedoch nicht gerechnet hatte – wohl wissend, dass es immer so gewesen war, jedes Jahr aufs Neue -, das war die Sogwirkung des Schulwassers. Ja, mit einem Mal, noch bevor ich wieder umdrehen und meine Schwimmübungen beenden konnte, riss es mich mit. Eben noch vorsichtig mich über die Steine hinwegtastend, prüfend, ob ich den steinigen Zugang und das doch noch recht kühle Wasser überhaupt schon aushalten würde, kam die Schule als riesige Welle daher und nahm mich mit. Ich hatte keine Möglichkeit mehr, „Stopp“ zu rufen, ich konnte nur mehr mitschwimmen. Aber siehe da, es klappte. Es fühlte sich nicht einmal schlecht an, das Gewässer war mir vertraut – und ja, schwimmen kann ich. Das habe ich gründlich gelernt und schon des Öfteren bis zur Erschöpfung praktiziert.

Matura mit meiner Klasse, VWA-Präsentationen, Korrektur der schriftlichen Deutsch-Matura, Vorbereitung der mündlichen Deutsch-Matura, Verantwortungsgefühl für 26 MaturantInnen, Abschluss mit und Abschiednehmen von meiner achten Klasse, Empathie und Verpflichtung auch den vielen anderen SchülerInnen gegenüber. Nicht weniger als der ganzen Schule fühlte ich mich moralisch verpflichtet. So wie früher halt. Besprechungen und Vorbereitungen fürs Schuljahresende, Planungen bereits für das nächste Schuljahr, Mitleiden mit den enttäuschten MaturantInnen, Mitfreuen mit den erfolgreichen und darüber hinaus noch Mitleben mit jenen SchülerInnen, die sich beispielsweise auf eine Klassenreise freuten. Letzte Schularbeiten, Notengebung, Abschluss und Präsentation der Jahresprojekte als Dreingabe. So viele Ideen, so viele Termine, so viele Kleinigkeiten, um die ich mich – wie immer – kümmerte. Und daneben noch der Versuch, Mama und Papa gleichzeitig für das eigene Kind zu sein. Denn wenn die Schule auch noch so anstrengend ist, ich noch so erschöpft bin, das eigene Kind darf nicht darunter leiden!

So schwamm und schwamm ich, immer verzweifelter, und merkte anfangs kaum, dann aber immer deutlicher, wie es mich nach unten zog, wie ich mich nur mehr mit größter Kraftanstrengung an der Oberfläche halten konnte. Wo war der Platz für meine Trauer? Wo war der Raum für meine Schwäche? Wo war die Zeit für Regeneration? Ja, wo war eigentlich ich?

Dass mich mein eigener Körper nun sozusagen vor dem Ertrinken gerettet hat, ist ein Glück, das ich vielleicht gar nicht verdient habe. Aber wer weiß denn schon, ob man sein Glück verdient hat oder nicht? Es ist ganz einfach ein Geschenk, eines der schönsten und größten, die ich jemals bekommen habe. Ein Geschenk, das ich gerne annehme, das ich ganz fest bei mir halten werde, das so kostbar wie mein Leben ist. Das Geschenk beinhaltet eine Chance – und diese Chance werde ich versuchen wahrzunehmen.

Schwimmen ist derzeit nicht. Aber im kühlen Schatten liegt es sich geradezu paradiesisch. Im Moment brauche ich nicht einmal den Blick aufs Wasser. Noch dazu, wo täglich Kolleginnen vorbeikommen, mir ein bisschen frische Luft zufächeln und mich mit kräftigenden „Cocktails“ versorgen. Obwohl ich auf unbestimmte Zeit nicht mitschwimmen kann, lassen sie mich nicht einfach links liegen, sondern umsorgen mich und passen darauf auf, dass ich nicht zu schnell wieder Gefahr laufe, von der riesigen Schulwelle mitgerissen zu werden. Denn auch wenn jetzt die Sommerferien vor der Tür stehen und die schulische See mehrere Wochen lang zur Ruhe kommen wird, ist die grundsätzliche Gefahr des erneuten Mitgerissenwerdens natürlich noch lange nicht gebannt. Ja, meine Kolleginnen, die schauen auf mich.

