„Ich erwarte meine Suspendierung“

schreibt Christian Schacherreiter in den Oberösterreichischen Nachrichten und in seinem Blog und nimmt dabei auch auf den Fall des Badener Mathematiklehrers Bezug, über den (und das Problem der nicht zentralen Beurteilung) ich auch schon geschrieben habe.

Er macht es radikaler, weniger vorsichtig und bringt die Sache auf den Punkt:

Die oft propagierte Vorstellung, dass durch die „standardisierte und kompetenzorientierte Reifeprüfung“ österreichweit für alle Arbeiten die eine objektiv richtige Beurteilung garantiert werden kann, ist eine abgrundtief dumme Illusion.

Auch dazu habe ich mich hier schon ausgelassen.

Und irgendwie kommen wir benotungsmäßig auf einmal zu einem Paradigmenwechsel:

Bislang bestand das Problem meistens darin, dass Schüler oder auch die Schulaufsicht den Eindruck bekamen, eine Lehrkraft beurteile unangemessen streng. Das kommt natürlich vor, aber noch nie habe ich gehört, dass ein zu strenger Prüfer vom Dienst suspendiert worden wäre. (Schacherreiter)

Was bei uns (selten) bisher passiert ist: Wenn es zu einem Noteneinspruch (nur bei einem „Nicht genügend“ möglich) gekommen ist, wurde ihm von der Behörde beim geringsten Formalfehler stattgegeben (Das ist zum Beispiel, die SchülerInnen eine Minute über die vorgesehene Zeitgrenze an einer Schularbeit oder einem Test arbeiten zu lassen). Und auf einmal sind einige von uns zu milde, sie legen die überaus schwammigen Kompetenzbeschreibungen bei einer punktuellen Prüfung zugunsten der SchülerInnen aus, die sie über Jahre kennengelernt und mit denen sie sich in unzähligen Stunden während und abseits des Unterrichts zusammengerauft haben. Was für ein Skandal! Mir ist schon klar, dass es auch immer einige schwarze Schafe gegeben haben wird, aber das ist ja auch ein Job für die Schulaufsicht.

Christian Schacherreiter schreibt aus seiner Position als Maturavorsitzender. Dieser hat zu gewährleisten, dass alles gerecht und gesetzesgemäß  abläuft – und bisher hatte er (imho) auch die Aufgabe, die Leistungen verschiedener Schulen zu vergleichen. Nach jeder abgeschlossenen Matura bekamen wir LehrerInnen Feedback über die Leistungen unserer SchülerInnen, zu unserem Prüfungsverhalten und unserer Benotung. Die Vorsitzenden können das, weil sie ja immer an zumindest zwei Schulen pro Jahr die Prüfungen leiten. Das ist sehr viel Arbeit, sie geben Maturaarbeiten manchmal auch an FachkollegInnen ihrer eigenen Schule weiter. Es haben also auch schon immer Leute mitbewertet, die die SchülerInnen nicht persönlich kennen und selbst unterrichtet haben. Aber das reicht ja nicht. Es muss kontrolliert und überwacht werden, was eigentlich recht gut funktioniert hat. Aber die „Bildungsreform“ muss voranschreiten und wie viele Kinder dabei mit dem Bade ausgeschüttet werden – Kollateralschäden.

Das ironische Resumee Schacherreiters:

Wie gesagt, ich erwarte meine Suspendierung. Aber nicht nur ich. Wir alle sind Zartl.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen! (juhudo)