Das war der Schüleraustausch, Teil 1

Ich gebe zu: Ganz sicher war ich mir im Vorhinein nicht, ob das mit dem Schüleraustausch wirklich sein müsste. Mehr als einmal hegte ich Zweifel, ob es tatsächlich so eine gute Idee sein würde, den Austausch, den eine engagierte, mittlerweile pensionierte Lehrerin vor vielen Jahren ins Leben gerufen hatte und der zwischenzeitlich etwas eingeschlafen war, zu reaktivieren. Dem Kollegen aus La Rochelle erging’s nicht anders, wie ich mittlerweile weiß. Auch er war nicht von Anfang an Feuer und Flamme. Aber wie das halt so ist, irgendwann sind die Planungen im Laufen und die ersten Buchungen durchgeführt. Dann muss man das Ding durchziehen. Und das ist gut so. Finden wir jetzt beide. Denn wir haben großartige Begegnungen erlebt und alle schlichtweg wunderschöne Tage miteinander verbracht. SAM_1376

Neun mehr oder weniger schüchterne und von der langen Reise erschöpfte Jugendliche aus dem Lycée Fénelon in La Rochelle und ebenso viele aufgeregte und nicht minder schüchterne Jugendliche aus dem WRG trafen letzten Mittwoch auf dem Salzburger Hauptbahnhof zusammen. Und garantiert mehr als einer von ihnen fragte sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls, was das eigentlich alles solle.

Aber die Jugendlichen haben sich einen Ruck gegeben, sie sind aufeinander zugegangen, haben sich kennengelernt, sie haben Zeit miteinander verbracht, ihren Alltag gemeinsam erlebt, sich ihr Leben, ihre Schule und ihre Stadt gezeigt. Die einen haben sich geöffnet und sind eingetaucht – in die fremde Stadt und die fremde Familie. Die anderen haben sich geöffnet und den unbekannten Schüler / die unbekannte Schülerin aufgenommen – bei sich zu Hause und in ihrem Alltag. Beide Seiten haben sich bemüht sich zu verständigen, einander zu verstehen. Ich bin beeindruckt, was für ein dickes Band in den wenigen Tagen entstanden ist, wie sich  echte Freundschaften gebildet haben.

Als sich neun Jugendliche aus La Rochelle gestern von ihren österreichischen Partnerschülern verabschiedeten, war spür- und sichtbar, was und wieviel ein Schüleraustausch innerhalb von nur wenigen Tagen leisten und bewirken kann. Es war nicht weniger als ein Lernen und Erfahren tatsächlich fürs Leben, das hier stattgefunden hatte und – das ist überhaupt das Beste 😉 – das nunmehr erst seinen Anfang genommen hat. Denn: Im April wird der Austausch fortgesetzt. La Rochelle, wir kommen!

Hier noch ein paar Stimmen aus La Rochelle im Original. Großes Kompliment an alle Gastfamilien:

J’ai bien aimé le programme et les temps libres avec les autrichiens étaient très sympas. Merci pour tout, pour votre accueil et votre gentillesse.

J’ai passé une excellente semaine à Salzburg. Le week-end s’est bien passé aussi, nous avons fait des activités très cool.

La ville est sublime. Les familles sont très accueillantes et c’est très important de passer un week-end en famille. J’arrivais à communiquer facilement et j’ai beaucoup appris. PS: C’était un peu court!!

J’ai été agréablement surprise par ce voyage, je ne pensais pas autant m’attacher à des gens. J’adore ma correspondante.

J’ai beaucoup apprécié mon voyage à Salzburg. Ma famille d’accueil était vraiment géniale. J’espère garder contact avec ma correspondante et peut-être un jour revenir à Salzburg.

J’ai aimé ma famille d’accueil car je n’ai pas eu l’impression d’être une étrangère dans la famille. L’école m’a aussi beaucoup plu. Je trouve Salzburg magnifique et je reviendrais avec plaisir. Merci pour tout, à bientôt!