Schule ist wunderschön, Schule kann aber auch schrecklich sein. Meistens ist sie beides irgendwie gleichzeitig, und die Herausforderung besteht vielleicht darin, das schrecklich Schöne aushalten zu können, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

So, und jetzt lege ich mich wieder hin! 🙂

(nemo)

Als wir der Hilfe bedurften. Schule als Gesellschaftsutopie

Als wir der Hilfe unserer Mitmenschen bedurften, war sie da. So intensiv, mannigfaltig und wahrhaftig, wie ich mir das nie hätte vorstellen können. Familie, Freunde, Verwandte und Bekannte, Menschen von nah und fern, warfen – als bei uns nach dem Tod des geliebten Menschen ein großes IMG_5121Blackout drohte – ihr Notstromaggregat für uns an und sorgten dafür, dass das Licht nicht ausging und auch weiterhin nicht ausgehen wird. Hier im Schulblog will ich von jener Hilfe berichten, die uns von der Schulgemeinschaft zuteil wurde.

Dass ich in einer Schule mit einer stabilen, herzlichen und mich immer wieder beglückenden Schulgemeinschaft arbeite, weiß ich, seit ich in dieser Schule unterrichte. Was das über die Normalität hinaus in einer Krisensituation bedeutet, durfte ich kürzlich erfahren. Die Schulgemeinschaft wurde mir in diesen Tagen und Wochen zu nichts Geringerem als einem Lebensanker.

KollegInnen umarmten und trösteten mich, sie kamen bei mir zu Hause vorbei und brachten Essen für uns, Lasagne und Quiche, Suppe, Kuchen, Macarons und Schokolade. Auch vor der Tür warteten immer wieder kleine Aufmerksamkeiten auf uns, Honig und Nüsse, Blumen und Karten. Auf sämtlichen Kanälen, die uns zur Verfügung stehen, trafen Grüße, IMG_4994Botschaften und Nachrichten für uns ein. Die genau richtigen Gedichte und Bücher, die schönsten Blumen und Kerzen, tröstende Briefe und liebevolle Gedanken erreichten uns. Von allen Seiten wurde mir in der Schule Hilfe angeboten. Kolleginnen und Kollegen nahmen mir Arbeit ab, Sekretariat, Administration und Direktion halfen zusammen, um mir das Leben zu erleichtern.

Meine AchtklässlerInnen schenkten mir zwei Steine, einen für mich, einen für mein Kind. Jeder Einzelne von ihnen hatte die Steine in die Hand genommen und uns Kraft geschickt. Mit dem Handy und mit dem Stift drückten sie mir ihr Mitgefühl aus, ebenso wie die FünftklässlerInnen, die ich in Französisch unterrichte. Den DrittklässlerInnen fielen die Worte schwer, sie nähten mir ein Polsterherz, aus weinrotem Stoff, so schön wie nur möglich. Meine Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und sogar SchülerInnen, die ich gar nicht oder schon lange nicht mehr unterrichte, schrieben uns und dachten an uns. Immer noch sehe ich in so vielen Blicken, auf dem Gang oder beim Buffet, wie kleine und große Menschen mit mir mitfühlen.

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Ist meine Schule eine singuläre Ausnahme, die einzige Schule, an der so etwas möglich ist? Nein. Meine Schule ist großartig und für mich die schönste Schule, an der ich sein kann. Aber auch von KollegInnen aus benachbarten Schulen kam Hilfe. Und auch meine Tochter erlebt an ihrer Schule, einem anderen Salzburger Gymnasium, eine wunderbare Welle der Anteilnahme und der Unterstützung. Ihre Lehrerinnen und Lehrer ebenso wie die Direktorin, ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sowie deren Eltern bilden ein dichtes und stabiles Netz für sie. Meine Tochter wird in ihrer Schule, ebenso wie ich in der meinen, gehalten und getragen, vom ersten Augenblick an, bis heute und darüber hinaus.

