Gestutzt… Wie Schule demontiert wird

Gestutzt…. Quelle: http://www.salzburg.com/Wizany

Kinder, die mit Feuereifer bei der Sache sind. Kinder, die mit Begeisterung lernen. Kinder, die freiwillig in die Schule gehen, selbst wenn sie nicht müssen. Ein Wunschtraum? Nein, das gibt es wirklich, wir erleben es Tag für Tag. Wie Schule funktionieren kann, wenn Kinder ohne Druck und ganz auf eigenen Wunsch im Schulchor singen, mehrmals wöchentlich trainieren,  um beim Mädchen-Fußballteam mitzuspielen,  oder alles daran setzen, um einen Platz in einem der Koch-, Biologie- oder Informatikkurse zu ergattern, erleben wir seit vielen Jahren. All das und noch viel mehr wird an unserer Schule zusätzlich zum normalen Unterricht angeboten – gratis und offen für alle. Die Freigegenstände sind so etwas wie das Salz in der Suppe und werden gerade von den UnterstufenschülerInnen geliebt und eifrig genutzt. Zumindest war es bisher so. Nun, so haben wir dieser Tage erfahren, soll (muss) all das gestrichen werden. Grund dafür sind angeblich Sparmaßnahmen. Alles, was nicht sein muss, wird weggekürzt. Zwar sind die SchülerInnen bereits (seit dem letzten Schuljahr) für die Kurse angemeldet und freuen sich darauf (ebenso wie die LehrerInnen im Übrigen), jetzt aber scheint kein Geld mehr für die dafür notwendigen Werteinheiten vorhanden zu sein. Oder sind diese Kürzungen Teil eines größeren politischen Plans? Man fördert die Neuen Mittelschulen und den ganztägigen verschränkten Unterricht. Alles, was nicht in diese beiden Förderschienen fällt, wird gestrichen. Soll auf diese Weise sowohl die Gesamtschule als auch die Ganztagsschule erzwungen werden? Wird hier Schulpolitik ganz unverfroren auf dem Rücken der Kinder ausgetragen?

Seit Jahren werden wir mit „Schulqualitätsprogrammen“ beschäftigt und dazu angehalten, uns selbst welche auszudenken. Das aber, was seit vielen Jahren gut funktioniert, von allen Schulpartnern geschätzt wird und neben allen anderen Vorteilen auch eine sinnvolle Nachmittagsbetreuung der Kinder leistet, wird abgedreht. Tatsache ist, dass das vielfältige Angebot an Freigegenständen an zahlreichen Gymnasien ein wesentlicher Bestandteil der guten Schulqualität und der hohen Zufriedenheit sowohl der Eltern als auch der Kinder mit dieser Schulform sind. Begeisterte LandesmeisterInnen im Fußball sowohl bei den Mädchen als auch bei den Burschen, Chorkinder, die beim Schulfest vor hunderten Gästen auftreten, waren bei uns am WRG ein Beweis für eine lebendige Schule und gelebte Schulgemeinsamkeit. In Zukunft scheint’s, wird man darauf verzichten müssen. Denn Bildung wie sie funktioniert und wie sie den Kindern gut tut, Förderung im ganzheitlichen Sinn, Kreativität, Bewegung und soziales Lernen, hat für die Politik offenbar keinen Wert. Lieber beschwört man in Sonntagsreden eine angebliche „Bildungsoffensive“ – und betreibt gleichzeitig das Gegenteil. (nemo, juhudo)

PS: Für uns am WRG sieht die Situation mittlerweile – den Artikel haben wir vor genau einer Woche verfasst – wieder etwas besser aus. „Falsch berechnete“ Stunden wurden uns zur Hälfte wieder zurückgegeben. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack. Und an vielen anderen Salzburger Gymnasien sind die Kürzungen, wie man heute (3.10.2015) in den Salzburger Nachrichten lesen konnte, nach wie vor dramatisch.  Siehe dazu den Artikel Gymnasien verlieren Stunden von Barbara Haimerl und Anton Kaindl und den Kommentar von Sylvia Wörgetter, der unsere Situation genau beschreibt: Frust statt Freude als Bildungsprinzip.