Vous êtes adorables. Merci à vous! Et à bientôt! 🙂

(nemo)

 

 

 

Schüleraustausch: Bienvenue à Salzbourg

Am Mittwoch ist es soweit: Die Gastschüler aus La Rochelle kommen zu uns nach Salzburg. Endlich hat es wieder geklappt mit der Organisation des Schüleraustausches. Nun brauchen wir nur noch darauf zu hoffen, dass die Anreise gut klappt, dass alle mit ihrem „Tandem“ zufrieden sind, dass sich das Salzburger Wetter nicht allzu garstig benimmt (derzeit zwar kein Schnee, dafür prächtiges Herbstwetter – das wär‘ schon ok) und die Tage für alle Beteiligten zu einer bereichernden und schönen Erfahrung werden. Croisons les doigts!

Ein selbst organisierter Schüleraustausch mit gegenseitiger Unterbringung in den Familien ist eine feine Sache, sowohl menschlich als auch kulturell – und darüber hinaus auch finanziell. Wenn ich mir ansehe, was mancherorts für Sprachreisen zu berappen ist, ist unser Austausch dagegen fast geschenkt. Allerdings – umsonst gibt’s die Sache nicht. Der zeitliche Aufwand, die Planungen und die Organisationsleistung, die hinter so einem Projekt stehen, sind gewaltig, die Widrigkeiten vielfältiger als man meinen möchte. Ein bisschen davon will ich erzählen …

Zuallererst braucht man jemanden an der Partnerschule, der voll mitzieht. Ohne engagiertes Gegenüber an der anderen Schule tut sich nämlich gar nichts. Und da fangen die Schwierigkeiten schon an – denn ebenso wie hierzulande der Französischunterricht hat in Frankreich der Deutschunterricht mit kräftigem spanischem Gegenwind zu kämpfen. Dazu kommt, dass es für französische Schulen oft etabliertere und offiziellere Formen von Zusammenarbeit mit deutschen Schulen gibt und ein Sprachaufenthalt in Österreich aus französischer Sicht wohl auch nicht immer ganz der Vorstellung von sprachlicher pureté entspricht. 😉

Jedenfalls: Ein Kollege oder eine Kollegin, die mitzieht, ist Voraussetzung, damit überhaupt etwas in die Gänge kommt. Sodann aber beginnen die Widrigkeiten: Bereits die Terminfindung für die beiden Austauschwochen ist eine erste satte Herausforderung. Danach müssen die teilnehmenden Schüler und Schülerinnen aus den verschiedenen Klassen ermittelt werden. Auch das keine ganz leichte Übung, bis man die definitiven Anmeldungen mit Unterschrift der Eltern hat. Blöd nur, wenn die Anzahl der Anmeldungen nicht übereinstimmt, von Alter, Geschlecht und anderweitig eventuell Relevantem ganz zu schweigen. Hat man die Tandems zusammengestoppelt und es irgendwie doch geschafft (espérons!), die Wünsche und Vorlieben (eh nur die wirklich wichtigen!) aller zu berücksichtigen, muss man dafür sorgen, dass ein erster Kontakt per Mail hergestellt wird. Grundsätzlich eine sinnvolle sprachliche Übung für die Schüler, wieder aber ein viel gröberes Unterfangen als man sich das theoretisch so vorstellt. „Mein correspondant antwortet nicht!“, „Die Mail-Adresse gibt es nicht!“ etc. etc.

Mittlerweile, so hoffe ich, sind alle Kontakte hergestellt, sämtliche Eltern sehen der Verschickung ihrer Kinder beruhigt entgegen und die Schüler haben ihre schulischen und privaten Verpflichtungen soweit geklärt, dass einer erfolgreichen Abfahrt bzw. Ankunft nichts mehr im Wege steht. Immerhin dürfen die Franzosen überhaupt fahren – denn auch das war ja zwischenzeitlich ungewiss. Und dass ein paar Lehrerkollegen bei der Verschiebung ihrer Tests herumzicken und sich an unserer Schule diese Woche auch noch ein Masernfall als kleine Extraaufgabe dazugesellt haben, macht das Kraut auch nicht mehr entscheidend fetter als es ohnehin schon ist. Bekanntlich lassen sich Probleme lösen, darum kümmern muss sich halt jemand, in diesem Fall ich.