Schule ist Leben, Schule ist ein Ort des Lernens und Miteinanderseins. Beziehung und Resonanz sind die Säulen, auf dem all das fußt. Kein Programm oder System, keine Noten und keine Qualitätsstandards, keine Norm und keine Bildungsdokumentation können irgendetwas von dem erzählen, worauf es im schulischen Zusammenleben von Menschen eigentlich ankommt. In unserer Ausnahmesituation hat sich das soziale Gefüge der Schule in seiner ganzen Kraft und Schönheit bewährt. Wir bedurften der Hilfe und die Hilfe war da.

Wie wäre es, wenn wir alle auch im Normalfall ein bisschen öfter auf das achten würden, was da ist, was im Miteinander der Schule funktioniert und klappt? Wie wäre es, wenn Herzensbildung als integraler und wesentlicher Bestandteil von schulischer Bildung betrachtet würde? Als menschlicher Auftrag, nicht weniger wichtig als jedes einzelne Fach mit seinen Inhalten und zu erwerbenden Kompetenzen? Eine Kollegin zum Beispiel, die in diesem Jahr zum ersten Mal Klassenvorständin ist, wird jedes Mal, wenn sie in ihrer Klasse unterrichtet, von einer ganzen Kinderschar abgeholt. Ihre Schüler warten schon in der Pause vor dem Konferenzzimmer auf sie und begleiten sie dann auf dem Weg in den Klassenraum. Erzählen solche Kleinigkeiten nicht eine andere Geschichte von Schule, eine vom Gelingen des Miteinanders? 

„Alles könnte anders sein“ heißt das neue Buch von Harald Welzer. In einem Interview, das im heutigen Standard erschienen ist (aber offenbar nur in der Printversion verfügbar ist), sagt der Soziologe: „Auf Probleme schaue ich in diesem Buch bewusst nicht. Ich versuche, andere Wege aufzuzeigen. Zum Beispiel wende ich mich der Beziehung der Menschen untereinander zu. Es ist das Paradox zu beobachten, dass wir einen permanenten Wohlstandszuwachs verzeichnen, aber die Menschen sich aggressiv verhalten, unter Ängsten leiden und gereizt sind. Wollen wir nicht eine freundliche Gesellschaft, in der man keine Angst hat und freundlich miteinander umgeht? Das ist eine konkrete Utopie, die auch zu verwirklichen ist.“

Sowohl in meiner Schule als auch in der Schule meiner Tochter und zweifellos in vielen anderen Schulen auch ist das, was Welzer „Gesellschaftsutopie“ nennt, bereits seit Langem Wirklichkeit.

(nemo)

Tag der offenen Tür 2018

Seit Wochen will ich endlich wieder einmal kritisch hinschauen und nachdenken über wahnwitzige Zustände im Schulbetrieb – die Sache mit den nicht vorhandenen Stunden für die Klassenvorstandstätigkeit zum Beispiel – aber ich komm‘ einfach nicht dazu. Das Problem ist, dass kritisches Hinschauen und Nachdenken viel mehr Zeit erfordert, als mir derzeit für so Spielereien wie das Schreiben von Blogeinträgen zur Verfügung steht. Die Zeiten sind dicht, wirklich dicht, vielleicht zu dicht. LehrerInnen, Eltern, SchülerInnen, alle klagen darüber – ein Gegenmittel scheint uns indes nicht einzufallen. Vieles, echt vieles, zu vieles vielleicht muss offenbar sein.

