Weihnachten feiern in der Schule

Weihnachten lebt von Ritualen und das ist gut so. Bei uns an der Schule heißt das: Zuerst das alljährliche Fußballturnier, dann die Weihnachtsfeiern in der Kirche und in der Klasse (und anschließend das Zusammensitzen mit KollegInnen im Kaffeekammerl 🙂 ). Über das Fußballturnier gibt es auf der Schulhomepage bereits eine umfassende Berichterstattung: alle Ergebnisse, Fotos und einen ausführlichen Kommentar. Über die heurigen Weihnachtsfeiern will ich nachfolgend ein wenig erzählen:

Jedes Jahr organisiert das Team der ReligionslehrerInnen eine Weihnachtsfeier für die Unter- und eine für die Oberstufe. Dass die Veranstaltung eine ökumenische Feier sein soll, darüber herrscht Konsens, wie sie konkret ablaufen soll, darüber gibt es unter den Religionslehrern durchaus unterschiedliche Auffassungen. Trotzdem gelang es auch in diesem Jahr wieder, zwei wirklich schöne und besinnliche Feiern auszurichten, die, soweit ich gehört habe, bei den allermeisten SchülerInnen gut ankamen.

Bei der Unterstufenfeier war es offenbar mit der Geräuschkulisse während der Feier nicht ganz einfach, bei der Oberstufenfeier, wo ich mit meiner Klasse war, hielt sich das Getratsche absolut in Grenzen. Cool fand ich die zwei Achtklässlerinnen, die sich mit der Gitarre vor die über 200 MitschülerInnen hinstellten und wunderschön zweistimmig sangen. Beeindruckt haben mich auch die SchülerInnen, die ihre selbst geschriebenen gesellschafts- und konsumkritischen Texte und Fürbitten vorlasen. Und auf die zum Nachdenken anregende Predigt des evangelischen Pfarrers und Religionslehrers war auch in diesem Jahr Verlass. Insgesamt eine schöne, ruhige Stunde, die nach den vielen dichten und anstrengenden Wochen tatsächlich ein Innehalten bewirkte und ein Gefühl der Entspannung hervorrief.

Wirklich schade und für mich letztendlich auch unbefriedigend bleibt die Tatsache, dass unsere muslimischen SchülerInnen an der Weihnachtsfeier nicht teilnehmen. Ich würde mir eine Feier für die ganze Schule wünschen, die alle miteinschließt – aber natürlich, einer Weihnachtsfeier, so reduziert „gottesdienstmäßig“ sie auch sein mag, ist nun einmal die christliche Perspektive inhärent. Trotzdem, wie schön wäre es, wenn die muslimischen SchülerInnen – so wie viele konfessionslose und orthodoxe – mitfeiern und ihre Sichtweisen und Stimmen einbringen würden. (Im Gegenzug fände ich es übrigens genauso schön, wenn wir einmal zum Mitfeiern eines islamischen Festes eingeladen würden.)

Nach der Weihnachtsfeier in der Kirche haben wir mit unseren Klassen in der Schule gefeiert. Auch dieses Ritual gefällt mir. Meine Klasse kennt mich eh und weiß, dass ich zu solchen Anlässen gern ein wenig pathetisch werde. Unter einem schönen Sesselkreis und einer Runde, bei der jeder sagt, was er oder sie den anderen wünscht oder mitgeben will, tu ich’s nicht. Und ich selbst muss natürlich auch immer eine kleine Ansprache halten. 🙂

Außerdem suche ich jedes Jahr nach schönen Texten, die ich meinen SchülerInnen vorlesen kann. In diesem Jahr habe ich mich für zwei Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert entschieden: Nachts schlafen die Ratten doch und Die Küchenuhr – zwei meiner absoluten Lieblingstexte. Wir üben in Deutsch ja gerade die Interpretation narrativer Texte, Borchert-Kurzgeschichten gehören da zum Standardprogramm. Nicht sehr originell also, meine Auswahl, und trotzdem ist bei der Lektüre etwas passiert, was mit Hilfe guter Literatur möglich ist: ein kleiner magischer Moment, der sich einstellte, und der unsere diesjährige Klassenweihnachtsfeier zu einer besonderen machte.

Ich konnte es richtig hören, wie die SchülerInnen zunächst innerlich stöhnten, als ich mit meinen Texten daherkam. Zu Beginn gab es Getuschel und vielsagende Blicke, die herumgeschickt wurden. Die Aufmerksamkeit war, sagen wir, enden wollend. Nach und nach aber wurde es ruhig. Und als die SchülerInnen dann verstanden, wovon in diesen Geschichten die Rede ist, wurden sie richtiggehend ergriffen. Auf einmal war genau jene Resonanz da, die ich so oft in der Klasse vermisse. Die wunderbaren Texte haben uns alle gemeinsam berührt und plötzlich war Weihnachten im Klassenzimmer. Nur einen Moment lang, aber es war da.

(nemo)

 

Handball- und andere Turniere

tableHandballMehrere Klassen gleichzeitig im Turnsaal, lauter Jubel bei tollen Angriffen oder gar Toren, an den Tagen zuvor geprobte Schlachtrufe („1d Supergirls, hoi, hoi, hoi“ oder „Auf gehts, die Brennenden Bälle kämpfen und siegen“), mehr oder weniger kreative Teamnamen, Trubel den ganzen Tag lang. Im Vorfeld freudig erregte Kinder – besonders die der ersten Klassen -, die sich schon seit Tagen Aufstellungen und Spieltaktiken überlegen und ihre Gegner einzuschätzen versuchen. Wie die Großen halt.

Am Turniertag wurlt’s dann in der großen Turnhalle, die sonst nur gedrittelt zur Verfügung steht und alle sieben Minuten spielen zwei neue Mannschaften. Zuerst die Unterstufenmädchen und -buben, meistens geschlechtergetrennt, aber manchmal auch schon gemischt, weil Mädchentore doppelt zählen (Taktik, wie schon erwähnt ;-)), und da das Turnier jetzt schon seit ein paar Jahren abgehalten wird, kann auch jemand wie ich erkennen, dass das Niveau steigt. Alle kennen jetzt die Handballregeln und spielen um einiges besser. So ein Ereignis wirkt sich auf den Sportunterricht und die Motivation ganz schön aus. Das Gleiche lässt sich – was die Mädchen betrifft – auch vom ebenfalls jährlich stattfindenden Fußballturnier behaupten.

Anlässlich dieser Events kann man einiges beobachten, was den Klassen- oder auch Gruppenzusammenhalt betrifft. Die Mädchen, die sich sonst deutlich von den Burschen ihrer Klasse abgrenzen wollen, feuern diese lautstark an – und umgekehrt („Letztes Mal haben sie uns sooo gepusht, das machen wir jetzt auch!“). Gruppen, die aus zwei oder mehreren Klassenteilen bestehen, schreien für die, die im Alltag ihre „Gegner“ sind. LehrerInnen befinden sich im Interessenskonflikt ;-).

Was ich noch erwähnen möchte: Die Organisation und Durchführung dieses Turniers bedarf so zwischen Matura, Abschlussprüfungen und Schulschluss noch eines ziemlichen Kraftaufwandes. Es ist nicht selbstverständlich und der Kollege, der es übernommen hat, hat schon auch überlegt, ob er es wieder machen soll. Aber wenn er hört, wie die SchülerInnen es schätzen, kann er einfach nicht anders. Danke! (juhudo)