Wäre noch die Kleinigkeit der Programmerstellung, die natürlich auch ein bisschen Zeit und Mühe beanspruchte – zumal es galt, mit einem Minibudget ein solches auf die Beine zu stellen. Nunmehr ist alles unter Dach und Fach. Der eine oder andere Museumsbesuch wird mit Audioguides anstatt mit einer richtigen Führung absolviert werden und von den Theaterplätzen wird man trotzdem was sehen, auch wenn sie ganz hinten sind. (Wer Lust hat zu schauen, was wir vorhaben, klicke hier: Programm Schüleraustausch.)

Nach wochenlangen Vorbereitungen und Planungen, nach gut 50 hin- und hergeschickten Mails mit dem Kollegen in Frankreich und diversen Kultureinrichtungen in Salzburg, nach mehreren Elternbriefen und zig Gesprächen mit SchülerInnen, KollegInnen und dem Direktor geh ich jetzt einfach einmal davon aus, dass wir es mit lauter halbwegs flexiblen jungen Menschen mit halbwegs realistischen Ansprüchen und Vorstellungen auf beiden Seiten zu tun haben, ansonsten alles gut laufen wird und sich daneben vieles ergeben wird, was man eh nicht planen oder vorhersehen kann. Ich freu mich derweilen auf Mittwoch. Spannend wird’s auf jeden Fall. (nemo)

Der VWA-Fahrplan: Anfang – Arbeit – Abgabe – und manchmal sogar eine Auszeichnung

Doris, in diesen Sphären auch als juhudo bekannt, finalisiert gerade den Jahresbericht unserer Schule. Auch einer der gröberen Kraftakte am Ende eines Schuljahres! Und ich verfasse für diesen Zweck noch ein paar Zusammenschauen, die ich – obwohl nicht unmittelbar für den Blog geschrieben – doch hier veröffentlichen will. Irgendwie erscheint es mir interessant, auch wenn in diesem Forum schon mehrfach über die vorwissenschaftliche Arbeit zu lesen war. Heute also ein Überblick über den VWA-Fahrplan am WRG Salzburg:

Im zweiten Semester der 6. Klasse geht’s los mit der unverbindlichen Übung zum wissenschaftlichen Arbeiten: Was heißt denn überhaupt „wissenschaftlich“? Wie komme ich zu einem machbaren Thema und was will ich mit meiner Arbeit herausfinden? Wie recherchiere ich Literatur und zitiere diese korrekt? Solche und ähnliche Fragen stehen am Anfang der VWA. Mögen sie manchem Schüler zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch ein wenig an einen Trockenschwimmkurs erinnern, erscheint es uns doch notwendig, zuerst ein paar Grundlagen zu vermitteln, bevor wir in der 7. Klasse so richtig durchstarten.

Unser „VWA Kick-off-Tag“ zu Beginn der 7. Klasse lässt dann keinem mehr eine Chance, den Kopf in den Sand zu stecken. Ab diesem Zeitpunkt wird das Thema VWA ein Anliegen aller. Wir haben uns für den Tag ein Konzept gebastelt, das uns selbst Spaß macht – und zumindest ein bisschen davon überträgt sich auf die meisten: Schulbeginn um 9 Uhr, Plenarvortrag mit allen Eckdaten zur VWA, Begegnungszone mit LehrervertreterInnen aller Fächer, Reflexionsphasen, Diskussionen in der Gruppe und am Nachmittag Führungen in verschiedenen Salzburger Universitätsbibliotheken. Am Ende dieses Tages haben wir alle gemeinsam ein bisschen Uni gespielt und die SchülerInnen zumindest eine Idee, worüber und bei wem sie schreiben werden.

Dem Kick-off-Tag folgen im Wintersemester mehrer kleinere bedarfsorientierte Workshops, die über die Gespräche mit den BetreuerInnen hinaus den SiebtklässlerInnen bei sämtlichen Fragen und Problemen helfen sollen: bei der Themenfestlegung, der Arbeit an der Fragestellung, der Formulierung eines Erwartungshorizonts, der Literaturrecherche, der elektronischen Datenverarbeitung und Ähnlichem. Nach dieser Phase (Halbjahr 7. Klasse) muss jeder und jede sein bzw. ihr VWA-Thema beschreiben, das Konzept einreichen und auf einer offiziellen Datenbank hochladen. In weiterer Folge muss das Thema vom jeweiligen Betreuer, dem Direktor und schließlich der Schulaufsicht genehmigt werden. Sodann ist der VWA-Zug so richtig angelaufen.