Während ich also eigentlich über die nicht vorhandene Zeit im Allgemeinen und die fehlende Zeit für meine Klasse im Besonderen schreiben will, schreibe ich über den gestrigen Tag der offenen Tür bei uns am WRG. Ein riesiger Event, bei dem die ganze Schule auf den Beinen war, damit auch in Zukunft möglichst viele SchülerInnen zu uns kommen mögen. Das Werben um Schüler, die zunehmende Konkurrenz zwischen den Schulen und die damit zusammenhängenden gesamtgesellschaftlichen Probleme im Hintergrund könnte man natürlich ebenfalls einmal kritisch hinterfragen, aber … ich wiederhole mich.

Stattdessen beschränke ich mich auf die schöne Seite des gestrigen Tags der offenen Tür: Viel war los, gewuselt hat’s den ganzen Vormittag lang. Zum Auftakt um acht hat gleich der Schulchor die Gäste begrüßt. Ein wie immer wunderbarer Moment, wenn die Kinder aus Leibeskräften singen und der Musiklehrer sich voll ins Zeug legt. An normales Unterrichten war natürlich nicht zu denken, aber das ist ja auch nicht der Sinn an so einem Tag. Die Schule will sich bestmöglich präsentieren, und das Schönste daran, finde ich, ist, dass unsere SchülerInnen sich so mit ihrer Schule identifizieren und ganz offensichtlich mit Engagement, Spaß und Freude dabei sind. Eine fünfte Klasse hat ein wunderbares Büffet betrieben, viele Siebt- und AchtklässlerInnen führten die Besucher charmant und schon ziemlich professionell in Kleingruppen durchs Haus, andere betreuten die Stationen im Turnsaal. Von geschäftstüchtigen Viertklässlern, die alles Mögliche, was sie im Werkunterricht gefertigt hatten, feilboten, habe ich ein knallrotes, wasserundurchlässiges Wandersitzkissen (!) erworben, die Schülerinnen aus meinem Wahlpflichtfach Deutsch haben mich, als ich ihnen auf dem Gang begegnet bin, gefragt, ob wir nicht beim nächsten Tag der offenen Tür eine kleine Lesung mit selbst verfassten Texten machen könnten (können wir!), und vieles von dem, was sich sonst noch in der Schule abgespielt hat (im Chemie- und Biologiesaal oder in der Bibliothek etwa), habe ich gar nichts mitgekriegt. Die Stimmung insgesamt war jedenfalls grandios.

Um zwölf Uhr war der Tag der offenen Tür 2018 dann wieder Geschichte und um 14 Uhr, als ich noch einmal in die Schule zurückgekehrt bin, um für die Lehrereinlage beim nahenden Schulball zu proben (apropos dicht!), war fast das ganze Haus schon wieder aufgeräumt und blitzblank. Eine engagierte und extrem liebenswürdige Kollegin und ein ebensolcher Kollege organisieren das ganze Spektakel; im Vordergrund, im Hintergrund, davor, währenddessen und danach aber sind alle, von den SchülerInnen über die LehrerInnen, vom Direktor über den Elternverein bis zu den Hausmeistern und den Reinigungsdamen dabei und tragen zum Gelingen des Tages und zu dieser besonderen Stimmung bei. Ganz ehrlich, ich bin voll stolz auf unsere Schule.

Nächstes Mal schreibe ich wieder was Kritisches. Versprochen – und falls mir trotz oder vielmehr wegen der fehlenden Zeit nicht etwas anderes dazwischenkommt. 😉

(nemo)

 

Der Tag danach

Noch einmal Fasching heute. Weil das gestern so eine tolle Sache war. Aber auch, weil meine Klasse um ein Haar nicht mitgemacht hätte. Und weil heute, am Tag danach, eine Schülerin aus eben dieser Klasse geschrieben hat: „Ich war gestern ziemlich stolz auf meine Klasse.“

Viele Schülerinnen und Schüler in meiner Klasse sind eher schüchtern und zurückhaltend. Sie stehen nicht gerne im Mittelpunkt und scheuen die große Bühne. Im Sportunterricht haben die Mädchen einen rhythmischen Besentanz eingeübt. Den wollten sie am Faschingsdienstag beim großen Schulprojekt (über das Doris ja schon geschrieben hat) aufführen. Die (wenigen) Jungs sollten entweder mittanzen oder den Rhythmus klopfen.

Aber niemand in der Klasse war davon wirklich begeistert. Noch vor wenigen Tagen war die Lust auf den Auftritt gleich null. Sie waren unsicher und hatten Angst, sich mit ihrem Tanz zu blamieren. Grottenlangweilig und urpeinlich kam ihnen die Sache vor, je näher der Faschingsdienstag rückte, desto schlimmer wurde es. Offenbar hatten am Montag viele sogar vor, am nächsten Tag nicht in die Schule zu kommen.

Schlussendlich waren bis auf zwei alle da. „Ehrlich gesagt wollte ich lieber daheim bleiben und hab mir dann aber gedacht, dass das den anderen gegenüber unfair ist“, hat ein Mädchen heute geschrieben. Viele kamen kostümiert, alle mehr oder weniger gut gelaunt. In der ersten Stunde wurde der Tanz noch einige Male geprobt. Und dann ging’s in die Turnhalle, wo der große Event stattfand. Meine Klasse musste lange warten, viele waren vor ihnen dran. Aber – und das war nach dieser Vorgeschichte nicht unbedingt zu erwarten – die Aufführung gelang. Möglicherweise war’s nicht genial, aber es war gut. Ziemlich gut sogar. Eigentlich auch originell. Keine andere Klasse präsentierte etwas Ähnliches. Und das Schönste: Die allermeisten hatten Spaß daran, fanden selbst, dass der Tanz gut gelungen ist und ihr Auftritt weder peinlich noch langweilig war. „Man konnte sehen, was wir als Klasse alles schaffen können“, „Ich bin zwar noch immer der Meinung, dass ich nicht dabei sein hätte müssen, aber ich hab’s für die Klasse getan“,  „Ich finde es schön, dass die ganze Schule zusammenkommt“ und auch „Ich genoss es sogar, auf der Bühne zu stehen“, durfte ich heute lesen. 🙂

Heute habe ich übrigens sämtliche Klassen, die ich unterrichte, nach ihrer Meinung zu unserem großen Faschingsprojekt gefragt. Die einen schriftlich, die anderen mündlich. Dabei hat sich gezeigt, dass fast alle  von dieser Veranstaltung angetan sind und den Wert für sie selbst, für ihre Klassengemeinschaft und für die Schulgemeinschaft erkennen. Sicher, es dauert lang (5 volle Stunden!) und die Bühnen- bzw. Zuschauersituation im Turnsaal ist wahrlich suboptimal. Aber wir haben nun einmal 32 Klassen und weder Aula noch Festsaal. Das lässt sich nicht ändern. Trotzdem, dass das Faschingsprojekt eine super Sache ist, das spüren alle. Das Wichtigste daran ist nicht, welche Klasse schlussendlich den besten Beitrag liefert und gewinnt (obwohl mitunter echt Meisterliches geboten wird und sich vielerlei Begabungen zeigen). Das Wichtigste ist, dass wir alle, Groß und Klein, SchülerInnen, LehrerInnen und der Direktor einen Tag gemeinsam verbringen, an dem viele Kategorien, die Schule normalerweise ausmachen, ausgehebelt sind, an dem wir uns alle gleichermaßen zum Affen machen und gemeinsam darüber lachen dürfen.

Vielleicht war es ja Zufall, dass die Stimmung heute, am Tag danach, in meiner Klasse so viel besser war als in der letzten Zeit. Schon lange war die Beteiligung am Unterricht nicht mehr so lebhaft und intensiv wie heute. Vielleicht aber auch nicht… (nemo)

PS: Auf unserer neuen Schulhomepage gibt’s übrigens schon jede Menge Fotos vom gestrigen Event.