In den Sommerferien zwischen siebter und achter Klasse liegt es an jedem Einzelnen, seinen ganz persönlichen VWA-Waggon auf Schiene zu halten, denn die achte Klasse vergeht oft schneller, als einem lieb ist. Zur Unterstützung des Schreibprozesses haben wir im letzten Herbst erstmals einen Feedback-Workshop für die AchtklässlerInnen organisiert. Dafür musste jeder eine bereits geschriebene Seite aus der eigenen Arbeit mitbringen. In Kleingruppen wurden diese Texte gemeinsam mit einem/r FachlehrerIn diskutiert. Wir waren begeistert von der Tatsache, dass 98 % der SchülerInnen eine Seite mithatten, die allermeisten SchülerInnen wiederum waren von der Methode des Textfeedbacks angetan. Auf diese Weise halten wir uns gegenseitig bei Laune 😉 – und den Zug am Rollen, bis schließlich im Februar die fertige VWA abgegeben und wiederum auf besagte Datenbank hochgeladen werden muss.

Bis es soweit ist und das – mit allem Drum und Dran: Titelblatt, Inhaltsverzeichnis, Abbildungen, Literaturverzeichnis etc. – meist 30- bis 40-seitige Konvolut abgegeben werden kann, ist es ein langer und anstrengender Weg, der nicht zu unterschätzen ist. Das gilt sowohl für die SchülerInnen als auch für die jeweiligen BetreuerInnen. Denn auch für uns LehrerInnen war bzw. ist die VWA Neuland. Und sie wird jedenfalls auch weiterhin eine intensive und herausfordernde Form der individuellen Lernbegleitung bleiben. Es ist dies eine Form des Arbeitens, die sich für beide Seiten, für SchülerInnen und LehrerInnen, allerdings wirklich lohnen kann. Dann nämlich, wenn Schüler ihr Thema gefunden und so richtig angebissen haben, wenn man sie als LehrerIn begleiten, ja anspornen und den Entstehungsprozess unterstützen kann – und wenn man schließlich eine reife Leistung beurteilen und bei der Präsentation so richtig stolz sein darf.

Damit dies tatsächlich so passieren kann, bedarf es vielfacher Unterstützung: durch die Direktion, die Administration, das Sekretariat und das gesamte LehrerInnen-Kollegium. Nur im Team können Doris und ich als VWA-Zuständige (quasi Fahrdienstleiterinnen) einen sinnvollen VWA-Fahrplan umsetzen. Aber das Schöne an unserer Schule ist: Darauf ist Verlass! Ebenso wie auf unsere SchülerInnen im Übrigen. Stellvertretend für viele hervorragende Arbeiten sei die VWA von Nina Rinnerberger genannt: Fünf Arbeiten aus ganz Österreich, die sich einem literarischen Thema widmeten, wurden vom Magazin Buchkultur prämiert. Ninas Arbeit zum Thema „Lebensverweigerung bei Jugendlichen“, betreut von Andrea Haslauer, ist eine davon. Wir gratulieren! (nemo)

Die erste Zentralmatura. Fast schon ein Rückblick

In diesem Schuljahr hatten wir sie nun erstmals in allen Fächern und im vollen Umfang: die neue Reifeprüfung, gemeinhin „Zentralmatura“ genannt.¹ Alle AchtklässlerInnen mussten eine vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) verfassen und präsentieren; die Prüfungsunterlagen für den schriftlichen Teil kamen zentral (per Sicherheitstransport) aus Wien, und die Aufgaben für die mündlichen Prüfungen (die derzeit noch ausstehen) werden per Ziehung ermittelt. Das sind in etwa die Eckpunkte der nunmehr dreiteiligen Matura.

Für die diesjährigen MaturantInnen war die neue Matura in erster Linie aufregend, weil weitgehend unbekannt – und mit echt viel Stress verbunden. Gerade die Zeit im Februar, als es galt, die letzten (und mitunter entscheidenden) mehrstündigen Schularbeiten zu absolvieren und gleichzeitig die VWA abzuschließen und einzureichen, war für viele eine veritable Herausforderung. Für ein paar wurde die Belastung sogar zu groß, sie waren dem Burn-out nahe. Schlussendlich haben es dennoch fast alle geschafft, viele sogar bravourös, und wie so oft erscheint im Nachhinein alles nur halb so schlimm. Aber die Erschöpfungszustände hat es gegeben, und auch sie gehören zu einem Resümee der ersten Zentralmatura.

Unmittelbar nach den Osterferien ging es so richtig los mit dem Maturafeeling. Es standen die Präsentationen der VWAs an. Erst im Anschluss daran wurde für diesen Teil der Matura, die sogenannte erste Säule, eine Note vergeben. Jeder Schüler, jede Schülerin musste seine bzw. ihre Arbeit vor der vierköpfigen Prüfungskommission – bestehend aus dem Maturavorsitzenden, dem Direktor, dem jeweiligen Klassenvorstand und dem/der BetreuerIn der Arbeit – vorstellen. In 7 Minuten sollte die Quintessenz der meist 25 – 30-seitigen Arbeit präsentiert werden, weitere 7-8 Minuten standen für die darauf folgende Diskussion mit der Kommission zur Verfügung. Das war schon eine anspruchsvolle Sache, die die meisten unserer SchülerInnen wirklich mit Bravour erledigten.

Auch bei den schriftlichen Klausuren Anfang Mai schnitten unsere WRG-MaturantInnen alles in allem hervorragend ab. Nur 4 von 69 angetretenen KandidatInnen hatten in jeweils einem Fach ein Nicht genügend (2 davon sind mittlerweile durch eine Kompensationsprüfung ausgebessert und also bereits Geschichte). Das war schon eine reife Leistung der MaturantInnen und verdient Anerkennung – und ein bisschen davon gebührt auch den LehrerInnen, denen die gesamte Vorbereitung oblag. Deutsch, Mathematik, Englisch, Latein und Französisch waren die Fächer, die bei dieser ersten Zentralmatura an unserer Schule auf dem Plan standen.

Und nun fehlen noch, als dritte Säule der neuen Reifeprüfung, die mündlichen Prüfungen. Dabei zieht der Schüler zwei Themenbereiche, entscheidet sich für einen der beiden und bekommt sodann vom Lehrer eine entsprechende Aufgabe vorgelegt. Für jedes Fach und von jedem Lehrer mussten dafür umfangreiche „Themenpools“ – sozusagen Fragensammelbecken – angelegt werden, die nun darauf warten, befischt zu werden.

Ebenso wie die VWA bedeutet auch die mündliche Matura für die gesamte Schule eine wirkliche administrative Herausforderung. Die schriftliche Matura war insofern für die Schule entspannter. Da die Klausuren ja angeliefert wurden, blieb lediglich die Frage zu lösen: Wohin mit all dem Papier? Für die mündliche Matura aber gilt es genaue und ausgetüftelte Pläne zu erstellen, die einen reibungslosen und zügigen Ablauf garantieren. Nicht alles, aber vieles wird anders vonstattengehen, als dies in früheren Jahren der Fall war, und nicht alles von dem vielen, das sich ändert, scheint von den Erfindern der Zentralmatura in seinen Auswirkungen ganz durchdacht worden zu sein. So ist allein bei der Ziehung Vorsicht geboten, gibt es doch je nach Fach Themenpools mit angeordneten 6, mit 12, mit 15, mit 18 und mit 24 Themenbereichen. Nicht auszudenken, was passierte, zöge ein Maturant die Katze aus dem falschen Sack und diese existierte dann gar nicht …

Einiges von dem, was uns in diesem Jahr kollektiv Kopfschmerzen verursacht hat, wird uns bereits im nächsten Jahr nicht mehr als ein routiniertes Lächeln kosten. Aber in diesem Jahr war die neue Matura für die gesamte Schule jedenfalls ein ordentlicher Kraftakt. Viele Informationen und Durchführungsbestimmungen wurden uns vom Ministerium sprichwörtlich in letzter Sekunde übermittelt. Einiges, worauf wir LehrerInnen jahrelang im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen vorbereitet wurden, kam schlussendlich doch anders als gedacht. An so mancher inhaltlichen Neuerung mussten wir lange kauen, bis sie hinuntergehen wollte. Und dass zweifellos das eine oder andere davon in den nächsten Jahren wieder angepasst, weiter reformiert, verändert oder gar abgeschafft wird, ist demzufolge auch kein Trost.

Aber wir werden, wie wir es gewöhnt sind und wie wir es immer wieder erfolgreich praktizieren, das Kind auch weiterhin schaukeln. Gemeinsam mit den FachkollegInnen, dem gesamten LehrerInnenteam, dem Sekretariat, der Direktion, der Administration – und nicht zuletzt gemeinsam mit unseren SchülerInnen kriegen wir schließlich so manches hin. Bei all dem in diesem Jahr so laut dröhnenden Maturageschrei darf nämlich auch nicht vergessen werden, dass daneben noch ein ganz normaler Schulbetrieb stattfindet, dessen Jahresabschluss auch – so wie jedes Jahr – einiges an geballter gemeinschaftlicher Kraft erfordert. Insgesamt 29 Klassen an unserer Schule maturieren schließlich nicht.

Mit den dreien aber, die in diesem Schuljahr ihre Reifeprüfung ableg(t)en, werden wir bei der Maturafeier Anfang Juli kräftig anstoßen: auf die erfolgreiche erste Zentralmatura, sicher. Aber auch darauf, dass sie vorbei ist. Und vor allem auf uns alle gemeinsam, die wir damit doch ziemlich zu tun hatten. Danach sind erst einmal Ferien. (nemo)

¹ Den Text habe ich für den in Kürze erscheinenden Jahresbericht unserer Schule verfasst. Über den Jahresbericht und seine Inhalte wird demnächst auch hier im Blog etwas zu lesen sein.

FM4: Was ich noch sagen wollte …

Eine Radiosendung auf FM4 – live aus unserer Schule! So geschehen am Dienstag dieser Woche. Die Sendung „Auf Laut“ wurde in unserem Beisein aus dem „Zentralbuffet“ (was für ein Wort!) des WRGs gesendet. Grund dafür war, dass der Moderator Ali Cem Deniz vor einigen Jahren bei uns maturiert hatte. Eine schöne Geste, finde ich, dass er auf die Idee kam, für die Sendung an seine ehemalige Schule zurückzukehren.

„Was bringt die Zentralmatura?“, lautete die inhaltliche Ausrichtung der Sendung. Eine Maturantin und ein Maturant aus dem WRG und ich als Vertreterin der Lehrerschaft waren auf dem Podium. Im Publikum saßen SchülerInnen von uns – mehr als die Hälfte aus meiner Klasse! 🙂 – Kolleginnen und unser Direktor. Ein bissl aufregend war’s zuerst schon, dann aber ging’s eigentlich ganz gut. Wobei: Viel Zeit bleibt einem nicht zur Verfertigung der Gedanken beim Reden in ein Mikro. Vor allem aber störte (mich) die Musik. Kaum hatte man ein Thema angerissen, wurde schon wieder das nächste Musikstück angekündigt. Und danach gab’s wieder eine neue Frage. Eine richtige Diskussion kann so natürlich nicht zustande kommen. Dafür ist so eine Sendung aber wahrscheinlich einfach auch nicht das richtige Format. Immerhin haben wir – hoffe ich – ein bisschen etwas davon vermitteln können, worum es, Zentralmatura hin, Zentralmatura her, in der Schule eigentlich geht: nämlich um ein gemeinsames Arbeiten und Lernen von SchülerInnen und LehrerInnen.

Ah ja, was ich noch sagen wollte: Insofern wird auch die Zentralmatura funktionieren. Nicht, weil das Modell der Neuen Reifeprüfung so grandios ist, nicht, weil die Aufgabenformate so ausgeklügelt und vergleichbar sind, nicht, weil die BildungsexpertInnen so versiert sind, nein, weil wir LehrerInnen es gemeinsam mit unseren SchülerInnen schaffen werden, die Herausforderungen zu meistern, weil wir uns (bis zur Selbstausbeutung) ins Zeug legen, weil wir LehrerInnen uns selbst von un- und blödsinnigen Vorgaben, Formaten und Inhalten nicht drausbringen lassen und stattdessen im Sinne unserer SchülerInnen handeln und dies weiterhin tun werden. Deshalb wird auch die Neue Reifeprüfung funktionieren. Wollt‘ ich noch gesagt haben. (nemo)

PS: Wer Lust hat, bis nächsten Dienstag kann man die Sendung nachhören. Einfach auf den Link klicken (Auf Laut, 21.4.2015).